Das winpin Problem

von Gerald Bäck am 16.08.11

Ok, eigentlich sollte hier traditionellerweise eine Kritik zu den ORF-Sommergesprächen erscheinen. Aber Poltik und der ORF sind so ziemlich das letzte, womit ich mich zur Zeit beschäftigen möchte, es ist einfach zu hoffnungslos und deprimierend. Deswegen also winpin.

An den Plakaten mit dem roten Ball kommt derzeit in Wien wohl kaum vorbei und lang war unklar, worum es sich eigentlich handelt, irgendeine App mit Augmented Reality drin, hieß es lange Zeit. Schließlich wurde daraus eine Schnäppchen Schrägstrich Gutschein Schrägstrich Gewinnspielplattform von Gewista. Vom Businessstandpunkt ist das Unternehmen zumindest gewagt. Es wäre nicht die erste Schnäppchenplattform, die letztlich irgendwann das zeitliche segnet. Solche Plattformen haben ein großes Problem, mangelnde Kundenbindung. Die Gruppe, die durch solche Angebote angezogen wird, ist morgen schon bei der nächsten und übermorgen bei einer anderen Plattform, weil es dort bessere Deals gibt. Für die Gewista kann winpin trotzdem sinnvoll sein, weil die Plakatfläche zumindest im Sommer ohnehin nicht vollständig verkauft wird und weil man damit vielleicht den Erfolg von Werbekampagnen besser messen könnte.

Das Geschäftsmodell dahinter sind aber die Daten der User. Wie bei vielen Gratis-Angeboten ist auch hier der Kunde das Produkt. Das ist meiner Meinung nach durchaus legitim. Fraglich ist nur, was genau der Kunde alles preis gibt und das ist bei winpin ziemlich viel. Hier ein kleiner Auszug aus den winpin Teilnahmebedingungen:

Der/die TeilnehmerIn ist damit einverstanden, dass seine/ihre Daten durch WINPIN verwendet und dass die Daten auch über die gesetzlich vorgesehene Dauer hinaus, für eigene Marktforschungs-, Marketing- und Werbezwecke gespeichert und verarbeitet werden und dass die die Sofortgewinne verteilende und die Gewinne im Rahmen eines kampagnenspezifischen Gewinnspiels auslosenden Unternehmen und die Unternehmen, die die Preise/Gewinne für das Bonus-Punkte-Programm zur Verfügung stellen, über WINPIN mit dem/die TeilnehmerIn zu Marktforschungs-, Marketing- und Werbezwecken in Kontakt treten. Die Daten des/der Teilnehmers/in werden nicht an Dritte, sofern diese nicht als Dienstleister für WINPIN tätig sind, weitergegeben.

Der/die TeilnehmerIn ist im Weiteren damit einverstanden, dass er von WINPIN zu Werbezwecken telefonisch oder per SMS kontaktiert wird.

Das heißt konkret:

  • Alle Daten des Users dürfen bis zu dessen Widerruf gespeichert werden.
  • Jeder User darf direkt beworben werden und zwar postalisch, per Email, per SMS und telefonisch.
  • Jeder User darf über alle Kanäle zum Zeck der Meinungsforschung befragt werden.
  • Alle Daten können an Dienstleister von winpin weiter gegeben werden, derzeit zumindest Gewista und Kraftwerk

Das heißt für einen popeligen Gutschein, kann jeder User angerufen und beworben werden: “Hallo, Sie haben doch letztes Monat den Slipeinlagengutschein bekommen…….” Aber gut, irgendwie kennt man das schon und meistens bleibt es dann bei irgendwelchen Newsletter, die im Spam-Ordner landen. Wirklich heftig ist der nächste Punkt:

Der/die TeilnehmerIn erklärt sich damit einverstanden, dass sein/ihr Vorname, Nachname, Wohnort samt einem Lichtbild seiner/ihrer Person auf der Website www.winpin.at, auf Twitter, Facebook oder sonstigen Social Media Kanälen sowie auf der Website der die Sofortgewinne und Gewinne ausspielenden Unternehmen veröffentlicht wird. Soweit der/die TeilnehmerIn bereits Fotos auf Facebook, Twitter oder sonstigen Social Media Kanälen veröffentlicht hat, ist WINPIN berechtigt, diese Fotos herunterzuladen und auf www.winpin.at und den genannten Social Media Kanälen zu veröffentlichen. Der/die TeilnehmerIn garantiert, dass sämtliche für vorstehend genannten Veröffentlichungen erforderlichen Rechte vorliegen und keine Rechte Dritter verletzt werden.

Das heißt

  • winpin darf mit Namen und Foto jedes Users auf der Website und allen möglichen Social Media Kanälen werben.
  • Zusätzlich darf winpin alle Fotos des Users auf Facebook und Twitter verwenden.
  • Und der User ist selbst verantwortlich für die Rechte der Fotos

Der letzte Punkt ist nahezu unmöglich zu erfüllen. Es bürdet dem User auf, die Rechte jedes einzelnen Fotos, das er auf Facebook postet, vorher darauf zu klären, ob winpin diese ebenfalls veröffentlichen darf. Nachdem die Vereinbarung aber auch für bisher veröffentlichte Bilder gilt, wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Aber spielen wir den Fall mal durch. Ein User postet auf seinem Facebook Profil ein Foto, das jemand anderer unter einer Creative Commons Share Alike Non Comercial Lizenz veröffentlicht hat, ganz legal. winpin kopiert das Foto und postet es ebenfalls. Nachdem winpin aber ein kommerzielles Unternehmen ist, ist die Veröffentlichung nicht lizenzfrei. Schließlich müsste der User Abgaben für winpin zahlen. Ob dieser Passus in den Nutzungsbedingungen rechtlich halten würde weiß ich nicht. Empfehlen kann ich aber nur, keinesfalls solche Nutzungsbedingungen zu akzeptieren.

UPDATE 18.8: Winpin hat mittlerweile auf unseren Druck hin Punkt 12 betreffend der Fotos entschärft. Gewinner dürfen jetzt entscheiden, ob sie genannt werden wollen. Nachdem aber zumindest für die Gewinner die Rechteabtretung bleibt, sollte jeder Gewinner schon aus Selbstschutz einer Veröffentlichung nicht zustimmen. Alle anderen kritisierten Punkte der winpin Nutzungsbedingungen blieben unverändert problematisch.

Wahlkarte hilft gegen SPÖ-Datensammler

von Gerald Bäck am 20.05.09

wahlurneBei jeder Wahl ärgere ich mich. Der geneigte Leser wird sich jetzt nicht wundern, denn schließlich ärgere ich mich über so Einiges. Zum Beispiel darüber, dass ich nicht aus Absicht aber trotzdem immer die Wahlverlierer wähle. Wäre ich abergläubig müsste ich bei der EU-Wahl die FPÖ wählen. Ich glaube aber an den lieben Gott und die Logik und deswegen werde ich die Grünen wählen. Gott, Logik, Grüne passt alles nicht so zusammen? Wurscht, erklär ich irgendwann mal. Abergläubige Grüne sollten sich also spätestens jetzt Sorgen machen, die anderen tun es wahrscheinlich ohnehin schon. Aber darum geht es heute ausnahmsweise überhaupt nicht, denn richtig sollte es heißen: Ich ärgere mich bei jedem Wahlgang.

Und zwar über die Wiener SPÖ, die extra zwei Wahlzeugen abstellt, um mitzuschreiben, wer wählen geht und wer nicht. Diese Mitschriften werden regelmäßig von einem Parteimitarbeiter abgeholt und in der jeweiligen Sektion oder Bezirkszentrale in eine Datenbank eingegeben. Die SPÖ macht das, um noch am Wahltag Mitglieder und vermeintliche Sympathisanten per Klingeltour zur Wahl zu animieren. Ok, bei mir haben die noch nie angeläutet, aber sie verfügen über relativ genaue Aufzeichnungen, wann ich wählen war und wann nicht. (Ja, Fischer gegen Fererro war mir einfach egal.) Ich bin kein Jurist und kann den Vorgang rechtlich leider nicht beurteilen, aber für mich gehört die Tatsache, ob ich an einer Wahl teilnehme oder nicht, ebenfalls zum Wahlgeheimnis und so lange ich das nicht preisgebe, geht’s auch keinen etwas an. Und wenn es vielleicht nicht unter das Wahlgeheimnis fällt, dann sollte doch zumindest die elektronische Aufzeichnung über meine Wahlteilnahme ein datenschutzrechtliches Problem darstellen.

