Armin Wolf diesmal daneben?

von Gerald Bäck am 17.12.08

ORFAlso ich weiß nicht so recht, was ich von Armin Wolfs Kommentar im heutigen Standard halten soll. Vor zwei Jahren trug er mit seiner Rede anlässlich der Verleihung der Robert Hochner-Preises an ihn nicht unwesentlich zu Abwahl Monika Lindners und damit zu Wahl von Alexander Wrabetz bei. Das war nötig und wichtig, denn in der ÖVP hatte sich eine Arroganz der Macht breit gemacht, die sich ganz massiv auf den ORF in der Form von Lindner und Mück auswirkte.

Aber wie ist die Situation heute? Eine offensichtlich gescheiterte ORF-Führung versucht mehr tollpatschig als kompetent einen wirtschaftlich strauchelnden ORF irgendwie aufzufangen. Der ORF ist aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch inhaltlich in der Krise. Die Eigenproduktionen geraten regelmäßig zum Quotenflop (Mitten im Achten) oder bewegen sich inhaltlich auf einem Niveau unterhalb des somalischen Grundwasserspiegels (Starmania, Dancing Stars, Karlich, Vera etc), einzig die Comedyschiene am Donnerstag und einen größeren politischen Freiraum für die Redaktionen können auf der Habenseite verbucht werden. Der politische Freiraum wird aber kaum genutzt, da selbst im Mittagsjournal auf Ö1 nach wie vor eher der vorauseilende Gehorsam gegenüber Politikern in Interviews dominiert. Aber Ö1 und FM4 bilden eine niveauvolle Ausnahme, das allerdings trotz und nicht wegen der derzeitigen ORF-Führung, die sich zum Glück abseits von Ö3 nicht ums Radio kümmert.
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SuperAlex ist gescheitert

von Gerald Bäck am 28.11.08

Vom Ende des Regenbogens schreibt Gerhard Loub in Bezug auf die gestrige Enthüllung von ORF-General Wrabetz, man werde 1000 Mitarbeiter abbauen und eine rigiden Sparkurs im ORF fahren. Fakt ist, der Mann ist mit Bomben und Granaten gescheitert.

Wie war das noch vor zwei Jahren als eine bunte Koalition aus SPÖ, BZÖ, FPÖ, Grünen und ein paar ÖVPlern Monika Lindner durch Wrabetz ersetzte? Die Ablöse war notwendig. Zu heftig war die schwarze Gegenbewegung durch Werner Mück, der öfter im kleinen Kreis zu sagen pflegte, das er keinen Urlaub brauche, weil er ohnedies in jeder Redaktionssitzung am Roten Meer sei. Die Mission Lindners war es, einen SPÖ-dominierten ORF schwarz umzufärben. Das wurde so heftig übertrieben, dass sich eine so ungewöhnliche Koalition zusammen tun konnte, um Wrabetz zu wählen. Ohne diese Arroganz der Macht unter Lindner und der ÖVP wäre eine solche Allianz wahrscheinlich nie zu Stande gekommen.

Wrabetz der übrigens schon relativ unauffällig unter Lindner für die Finanzen verantwortlich war, weckte dann auch alle möglichen Erwartungen. Nicht zu unrecht wurde er dafür von Roland Düringer als Super-Alex aufs Korn genommen, damals wohl auch, um ihn eine wenig anzuschleimen.

Super-Alex der Retter des Küniglbergs

Wie sehr der Respekt gegenüber Wrabetzs Fähigkeiten abhanden gekommen ist, zeigt dieses Video aus Dorfers Donnerstalk:

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Meine Frau und ich verweigern schon seit Jahren das Fernsehen und haben keinen Fernseher mehr zu Hause. Zugegebenermaßen eher wegen meiner Unfähigkeit selektiv fernzusehen!-) Aber auch die mangelnde Qualität des ORF war ein Faktor. Ein Faktor, der sich unter Wrabetz zum besseren hätte wandeln sollen. Aber was bleibt als seine Bilanz:

Die Liste könnte man noch lange erweitern. Die negative Entwicklung hat unter Zeiler begonnen und nimmt ihren vorläufigen Höhepunkt bei Wrabetz. Der ORF ist zu einer antiintellektuellen Trutzburg geworden, wo man sich an Ö3-Blödelei und Hochzeiten im Starmania Ballroom ergötzt und das dann auch noch zynisch als Infotainment verkauft.

Aber es gibt auch Lichtblicke, die trotz einer schwachen ORF-Führung existieren: Ö1 und FM4. Hoffentlich bleibt das auch weiterhin so.

Das Hologramm vor Ort

von Gerald Bäck am 8.11.08

“Wenn Sie in der heimischen Redaktion über alles schon früher und besser Bescheid wussten als ich, was war dann meine Rolle?” so beschreibt der niederländische Journalist Joris Luyendijk sein Dilemma als Auslandskorrespondent vor Ort in seinem Buch “Wie im echten Leben“. Nicht jeder Journalist macht sich wohl solche Gedanken wie Luydenijk über den journalistischen Wert eines Kommentators vor Ort und nicht immer ist es sinnlos, aber wer die Übertragung der US-Wahlnacht live aus Washington gesehen hat, weiß was ich meine. Einmal abgesehen, dass uns der ORF eine Scharchnasenübertragung mit dem Tempo der Sechziger des letzten Jahrhunderts geboten hat, stellt sich schon die Frage, welchen Sinn es macht, wenn Armin Wolf am Sims eines Flachdaches in Washington genau das selbe erzählt wie seine Kollegen in Wien. Macht es seine Beiträge authentischer, wertvoller oder gehört’s einfach dazu?

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