Phillip Sonderegger hat sich im aktuellen GAP mit den türkisch bedruckten NÖM-Milchpackerln beschäftigt. In seiner Analyse kann ich ihm zu Großteil recht geben. Es ist schlicht nicht verständlich, warum ein paar Liter Milch so ein Aufsehen verursachen und so teilweise heftige Gegenreaktionen bis zum Boykottaufruf verursachen. Auf der anderen Seite wurde die NÖM Aktion überschwänglich begrüßt und für ihr Integrationspotenzial gelobt.
Und genau da setzen meine Zweifel an. Ich denke, aus der Sicht der Firma NÖM, war es eine gute und kluge Aktion, aber ob es ein Beitrag zur Vielfalt und zur Integration ist, wage ich bezweifeln. Mit der Integration ist das so eine Sache, sie wird oft mit Assimilation verwechselt, dabei heißt zumindest meiner Meinung nach Integration, ein aktiver Teil der Kultur zu werden. Das heißt dann eben nicht, dass jeder Gastarbeiter Schweinsschnitzel essen, einen Trachtenjanker anziehen und ein paar Achterl beim Heurigen trinken muss. Vielmehr wäre es ein Zeichen von funktionierender Integration, dass eben das Mitgebrachte Platz in unserer Gesellschaft hat. Das beginnt beim Dönerstand und endet nicht beim Bau von Minaretten und freier Religionsausübung.
Wenn jetzt aber österreichischen Produkte in türkischer Sprache ausgeliefert werden, dann ist das vor allem ein Zeichen von nicht funktionierender Integration. Es ist ein Zeichen dafür, dass Politik und Gesellschaft es versäumt haben, türkische Mitbürger zu integrieren, statt dessen wurden sie isoliert und müssen jetzt mit Ethnomarketing angesprochen werden. Aus der Sicht der NÖM eine tolle Sache, aber aus gesellschaftlicher wohl weniger.
Michael Häupl kann sich entspannt zurücklehnen. Während es HC Strache wiedermal nicht erwarten kann, den Jargon der 40er zu verwenden und so ohne Maske in der Wählergunst sinkt, spielen die Grünen Volksfront von Judäa gegen Judäische Volksfront. Die ÖVP konnte das nicht auf sich sitzen lassen und plakatiert einen sehr sympathisch wirkenden Bürgermeister quasi als Kapitulationserklärung.
Die Wiener ÖVP setzt also ihren hilflosen Fettnäpfchen-Wahlkampf fort. Das Plakat fügt sich nahtlos in die Forderung nach einer patroullierenden Militärpolzei auf der Kärntner Straße oder die gefekterten “Aber bitte auf Deutsch” Plakate. Zugegeben, die ÖVP, wie auch die Grünen befinden sich in einem strategischen Dilemma, denn egal wie die Wahl ausgeht, der Bürgermeister wird am Ende wieder Michael Häupl heißen. Verliert die SPÖ die Absolute dann haben beide nur die Möglichkeit, sich gegenseitig in den Verhandlungen zu unterbieten. Warum die ÖVP deswegen gleich Wahlwerbung für Häupl macht, könnte vielleicht schon diesem Wettbewerb geschuldet sein!-)
Auch der optische Vergleich der beiden heute vorgestellten ÖVP Plakate hilft bei dieser Frage nicht weiter. Denn Häupl wirkt auf diesem Plakat um einiges frischer und dynamischer als die statisch am Plakat klebende Marek. Aber das könnte eine Anlehnung an die letzte SPÖ/ÖVP Koalition in Wien sein, denn da bleibt ebenfalls die Frage bis heute unbeantwortet, was denn nun das Neue war, das die Herren Görg und Marboe in die Wiener Stadtregierung brachten? Außer dass die Wiener Verkehrsbetriebe jetzt auch am 1. Mai unterwegs sind, blieb mir da jedenfalls nicht viel im Gedächtnis. Das ist zwar eine nette Sache, reicht aber wahrscheinlich nicht aus, um sich einen prominenten Platz in der Wiener Stadtgeschichte zu sichern.
Der Wiener Wahlkampf wird uns also noch viele Überraschungen seitens der Wiener ÖVP und wahrscheinlich auch allen anderen Oppositionsparteien bringen und es darf vermutet werden, dass diese Überraschungen meistens positiv für die Bürgermeisterpartei sein werden. Warum ich mir da gerade bei der ÖVP so sicher bin? Weil ich denke, dass jemand der so ein Video auf seiner eigenen persönlichen Homepage eingebunden hatte, sowohl über schlechte Berater als auch über ein besonders schlechtes Urteilsvermögen verfügt.
Was bei den Wiener Grünen im Argen liegt und warum es schief läuft, habe ich hier schon öfter zu analysieren versucht. Aber nichts beschreibt die Misere besser als dieser Link:
In der Hauptrollen ein beleidigter zukünftiger Ex-Bezirksvorsteher und ein alter Bekannter namens Gerhard Ladstätter. In den Nebenrollen gibt es interessante Einblicke in die mangelnde demokratische Reife der Wiener Grünen. Fazit: Die falsche Partei, mit dem richtigen Programm!-(
Dass das Fernsehen nicht mehr den Platz inne hat, den es noch vor zehn Jahren hatte, zeigt sich nicht zuletzt in den Aktionen diverser Fernsehmacher auf das Ausbleiben der SeherInnen der jugendlichen Zielgruppe. Wie eine Studie von Fleishman-Hillard jetzt aufzeigt, ist – zumindest in Deutschland – das Fernsehen auch im Bereich der Kaufentscheidun […]