Zum Frauentag

von Gerald Bäck am 8.03.11

Keine TV-Sendung, kein Radiobeitrag zum Frauentag, zur Gleichberechtigung oder zur Kindererziehung vergeht, ohne dass nicht einer von ihnen dabei wäre. Männer vom Typus streberhafter Karenzvater, die sich ihren Applaus abholen, weil sie doch in der Nacht ganz heldenhaft die Windeln wechseln und unter Tags den Kinderwagen zum Kaffee Latte trinken mitnehmen. Bei mir verursacht diese zur Schaustellung gönnerhaften Männertums höchstens Würgereflexe.

Andererseits ist es auch zu verlockend, als Vater in Karenz genießt man immer und überall einen Sonderbonus, den man Müttern so nie zubilligen würde. Du kommst zu spät zu einem Termin? Kein Problem einem Vater in Karenz wird das verziehen. Du nimmst Dein Kind zu einem geschäftlichen Termin mit? Alle finden es toll. Auch diese Möglichkeit haben Frauen mit Kind wohl weniger. Allerdings sind es vor allem Frauen, die einem diese Sonderbehandlung zu Teil werden lassen. Da wird man schon mal in der U-Bahn angeflirtet, öffentlich gelobt, wie toll und modern (sic!) das nicht sei. Kurzum alle sind fröhlich und es schlägt dem gemeinen Vater in Karenz nur Bewunderung entgegen. Ganz so als hätte man gerade den Mount Everest bezwungen oder wäre gerade von der ersten Marslandung zurückgekommen. Es gibt aber noch eine zweite Gruppe von Frauen, die neben der Bewunderung auch noch gute Tipps auf Lager haben, denn schließlich wissen Frauen es dann doch besser. Da wird man schonmal darauf hingewiesen, dass dem Baby jetzt ganz bestimmt heiß sei oder gefragt, ob es denn nicht vielleicht doch Hunger habe. Manche stellen auch Kontrollfragen, wann es zuletzt gegessen oder geschlafen habe oder ob es denn mit sieben Monaten eh schon sitzen könne.

Letztlich offenbaren beide Verhaltensweisen Geisteshaltungen unserer Gesellschaft, die sich schwer verdrängen lassen. Die beiden Prämissen dieser Geisteshaltung lauten:

  • Frauen sind von Natur aus zur Kindererziehung verpflichtet oder gar verdammt. Deswegen werden Väter in Karenz bewundert wie Typen aus der Freakshow.
  • Frauen können Kindererziehung besser. Väter sind da nur die zweitbeste Lösung.

Dazu kommen ähnlich streberische Bobofrauen wie zum Beispiel die Königin der SpießbürgerInnen Doris Knecht. Die letztlich sehr wohl ein klassisches Rollenbild verkörpern, dieses aber lediglich mit ein wenig vermeintlicher Coolness öffentlich per Kolumne aufpeppen. Aber auch die Frauenministerin, die drauf beharrt, dass die Obsorge für Kinder bei der Frau bleiben muss, unterstützt damit lediglich den Status Quo, der prinzipiell Erziehungskompetenz den Frauen zuordnet.

Was hilft?

Quoten sind gut aber nur eine Maßnahme zur positiven Diskriminierung von Frauen. Letztlich müssen wir bei der Erziehung unserer Kinder ansetzen. Die ist derzeit durch und durch in weiblicher Hand und deren Vorbildwirkung geprägt. Männer müssen selbstverständlich und nicht als streberhafte Exoten nicht nur Verantwortung für die Erziehung übernehmen sondern auch in unserem Erziehungssystem. Das heißt es braucht auch eine Männerquote bei den KindergärtnerInnen und VolksschullehrerInnen. Schwierig zu erreichen, weil das eben nicht unbedingt die Jobs sind, um die sich Männer reißen. Wie gesagt ich bin für die Frauenquote auf möglichst vielen Ebenen, aber sie bleibt eine radikale Zwangsmaßnahme. Eine ähnliche radikale Zwangsmaßnahme muss auch im Erziehungsbereich her, dort müssen insgesamt die Gehälter steigen, besonders für Männer, um einen Anreiz zu schaffen.

100 Tage Grüne in der Wiener Stadtregierung

von Gerald Bäck am 1.03.11

BäckBlog hat den geheimen Algorithmus der Wiener Grünen entdeckt:

while(in_array($grune, $stadtregierung)) {
	mode_government();
}

function mode_government() {
	if $proposal=='red' {
		echo "juhuu";
	}
	else {
		echo ""; #keep quiet, do nothing, no mistakes
	}
	if $democracy > 0.1 {
		found_commission();
	}
}

function found_commission() {
	sleep(640800);
}

function mode_opposition() {
	echo "blog this";
	echo "blog that";
	echo "make a sondersitzung about SPÖ";
	echo "blub";
	echo "tweet something";
	echo "speak about participation";
}

Der Opernball und die Prostitution

von Gerald Bäck am 23.02.11

Richard Lugner hat es also wiedermal geschafft. Er lädt die ehemalige Mätresse Berlusconis und illegal arbeitende Prostituierte Ruby zum Opernball ein. Mir ist es ja wurscht was Herr Lugner macht, meistens zumindest, obwohl er auf unbeabsichtigte Weise sehr unterhaltsam sein kann und ich mich dem High-Society Porno dann doch nicht immer entziehen kann. Aber wirklich beschämend ist die Reaktion von ORF und Opernballorganisation.

“Das ist die größte Peinlichkeit, die Herr Lugner jemals gemacht hat. Es ist traurig, beschämend und pietätlos”

sagt die Opernball-Organisatorin Desiree Treichl-Stürkh. Noch weiter Wolfgang ” ich scheiß aufs Internet” Lorenz:

Die Mitarbeiter mögen das Fest “nicht zum Nuttenball umfunktionieren”, schreibt Lorenz in dem Mail. Gegenüber der APA bestätigte er dies.

Ich frage mich, wie traurig und pietätlos sind solche Aussagen. Denn mal ehrlich, die junge Dame ist ganz bestimmt nicht die erste und auch nicht die letzte Prostituierte, die den Opernball besucht. Die Reaktion der “Offiziellen” zeigt vielmehr wieder ein falsches Verhältnis im Umgang mit Frauen, denn würde der Freier Berlusconi den Opernball besuchen, hätte wohl niemand der Herrschaften etwas dagegen. Was gibt Ihnen das Recht, über eine Frau zu urteilen, die höchstens mindere strafrechtliche Vergehen begangen hat. Ich vermisse die Empörung von Frau Treichl wenn wieder mal irgendein Schlächter aus dem Gadaffi Clan, der schon erwähnte Berlusconi oder die Grassers am Opernball antanzen. Mit diesem dummen aber auch entlarvenden Reaktionen wird meiner Meinung nach folgendes untermauert:

  • Prostitution ist böse wenn sie offensichtlich wird
  • Für Steuerhinterzieher, Massenmörder und Gesetzesbrecher aller Art ist aber sehr wohl Platz
  • Elitenfreundlichkeit und Frauenfeindlichkeit sind hier ein Ding
  • Wolfgang Lorenz hat keine Manieren und ist pietätlos
  • Egal was passiert, Richard Lugner gewinnt im Rennen um Aufmerksamkeit
Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien