Schuld ist Hans Niessl

von Gerald Bäck am 30.05.10

Die Burgenlandwahl hat wieder lauter Sieger. Die FPÖ sowieso, die SPÖ weil sie nicht so viel verloren hat und die ÖVP weil sie die Mandate halten konnte. Nur die Grünen haben die Wahl verloren. Aber zum Glück sind die Grünen an ihrer Niederlage nicht schuld, denn Schuld ist so Eva Glawischnig in der ZIB1 Hans Niessl, der habe nämlich nicht sachlich diskutieren wollen und einen Angstwahlkampf geführt. Fast ist man verleitet der armen Eva ein dreifaches Armer Schwarzer Kater zuzurufen, weil Herr Niessl sooo gemein war.

Zugegeben, der Wahlkampf der burgenländischen SPÖ war in etwa so grauslich wie es Bürgermeister Häupl für die Wiener Landtagswahlen befürchtet. Zum Glück hat die Taktik aber trotzdem nicht so gut funktioniert, wie ich das erwartet hätte. Die Leute gehen eben zum Schmied und nicht zum Schmiedl, wenn sie schon unbedingt fremdenfeindlich wählen wollen. Hans Niessl hat also gratis und taxfrei das Feld der FPÖ bestellt.

Das größte Mitarbeitsplus von der FPÖ haben sich aber schon lange die Grünen verdient. Die widmen sich nämlich schon eine gefühlte Ewigkeit nur noch ausschließlich der FPÖ und Martin Graf. Die eindeutige und uneingeschränkte Gegnerschaft zur FPÖ als einzige Partei ehrt die Grünen natürlich und ist eine wichtige Eigenschaft der Grünen. Allerdings reicht die Ablehnung einer Partei allein nicht aus, um gewählt zu werden. Themen gäbe es genug. Denn neben dem Klimawandel, verschiedenen Umweltkatastrophen wäre da noch eine klitzekleine Wirtschafts- und Finanzkrise, wo die Grünen aller Logik nach genau die Partei mit den richtigen Antworten sein müssten. Aber es ist natürlich einfacher gegen den WKR Ball zu demonstrieren, die Aula zu lesen und sich darüber echauffieren und sehnsüchtig auf Grund eigener Fantasielosigkeit an den Lippen Martin Grafs zu hängen. Ganz recht macht Martin Graf übrigens über die Akribie lustig, mit der ihn die Grünen verfolgen. Und leider begreift dort niemand, dass diese Figur, wie die meisten freiheitlichen auch, so viel Aufmerksamkeit einfach nicht wert ist.

Fazit bleibt, eine Partei, die nur Feindbilder pflegt und keine Inhalte anbietet ist unwählbar. Bei den Grünen ist allerdings Hans Niessl schuld, er wirds wahrscheinlich verkraften.

Blogparade: Wahljahr 2010

von Gerald Bäck am 14.01.10

Kollege Thomas Knapp vom feuerhaken - eines meiner Lieblingsblogs - hat eine Blogparade zu den Wahlgängen 2010 ausgerufen. Martin Blumenau schrieb einmal ganz treffend, dass Bloggen immer heißt sich angreifbar zu machen und genau das möchte ich mit der Veröffentlichung meiner Prognosen zu den Wahlgängen 2010 tun. Denn eines muss ich meinen Prognosen vorausschicken: Ich lag noch nie richtig und ich wähle immer die Verlierer. Was ich wählen werde, weiß ich teilweise noch nicht, aber ich gehe gerne das Risiko ein, dass meine falschen Prognosen ewig im Netz vorhanden sein werden und meinen zukünftigen Irrtum entlarven!-)

Zu den anstehenden Gemeinderatswahlen in Vorarlberg, Tirol und Niederösterreich kann und will ich nichts sagen. Die Gemeinden dieser Bundesländer sind einfach zu weit weg von meiner Wahrnehmung.

