Welche Möglichkeiten haben abgelehnte Grüne Vorwähler?
Leider gibt es immer noch keine Zahlen darüber, wie viele UnterstützerInnen der Grünen Vorwahlen nun abgelehnt oder einem Nasenlöchercheck per Email unterzogen wurden und wie viele bereits angenommen wurden. Beim bisherigen Tempo des Landesvorstands kann man ungefähr damit rechnen, dass Robert Korbei seine Versicherung dazu Zahlen zu präsentieren so ungefähr im November einlösen wird. Bis dahin gilt die Aussage vom ehemaligen Landessprecher Lukas Wurz gegenüber derstandard.at, dass sich Aufnahmen und Ablehnungen ungefähr die Waage halten werden. Welche Möglichkeiten haben nun abgelehnte VorwählerInnen?
1. Drauf pfeiffen
Eine verständliche Reaktion. Immerhin kann man davon ausgehen, dass man für die Wiener Grünen nicht gut genug ist und lediglich als Staffage auf einem VorwählerInnen-Kongress teilnehmen darf, der die Möglichkeiten einer Vorwahl für die Gemeinderatswahl 2015 behandelt, was in Anbetracht dessen, dass 2010 noch eine Gemeinderatswahl dazwischen ist, doch ziemlich zynisch anmutet. Die Grünen werden ohnehin damit leben müssen, dass genau jene, die sich für diesen Weg entscheiden, auch maßgeblich zu einer sehr wahrscheinlichen Wahlniederlage 2010 beitragen werden. Zuzuschreiben hätte sich das dann der ehemalige Landesvorstand und allen voran der Landesgeschäftsführer.
2. Nochmal einen Antrag auf UnterstützerInnen-Status stellen
Nichts hindert daran, einen Antrag nochmal zu stellen. Noch dazu wurde gestern ein neuer Landesvorstand gewählt und ich bin überzeugt, dass es dem neuen Landesvorstand ein großes Anliegen ist, den Kreis der SympathisantInnen zu erweitern und die Wiener Grünen basisdemokratisch zu stärken. Laut Statut muss man 4 Monate vor einer Landesversammlung aufgenommen werden, um dort auch stimmberechtigt zu sein. Das heißi es wäre also noch bis 15. Juli Zeit. Abgelehnte VorwählerInnen, die diese Variante in Erwägung ziehen, sollten Ihren Antrag diesmal auf dem offiziellen Vordruck erstellen, alles schön leserlich, in einer möglichst unverwechselbaren Schrift geschrieben, ordnungsgemäß ausgefüllt und am besten eingeschrieben direkt an die Grünen schicken. Ganz Fleißige könnten noch ein persönliches Motivationsschreiben und Lebenslauf anfügen, wie es sich bei einer ordentlichen Bewerbung eben so gehört. Von der Argumentationslinie würde sich der neues Landesvorstand sehr schwer tun, solche Anträge abzulehnen. Es besteht allerdings die große Gefahr, dass diese bis nach dem 15. Juli verzögert werden, deswegen empfehle ich diese Variante nur für Personen, die ganz sicher nicht Mitglied werden möchten.
3. Anrufung des Friedensgerichts
Wie in jedem Verein gibt es auch bei den Grünen ein Schiedsgericht. Dem unterliegen laut Statut die Entscheidung über Streitigkeiten zwischen Mitgliedern und UnterstützerInnen und Gremien. Als abgelehnte Unterstützerin oder Unterstützer hat man also prinzipiell kein Recht, das Friedensgericht anzurufen, aber das können andere Mitglieder oder bereits angenommene VorwählerInnen für Dich tun. Da ich die internen Gepflogenheiten der Grünen nur wenig kenne, weiß ich nicht wie sinnvoll so ein Weg wäre. Robert Korbei behauptet ja, dass das Friedensgericht solche Entscheidungen gar nicht aufheben kann. Ich bin kein Jurist, aber darüber habe ich jedenfalls nichts im Statut der Wiener Grünen gelesen. Die Anrufung des Friedensgerichts ist aber jedenfalls eine sehr komplizierte und langwierige Sache, die vielleicht nur etwas für lästige Zecken wie mich ist. Diesbezüglich werde ich jedenfalls noch weiter recherchieren und meine Erkenntnisse darüber hier veröffentlichen. Auch wenn man sich für Möglichkeit 2 oder 4 entscheidet, ist es jedenfalls trotzdem möglich, parallel das Friedensgericht anzurufen.
