Warum’s hier keinen flattr Button gibt

von Gerald Bäck am 11.07.10

Ich stehe den Projekt flattr eigentlich positiv gegenüber, weil ich es für einen ersten Gegenentwurf zur Kulturflatrate halte. Die Kulturflatrate hat nämlich mehrere Probleme. Das größte, dass es eigentlich eine Besteuerung von Breitband-Internetzugängen ist. Und gerade das wollen wir ja nicht, sondern Ziel sollte es, dass möglichst viele Menschen möglichst günstig online gehen können. Einmal abgesehen von den Kosten bringt die Kulturflatrate noch zwei weitere Übel mit sich. Entweder fördert man damit eine Datenspeicherung durch den Staat an der George Orwell seine Freude hätte, oder die Flatrate wird nach einem Schlüssel verteilt, den die Verwertungsgesellschaften willkürlich festlegen, wie das bei der Leerkassettenvergütung schon der Fall ist. Zweiteres führt dazu, dass arrivierte Künstler noch mehr abcashen, erster führt nicht nur zu einer umfassenden Überwachung unseres Online-Lebens, sondern auch zu massiven Umsatzzuwächsen für die Pornoindustrie.

Also dann doch flattr. flattr ist also eine Art Micropayment, das voraussetzt, dass jeder der durch flattr kassieren möchte auch selbst Geld verteilt. Das heißt, möchte ich auf meinem Blog einen flattr Button einbinden, muss ich mir zuerst einen Account besorgen und dort Geld einzahlen und auch ab und zu andere flattr Buttons anklicken und monatlich mindestens 2 Euro einzahlen.

Die große Umverteilung?

Letztlich führt das dann aber im besten Fall dazu, dass sich eben BloggerInnen gegenseitig anklicken und ähnliche Einnahmen wie Ausgaben haben. Ähnlich einem Freundeskreis im Wirthaus, wo jeder mal eine Runde zahlt. Im schlechtesten Fall – und die Tendenzen zeigen in diese Richtung – führt es zu einer Umverteilung nach oben. Das heißt kleine Blogs generieren relativ wenig Umsatz und finanzieren aber mit ihrer Masse die großen Blogs mit. So konnte die taz im Juni circa 1000 Euro mit flattr erlösen währen die meisten BloggerInnen unter 10 Euro blieben. Letztlich fördert also flattr den Mainstream bzw die großen Anbieter. Schon allein dadurch, dass es nicht möglich ist weniger als 2 Euro monatlich für flattr auszugeben, wenn man den Button auf dem eigenen Blog funktional halten maöchte, führt zu diesem Effekt.

Was wird geflattred?

Ähnlich wie beim Facebook Like Button stellt sich auch die Frage, was denn eigentlich geflattred wird. Obwohl ich den Begriff Geistiges Eigentum ablehne, stellt sich die Frage, mit wessen Content denn da nun Geld verdient wird? Zum Beispiel kann man bei webtermine.at jeden einzelnen Termin flattren. Was wiederum die Frage aufwirft, ob damit die zweifellos vorhandene Leistung des webtermine.at Teams gemeint ist oder doch die Veranstaltung an sich. Die gleiche Frage, wenn auch nicht so krass, stellt sich auch bei News und Kommentaren.

Schließlich führt flattr auch so nebenbei zu flattr optimierten Artikeln, die möglichst viele flattres generieren sollen. Wie die taz in ihrem Blog schreibt, wurden vor allem Artikel gegen Nazis, Adel, Bild und Bundesregierung geflattred, die Qualität der Artikel war also weniger relevant als die Tendenz. Prinzipiell ist da auch nichts dabei, wenn das dazu führt, dass jemand Artikel schreibt, um möglichst hohe flattr Umsätze zu machen, ich möchte mich jedoch hier gar nicht in die Versuchung eines quotenoptimierten Schreibens geben.

Zahlen für Artikel? Will ich sowas?

Für mich lautet die Antwort Nein. Die Währung mit der in diesem Blog bezahlt wird, ist Aufmerksamkeit in der Form von Visits, Kommentaren und Backlinks und das reicht mir. Ich wollte damit nie irgendwas verdienen und die Kosten fürs Bloggen halten sich mit rund 5 Euro monatlich doch irgendwie in Grenzen. Ich glaube auch generell nicht daran, dass man in Österreich mit Bloggen ausreichend Geld auf direktem Weg verdienen könnte, auch wenn ich allen, die das versuchen die Daumen drücke.

