Die Lehren aus Wikileaks / Cablegate

von Gerald Bäck am 4.12.10

Die Vertreter der Nomenklatura haben es derzeit schwer. Zu bestaunen waren sie zum Beispiel in der Form von Albert Rohan und Ursula Plassnik im Club2. Gerade im Bereich der Diplomatie gibt es jede Menge Herrschaftswissen und Codes, die jetzt unter anderem von Wikileaks entschlüsselt und veröffentlicht werden. Plassnik, Rohin aber auch Klenk waren im Club2 die Verteidiger des Status Quo – ihres Herrschaftswissens quasi. Da ist der Ruf nach einer Kontrolle der Kontrolleure bei Wikileaks ausgesprochen hahnebüchen, denn auch Klenk wird durch niemanden kontrolliert und nimmt sich sogar das Recht heraus, seine Informationen zu filtern. Im Gegensatz dazu veröffentlicht Wikileaks immer die gesammten Dokumente ganz ohne eigene Interpretation und Filter. Seis drum, auch die Bierkutscher konnten sich langfristig nicht halten und so wird es auch den Bewahrern der alten verschlossenen Welt gehen. Mir geht es um etwas anderes, nämlich die Frage, wie kann man Wikileaks verbessern bzw. die Idee vorantreiben?

Wikileaks muss sich von Assange emanzipieren

Schon eine komische Sache, dass jemand, der der USA massiv ans Bein pinkelt, plötzlich einen internationalen Haftbefehl ausgesetzt wird, aber solche Zufälle soll es geben. Sie sind ungefähr genauso wahrscheinlich, wie dass ein Staatsanwalt vergisst gegen einen ehemaligen Minister zu ermitteln. Herr Assange sollte sich aber tatsächlich Sorgen machen. Abgesehen von diesen durchaus dubiosen Vorgängen, die seit Guantanamo aber niemanden mehr wundern sollten, ist es notwendig für Wikileaks, sich von seinem durchaus verdienten Gründer zu emanzipieren und zu beweisen, dass es sich dabei um keine One-Man-Show handelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert, ist aber gering, weil Assange sich von kritischen Mitstreitern getrennt hat, die jetzt ein eigenes Projekt aufziehen werden. Eh nicht schlecht, sollte Wikileaks untergehen, gibt es wengstens gleich was Neues.

Es braucht ein dezentrales DNS

DNS, TCP/IP und das ganze Netzwerkzeug ist echt nicht mein Ding, aber spätestens seit der DNS Provider die Wikileaks.org Domain gekappt hat, wurde wieder aufgezeigt, was ohnehin klar war. Unser gesamtes DNS System hängt von den USA ab. Das ist weder im Sinne eines dezentrales Netzes, das auch dann noch funktionieren sollte, wenn wesentliche Teile ausfallen, noch im Sinne der Europäischen Union. Keine Ahnung, wie man sowas umsetzen könnte, aber hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Es braucht ein einfaches torrent ähnliches System für Wikileaks

Warum funktioniert das torrent System so gut? Weil es keine Zentrale gibt und sich deswegen die Musik- und Filmindustrie daran die Zähne ausbeißt. Sie können zwar jeden einzelnen Seeder klagen, aber bekommen dadurch noch lange nicht die Werke aus dem Netz. Wikileaks ist ein wenig wie Napster. Es hält die Daten zentral und ist dadurch leichter angreifbar. Es werden zwar auch jetzt schon die Wikileaks Dokumente auch als torrents angeboten, aber dabei geht es nur um die bereits veröffentlichten. In einem idealen System sollten bereits die geuploadeten Dokumente verschlüsselt in einer Art torrent System aufgespielt und an alle Teilnehmer verteilt werden.

Es braucht alternative Zahlungsforme zu Mastercard, VISA und Paypal

Andere Zahlungsformen gibt es zu Hauf, aber keine ist so bequem wie die drei. Leider stehen alle drei unter US-Einfluss und Paypal hat bereits den Zahlungsfluss für Wikileaks gekappt. Auch hier sollte die Europäische Union Alternativen fördern, um die Abhängigkeit zu beenden.

Es braucht ein Austrialeaks, Germanyleaks, EUleaks etc…

Berechtigterweise handelt Wikileaks derzeit nur die großen Fälle ab, kleinere Dinge, die in der Summe aber wahrscheinlich mehr Einfluss hätten, bleiben auf der Strecke. Ich selbst kenne Leute, die z.B. durchaus interessante Vorabberichte aus dem Rechnunghof an Wikileaks übermittelt haben und dort aber nicht veröffentlicht wurden. Deswegen brauchen wir ein Austrialeaks, wo Whistleblower schnell und einfach Dokumente übermitteln können. Ich denke das wäre ein interessantes Projekt fürs CreateCamp.

Alles klar, Herr Komissar?

von Gerald Bäck am 19.02.09

Austria vs EUIn den letzten Tagen war in allen Medien nachzulesen, dass sich ÖVP und SPÖ bereits darauf geeinigt hätten, dass die ÖVP auch in der nächsten EU-Komission den Komissar stellen darf. Das passt natürlich zu Faymanns Anti-EU-Kurs, den er seit seinem Kniefall vor Onkel Hans verfolgt. Denn wenn man sich das Beispiel der ÖVP ansieht, bemerkt man dass so ein Komissar innenpolitisch kaum messbaren Zuspruch beim Wähler bringt. Schon gar nicht in den kurzfristigen Dimensionen, in denen unser Bundeskanzler denkt.

Abgesehen davon zeugt dieser Deal auch nicht wirklich von ausreichendem Verständnis der europäischen Institutionen. Denn die Bildung der Komission ist logischerweise um es mit Sinowatz zu sagen sehr kompliziert. Mit einer starren Festlegung auf eine Partei und wahrscheinlich auf eine Person, nimmt sich die Regierung selbst jeglichen Handlungsspielraum in den kommenden Verhandlungen um die Komission und wird einmal mehr die Rolle des kompromisslosen Sturschädels geben.

Der eigentliche Skandal an diesem großkoalitionären Kuscheldeal ist aber nicht, dass sich dafür die SPÖ auch den nächsten ORF-Chef gesichert hat. Dieses Abtäuscheln von Positionen ist der gelernte Österreicher ja schon gewohnt und schließlich ist es auch vollkommen wurscht, ob der nächste Dilettant an der ORF Spitze Rot oder Schwarz ist.  Das Problem ist vielmehr das völlige Negieren der bevorstehenden Wahlen zum EU-Parlament, die schließlich die Grundlage für die Bildung der Komission bilden sollten. Das heißt also egal wie die Wahlen ausgehen, die ÖVP wird den Komissar stellen. Wäre ja noch schöner, wenn der Wähler darauf einen Einfluss hätte. Die Grünen fürchten sich wenigstens vor dem Wähler und nominierten deswegen Voggenhuber nicht, das zeugt zumindest von ein wenig Respekt, wenn auch etwas fehlgeleitet. ÖVP und SPÖ sind da schon etwas weiter, ihnen ist der Wähler wurscht.

Mein Schluss daraus ist, dass die ÖVP auf meine Stimme diesmal wohl keinen Wert legt. Diesen Wunsch werde ich selbstverständlich respektieren!-)

Real Life Nude Patch

von Gerald Bäck am 22.10.08

Dass Sicherheitsfanatiker nicht ganz stubenrein sind, diese Vermutung hatte ich schon länger. Wer schon einmal am Flughafen aus der Schlange treten musste, weiß was ich meine. Aber jetzt hat die internationale Sicherheitshysterie einen neuen Höhepunkt erreicht.

Mich erinnert das an Nude Patches, die man für Computerspiele runterladen kann und schon steht die ohnehin meistens spärlich bekleidete Nachtelfin, Lara Croft oder Zelda nackig da. Jetzt soll es so eine Möglichkeit auch im “Real Life” geben. Das Opfer muss nur die Arme heben und schon tasten elektromagnetische Strahlen den Körper ab und geben ein Nacktbild auf den Bildschirm aus.

Mir persönlich ist es wirklich egal. Wenn jemand meinen übergewichtigen Körper unbedingt am Bildschirm sehen will, betrachte ich das als Kompliment, aber ich kann mir schon lebhaft vorstellen, welche Bemerkungen fallen werden, wenn die nächste Mädchenschulklasse durch den Scanner muss.

Natürlich wird von den so genannten Sicherheitsexperten versichert, dass keine Aufzeichnungen gemacht würden, die Gesichter unkenntlich wären und selbstverständlich alles ganz seriös und ernst gehandhabt würde. Die Geschichte der Sicherheitstechnik hat aber gezeigt, dass solche Möglichkeiten immer ausgenutzt werden. Das zeigt sich in  italienischen Abhörskandalen, bei der Aktenhandhabe im Innenministerium, beim Vorgehen der Behörden gegen Tierschützer. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis zum Beispiel Nacktaufnahmen von Prominenten im Internet auftauchen werden, schlimmere Dinge kann sich wohl jeder selbst vorstellen.

Der eigentliche Skandal an der Sache ist, dass die EU-Kommission die Genehmigung dieser Scanner am Parlament vorbei winken will. Zum Glück gibt es noch ein paar Abgeordnete wie zum Beispiel Eva Lichtenberger von den  Grünen, die sich dagegen im Europaparlament zur wehr setzt. Nützen wird es aber wohl nix.

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