Zugegeben, das Internet als ganzes wurde und wird oft als eine Art Heiliger Gral oder Eierlegende Wollmilchsau beschrieben. Nichts scheint unmöglich, kein Geschäftsmodell abstrus genug, kein Problem groß genug, dass es nicht das Internet lösen könnte. Auf der anderen Seite gibt es jene, die dem Internet mangelnde Qualität und Wahrheitsgehalt unterstellen, unser Jugend gefährdet sehen und den Untergang des Abendlandes beschwören. In diesen Chor stimmt auch Armin Thurnher in seiner dieswöchigen Kolumne ein und zeigt damit, dass er vom Netz recht wenig Ahnung hat.
Aber es geht hier gar nicht im einen Wettbewerb zwischen klassischen Medien und Medien im Internet, sondern darum das beste aus beiden Welten herauszuholen. Schlecht recherchierte Leitartikel mit weltfremden Forderungen wie “…, im Internet nur Menschen zur Publikation zuzulassen, die sich identifizieren..” helfen da allerdings wenig.
Also ich weiß nicht so recht, was ich von Armin Wolfs Kommentar im heutigen Standard halten soll. Vor zwei Jahren trug er mit seiner Rede anlässlich der Verleihung der Robert Hochner-Preises an ihn nicht unwesentlich zu Abwahl Monika Lindners und damit zu Wahl von Alexander Wrabetz bei. Das war nötig und wichtig, denn in der ÖVP hatte sich eine Arroganz der Macht breit gemacht, die sich ganz massiv auf den ORF in der Form von Lindner und Mück auswirkte.
Aber wie ist die Situation heute? Eine offensichtlich gescheiterte ORF-Führung versucht mehr tollpatschig als kompetent einen wirtschaftlich strauchelnden ORF irgendwie aufzufangen. Der ORF ist aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch inhaltlich in der Krise. Die Eigenproduktionen geraten regelmäßig zum Quotenflop (Mitten im Achten) oder bewegen sich inhaltlich auf einem Niveau unterhalb des somalischen Grundwasserspiegels (Starmania, Dancing Stars, Karlich, Vera etc), einzig die Comedyschiene am Donnerstag und einen größeren politischen Freiraum für die Redaktionen können auf der Habenseite verbucht werden. Der politische Freiraum wird aber kaum genutzt, da selbst im Mittagsjournal auf Ö1 nach wie vor eher der vorauseilende Gehorsam gegenüber Politikern in Interviews dominiert. Aber Ö1 und FM4 bilden eine niveauvolle Ausnahme, das allerdings trotz und nicht wegen der derzeitigen ORF-Führung, die sich zum Glück abseits von Ö3 nicht ums Radio kümmert. Read the rest of this entry »
“Wenn Sie in der heimischen Redaktion über alles schon früher und besser Bescheid wussten als ich, was war dann meine Rolle?” so beschreibt der niederländische Journalist Joris Luyendijk sein Dilemma als Auslandskorrespondent vor Ort in seinem Buch “Wie im echten Leben“. Nicht jeder Journalist macht sich wohl solche Gedanken wie Luydenijk über den journalistischen Wert eines Kommentators vor Ort und nicht immer ist es sinnlos, aber wer die Übertragung der US-Wahlnacht live aus Washington gesehen hat, weiß was ich meine. Einmal abgesehen, dass uns der ORF eine Scharchnasenübertragung mit dem Tempo der Sechziger des letzten Jahrhunderts geboten hat, stellt sich schon die Frage, welchen Sinn es macht, wenn Armin Wolf am Sims eines Flachdaches in Washington genau das selbe erzählt wie seine Kollegen in Wien. Macht es seine Beiträge authentischer, wertvoller oder gehört’s einfach dazu?