Dass Sicherheitsfanatiker nicht ganz stubenrein sind, diese Vermutung hatte ich schon länger. Wer schon einmal am Flughafen aus der Schlange treten musste, weiß was ich meine. Aber jetzt hat die internationale Sicherheitshysterie einen neuen Höhepunkt erreicht.
Mich erinnert das an Nude Patches, die man für Computerspiele runterladen kann und schon steht die ohnehin meistens spärlich bekleidete Nachtelfin, Lara Croft oder Zelda nackig da. Jetzt soll es so eine Möglichkeit auch im “Real Life” geben. Das Opfer muss nur die Arme heben und schon tasten elektromagnetische Strahlen den Körper ab und geben ein Nacktbild auf den Bildschirm aus.
Mir persönlich ist es wirklich egal. Wenn jemand meinen übergewichtigen Körper unbedingt am Bildschirm sehen will, betrachte ich das als Kompliment, aber ich kann mir schon lebhaft vorstellen, welche Bemerkungen fallen werden, wenn die nächste Mädchenschulklasse durch den Scanner muss.
Natürlich wird von den so genannten Sicherheitsexperten versichert, dass keine Aufzeichnungen gemacht würden, die Gesichter unkenntlich wären und selbstverständlich alles ganz seriös und ernst gehandhabt würde. Die Geschichte der Sicherheitstechnik hat aber gezeigt, dass solche Möglichkeiten immer ausgenutzt werden. Das zeigt sich in italienischen Abhörskandalen, bei der Aktenhandhabe im Innenministerium, beim Vorgehen der Behörden gegen Tierschützer. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis zum Beispiel Nacktaufnahmen von Prominenten im Internet auftauchen werden, schlimmere Dinge kann sich wohl jeder selbst vorstellen.
Der eigentliche Skandal an der Sache ist, dass die EU-Kommission die Genehmigung dieser Scanner am Parlament vorbei winken will. Zum Glück gibt es noch ein paar Abgeordnete wie zum Beispiel Eva Lichtenberger von den Grünen, die sich dagegen im Europaparlament zur wehr setzt. Nützen wird es aber wohl nix.
Meine politische Wahrnehmung war in den letzten Tagen geprägt vom Tod des Alkorasers Jörg Haider und das obwohl es wirklich besorgniserregendere Themen wie zum Beispiel die Präsidentenwahlen in den USA, die aufkommende Rezession, die globale Finanzkrise und die Tatsache, dass meine jahrzehntelange missionarische Gläubigkeit in die selbstreinigenden Kräfte der freien Marktwirtschaft den Bach runter geht. Vielleicht auch deswegen, weil diese Themen zu komplex scheinen, konzentriert sich Österreich (und ich) auf die Todesfahrt im Suff des “Landeshauptmanns der Herzen“.
Und genau hier setzt das Problem an. Der ORF überträgt live und alle haben nur das beste über Jörg Haider zu berichten. Da ernennt der Klagenfurther ÖVP-Bürgermeister Haider zum Landeshauptmann der Herzen, der neue lässt schon mal die Sonne über Kärnten vom Himmel fallen und selbst Gusenbauer zollt Haider Respekt und Anerkennung. Da wird so viel geschleimt und geschönt, man könnte meinen, Jörg Haider wäre zu seinen Lebzeiten nicht der unbeliebteste Politiker gewesen, Angehörige der Waffen-SS pardonierte, die NS-Zeit verharmloste, unschuldige Asylwerber nach Wien “deportierte”, die Verfassung missachtete, kurzum Politik auf Kosten von Randgruppen betrieb.
Leider weiß auch die Gegenseite relativ wenig dagegen beizutragen. Angeheizt durch äußerst seltsame Aussagen und Interviews Stefan Petzners ergeht man sich in Spekulationen über die vermeintliche Bi-/Homosexualität Haiders und seine Beziehung zu diversen Proponenten der Buberlpartie und begibt sich damit auf ähnliches Niveau wie einst Haider selbst. Meiner Meinung nach tut Haiders sexuelle Orientierung nichts zur Sache und sagt wenig über sein mehr oder weniger desaströses Lebenswerk aus. So lange ein Politiker sein Privatleben nicht öffentlich zur Schau stellt wie das zum Beispiel Viktor Klima oder Thomas Klestil taten, sollte die Tradition gewahrt bleiben und gegen seinen Willen auch nichts darüber berichtet werden. Zusätzlich war wohl die Gruppe der Homosexuellen eine der wenigen Randgruppen, die Jörg Haider nicht herabgewürdigt hat, also ist auch von dieser Seite ein Outing durch Dritte nicht angebracht.
Es wäre also dringend an der Zeit, sich wieder auf das politische Element zu konzentrieren, eben auch um dieser Mythenbildung mit Fakten aus dem politischen Leben Haiders entgegen zu wirken.
Interessante Links zum Thema:
http://franzjoseph.twoday.net/stories/5268989/
http://www.misik.at/texte-aus-der-taz-berlin/haider-und-die-manner.php
http://derstandard.at/?url=/?id=1224255913187
http://derstandard.at/?id=1224255925161
http://www.krone.tv/krone/S25/object_id__118565/kmwebtv/index.html