Schäm Dich, Kleiderbauer

von Gerald Bäck am 4.08.10

Ein Blogger macht ein Interview mit einem Tierschützer, ob der Tierschützer ein vermeintlicher oder richtiger ist, tut vorläufig nichts zur Sache. Im Interview behauptet der Interviewte wahrscheinlich Unrichtiges über Kleiderbauer. Was macht Kleiderbauer? Man schreibt einen Anwaltsbrief, begehrt Gegendarstellungen und fordert Kosten ein. Aber nicht etwa beim Interviewten, sondern beim Blogger in seiner Eigenschaft als Medieninhaber.

Leider gibt der Blogger der anwaltlichen Einschüchterung durch Kleiderbauer nach, geht einen Vergleich ein und sitzt jetzt auf seinen Anwaltskosten und 5.000 Euro Entschädigung, die er an Kleiderbauer bzw. deren Anwälte zahlen muss. Meiner Meinung nach hätte man vorher schon an die Öffentlichkeit gehen und das Vorgehen Kleiderbauers enthüllen müssen, jetzt ist das leider zu spät. Jetzt ruft Jörg Wipplinger, so heißt der Blogger, zu spenden auf, was letztlich hieße, Geld an Kleiderbauer zu überweisen.

Interessant dabei ist, dass Kleiderbauer selbst gerne und zu Recht das Opfer gibt. Ohne Frage ist Kleiderbauer bzw. die MitarbeiterInnen ein Opfer radikaler Tierschützer geworden, gegen die es nicht einfach ist, sich zur Wehr zu setzen. Mir persönlich sind diese radikalisierten Tierschützer auch mehr als ungeheuer, wenn sie Buttersäureanschläge verüben oder wie in England Jadghütten anzünden.  Umso unverständlicher ist es, dass Kleiderbauer hier selbst zum Täter wird und einen Blogger schon mit seiner finanziellen und juristischen Übermacht an die Wand drückt und mehr oder weniger mundtot macht.

Was kann man jetzt noch tun? Nachdem die Sache juristisch gelaufen ist, hilft es nur noch, die Praktiken von Kleiderbauer weiter zu verbreiten, seinen Nachbarn zu erzählen, auf Facebook posten, twittern, bloggen und vielleicht sogar der Krone einen Leserbrief schreiben. Vielleicht kommt man dort ja noch zu Besinnung, wenn der öffentliche Druck etwas stärker wird.

BäckBlog Politikpodcast IX

von Gerald Bäck am 12.07.10

Im 9. BäckBlog Politikpodcast haben wir, Natascha Chrobok, Susanne Zöhrer, Max Kossatz, Martin Schimak und ich uns mit folgend dringenden Fragestellungen beschäftigt:

  • Warum zum Henker winkt das EU-Parlament das SWIFT Abkommen durch?
  • Soll die Wehrpflicht abgeschafft werden?
  • Was machen Tötschinger und Jurkic bei der Wiener ÖVP?
  • Soll es progressive Leitmedien geben?
  • Was haben Andreas Unterberger und Robert Misik gemeinsam?
 

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Warum’s hier keinen flattr Button gibt

von Gerald Bäck am 11.07.10

Ich stehe den Projekt flattr eigentlich positiv gegenüber, weil ich es für einen ersten Gegenentwurf zur Kulturflatrate halte. Die Kulturflatrate hat nämlich mehrere Probleme. Das größte, dass es eigentlich eine Besteuerung von Breitband-Internetzugängen ist. Und gerade das wollen wir ja nicht, sondern Ziel sollte es, dass möglichst viele Menschen möglichst günstig online gehen können. Einmal abgesehen von den Kosten bringt die Kulturflatrate noch zwei weitere Übel mit sich. Entweder fördert man damit eine Datenspeicherung durch den Staat an der George Orwell seine Freude hätte, oder die Flatrate wird nach einem Schlüssel verteilt, den die Verwertungsgesellschaften willkürlich festlegen, wie das bei der Leerkassettenvergütung schon der Fall ist. Zweiteres führt dazu, dass arrivierte Künstler noch mehr abcashen, erster führt nicht nur zu einer umfassenden Überwachung unseres Online-Lebens, sondern auch zu massiven Umsatzzuwächsen für die Pornoindustrie.

