Wer stiehlt von “Kunst hat Recht”?

von Gerald Bäck am 21.05.12

Nehmen wir mal an, es wäre tatsächlich sowas wie Raub oder Diebstahl, wenn jemand aus diesem vermaledeiten Internet etwas runterlädt? Genau das will uns die Urheberrechts-Industrie derzeit mit der Initiative Kunst hat Recht einreden. Denn schließlich war früher alles besser, als die Musikindustrie noch durch Musikkassetten getötet wurde,  Ö3 noch Andy Baum gespielt hat und Papermoon noch nix zum Basteln im Kindergarten war. Diesen KünstlerInnen geht’s jetzt total schlecht, nicht etwa weil keinen mehr interessiert, was sie so produzieren, sondern weil Ihnen die Gratiskultur ihre Lebensgrundlage entzieht.

Ich hab mich mal auf Pirate Bay begeben und erhoben, wer von den Initiatoren von Kunst hat Recht dort downloadbar ist:

Marco Angelini 0 torrents
Andy Baum 0 torrents
Mercedes Echerer 0 torrents
Karl-Markus Gauß 0 torrents
Sabine Gruber 0 torrents
Peter Henisch 0 torrents
Michael Kos 0 torrents
Danny Krausz 0 torrents
Peter Legat or Count Basic 2 torrents
Missy May 0 torrents
Cornelia Mooswalder 0 torrents
Barbara Neuwirth 0 torrents
Papermoon 3 torrents
Gerhard Ruiss 0 torrents
Helmut Peschina 0 torrents
Soap&Skin 5 torrents
Julya Rabinowich 0 torrents
Willi Resetarits oder Dr. Kurt Ostbahn 5 torrents
David Schalko 1   torrent
Harald Sicheritz 0 torrents
Johannes Maria Staud 0 torrents
Thomas Stipsits 0 torrents
Ulrike Truger 0 torrents

Summe 16 torrents
davon tatsächlich downloadbar 3 torrents

Von den auffindbaren 16 torrents waren übrigens nur 3 wirklich downloadbar, bei den anderen waren keine Seeds bzw. genügend Peers online, es könnte natürlich sein, dass man mit wochenlanger Geduld auch die anderen 13 Werke auf die Festplatte kriegt. Alle drei Downloads waren übrigens von Soap & Skin, die ich natürlich umgehend nach dem Check wieder gelöscht habe, gibt’s ja ohnehin ganz legal auf Spotify, falls ich die irgendwann wirklich einmal hören wollte.

Ich frage mich schon länger, wer eigentlich die Bücher von Gerhard Ruiss überhaupt liest und warum der so Angst vorm Internet hat. Eine Suche nach Skrillex ergab übrigens 161 Ergebnisse und nach Harry Potter mehr als 1000. Der am meisten runtergeladene Österreicher dürfte meiner Vermutung nach Arnold Schwarzenegger sein. Man sieht also, Publikumsinteresse und Verfügbarkeit im Internet sind ganz eng miteinander verbunden. Es interessiert einfach niemanden (mehr), was Andy Baum so tut und dafür ist keiner verantwortlich außer er selbst. Die InitiatorInnen der Kampagne kämpfen also für Hollywood, Madonna und Co, wenn sie von einer Festplattenabgabe schwafeln und von Deep Packet Inspection.

Ich bin bereit zu zahlen für Kunst, die mich inspiriert und interessiert. Ich zahle für Spotify und iTunes und kauf mir Bücher für meinen Kindle. Blöderweise ist da selten etwas aus Österreich dabei, weil unsere “KünstlerInnen” es einfach verpasst haben und jetzt da stehen, wie die Bierkutscher vor dem LKW. Kaum jemand der oben genannten InitiatorInnen hat übrigens eine halbwegs aktuelle Homepage geschweige denn eine Facebook-Seite. Die österreichische Urheberrechts-Industrie sollte also besser in die Ausbildung ihrer Mitglieder investieren als in windschiefe Kampagnen.

Das Google+ Experiment

von Gerald Bäck am 18.05.12

Ok vielleicht habe ich Google+ unrecht getan, mittlerweile haben mich doch unerwarter Weise einige Menschen kontaktiert, um mir von ihren positiven Google+ Erfahrungen zu berichten. Fast scheint es, als gäbe es eine kleine verschworene Google+ Gemeinde, die nicht nur aus Google MitarbeiterInnen besteht. Ich persönlich wäre ja froh, wenn es ein funktionierendes Social Network außerhalb von Facebook gäbe. Gerade Facebook ist nämlich gerade drauf und dran durch seine geschlossenen Datensilos das Internet in seiner Offenheit als ganzes zu gefährden. Aber leider ist das den meisten Usern so wurscht wie eben Google+ oder die Vorratsdatenspeicherung.