Ich halte also flattr für ein spannendes Projekt, das aber auf Grund der Verteilungsproblematik nicht zu Ende gedacht wurde. Vielleicht wäre ja Kachingle eine Alternative, allerdings werden dort für meinen Geschmack zu viele persönliche Daten veröffentlicht, aber dazu ein andermal mehr.

BäckBlog Politikpodcast VIII

von Gerald Bäck am 5.07.10

Und wieder haben wir uns zusammen gefunden, um uns an der österreichischen und internationalen Politik abzuarbeiten. Diesmal waren Susanne Zöhrer, Max Kossatz, Martin Schimak und ich mit dabei. Unter anderem haben wir uns um die folgenden Themen bemüht:

  • Arigona Zogaj wird entgültig abgeschoben
  • Genug ist Genug Demonstration
  • Was ist nur mit den Wiener Grünen los?
  • Was ist nur mit der Wiener ÖVP los?
  • Castle Wulffenstein wurde erst im dritten Wahlgang eingeweiht
  • Norbert Darabos schreibt einen Brief im Namen der Fans
  • Wer wird Weltmeister?
 

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Fußballrassismus auf diepresse.com

von Gerald Bäck am 22.06.10

image_fmbg_0_3Erinnert sich noch jemand an die Mohr im Hemd Diskussion, die letzten Sommer über Eskimo hereinbrach? Ich konnte Aufregung und Ärger über das Plakat damals wie heute nicht unbedingt nachvollziehen. Es gab und gibt meiner Meinung schlimmere Dinge als ein Eis nach einem Wort zu benennen, das ohnehin aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist und nur noch in einem kulinarischen Zusammenhang verwendet wird.

Eines dieser schlimmeren Dinge wurde vor zwei Tagen im Blog der Presse veröffentlicht. Unter dem Titel Afrikanische Heulsusen lässt sich der Autor über das relativ schlechte Abschneiden der afrikanischen Mannschaften bei der Fußball-WM aus. Da wird bemängelt, dass der Nigerianer Kaita nach seinem Ausschluss geweint hätte und sich wie ein kleines Kind benommen haben soll, dass der südafrikanische Tormann wie ein Verrückter herumspringe, als ob solche Emotionsausbrüche nicht auch bei anderen Teams vorkämen. Was würde der Autor etwa zu Diego Maradonna schreiben, wäre er Afrikaner?

Der Autor Stefan Riecher ist sich übrigens nicht zu blöd, auch noch vermeintlich deutsche Tugenden einzubringen:

Doch übertriebene Emotionen und fehlende Disziplin bringen die Teams um die Früchte ihrer Arbeit.

Als guter Vergleich dienen die Deutschen. Klose sieht Rot und verlässt das Spielfeld wie ein Mann. Podolski verschießt einen Elfer, ist kurz enttäuscht, spielt dann aber ordentlich weiter. Zum Glück hat noch kein Afrikaner einen Elfmeter verschossen. Der emotionale Tsunami wäre nicht anzuschauen.

Die Fans glücklich machen zu wollen, ist gut und schön, ebenso wie sich dem Fußball mit Herz und Seele zu verschreiben. Die Afrikaner übertreiben es aber, auf Kosten der Professionalität.

Da hätten wir also auf der einen Seite die nicht nur fußballerisch unterentwickelten Afrikaner. Die haben zwar den Rhythmus im Blut aber ihre Emotionen nicht im Griff und auf der anderen Seite die hochprofessionellen Tunierkicker aus Deutschland, die aber auch nichts aus der Ruhe bringen kann. Stefan Effenberg (Foto), Toni Schuhmacher, Rudi Völler hatten ja bekanntlich ihre Emotionen immer im Griff!-)

Liebe Presseredaktion, vielleicht habt ihr da was beim Bloggen nicht ganz verstanden. Es geht dabei nicht darum möglichst viel rassistischen Stuss zusammen zu schreiben.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien