Erinnerung für den Staatsanwalt

von Gerald Bäck am 7.10.09

From: ”Gerald Bäck” <gerald@baeck.at>
To: stawien.leitung@justiz.gv.at, stabund.leitung@justiz.gv.at
Date: Wed, 7 Oct 2009 13:04:36 +0200
Subject: Eine kleine Erinnerung
Sehr geehrte Damen und Herren,

die jüngsten Ereignisse rund um die Staatsanwaltschaft haben mich mit Sorge erfüllt. Dass auf Grund Ihrer Arbeitsüberlastung eine Anzeige gegen den ehemaligen Regierungspolitiker und nunmehrigen Abgeordneten zum Europäischen Parlament Mag. Ernst Strasser übersehen wurde, bedauern sicher Sie und ich. Ich vertraue auf den Rechtsstaat und die gewissenhafte Arbeit der Staatsanwaltschaft. Deswegen erlaube ich mir, Sie an folgende Fälle zu erinnern, um zu vermeiden, dass wieder etwas übersehen wird und immer mehr Leute an der Kompetenz unserer Gerichtsbarkeit und am Grundsatz, dass alle Menschen vor Gericht gleich wären, zweifeln.

Anzeige der Grünen gegen LH Gerhard Dörfler in der Causa Ortstafeln
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/502453/index.do

Anzeige der Grünen gegen Mag. Karl-Heinz Grasser in der Causa BUWOG
http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/512727/index.do

Ermittlungen gegen Mag. Karl-Heinz Grasser in der Causa MEL
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/schwerpunkt/dossiers/meinl/334684/index.do

Ermittlungen gegen LH Günther Platter in der Causa Datenschutz/Zogaj
http://tirol.orf.at/stories/294674/

Ich werde mir erlauben, Sie in regelmäßigen Abständen an diese offenen Fälle zu erinnern, um so auch als Nichtjurist einen kleinen Beitrag zum Funktionieren unseres Rechtsstaats zu leisten. Als nächsten Termin für eine Erinnerung habe ich mir den 21.10.2009 vorgemerkt.

Mit freundlichen Grüßen
Dipl.-Ing. (fh) Gerald Bäck

Zweiklassenjustiz

von Gerald Bäck am 19.08.09

Der deutsche Finanzminister Perre Steinbrück hatte vor ein paar Monaten Österreich mit Burkina Faso verglichen. Er wusste gar nicht wie recht er hatte. Ohne Burkina Faso schlecht machen zu wollen, kommt man doch recht schnell zu dem Schluss, dass in Österreich  Recht eben nicht mehr Recht ist. Dass unsere Politik getrieben von Klientelpolitik, persönlichen Machtinteressen und schlichter Unfähigkeit, schon lange aufgehört hat, auch nur den Schein von Redlichkeit zu wahren, ist bekannt. Darüber regt sich leider kaum noch jemand auf, lieber werden Scheindebatten über Dienstwägen geführt, als sich mit wirklicher Politik zu beschäftigen, wie zum Beispiel der Einführung einer Transaktionssteuer. Neu ist aber, dass sich auch die Justiz bereits soweit korrumpieren hat lassen, dass jetzt ein Skandal nach dem anderen zum Vorschein kommt.

Sündenfall Grasser

Ich gebe zu, ich war der schwarz/blauen Koalition nicht immer abgeneigt. Ich erhoffte mir eine Veränderung, ein Aufbrechen der starren Systeme, eine Ablösung der Sozialpartnerschaft etc. Gekommen sind Postenschacher par excellence und eine Herunterwirtschaftung der verstaatlichen Unternehmen durch unfähige Günstlinge von Blau und Schwarz. Da genügt ein Blick auf die Bilanzen der ÖBB, des Forschungszentrum Seibersdorf und der AUA, um zu Wissen, dass das mit der Wirtschaftskompentenz der ÖVP nicht allzu weit her sein kann. Für mich persönlich die Spitze war aber der Steuerfall von Karl Heinz Grasser. Während jeder Selbstständige dem Finanzämtern nachweisen muss, dass ein Handy nur beruflich genutzt wird, wurde KHG einfach von seinem Finanzstaatssekretär Finz nachträglich pardoniert. Sowohl Gerichte als auch Finanzbeamte schwiegen.

Bandion-Ortner

Frau Bandion-Ortner hat eine große Chance bekommen. Sie durfte nach den Wünschen der Politik Helmut Elsner zu 9 1/2 Jahren unbedingter Haft aburteilen. Währen man für einen Totschlag weniger ausfassen kann, wird ein Bankdirektor, weil es gerade politisch opportun ist, zu einer unverschämt hohem Haftstrafe verknackt. Bandion-Ortner darf jetzt zur Belohnung Ministerin spielen und nimmt sich Elsners Chefankläger zu ihrem wichtigsten Mitarbeiter. Ein Schelm wer hier Unvereinbarkeiten vermuten würde. Ähnliches gilt übrigens für Julius Meinl V, dessen größtes Problem einfach seine schlechte Vernetzung ist, weswegen er auch von Medien und Justiz schon vorverurteilt wurde. Derzeit ist es für die Justiz eben besonders opportun, mit Bankmanagern ganz besonders hart ins Gericht zu gehen.

Politiker genießen Narrenfreiheit

Während als Bankmanager derzeit durch die Justiz ganz besonders bedroht sind, haben Politiker in unseren schönen Land nichts zu befürchten, so lange sie sich dabei nur blöd genug anstellen. Dabei müssen sie nicht einmal die Immunität in Anspruch nehmen. Zugegebenermaßen ist gerade Landehauptmann Dörfler in Sachen blöd Anstellen ein ganz besonderer Meister und wird deswegen schon von der Staatsanwalt im vorhinein pardoniert. Es ist also in Österreich überhaupt kein Problem, Urteile des Verfassungsgerichtshofes zu ignorieren oder bewusst lächerlich zu machen. Dieses Rechtsverständnis gilt freilich nur für Politiker, denn für Tschetschenen in Kärnten reicht manchmal schon ein Verwandschaftsverhältnis zu einem Tatverdächten, um in einen Bus nach Wien gesetzt zu werden.

Dass man dabei nicht unbedingt österreichischer Politiker sein muss, um eine Vorzugsbehandlung durch die Justiz zu genießen, zeigt der Fall Althaus. So tragisch sein Fall auch sein möge, wurde Althaus, um diesen negative Berichterstattung zu ersparen, ein Schnellverfahren gewährt, dass wohl einem einfachen Bürger niemals zu Teil geworden wäre.

Tötet den Boten

Das alles gäbe genug Anlass dazu, um über die Unabhängigkeit unserer Justiz nachzudenken, über die Gewaltentrennung und die Zurückdrängung der politischen Einflussnahme. Statt dessen will unsere Justizministerin möglichst schnell den Whistleblower finden, um diesen zu disziplinieren. Wie abgehoben unsere Politik bereits ist, beweist die Tatsache, dass zumindest kurzfristig die Website des Journalisten Florian Klenk für Mitarbeiter des Justizministeriums gesperrt wurde. Es ist also immer viel wichtiger, den Überbringer schlechter Nachrichten zu finden, als die Ursachen zu ergründen und zu ändern, das scheint ein Credo unserer Politik zu sein.

Erinnert sich noch jemand an den Spitzelskandal, als der ehemalige blaue Gewerkschafter Josef Kleindienst gestand, gegen Geld geheime Polizeiakten an FPÖ-Politiker weitergegeben zu haben? Rechtskräftig verurteilt wurde letztlich nur Kleindienst. Die Justiz bevorzugt es auch hier, den Boten zu töten.

Wir leben also fröhlich in einer Republik, wo Ministerien Untersuchungsausschüssen Informationen verweigern, indem sie Akten schwärzen, Politiker Spitzelgesetze beschließen und sich wundern dann selbst bespitzelt zu werden, wo Dummheit vor Strafe schützt, wo rechtskräftig Verurteilte Lügner und Hetzer im Parlament sitzen und eine Justiz nur mehr als willfähriges Instrument dieser Proponenten gesehen werden kann, die freilich das meiste schon im vorauseilenden Gehorsam regelt. Steinbrück könnte also recht behalten.

Hat der Wähler immer recht?

von Gerald Bäck am 3.03.09

Zwei Tage später ist der erste Ärger über die Kärntner Wahl verflogen, weil es in Wahrheit relativ wurscht ist, wer dort den Grüßaugust am Villacher Fasching machen darf oder seinen täglichen Auftritt im Landeshauptmann-TV aka Bundesland Heute hat. Was bleibt ist Unverständnis für das, was Gerhard “Negerwitz” Dörfler die Kärntner Volksseele nennt. Sollte es dieses unbekannte Wesen wirklich geben, hat es das BZÖ endgültig geschafft, diese für sich zu vereinnahmen. Was bleibt ist Unverständnis über das Ergebnis und Bedauern für jene 50%, die weder BZÖ noch FPÖ gewählt haben und sich dafür aber im Rest von rechtfertigen und genieren müssen. Ich bemerke auch bei mir die Tendenz, einer immer stärker werden Abneigung gegen alles Kärntnerische. Sowas ist natürlich kontraproduktiv und unangebracht, vor allem wenn man sich schon mal ausmalt, wie hoch der Wahlsieg Straches bei der Wiener Landtagswahl ausfallen wird.

Ob jetzt 45% der Kärntner pauschal Volltrotteln sind, wie ich am Sonntag Abend via Twitter behauptet habe? Natürlich nicht, aber dumm gehandelt haben sie allemal. Gerhard Loub beantwortet die Frage nach der Dummheit der Wähler in seinem Blog sehr schnell mit Nein, da er davon ausgeht, dass der Wähler immer recht habe. Abgesehen davon, dass “recht haben” kaum objektiv beurteilt werden kann, gibt es genug Beispiele, wo der Wähler eben nicht recht hatte und dumm entschieden hat. Man nehme nur die Wiederwahl von George W. Bush, die letzte Volksabstimmung in Venezuela zu Gunsten von Diktator Hugo Chavez oder die erneute Wahl Berlusconis in Italien. Der Wähler kann also sehr wohl dumme Entscheidungen treffen, aber seine Entscheidungen bleiben bindend wie ein Dogma in der Katholischen Kirche.

Ich glaube auch nicht, dass die österreichischen Wähler im allgemeinen und die Kärntner im besondern a priori dumm sind, sondern sie wurden von unserer Politik verdummt. Man gewöhnt sich eben mit der Zeit an ein gewisses niedriges Niveau. Dieser Niveauverlust ist aber nicht allein die Schuld der Politik, sondern auch der Medien, denen immer noch nichts besseres einfällt als Haider auf Cover zu knallen. Wer ab und zu die politische Diskussion und damit die politische Kultur in Deutschland verfolgt, weiß, was ich meine. Dort gibt es im Gegensatz zu uns einen gewissen Grundkonsens über ein Mindestmaß an politischer Kultur. Leider ist derzeit Angela Merkel dabei mit einem gnadenlos opportunistischen und ziellosen Kurs, dieses Niveau zu unterlaufen. Aber das ist eine andere Geschichte.

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