Ein Anruf bei der SPÖ, eine Email an die Pressestelle und eine Twittermessage an @ElisabethHakel, die Pressesprecherin der SPÖ, blieben bisher leider unbeantwortet. Ich bin kein Jurist und kann die Rechtslage daher überhaupt nicht einschätzen, aber vielleicht wäre es interessant einen Musterprozess zu führen und so in Zukunft dieses Datensammeln der Wiener SPÖ zu unterbinden.

Wem aus verständlichen Gründen ein Prozess zu riskant und aufwändig ist, für den gibt es aber trotzdem eine Möglichkeit der SPÖ das Daten sammeln zumindest zu erschweren. Nämlich mit einer Wahlkarte und anschließender Wahl in einem anderen Bezirk oder zumindest in einem anderen Sprengel. Dadurch wird ein Tracking für die SPÖ relativ schwer, wenn auch wahrscheinlich nicht unmöglich. Wahlkarten kann man übrigens ganz bequem hier online bestellen.

Das Thema betrifft wahrscheinlich nicht nur sie SPÖ in Wien, sondern wahrscheinlich in anderen Bundesländern die ÖVP. Wäre interessant, wenn das Leser aus anderen Bundesländern hier berichten könnten.

Real Life Nude Patch

von Gerald Bäck am 22.10.08

Dass Sicherheitsfanatiker nicht ganz stubenrein sind, diese Vermutung hatte ich schon länger. Wer schon einmal am Flughafen aus der Schlange treten musste, weiß was ich meine. Aber jetzt hat die internationale Sicherheitshysterie einen neuen Höhepunkt erreicht.

Mich erinnert das an Nude Patches, die man für Computerspiele runterladen kann und schon steht die ohnehin meistens spärlich bekleidete Nachtelfin, Lara Croft oder Zelda nackig da. Jetzt soll es so eine Möglichkeit auch im “Real Life” geben. Das Opfer muss nur die Arme heben und schon tasten elektromagnetische Strahlen den Körper ab und geben ein Nacktbild auf den Bildschirm aus.

Mir persönlich ist es wirklich egal. Wenn jemand meinen übergewichtigen Körper unbedingt am Bildschirm sehen will, betrachte ich das als Kompliment, aber ich kann mir schon lebhaft vorstellen, welche Bemerkungen fallen werden, wenn die nächste Mädchenschulklasse durch den Scanner muss.

Natürlich wird von den so genannten Sicherheitsexperten versichert, dass keine Aufzeichnungen gemacht würden, die Gesichter unkenntlich wären und selbstverständlich alles ganz seriös und ernst gehandhabt würde. Die Geschichte der Sicherheitstechnik hat aber gezeigt, dass solche Möglichkeiten immer ausgenutzt werden. Das zeigt sich in  italienischen Abhörskandalen, bei der Aktenhandhabe im Innenministerium, beim Vorgehen der Behörden gegen Tierschützer. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis zum Beispiel Nacktaufnahmen von Prominenten im Internet auftauchen werden, schlimmere Dinge kann sich wohl jeder selbst vorstellen.

Der eigentliche Skandal an der Sache ist, dass die EU-Kommission die Genehmigung dieser Scanner am Parlament vorbei winken will. Zum Glück gibt es noch ein paar Abgeordnete wie zum Beispiel Eva Lichtenberger von den  Grünen, die sich dagegen im Europaparlament zur wehr setzt. Nützen wird es aber wohl nix.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien