NÖM - Ist Ethnomarketing kontraproduktiv?

von Gerald Bäck am 2.09.10

grosse_aufregung_tuerkische_milch_44512_1526443597125_1115719607_31529508_5495892_n20100825125152Phillip Sonderegger hat sich im aktuellen GAP mit den türkisch bedruckten NÖM-Milchpackerln beschäftigt. In seiner Analyse kann ich ihm zu Großteil recht geben. Es ist schlicht nicht verständlich, warum ein paar Liter Milch so ein Aufsehen verursachen und so teilweise heftige Gegenreaktionen bis zum Boykottaufruf verursachen. Auf der anderen Seite wurde die NÖM Aktion überschwänglich begrüßt und für ihr Integrationspotenzial gelobt.

Und genau da setzen meine Zweifel an. Ich denke, aus der Sicht der Firma NÖM, war es eine gute und kluge Aktion, aber ob es ein Beitrag zur Vielfalt und zur Integration ist, wage ich bezweifeln. Mit der Integration ist das so eine Sache, sie wird oft mit Assimilation verwechselt, dabei heißt zumindest meiner Meinung nach Integration, ein aktiver Teil der Kultur zu werden. Das heißt dann eben nicht, dass jeder Gastarbeiter Schweinsschnitzel essen, einen Trachtenjanker anziehen und ein paar Achterl beim Heurigen trinken muss. Vielmehr wäre es ein Zeichen von funktionierender Integration, dass eben das Mitgebrachte Platz in unserer Gesellschaft hat. Das beginnt beim Dönerstand und endet nicht beim Bau von Minaretten und freier Religionsausübung.

Wenn jetzt aber österreichischen Produkte in türkischer Sprache ausgeliefert werden, dann ist das vor allem ein Zeichen von nicht funktionierender Integration. Es ist ein Zeichen dafür, dass Politik und Gesellschaft es versäumt haben, türkische Mitbürger zu integrieren, statt dessen wurden sie isoliert und müssen jetzt mit Ethnomarketing angesprochen werden. Aus der Sicht der NÖM eine tolle Sache, aber aus gesellschaftlicher wohl weniger.

Schäm Dich, Kleiderbauer

von Gerald Bäck am 4.08.10

Ein Blogger macht ein Interview mit einem Tierschützer, ob der Tierschützer ein vermeintlicher oder richtiger ist, tut vorläufig nichts zur Sache. Im Interview behauptet der Interviewte wahrscheinlich Unrichtiges über Kleiderbauer. Was macht Kleiderbauer? Man schreibt einen Anwaltsbrief, begehrt Gegendarstellungen und fordert Kosten ein. Aber nicht etwa beim Interviewten, sondern beim Blogger in seiner Eigenschaft als Medieninhaber.

Leider gibt der Blogger der anwaltlichen Einschüchterung durch Kleiderbauer nach, geht einen Vergleich ein und sitzt jetzt auf seinen Anwaltskosten und 5.000 Euro Entschädigung, die er an Kleiderbauer bzw. deren Anwälte zahlen muss. Meiner Meinung nach hätte man vorher schon an die Öffentlichkeit gehen und das Vorgehen Kleiderbauers enthüllen müssen, jetzt ist das leider zu spät. Jetzt ruft Jörg Wipplinger, so heißt der Blogger, zu spenden auf, was letztlich hieße, Geld an Kleiderbauer zu überweisen.

Interessant dabei ist, dass Kleiderbauer selbst gerne und zu Recht das Opfer gibt. Ohne Frage ist Kleiderbauer bzw. die MitarbeiterInnen ein Opfer radikaler Tierschützer geworden, gegen die es nicht einfach ist, sich zur Wehr zu setzen. Mir persönlich sind diese radikalisierten Tierschützer auch mehr als ungeheuer, wenn sie Buttersäureanschläge verüben oder wie in England Jadghütten anzünden.  Umso unverständlicher ist es, dass Kleiderbauer hier selbst zum Täter wird und einen Blogger schon mit seiner finanziellen und juristischen Übermacht an die Wand drückt und mehr oder weniger mundtot macht.

Was kann man jetzt noch tun? Nachdem die Sache juristisch gelaufen ist, hilft es nur noch, die Praktiken von Kleiderbauer weiter zu verbreiten, seinen Nachbarn zu erzählen, auf Facebook posten, twittern, bloggen und vielleicht sogar der Krone einen Leserbrief schreiben. Vielleicht kommt man dort ja noch zu Besinnung, wenn der öffentliche Druck etwas stärker wird.

Fußballrassismus auf diepresse.com

von Gerald Bäck am 22.06.10

image_fmbg_0_3Erinnert sich noch jemand an die Mohr im Hemd Diskussion, die letzten Sommer über Eskimo hereinbrach? Ich konnte Aufregung und Ärger über das Plakat damals wie heute nicht unbedingt nachvollziehen. Es gab und gibt meiner Meinung schlimmere Dinge als ein Eis nach einem Wort zu benennen, das ohnehin aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist und nur noch in einem kulinarischen Zusammenhang verwendet wird.

Eines dieser schlimmeren Dinge wurde vor zwei Tagen im Blog der Presse veröffentlicht. Unter dem Titel Afrikanische Heulsusen lässt sich der Autor über das relativ schlechte Abschneiden der afrikanischen Mannschaften bei der Fußball-WM aus. Da wird bemängelt, dass der Nigerianer Kaita nach seinem Ausschluss geweint hätte und sich wie ein kleines Kind benommen haben soll, dass der südafrikanische Tormann wie ein Verrückter herumspringe, als ob solche Emotionsausbrüche nicht auch bei anderen Teams vorkämen. Was würde der Autor etwa zu Diego Maradonna schreiben, wäre er Afrikaner?

Der Autor Stefan Riecher ist sich übrigens nicht zu blöd, auch noch vermeintlich deutsche Tugenden einzubringen:

Doch übertriebene Emotionen und fehlende Disziplin bringen die Teams um die Früchte ihrer Arbeit.

Als guter Vergleich dienen die Deutschen. Klose sieht Rot und verlässt das Spielfeld wie ein Mann. Podolski verschießt einen Elfer, ist kurz enttäuscht, spielt dann aber ordentlich weiter. Zum Glück hat noch kein Afrikaner einen Elfmeter verschossen. Der emotionale Tsunami wäre nicht anzuschauen.

Die Fans glücklich machen zu wollen, ist gut und schön, ebenso wie sich dem Fußball mit Herz und Seele zu verschreiben. Die Afrikaner übertreiben es aber, auf Kosten der Professionalität.

Da hätten wir also auf der einen Seite die nicht nur fußballerisch unterentwickelten Afrikaner. Die haben zwar den Rhythmus im Blut aber ihre Emotionen nicht im Griff und auf der anderen Seite die hochprofessionellen Tunierkicker aus Deutschland, die aber auch nichts aus der Ruhe bringen kann. Stefan Effenberg (Foto), Toni Schuhmacher, Rudi Völler hatten ja bekanntlich ihre Emotionen immer im Griff!-)

Liebe Presseredaktion, vielleicht habt ihr da was beim Bloggen nicht ganz verstanden. Es geht dabei nicht darum möglichst viel rassistischen Stuss zusammen zu schreiben.