Bundespräsident

Heinz Fischer wird nach einem langweiligen Wahlkampf einen langweiligen Sieg im ersten Wahlgang erringen. Diverse abstruse Organisationen und Personen können den Mangel eines seriösen Gegenkandidaten für sich nützen und analog zu Richard Lugner gegen Thomas Klestil einen Achtungserfolg erzielen. Die Wahlbeteiligung wird niedrig sein und Fischer wird demütig seinen Wählerinnen und Wählern danken.

Burgenland

Hans Niessl wird für seinen ausländerfeindlichen Kurs bestraft, aber leider wird davon vor allem die FPÖ profitieren. Die Wählern gehen eben auch in Sachen Ausländerfeindlichkeit lieber zum Schmied und nicht zum Schmiedl. Die ÖVP wird ebenfalls verlieren. Die Grünen schaffen den Einzug in den Landtag mangels Alternativen für vernünftige Menschen trotz negativen Bundestrend. Übrigens ist der Blogger Michel Reimon Spitzenkandidat der Grünen im Burgenland.

Steiermark

Franz Voves verliert , bleibt aber Landeshauptmann, weil auch die ÖVP zu den Wahlverlieren zählen wird. Sieger wird einmal mehr die FPÖ sein, die Stimmen von der KPÖ und SPÖ einsammeln kann. Das BZÖ ist ein kleiner Faktor in der Steiermark, wird den Einzug in den Landtag aber nicht schaffen. Die steirischen Grünen verlieren ebenfalls leicht.

Wien

Peter Hajek postuliert für die Wiener SPÖ in seinem Videoblog das Motto: “Wien darf nicht Kärnten werden” und damit könnte die SPÖ sehr gut fahren. Wenn man es schafft, sich als professionelle KommunalpolitikerInnen gegen die Radaubrüder der FPÖ zu positionieren. Michael Häupl wird es genau deswegen noch einmal zu Wege bringen, die absolute Mehrheit für die SPÖ erringen. Im Wahlkampf wird man übrigens den Bundeskanzler möglichst verstecken. Die FPÖ wird ebenfalls zulegen können, aber insgesamt weit unter den Erwartungen bleiben. Straches Anspruch auf den Sessel des Bürgermeisters wird nach der Wahl nur noch eine lustige Annektote in Sachen Größenwahn sein. Zwei weitere Verlierer wird es in Wien geben. Die Wiener ÖVP bleibt mit Marek als Spitzenkandidatin richtungslos und uneinschätzbar. Die Law und Order Politik Fekters verhindert ein offensives wildern im Grünen/Liberalen Lager und rechts deckt alles die FPÖ ab. Verlässlich wird nach den Wahlen eine erneute Obfraudebatte in der ÖVP aufflammen. Die Grünen kämpfen normalerweise mit der ÖVP ums gleiche Wählerreservoir, verlieren aber diesmal jede Menge Stimmen an die SPÖ, einerseits weil das Match Häupl gegen Strache alles andere zudeckt und andererseits, weil eine schwache Spitzenkandidatin mit einem noch schwächeren Parteiapparat, der zusehends den Kontakt zu seinen Wählern verliert, keine glaubhafte Alternative darstellen kann.

Fazit:

  • Die SPÖ verliert überall außer in Wien.
  • Der Druck auf Werner Faymann innerhalb seiner Partei wird wachsen.
  • Die ÖVP kann die Schwäche der SPÖ nicht für sich nutzen.
  • FPÖ gewinnt, bleibt aber hinter den Erwartungen und wird noch lange an Kärnten zu beißen haben.
  • Die Grüne Performance ist weiter durchwachsen.
  • Die nicht enden wollenden Begräbnisfeierlichkeiten fürs BZÖ gehen weiter.

Respekt für Erich Haider

von Gerald Bäck am 27.09.09

Ich konnte Erich Haider eigentlich nie besonders leiden. Das bisschen was von Oberösterreich zu mir drang, war auch nicht gerade sympathisch. Den letzten Wahlkampf hat Haider mit einer Anti Privatisierungskampagne gewonnen und er erweckte immer den Eindruck, als würde er jede sich bietende Möglichkeit nutzen wollen, um mit den Freiheitlichen zu koalieren. Aber Haider war auch nie ein Politiker Marke Phrasendrescher, wie man sie in Österreich leider nur zu häufig antrifft. Und so verlangt seine heutige Aussage zum Wahlausgang in Oberösterreich auch entsprechenden Respekt.

Weniger respektvoll verhielt sich unser Leserbriefkanzler. Der versuchte vor allem die Wahlniederlage der SPÖ herunterzuspielen und als lokales Ereignis abzutun. Für die Bundespartei sprach er lediglich davon, dass man in Zukunft des eigene Profil schärfen müsse. Dazu müsste die SPÖ freilich ein solches Profil erstmal haben. Die SPÖ heute steht für nichts, außer für sich selbst. Es geht um Macht, Geld und Einfluss für die eigenen Leute, auch wenn man diese Macht nur dazu nutzt, um an der Macht zu bleiben. Ein Bundeskanzler, der nur gerne den Bundeskanzler spielt, sich aber weigert Entscheidungen zu treffen bzw. eine eigene Politik zu verfolgen, ist einfach fehl am Platz. Wenn die SPÖ jetzt ihr Profil schärfen will, dann heißt das nichts gutes. Profil schärfen heißt bei der SPÖ aller Voraussicht nach mehr Einfluss für die strukturkonservativen Gewerkschaften und die Arbeiterkammer, mehr Einfluss für Charly Blecha, ein zurück in alte Verstaatlichungs- und Schuldenmachformeln und schließlich ein Hinwenden zu einer noch grauslicheren Asyl- und Integrationspolitik, aber ganz bestimmt keine grundlegende Werte- und Zukunftsdebatte. Welche Zukunft eine Partei hat, die den internen Diskurs wahrscheinlich schon unter Vranitzky dem Hochverrat gleichgesetzt hat, sei dahingestellt. Der SPÖ hilft jetzt nur noch ein Big Bang das hieße Rücktritt für Faymann, Cap und Rudas. Vor allem Cap kann man getrost als einen der Totengräber der SPÖ bezeichnen, ein politisches Jojo, das sein Fähnchen in den politischen Wind hängt, eine ewig unerfüllte politische Hoffnung der SPÖ, die mittlerweile zur Hypothek geworden ist. Sein Rücktritt käme allerdings mindestens 10 Jahre zu spät.

Die ÖVP ist da übrigens seit Schüssel auf einem ähnlichem Kurs, kann aber noch einiges kaschieren. Warum Pühringer aber zulegen konnte, entzieht sich meinem Bedürfnis nach Logik. Sein Wahlkampf wie auch sein Interview danach bestand jedenfalls ausschließlich aus Phrasen. Man darf aber gespannt sein, ob in der Lichtenfelsgasse schon die Neuwahlpläne gewälzt werden. Eine solche Taktik hätte in der ÖVP schon eine gewisse Tradition.

Für die FPÖ ist das Ereignis von 15% jedenfalls relativ mager. Anscheinend übernehmen die Freiheitlichen in Zukunft den Titel des Umfragekaisers von den Grünen. Für den Bund oder für Wien würde ich da aber trotzdem keinen Trend ablesen wollen. Landtagswahlen sind eben auch eine Landessache und manche Menschen sehen sich dann doch den mehr oder weniger abschreckenden Spitzenkandidaten an. Wobei HC Strache nicht weniger abschreckend ist, aber anscheinend nicht für alle.

Dass die Grünen jetzt schon eine Trendwende erkennen wollen, ist jedenfalls reines Wunschdenken. Ich freue mich für Rudi Anschober und seine Grünen, aber leider ist die Bodenständigkeit der oberösterreichischen Grünen kein Bundestrend sondern eher die Ausnahme. Die wahre Feuerprobe für die Grünen kommt erst mit dem Wiener Wahlkampf und wenn man sich das unprofessionelle Vorgehen der Wiener Grünen so ansieht, lässt das nichts gutes hoffen.