Anstiftung zur Todsünde

von Gerald Bäck am 12.03.10

Ich bin/war überzeugter Katholik und auch immer bereit trotz einiger offensichtlicher Mängel die katholische Kirche zu verteidigen, allerdings frage ich mich als logisch denkender Mensch mit einem Hang zu statistischen Auswertungen, ob die jüngst aufgedeckten Vorkommnisse rund um sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch Priester und Ordensleute nicht einfach systemimmanent sind?

Denn ganz ehrlich kennt jeder, der mit der Kirche auch nur entfernt zu tun hatte, Priester, denen hinter vorgehaltener Hand oder sogar offen zumindest distanzloses Verhalten nachgesagt wurde. Dabei rede ich nicht von Affären mit Pfarrersköchinen, die lediglich gegen das Zölibat verstoßen und daher nur ein internes Problem sind, mit dem die Amtskirche anscheinend nur dann ein Problem hat, wenn es an die Öffentlichkeit kommt. Ich persönlich kenne jedenfalls auch einen Fall eines Simmeringer Priesters, der nicht nur mehrere Nachwuchsfußballmannschaften sponsorte, um nach Training oder Match die Duschen inspizieren zu könnnen, sondern auch mit seinen Schützlingen seine hauseigene umfangreiche Pornosammlung in gemeinsamen Abenden ansah und manche davon sogar allein auf Auslandsreisen mitnahm. Uns als Spieler der gegenerischen Fußballmannschaft war das damals nicht mehr als ein paar homophobe Randbemerkungen wert, vor dem Hintergund der heutigen Ereignisse frage ich mich allerdings, welche Dinge dort noch passiert sein könnten und warum wir das toleriert haben. Der besagte Priester hatte allerdings anscheinend gar kein Problem damit, dass seine sexuellen Eskapaden öffentlich bekannt waren und ich behaupte mal, dass so etwas auch an seinen Kollegen nicht spurlos vorüber gegangen sein kann. Trotzdem unernahm die Kirche nichts.

Und die Kirche unternahm anscheiend bei unzähligen anderen und wahrscheinlich viel schwereren Fällen genau nichts, beziehungsweise verunglimpfte die Opfer noch nachträglich wie zum Beispiel beim Fall Groer. Denn das Problem dabei ist eben nicht der Zölibat, der führt höchstens zum Bruch des selbigen, sondern, dass die Kirche jahrzehntelang durch Vertuschungsmaßnahmen eben solche Päderasten angezogen und ihnen eine entsprechend freundliches Umfeld geboten hat. Es ist ja leider nicht so, dass Kinder nicht auch in anderen Erziehungseinrichtungen oder von nicht-katholischen Pädagogen sexuell belästigt wurden und werden. Nur sind diese in der Regel auf sich allein gestellt und werden einmal erwischt vor Gericht gestellt und entlassen. Nicht so in der katholischen Kirche, dort haben sie Verbündete gefunden, die bis hinauf zu Kardinal und Papst dieses Verhalten decken und im schlimmsten Fall eine Versetzung einleiten. Das heißt die Vertuschung führte zur Duldung und die Duldung letztlich zur Förderung dieses Verhaltens. Man könnte es auch als Anstiftung zur Todsünde bezeichnen.

Vor diesem Hintergrund kann ich als gläubiger Mensch die gestrige Wortmeldung von Kardinal Schöborn nur noch als zynisch bewerten, wenn er von einem Läuterungsprozess spricht und gleichzeitig eine neue Christenverfolgung hochstilisiert. Ein Schuldiger scheint ebenfalls schon gefunden, nämlich die 68er:

Dazu gehört die Frage der Priestererziehung genauso wie die Frage nach dem, was in der 68er-Generation mit der ’sexuellen Revolution’ geschehen ist.

schreibt Schönborn im Mitarbeitermagazin der Wiener Erzdiözese. Ich persönlich gebe nach solchen Aussagen die Hoffnung auf, dass sich in der Kirche nochmal irgendwas ändert.

Interessant ist hier wiedermal die Rolle der Politik. Während Internet-Nutzer ständig und immer stärker unter Pauschalverdacht gestellt werden und während MinisterInnen immer wieder die fiktive Kinderpornoindustrie an die Wand malen, passiert hier nichts. Dabei hat die Kirche eben jahrezehntelang Kinderschändung in den eigenen Reihen geduldet und letztlich gefördert. Und mit Steuergeld gefördet werden nach wie vor jene Institutionen, in denen die Verbrechen passierten und die Schüler eigentlich christliche Werte vermittelt bekommen sollten.

Diesmal Heinz Fischer

von Gerald Bäck am 4.03.10

Eigentlich hatte ich wieder vor, nicht zur Bundespräsidentschaftswahl zu gehen. Mir persönlich erscheint das Amt zu unnötig für eine persönliche, direkte Wahl. In unserer Realverfassung ist das Amt einfach zu unwichtig. Aber das ist nicht der einzige Grund. Beim letzten Mal verweigerte ich die Stimmabgabe, weil mir keiner der beiden Favoriten besonders attraktiv erschein. Das gilt natürlich in gewisser Weise heute noch.

Aber, Heinz Fischer war ein solider Präsident, der sich wohltuend von eitlen Gekentum seines Vorgängers abhob. Wirkliche Krisen hatte er nicht zu meistern. Das größte Argument gegen Heinz Fischer ist sein Part in der Causa Simon Wiesenthal und seine nahezu konturlose Rolle in den letzten 50 Jahren Innenpolitik. Es sind also auch in den nächsten sechs Jahren keine Überraschungen von Heinz Fischer zu erwarten und das ist auch irgendwie beruhigend. Nur diesmal geht es gar nicht um Heinz Fischer, diesmal gehts darum, die FPÖ und die Krone in die Schranken zu weisen.

Ich hasse eigentlich solche Pathetik, weil es eben sehr leicht in einen Kreuzzug ausarten kann, wie ihn die Grünen zwar zu Recht aber mit viel zu viel Aufwand gegen Martin Graf führen, aber diesmal geht es um mehr. Nicht nur, dass man Frau Rosenkranz ungestraft einen Kellernazi nennen darf und die Frau ein Problem mit der Wahrheit bezüglich Auschwitz hat. Es geht auch um die Kronen Zeitung, deren Herausgeber nicht nur seine Leser offensichtlich für seine ganz eigene willfährige Wählermasse hält, sondern auch viel zu viel Beachtung von den PolitikerInnen dieses Landes erhält. Es gilt daher gar nicht so sehr eine Cordon Sanitär gegen die FPÖ und ihre Kellernazis zu bilden, sondern gegenüber der Kronenzeitung und ihren widerlichen, schmierigen Pandis, Wolf Martins und Jeanees.

Deswegen sehe ich die Kandidatur Rosenkranzs nicht als Problem sondern als Chance zu zeigen, dass die Kronen Zeitung eben nicht die Macht hat, die ihr gerne zugestanden wird. Endlich haben wir den klassischen Kampf Gut gegen Böse, die Whitehats gegen die Blackhats, die böse Hexe gegen Schneewitchen!-) Vielleicht versteht das dann auch Herr Faymann und Herr Gusenbauer und denken vor dem Abschicken des nächsten Leserbriefes daran. Frei nach Armin Thurnher geht es darum, wer stärker ist, BäckBlog oder Krone!-) Ich bin zuversichtlich, dass sich Heinz Fischer und das BäckBlog durchsetzen werden!-)

HC Strache for UHBP

von Gerald Bäck am 24.02.10

Ich habe mich geirrt, als ich die den Auftakt zur Kampagne von Bundespräsident Heinz Fischer als verunglückt bezeichnet habe. Aus einer Social Media Sicht mag das zwar stimmen, aber selbst dort machen das seine engen Mitarbeiter der Internetmicki und der Wahlkampfmicki sehr geschickt. Dass der unsäglich schmierige Klaus Pandi - der Dominic Heinzl unter den Politikjournalisten - Stefan Bachleitner als Wahlkampfmicki runtergeputzt hat, wird diesem nicht nur nicht gerecht, sondern sollte eher als Auszeichnung verstanden werden, was die Sache aber nicht besser macht. Ich halte auch das Video nach wie vor für gespreizt, gestellt und unnatürlich, aber ein lockeres Video ist mit dem Kandidaten wahrscheinlich nicht drin. Trotzdem war der Auftakt zur Kampagne aus heutiger Sicht ein voller Erfolg, weil eben trotz Youtube Auftritt nicht das Web-Publikum die Zielgruppe war, sondern die klassischen Medien. Die neuerliche Kandidatur wäre nämlich keine echte Nachricht gewesen, aber dass er das über Youtube bekannt gibt, schon. Nur so konnte das eigene Bildmaterial in der ZIB1 untergebracht werden und nur so konnte eine so massive Berichterstattung in der Printmedien initiiert werden. Der nächste, der seine Kandidatur über Youtube bekannt gibt, wird diesen Effekt wahrscheinlich nicht mehr voll nützen können.

Gewonnen hat Heinz Fischer die Wahl ohnehin schon, bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hat. Wichtig ist aus seiner Sicht nur noch die Wahlbeteiligung, denn egal wer antritt, die Person wird kein Gegner für Heinz Fischer sein.

Mittlerweile hat allerdings die FPÖ bekannt gegeben, ebenfalls mit einem eigenen Kadidaten antreten zu wollen. Und ich hoffe, dass es HC Strache ist. Es wäre der größte Fehler den die FPÖ machen könnte. Denn bisher hat die Strache-FPÖ Wahlen nicht wegen ihres Spitzenkandiaten gewonnen, sondern weil die FPÖ zur Single-Issue Partei wurde. Ich hab ja nichts gegen Single-Issue Parteien, die Grünen waren mal eine, bis sie zur No-Issue Partei wurden und die Piraten werden hoffentlich irgendwann mal eine ernstzunehmende Single-Issue Alternative. Bei der FPÖ scheitert es leider am falschen Issue. In zwei Worten ließe sich die Partei am einfachsten mit bösartig und fremdenfeindlich beschreiben. Aber darüber will ich mich gar nicht auslassen, den Martin Grafs dieser Welt wird ohnehin viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. So viel, dass manche Organisationen dabei ihre eigentlichen politischen Ziele vergessen und sich nur noch in ihrer Feindschaft zur FPÖ definieren. Ein externer Feind ist eben etwas sehr praktisches und lässt sich herrlich in die so geliebte Antifa-Folklore einbauen.

Warum ich hoffe, dass HC Strache antritt, ist ganz einfach. Weil mit Single-Issue bei der Bundespräsidentenwahl nichts zu holen ist. Kein Österreicher, keine Österreicherin wird sich mit den üblichen ausländerfeindlichen Parolen hinter dem Ofen hervorlocken lassen. Medien und WählerInnen werde sich bei dieser Wahl auf das konzentrieren, worum es geht: Auf die Personen. Und wenn es um die Person geht, kann HC Strache nur verlieren. Dazu fehlt es ihm nicht nur an Integrität und Schlagfertigkeit, sondern auch an Intelligenz und Allgemeinbildung. Einen Schmäh, der im Bierzelt gut ankommt, den möchte keiner in der Hofburg haben, nicht einmal die Bierzeltbesucher. HC Strache würde meiner Meinung nach jedenfalls unter dem FPÖ Wahlergebnis bleiben. Es wäre die Möglichkeit, die FPÖ zu entzaubern, die immer wieder siegen muss, um den volksnahen Nimbus zu erhalten.

Bei einer Kandidatin Rosenkranz wäre die Sache übrigens ähnlich. Die ist zwar nicht ganz so dumm wie HC aber kaum öffentlichwirksam, weil sie zu verschroben ist. Im übrigen würde ihr rechtsradikales Familienumfeld mit einem Ehemann, der für eine Organisation tätig war, die wegen Wiederbetätigung verboten wurde, wohl ebenfalls nicht so gut bei der Bevölkerung ankommen. Allerdings könnte sich bei einer Niederlage von Rosenkranz Strache ganz elegant abputzen.

Ein gutmenschlicher Aufschrei gegen Strache oder Rosenkranz wäre, so verständlich der auch sein mag, wie meistens kontraproduktiv und ungefähr genauso sinnvoll wie das entfrienden von Strache Freunden auf Facebook, das gerade Mode zu sein scheint.