Also dann doch flattr. flattr ist also eine Art Micropayment, das voraussetzt, dass jeder der durch flattr kassieren möchte auch selbst Geld verteilt. Das heißt, möchte ich auf meinem Blog einen flattr Button einbinden, muss ich mir zuerst einen Account besorgen und dort Geld einzahlen und auch ab und zu andere flattr Buttons anklicken und monatlich mindestens 2 Euro einzahlen.

Die große Umverteilung?

Letztlich führt das dann aber im besten Fall dazu, dass sich eben BloggerInnen gegenseitig anklicken und ähnliche Einnahmen wie Ausgaben haben. Ähnlich einem Freundeskreis im Wirthaus, wo jeder mal eine Runde zahlt. Im schlechtesten Fall – und die Tendenzen zeigen in diese Richtung – führt es zu einer Umverteilung nach oben. Das heißt kleine Blogs generieren relativ wenig Umsatz und finanzieren aber mit ihrer Masse die großen Blogs mit. So konnte die taz im Juni circa 1000 Euro mit flattr erlösen währen die meisten BloggerInnen unter 10 Euro blieben. Letztlich fördert also flattr den Mainstream bzw die großen Anbieter. Schon allein dadurch, dass es nicht möglich ist weniger als 2 Euro monatlich für flattr auszugeben, wenn man den Button auf dem eigenen Blog funktional halten maöchte, führt zu diesem Effekt.

Was wird geflattred?

Ähnlich wie beim Facebook Like Button stellt sich auch die Frage, was denn eigentlich geflattred wird. Obwohl ich den Begriff Geistiges Eigentum ablehne, stellt sich die Frage, mit wessen Content denn da nun Geld verdient wird? Zum Beispiel kann man bei webtermine.at jeden einzelnen Termin flattren. Was wiederum die Frage aufwirft, ob damit die zweifellos vorhandene Leistung des webtermine.at Teams gemeint ist oder doch die Veranstaltung an sich. Die gleiche Frage, wenn auch nicht so krass, stellt sich auch bei News und Kommentaren.

Schließlich führt flattr auch so nebenbei zu flattr optimierten Artikeln, die möglichst viele flattres generieren sollen. Wie die taz in ihrem Blog schreibt, wurden vor allem Artikel gegen Nazis, Adel, Bild und Bundesregierung geflattred, die Qualität der Artikel war also weniger relevant als die Tendenz. Prinzipiell ist da auch nichts dabei, wenn das dazu führt, dass jemand Artikel schreibt, um möglichst hohe flattr Umsätze zu machen, ich möchte mich jedoch hier gar nicht in die Versuchung eines quotenoptimierten Schreibens geben.

Zahlen für Artikel? Will ich sowas?

Für mich lautet die Antwort Nein. Die Währung mit der in diesem Blog bezahlt wird, ist Aufmerksamkeit in der Form von Visits, Kommentaren und Backlinks und das reicht mir. Ich wollte damit nie irgendwas verdienen und die Kosten fürs Bloggen halten sich mit rund 5 Euro monatlich doch irgendwie in Grenzen. Ich glaube auch generell nicht daran, dass man in Österreich mit Bloggen ausreichend Geld auf direktem Weg verdienen könnte, auch wenn ich allen, die das versuchen die Daumen drücke.

Ich halte also flattr für ein spannendes Projekt, das aber auf Grund der Verteilungsproblematik nicht zu Ende gedacht wurde. Vielleicht wäre ja Kachingle eine Alternative, allerdings werden dort für meinen Geschmack zu viele persönliche Daten veröffentlicht, aber dazu ein andermal mehr.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien