Was kommt nach nach der Wahl?

von Gerald Bäck am 14.10.10

Ein paar Tage Nachdenkpause hat es schon gebraucht, um ein Resümee zur Wahl zu ziehen. Einige haben dazu schon sehr treffende Blogpostings geschrieben. Ich will mich jetzt nicht nur damit aufhalten, warum es so ausging, wie es eben ausging, sondern auch, was (fast) alle Parteien in Zukunft besser/anders machen könnten und wie die pessimistische Zukunft aussehen wird.

Beginnen wir mit der FPÖ.  Wir alle haben übersehen, dass FPÖ und BZÖ gemeinsam schon bei der letzten Nationalratswahl dieses Ergebnis erreichen konnten. HC Strache haben wir anscheinend unterschätzt. Ich glaube aber trotzdem nicht, dass die Single-Issue Partei nur wegen ihres einzigen Themas von 27% gewählt wurde, sondern, dass es sich um Protest gegen “die da oben” handelt. Egal wem man eins auswischen will SPÖ, ÖVP, Grüne, Gewerkschaft, Wirtschaftskammer etc. die FPÖ  ist da meistens die beste Wahl. Wenn die anderen Parteien also gegen die FPÖ reüssieren wollen, müssen sie sich auch als Alternativen zueinander und nicht nur zu FPÖ definieren und profilieren. Das ist natürlich in einer großen Koalition im Bund schwer, aber nicht unmöglich. Ein zweiter Aspekt wurde von Jana Herwig hervorragend herausgearbeitet, um langfristig der FPÖ beizukommen, braucht es vor allem Bildung, die unser derzeitiges Schulsystem nicht mehr leisten kann, Danke ÖVP.

Für die Grünen sollte die Aufgabe aber zu meistern sein, sich endlich nicht nur als Opposition zur Opposition darzustellen, sondern eine Alternative zum herrschenden System zu sein. Die Grünen sind bei dieser Wahl mit einem blauen Auge davon gekommen. Das verdanken sie Maria Vassilakou und Maria Fekter. Vassilakou konnte mit einer guten Performance in den TV-Konfrontationen punkten und Fekter schuf mit der grauslichen, inhumanen Schubhaft von zwei achtjährigen Mädchen einen ordentlichen Motivationsschub für die Grünen StammwählerInnen. In Zukunft müssen die Grünen vor allem an ihren Strukturen, an ihrer Kommunikation und an ihrer Professionalität arbeiten. Am einfachsten ist die Sache mit der Professionalität zu lösen. Die Schwächen in der Landesgeschäftsführung, aber auch in den Reihen der durchaus eigenwilligen Mitarbeiter müssen dringend beseitigt werden. Bezüglich Strukturen wird die Sache schon schwieriger. Bei den Grünen hat sich eine Pseudobasisdemokratie etabliert, die fälschlicherweise von Medien und SpitzenfunktionärInnen als Basisdemokratie bezeichnet wird. Den Wiener Grünen fehlt die notwendige Breite und Offenheit, die natürlich von den FunktionärInnen nicht gewünscht wird. Aber nur so konnten die Schwierigkeiten im 6. und 8. Bezirk entstehen. Noch etwas fehlt bei den Grünen, das ist die strukturelle Fantasie. Kann es wirklich sein, dass sich hunderte Funktionäre in Bezirkspolitik und Interna verzetteln, nur um es den “etablierten” Parteien gleich zu tun? Gerade von den Grünen würde man sich etwas anderes als die üblichen Parteistrukturen aufgeteilt nach Bezirken und Ständen erwarten. Interessanterweise bemühen sich aber gerade die Grünen, die anderen Parteien auf diesem Sektor zu kopieren mehr als beispielsweise die FPÖ.

Die ÖVP ist jedenfalls keine etablierte Partei mehr. Für mich war der radikale Absturz der Wiener ÖVP die Überraschung des Abends. Ein desaströser Wahlkampf, von dem vor allem der Claim “Schwarz macht geil”, das Geilomobil und ein äußerst sympatischer Michael Häupl übrig blieb. Eine schikanöse, grausliche und unmenschliche Fremdenpolitik haben dieses Ergebnis verursacht. Die ÖVP muss sich zukünftig die Frage stellen, ob dieser Unrechtskurs gegen Asylwerber wirklich forstgesetzt werden soll, nicht nur weil das christlichen Werten massiv widerspricht, sondern auch, weil es der ÖVP nichts bringt, sondern nur der FPÖ die Wähler zutreibt. Die SPÖ musste das schon mit Franz Löschnak und Karl Schlögl schmerzhaft erfahren, die ÖVP hat aus diesen Lektionen scheinbar nichts gelernt und wurde dafür von angewiderten WählerInnen abgestraft. Die Wiener ÖVP hat aber ein noch viel größeres Strukturproblem als die Grünen. In der Wiener ÖVP sind auf den Hinterbänken seit Jahrzehnten die selben FunktionärInnen im Einsatz, deren Innovationspotenzial und öffentliche Wirksamkeit enden wollend ist. Oder kann irgendjemand auf Anhieb die stadtpolitischen Errungenschaften der Herren Tschirf, Ulm, Aigner, Dworak, Gerstl, Hoch, Neuhuber, Tiller, Homole oder Stiftner nennen? Die Personaldecke der Wiener ÖVP ist dünn, aber sie ist vor allem deshalb so dünn, weil sich diese ignorante Partei niemand antun will. Um die Wiener ÖVP zu ändern, müssten morgen alle FunktionärInnen zurücktreten, die mehr als 10 Jahre Funktionen oder Ämter inne hatten. Das wird nicht passieren, sondern es wird ein traditionelles Obmannschießen gefolgt von einer mehrjährigen Starre eintreten, die den oben erwähnten Herren nur recht sein kann, um weitere 5 Jahre im Rathaus zu verschlafen.

Bleibt die SPÖ. Die sah lange Zeit wie die fixe Siegerin aus. Im Nachhinein muss man aber vier Dinge festhalten. Erstens, die Mobilisierung der SPÖ-AnhängerInnen hat diesmal nicht so gut geklappt, wie man das von der Wiener SPÖ gewohnt ist. Das liegt meiner Meinung nach vor allem am Feel-Good Wahlkampf der von der Löwelstraße betrieben wurde. Eine stärkere Konfrontation mit der FPÖ oder der Bundes-ÖVP hätte da wahrscheinlich geholfen. Zweitens, die Verschiebung des Budgets hat der SPÖ die Chance genommen, das eigene soziale Profil zu zeigen und damit Stimmen zu gewinnen. Drittens, die Ausrufung einer Volksbefragung zu einem Bundesthema war ein Fehler, da zu offensichtlich und total unpassend für die SPÖ. Bezeichnend dabei war Josef “Windrad” Cap, der wiedermal seine Meinung ändern musste. Und viertens hat auch die Abschiebung der beiden Mädchen der SPÖ geschadet. Bgm Häupl reagierte zwar noch, aber wahrscheinlich zu spät. Abgesehen davon trug der Fall natürlich dazu bei, dass sich viele daran erinnerten, wer denn diese Gesetze beschlossen hat. Die nächsten fünf Jahre werden zur großen Prüfung für die SPÖ. Unterliegt man der Versuchung einer billigen Koalition mit der ÖVP wird sich nichts neues für die Stadt ergeben. Die Verwaltung des Status Quo in Rot/Schwarzer Eintracht bedingen aber nahezu zwangsweise weitere Stimmenzuwächse für die FPÖ. Versuchung Nummer zwei ist die Fremden- und Asylpolitik, auch hier gibt es leider einige in der SPÖ die einen härteren Kurs fordern und hoffen, Strache quasi mit den eigenen Waffen zu schlagen, dass so etwas schief gehen muss, ist meiner Meinung nach klar und würde die SPÖ auf Jahrzehnte unwählbar machen. Das heißt einziger Ausweg für die SPÖ läge in einer Koalition mit den Grünen, um dort eine mutige Stadtpolitik zu machen.

Auf Bundesebene werden leider die hohen Zugewinne für die FPÖ massive Auswirkungen haben. Der Stimmenzuwachs in Wien führt nämlich einer wachsenden Akzeptanz der FPÖ und ihrer Sprache in Politik und Medien. Bald werden Stimmen laut werden, dass man 27% nicht ausgrenzen könnte und die FPÖ schließlich nahezu eine Million Wähler  habe. Vor allem für die ÖVP werden diese Argumente reichen, um zumindest die SPÖ unter Druck zu setzen und bei der nächsten Möglichkeit ein Heil in Schwarz/Blau zu suchen.

BäckBlog Politikpodcast XV

von Gerald Bäck am 6.09.10

Nach einer kurzen Babypause geht der BäckBlog Politikpodcast wieder auf Sendung. Diesmal haben wir, Susanne Zöhrer, Martin Schimak und ich, uns wieder vor allem mit den Wiener Landtagswahlen ausführlich beschäftigt. Und zwar diesmal ein wenig abseits vom auch hier üblichen Politikbshing versucht mittel- und langfristige Perspektiven für die einzelnen Parteien zu entwickeln und ihre Kommunikationsstrategie hinterfragt:

  • ÖVP – gute Ausgangsposition trotz schlechtem Wahlkampf
  • FPÖ – Sehen wir den Anfang vom Ende des Rechtspopulismus?
  • Grüne – Sind die Abspaltungen eigentlich positiv oder How long can you go?
  • SPÖ – Reicht ein Feel Good Wahlkampf für die Absolute?
  • ORF: Was ist los mit den Sommergesprächen?
 

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Wahlkampf der Stümper

von Gerald Bäck am 27.08.10

Michael Häupl kann sich entspannt zurücklehnen. Während es HC Strache wiedermal nicht erwarten kann, den Jargon der 40er zu verwenden und so ohne Maske in der Wählergunst sinkt, spielen die Grünen Volksfront von Judäa gegen Judäische Volksfront. Die ÖVP konnte das nicht auf sich sitzen lassen und plakatiert einen sehr sympathisch wirkenden Bürgermeister quasi als Kapitulationserklärung.

Die Wiener ÖVP setzt also ihren hilflosen Fettnäpfchen-Wahlkampf fort. Das Plakat fügt sich nahtlos in die Forderung nach einer patroullierenden Militärpolzei auf der Kärntner Straße oder die gefekterten “Aber bitte auf Deutsch” Plakate. Zugegeben, die ÖVP, wie auch die Grünen befinden sich in einem strategischen Dilemma, denn egal wie die Wahl ausgeht, der Bürgermeister wird am Ende wieder Michael Häupl heißen. Verliert die SPÖ die Absolute dann haben beide nur die Möglichkeit, sich gegenseitig in den Verhandlungen zu unterbieten. Warum die ÖVP deswegen gleich Wahlwerbung für Häupl macht, könnte vielleicht schon diesem Wettbewerb geschuldet sein!-)

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Auch der optische Vergleich der beiden heute vorgestellten ÖVP Plakate hilft bei dieser Frage nicht weiter. Denn Häupl wirkt auf diesem Plakat um einiges frischer und dynamischer als die statisch am Plakat klebende Marek. Aber das könnte eine Anlehnung an die letzte SPÖ/ÖVP Koalition in Wien sein, denn da bleibt ebenfalls die Frage bis heute unbeantwortet, was denn nun das Neue war, das die Herren Görg und Marboe in die Wiener Stadtregierung brachten? Außer dass die Wiener Verkehrsbetriebe jetzt auch am 1. Mai unterwegs sind, blieb mir da jedenfalls nicht viel im Gedächtnis. Das ist zwar eine nette Sache, reicht aber wahrscheinlich nicht aus, um sich einen prominenten Platz in der Wiener Stadtgeschichte zu sichern.

Der Wiener Wahlkampf wird uns also noch viele Überraschungen seitens der Wiener ÖVP und wahrscheinlich auch allen anderen Oppositionsparteien bringen und es darf vermutet werden, dass diese Überraschungen meistens positiv für die Bürgermeisterpartei sein werden. Warum ich mir da gerade bei der ÖVP so sicher bin? Weil ich denke, dass jemand der so ein Video auf seiner eigenen persönlichen Homepage eingebunden hatte, sowohl über schlechte Berater als auch über ein besonders schlechtes Urteilsvermögen verfügt.

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