4. Mitglied werden
Die Klubobfrau der Wiener Grünen Maria Vassilakou hat den wahrscheinlich einfachsten Weg in einem sehr guten Interview mit ichmachpolitik.at aufgezeigt. Darin bat sie alle Abgelehnten doch Mitglied der Wiener Grünen zu werden. Potenzielle Mitglieder unterliegen anscheinend einem anderem Initiationsritus als UnterstützerInnen und werden meines Wissens zu einem persönlichen Gespräch in den Landesvorstand eingeladen. Keine Ahnung wie dieses Gespräch dort abläuft, ob als Prüfung über die Inhalte der reinen grünen Lehre oder als Gesinnungscheck oder reines Informationsgespräch über die Möglichkeiten für neue Mitglieder. Neue Mitglieder haben übrigens noch Zeit bis 15. September. Bis dahin müsste eine Aufnahme durch den Landesvorstand erfolgt sein, um auf der Landesversammlung am 15. November stimmberechtigt zu sein.
Das alles steht unter dem Vorbehalt, dass der Landesvorstand der Wiener Grünen natürlich jederzeit die Spielregeln ändern könnte, wie es ja schon bei den bisherigen Anträgen geschehen ist. Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, ob man die Wiener Grünen aufgeben möchte oder nicht. Meiner Meinung nach ist es zum Aufgeben noch etwas zu früh.

Helge
22.06.09 , 13:06
Schließe mich v.a. dem letzten Satz an: Zum Aufgeben der Wiener Grünen ist es zu früh.
max
22.06.09 , 13:06
Dem kann ich nur 100% zustimmen.
Dan
22.06.09 , 13:06
Es würde mich interessieren, ob schon einer der abgelehnten Unterstützer einen Mitgliedsantrag gestellt hat.
michel reimon
22.06.09 , 13:06
ad 4.) als ich mitglied wurde habe ich bei einer grünen veranstaltung ein formular ausgefüllt. kein gespräch, keine rückfrage, kein initiationsritus, kein nix.
k.
22.06.09 , 13:06
Ich bin selber bei den Grünen auf Gemeinderatsebene aktiv (und zwar im Westen Österreichs) und hab dort – ohne Parteimitglied zu sein (ich steh nur auf einer Gemeinderatsliste) – das aktive Wahlrecht.
Für mich werden die Grünen als Gesamtes durch diese Wiener Aktion immer unsympathischer. Ich versteh einfach nicht wie dummm (vollkommen verblödet) man sein muss, um engagierte Leute so mies zu behandeln. Darüberhinaus find ichs arg, was für ein Bonzen- und Funktionärsverein da in Wien offensichtlich regiert.
So genug dem Ärger Luft gemacht: Ich finds trotzdem beeindruckend, dass ihr euch nicht abweisen lässt. Nach so einer miesen Behandlung würde ich wohl Option 1 wählen.
Michael
22.06.09 , 14:06
ich habe heute nochmals nachgehackt, was mit meinem ca. 4 wochen alten antrag ist, von dem ich noch keine infos habe. ich weiß nicht, wie lange ich noch warten soll? ist das boot schon voll?? zum drauf pfeiffen ist es mir noch ein bisserl zu früh
Helge
22.06.09 , 14:06
@Michael: Etwa die Hälfte der Anträge ist noch unbearbeitet. So lange du vor dem 15. Juli aufgenommen wirst, ist alles gut.
Michael H.
22.06.09 , 15:06
Find ich auch sehr gut, dass ihr nicht aufgebt! Macht bitte weiter, unbedingt!
Stefan
22.06.09 , 15:06
@Punkt 2: meines Wissens tagt der Vorstand nur mehr heute & kommenden Montag, und geht dann in die Sommerpause. Um noch eine Chance auf eine rechtzeitige Behandlung zu bekommen, sollte man also schon letzte Woche einen neuen Antrag abgeschickt haben. Vielleicht reicht es ja auch noch diese Woche, aber danach ist es bestimmt zu spät.
max
22.06.09 , 15:06
Da fällt mir ein Zitat aus diesem (wirklich lesenswerten) Buch ein:
Deswegen gebe ich nicht auf und ich denke Gerald auch nicht.
Helge
22.06.09 , 16:06
@max: Ui, ich weiß zwar noch nicht wie, aber ich wette die Paranaoia-Generation wird das Zitat wieder vielsagend auslegen.
max
22.06.09 , 16:06
@helge dann sollen sie das buch lesen!
Helge
22.06.09 , 18:06
@max: Sie werden sich hüten – das könnte ja die schöne Verschwörungstheorie zusammenhauen..
Tom Schaffer
22.06.09 , 19:06
Aufgeben hielte ich für einen Fehler. http://zurpolitik.com/2009/06/22/grune-vorwahlen-was-jetzt-kommt/
AB
26.06.09 , 19:06
…Potenzielle Mitglieder unterliegen anscheinend einem anderem Initiationsritus als UnterstützerInnen und werden meines Wissens zu einem persönlichen Gespräch in den Landesvorstand eingeladen…
Das stimmt so nicht, normalerweise werden Leute, die einen Mitgliedsantrag gestellt haben, ohne persönliches Gespräch aufgenommen. So kann ich das auch aus eigener Erfahrung berichten. Also am besten einen Mitgliedsantrag stellen, wenn man sich bei den Grünen wirklich einbringen will und nicht nur irgendwelche Listen wählen.
MfG