Ich jedenfalls traue Google immer noch mehr als Facebook, Twitter oder Pinterest von der großen Zensurmaschine Apple brauchen wir gar nicht erst zu reden. Ich nutze begeistert App Engine, GMail, Apps, Docs, Chrome, Reader, jede Menge APIs und natürlich die Search. Ohne Zweifel ist Facebook für Google eine Bedrohung, ob es dabei allerdings Sinn macht, ein eigenes Social Network zu platzieren, bezweifle ich. Es half AOL nicht gegen Yahoo, auch ein Portal anzubieten, es half Yahoo nichts gegen Google, auch eine Suchmaschine anzubieten und es wird Google nicht helfen, auch ein Social Network anzubieten.

Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren und starte ich ein kleines persönliches Google+ Experiment. Ich werde ab morgen eine Woche lang nur Google+ einsetzen und auf Facebook und Twitter verzichten. Mal sehen wie das läuft, vielleicht wird es eine sehr einsame Woche oder es tun sich neue Welten auf, wir werden sehen. Zusätzlich werde ich hier ab und zu über meine Erfahrungen mit meiner Google+ Isolation berichten.

d-light und die Vorratsdatenspeicherung

von Gerald Bäck am 9.05.12

Es gibt Internetprovider, die begrüßen die Vorratsdatenspeicherung, es gibt viele Provider, die sind dagegen, müssen sie aber vollziehen und es gibt inkompetente, die keine Ahnung haben. Mein Provider d-light gehört zu den letzteren. Eigentlich hab ich ja blizznet (bei dem SSL-Zertifikat gewinnt man gleich Vertrauen!-), aber das kann man nicht direkt kaufen, sondern muss es bei d-light oder teletronic bestellen, keine Ahnung also, ob d-light tatsächlich mehr als ein Vertrieb oder doch so ein richtiger Provider ist. Aber ich hab einen Vertrag mit d-light also habe ich am 5.4.2012 folgende Email an d-light geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Seit 01. April ist in Österreich die Vorratsdatenspeicherung in Kraft. Ich möchte von Ihnen wissen welche Daten nun exakt über mich bei Ihnen für die Vorratsdatenspeicherung erfasst werden.

Dies betrifft beispielsweise, aber nicht ausschließlich, Daten wie IP Nummern, Account Namen, Email Adressen, Betreffzeilen, Zeitstempel sowie Geokoordinaten. Ich ersuche um eine taxative Auflistung aller Daten mit Kontext in welchen Fällen diese erfasst werden.

Des weiteren bitte ich um Informationen welche Maßnahmen Sie ergriffen haben um diese sensiblen Daten gegen Missbrauch zu schützen.

In Erwartung Ihrer geschätzten Antwort bis 10.4.2012 verbleibe ich

Soweit so gut. Am 10.4 erhielt ich dann folgende Antwort:

Sehr geehrter Herr Bäck,

wir sind gerade bei der Überprüfung ob wir bzw. in welchen Ausmaß wir in das Gesetz der Vorratsdatenspeicherung fallen. Sobald
wir nähere Informationen dazu haben, können wir Sie gerne darüber in Kenntnis setzen.

Alle weiteren Details zur Vorratsspeicherung finden Sie in den Medien.

Mit freundlichen Grüßen

H. W.
Teamleiter Support

d-light prüft also am 10.4 die Gesetzeslage. Naja immerhin ehrlich. Ich schoss also eine kurze EMail nach:

heißt das sie speichern derzeit keine daten über mich?

Nach zwei weiteren Erinnerungen meinerseits erhalte ich dann folgende Antwort am 26.4.

Sehr geehrter Herr Bäck,

vielen Dank für Ihre Erinnerung. Wir sind zur Zeit noch an der Prüfung mit unseren Lieferanten bzgl. der gesetzlich vorgeschrieben Vorratsdatenspeicherung.
Sie erhalten eine Rückmeldung bis Ende kommender Woche.

Mit freundlichen Grüßen

K. S.
Teamleiter Customer Service

Immerhin schon zwei verschiedene Teamleiter, die sich mit meiner Anfrage beschäftigen. Aber halten wir fest Tag 26 seit Inkrafttreten der VDS und d-light weiß immer noch nicht, ob gespeichert werden muss und was schon gespeichert wird. Wiederum nach mehreren Erinnerungen und Nachfragen meinerseits, erhielt ich am 8.5.2012 wieder elektronische Post:

Sehr geehrter Herr Bäck,

seit 1. April 2012 sind wir D-Light gesetzlich verpflichtet zur Vorratsdatenspeicherung.

Weitere Informationen zur Vorratsdatenspeicherung entnehmen Sie bitte dem Link:

http://www.justiz.gv.at/internet/file/2c94848535a081cf013653f8c0da05e2.de.0/faqs.pdf

Mit freundlichen Grüßen

H. W.
Teamleiter Technischer Support

Immerhin mehr als ein Monat nach Inkrafttreten der Vorratsdatenspeicherung hat d-light den Gesetzestext entdeckt. Leider weiß ich immer noch nicht, was mit meinen Daten vor dem 8.5.2012 geschah und was genau nun von d-light gespeichert wird.

Was also tun? Die ARGE Daten empfiehlt den Antrag auf Löschung der Vorratsdaten an den Provider zu schicken, was ich natürlich sofort getan habe. Mal sehen was als nächstes passiert.

 

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien