Wer stiehlt von “Kunst hat Recht”?
Nehmen wir mal an, es wäre tatsächlich sowas wie Raub oder Diebstahl, wenn jemand aus diesem vermaledeiten Internet etwas runterlädt? Genau das will uns die Urheberrechts-Industrie derzeit mit der Initiative Kunst hat Recht einreden. Denn schließlich war früher alles besser, als die Musikindustrie noch durch Musikkassetten getötet wurde, Ö3 noch Andy Baum gespielt hat und Papermoon noch nix zum Basteln im Kindergarten war. Diesen KünstlerInnen geht’s jetzt total schlecht, nicht etwa weil keinen mehr interessiert, was sie so produzieren, sondern weil Ihnen die Gratiskultur ihre Lebensgrundlage entzieht.
Ich hab mich mal auf Pirate Bay begeben und erhoben, wer von den Initiatoren von Kunst hat Recht dort downloadbar ist:
| Marco Angelini | 0 torrents |
| Andy Baum | 0 torrents |
| Mercedes Echerer | 0 torrents |
| Karl-Markus Gauß | 0 torrents |
| Sabine Gruber | 0 torrents |
| Peter Henisch | 0 torrents |
| Michael Kos | 0 torrents |
| Danny Krausz | 0 torrents |
| Peter Legat or Count Basic | 2 torrents |
| Missy May | 0 torrents |
| Cornelia Mooswalder | 0 torrents |
| Barbara Neuwirth | 0 torrents |
| Papermoon | 3 torrents |
| Gerhard Ruiss | 0 torrents |
| Helmut Peschina | 0 torrents |
| Soap&Skin | 5 torrents |
| Julya Rabinowich | 0 torrents |
| Willi Resetarits oder Dr. Kurt Ostbahn | 5 torrents |
| David Schalko | 1 torrent |
| Harald Sicheritz | 0 torrents |
| Johannes Maria Staud | 0 torrents |
| Thomas Stipsits | 0 torrents |
| Ulrike Truger | 0 torrents |
|
|
|
| Summe | 16 torrents |
| davon tatsächlich downloadbar | 3 torrents |
Von den auffindbaren 16 torrents waren übrigens nur 3 wirklich downloadbar, bei den anderen waren keine Seeds bzw. genügend Peers online, es könnte natürlich sein, dass man mit wochenlanger Geduld auch die anderen 13 Werke auf die Festplatte kriegt. Alle drei Downloads waren übrigens von Soap & Skin, die ich natürlich umgehend nach dem Check wieder gelöscht habe, gibt’s ja ohnehin ganz legal auf Spotify, falls ich die irgendwann wirklich einmal hören wollte.
Ich frage mich schon länger, wer eigentlich die Bücher von Gerhard Ruiss überhaupt liest und warum der so Angst vorm Internet hat. Eine Suche nach Skrillex ergab übrigens 161 Ergebnisse und nach Harry Potter mehr als 1000. Der am meisten runtergeladene Österreicher dürfte meiner Vermutung nach Arnold Schwarzenegger sein. Man sieht also, Publikumsinteresse und Verfügbarkeit im Internet sind ganz eng miteinander verbunden. Es interessiert einfach niemanden (mehr), was Andy Baum so tut und dafür ist keiner verantwortlich außer er selbst. Die InitiatorInnen der Kampagne kämpfen also für Hollywood, Madonna und Co, wenn sie von einer Festplattenabgabe schwafeln und von Deep Packet Inspection.
Ich bin bereit zu zahlen für Kunst, die mich inspiriert und interessiert. Ich zahle für Spotify und iTunes und kauf mir Bücher für meinen Kindle. Blöderweise ist da selten etwas aus Österreich dabei, weil unsere “KünstlerInnen” es einfach verpasst haben und jetzt da stehen, wie die Bierkutscher vor dem LKW. Kaum jemand der oben genannten InitiatorInnen hat übrigens eine halbwegs aktuelle Homepage geschweige denn eine Facebook-Seite. Die österreichische Urheberrechts-Industrie sollte also besser in die Ausbildung ihrer Mitglieder investieren als in windschiefe Kampagnen.

jp
21.05.12 , 11:05
ein wunderbares beispiel dafür, wie man sich ein faktisch richtiges posting durch einen propagandabegriff ruinieren kann.
genausowenig wie eine bedrohung der lebensgrundlage von österreichischen künstlern durch sogenannte “illegale” downloads existiert, genausowenig gibt eine österreichische content-mafia (gäbe es die, würde ich gerne beitreten, vielleicht fiele dann auch etwas schutzgeld für mich ab. auch würde ich mich gerne von ihr ausbilden lassen, wenn das ginge).
und ebenso wie bei den protagonisten von kunst-hat-recht fehlt hier dem autor die fähigkeit zu differenzieren. er wirft der unsäglichen kampagne vor, für hollywood zu kämpfen und begeht den gleichen fehler selber: er kämpft gegen ein phantom, das so in österreich nicht existiert.
Oliver
21.05.12 , 11:05
Ich bin zwar absoluter Gegner der Mittel die gefordert werden um das Urheberrecht zu verteidigen, aber der Fairness halber muss ich schon anmerken dass diese Liste nicht aussagekräftig ist. Bei Sicheritz und Schalko müsste man zumindest nach ihren Filmen (Muttertag, Hinterholz 8, Aufschneider, Wie man leben soll, …) suchen statt nach dem Namen der Regisseure. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die nicht zu finden sind…
opryde
21.05.12 , 11:05
muss mich dem kommentar von oliver anschliessen. suche ich auf TPB nach “trent reznor”, kommen 21 torrents/magnets, sucht man nach “nine inch nails” kommen 534. ich bin auch kein unterstützer dieser initiative, aber auch kein polit-pirat mehr, sitze quasi zwischen den stühlen. aber man sollte doch fairerweise objektiv bleiben.
Gerald Bäck
21.05.12 , 12:05
@jp wie würdest Du die Organisationen bezeichnen, die eine Steuer auf jeglichen digitalen Speicher erheben wollen und die eine weit über die Vorratsdatenspeicherung hinausgehende Überwachung der User fordern?
@oliver Muttertag 0 torrents, Hinterholz 8 2 torrents aber keine Seeds, nicht downloadbar, Aufschneider 0 torrents, Wie man leben soll 0 torrents…..
Julya Rabinowich
21.05.12 , 12:05
Abgesehen davon, dass ich mich auch für Rechte der Flüchtlinge einsetze, aber selbst keiner bin- man muss nicht immer von Eigeninteressen ausgehen, das wirft vor allem ein übles Licht auf den Blogger und seine Denkweise- verurteile ich die übergriffige und aggressive Ausdrucksweise zutiefst, die hier an den Tag gelegt wird- Mafia gibt es vor allem dort, wo das Gesetz nichts wert ist.
Ich lasse mich nicht mit Kriminellen gleichsetzen, nur weil ich eine andere Meinung als der Blogger vertrete.
Gerald Bäck
21.05.12 , 12:05
@Julya Rabinowich Immerhin werden Sie nur mit Kriminellen gleichgesetzt, was im übrigen nicht in meinem Text steht, im Gegensatz zu Internet-Usern, die durch Ihre Kampagne kriminalisiert werden sollen. Aber wenn man an den Fakten nichts ändern kann, hängt man sich eben an Formalitäten auf.
Julya Rabinowich
21.05.12 , 12:05
Das ist weder eine Antwort, noch ein Argument.
Ich hab ganz konkrete Dinge angesprochen: die Tatsache, dass Sie ausschliesslich von Eigennutz ausgehen und was ich absolut inakzeptabel finde.
Die Tatsache, dass MAFIA Kriminalität bedeutet, soll heissen SIE kriminalisieren Menschen, die anderer Meinung sind.
Gekommen ist ein Ausweichmanöver.
Gerald Bäck
21.05.12 , 13:05
@Julya Rabinowich für wen genau kämpfen sie denn außer für AKM und Co. Für Hollywood und Mayor Music Labels? Aber wahrscheinlich hab ich die Milliarden von Euros übersehen, die die Herren Ruiss und Baum durch die Gratiskultur verlieren. Bitte klären Sie mich auf.
Mafia bedeutet in diesem Zusammenhang organisiertes Unrecht und genau das ist dieser Urheberrechtswahnsinn. Wenn die GEMA auf Youtube Videos von tanzenden Kindern sperren lässt, weil irgendwo im Hintergrund ein Madonna-Song läuft, wenn Kindergärten per Klage gezwungen werden, Wandzeichnungen von Micky Mäusen zu entfernen und wenn KünstlerInnen dazu eingespannt werden, nach Steuern und Zensur zu rufen, dann ist das organisiertes oder soll ich sagen lobbyiertes Unrecht.
Gerald Bäck
21.05.12 , 13:05
PS: Aber ich sehe ein, dass Mafia auch anders verstanden werden kann und werde es im Text und in Zukunft durch Industrie ersetzen. Zumal da eigentlich nicht Content- sondern Urheberrechts- stehen sollte.
jp
21.05.12 , 14:05
ich würde die organisationen mit ihrem jeweiligen namen bezeichnen. die angesprochene überwachung fordern nur die hardliner (wie z.b. die ifpi oder der unsägliche “verein für antipiraterie”), die anderen fordern hauptsächlich nebulöse veränderungen (ohne anzugeben, wie diese umgesetzt werden sollen oder was sie bewirken). nicht sehr sinnvoll, aber lang nicht so dramatisch wie getan wird. die hardliner sitzen woanders. aus österreich höre ich solche forderungen kaum.
die festplattenabgabe fordern wesentlich mehr organisationen und einzelpersonen. ich halte die diesbezüglich formulierten gegenargumente im wesentlichen für alarmismus und übertrieben. interessant ist hier auch, wer die lobbyisten gegen diese abgabe anführt. das sind nämlich im wesentlichen die festplattenhersteller, die um ihre gewinnmargen fürchten. denn so wie bei den bisherigen leermedien werden auch diese abgabe weniger die konsumenten als die hersteller derselben tragen.
also auch hier: die fähigkeit zur differenzierung sollte von allen beteiligten eingefordert werden. die situation ist wesentlich komplexer, als von mancher seite proklamiert wird. die zwei fronten gibt es nicht, mich nervt diese polarisierung gewaltig.
gerraldo
21.05.12 , 16:05
Man mag zu dem Thema stehen, wie man will. Als Beweis für nicht vorhandene Torrents eine faktisch tote Seite zu bemühen, macht den Blogger nicht gerade glaubwürdiger.
Gibt man als Test z.B. “Andy Baum Torrent” als Suchbegriffe unter Google ein, bekommt man seitenweise Torrents angeboten.
Und BTW geht’s in der ganzen Causa ja nicht um Urheberrechte, sondern um Verwertungsrechte und eine z.B. MP3-Datei illegal aus dem Netz zu laden ist und bleibt “Diebstahl” (wie auch ein gestohlener Kaugummi im Supermarkt).
M.E. ist das zugrundeliegende Problem aber die Content-Industrie, die das digitale Zeitalter total verschlafen hat und jetzt versucht ihr eigenes Versagen durch überhöhte Preise, restriktive Schutzmaßnahmen und überzogene Gesetze zu kompensieren. Der Durchschnittsuser bleibt da auf der Strecke…
Roland Giersig
21.05.12 , 16:05
Macht man sich die Mühe, den Google-Suchresultaten nachzugehen, so findet man 5 Jahre alte Torrents, neuere Torrents mit einem Downloader und ohne Seeder und Spam-Links auf höchst fragwürdige Seiten.
Eine Datei ohne entsprechende Lizenz aus dem Netz zu laden ist eine Urheberrechtsverletzung, aber kein Diebstahl. Jede Person, die einen Vergleich mit Ladendiebstahl zieht, hats absolut nicht verstanden.
Die Einschätzung, dass die Content-Industrie das digitale Zeitalter verschlafen hat, stimmt allerdings.
Gerald Bäck
21.05.12 , 18:05
@jp Ad Festplattenabgabe, lassen wir mal den Faktor bei seite, dass es sich dabei um eine Steuer auf Speicher handelt und dass auch Festplatten besteuert werden die nur lizensierten Content beinhalten, sondern widmen uns der Verteilung der eingehobenen Gelder. Nachdem keiner weiß, was tatsächlich auf den Festplatten und USB-Sticks der ÖsterreicherInnen schlummert und wahrscheinlich nichtmal die Urheberrechtsindustrie eine Überwachung dieses Inhalts fordern würde, müssen also Annahmen getroffen werden.
Ähnlich der Leerkassettenvergütung wäre der Schlüssel für die Verteilung äußerst umstritten und würde zu einer Bevorzugung etablierter Player führen. Abgesehen davon wäre wohl vor allem die Pornoindustrie ein Nutznießer dieser Vergütung. Die regen sich aber komischerweise kaum über die angebliche Gratiskultur auf, anscheinend gibt es doch noch Content Produzenten, die sich auf neue Bedingungen einstellen können.
Joachim Losehand
21.05.12 , 18:05
Der Anteil inländischer, d.h. originär österreichischer Künstler und Werke am Gesamtmarkt der relevanten Branchen liegt sei Jahren bei konstant-satten “unter 10%”, das heißt, den österreichischen Unterhaltungskunstmarkt bestimmten +/-90% ausländische Künstler und Werke. Die Relevanz zeitgenössischer österreichischer Künstler liegt global gesehen im Promille-Bereich.
Insofern spiegelt das Angebot von TPB die globale Wahrnehmung österreichischer Unterhaltungskunst wider und hat nichts mit der Relevanz der Berechtigung der Initiative “Kunst hat Recht” zu tun.
Grundsätzlich aber ist bedenkenswert, daß sowohl bei “Kunst hat Recht” wie auch bei der jüngsten Unterschriftensammlung in Deutschland – “Wir sind die Urheber” – vorrangig Urheber unterschrieben haben, die aufgrund ihres Mediums nicht oder nur kaum von der digitalen Ökonomie unmittelbar betroffen sind, bildende Künstler oder eben literarisch-belletristische Autoren, deren Werke in der Regel dinglich in Buchform vertrieben werden.
Nicht jeder Autor hat das Format einer Elfriede Jelinek, die selbstverständlich Texte auch oder ausschließlich digital publiziert, die meisten Schriftsteller wiesen, wie andernorts bemerkt wurde, keine eigenen Aktivitäten über Blogs oder “social media” wie FB auf, außer jene, die die Verlage betreuen.
Neben der drohenden und faktischen Prekarisierung der künstlerischen und intellektuellen Mittelschicht spielt also zumeist auch völlige Unkenntnis des Mediums “Internet” eine Rolle bei der Überlegung, solche Initiativen zu unterstützen.
Es mag zwar gerade intellektuellen Menschen anstehen, sich um intellektuelle Redlichkeit zu bemühen, die GEFÜHLTE Bedrohung ist jedoch immer wenigstens genauso stark wie die WIRKLICHE Bedrohung – und genauso wirkmächtig.
Man muß Initiativen wie “Kunst hat Recht” oder “Wir sind die Urheber” zunächst wahrnehmen als Zustandsbeschreibung des Verhältnisses der deutschsprachigen Künstler und Intellektuellen zur digitalen Gesellschaft, die seit wenigstens fünfzehn Jahren wirkmächtig ist.
Das ist allerdings erst recht keine gute Nachricht.
Gerald Bäck
21.05.12 , 18:05
@joachim danke, Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht. Bzgl Prekarisierung stelle ich mir die Frage, ob das jemals anders war. zB im Musikbereich haben doch kleine Bands nie von ihrer Musik gut leben können mit und ohne Internet.
Vincenco
21.05.12 , 18:05
Ich glaube auch, dass viele “Künstler” in Europa (aber auch sonst wo) wichtige Trends verpasst haben bzw. ihre Agenturen und nun werden tote Pferde verdroschen als ob man da noch etwas reißen könnte.
Joachim Losehand
21.05.12 , 19:05
@ Gerald Bäck:
Ich halte den Anspruch, “von Kunst leben zu können”, also von der unmittelbaren eigenen künstlerlichen Kernkompetenz, für einen Mythos, einen Traum des 21. Jahrhunderts.
In der Regel waren und sind geistig tätige Künstler (z.B. Komponisten) auch ausübende Künstler (Pianisten wie Rachmaninov oder Dirigenten wie Mahler, Bernstein und andere), hatten – wie Charles Ives – einen “normalen” Brotberuf oder waren “Zulieferer” z.B. als Filmkomponisten. Auch HC Artmann hat mehr Geld verdient mit seinen Übersetzungen, denn mit seinem eigenen Werkschaffen, wenn ich mich nicht irre.
Diese und andere Beispiele sind kein Argument gegen die Vorstellung von Künstlern, “von ihrer Kunst leben” zu können; allerdings steigen die Mitgliederzahlen in den Künstlersozialkassen wie auch der Ausstoß an Unterhaltungskunst (Filme, Bücher, Musik) überproportional im Vergleich zum vorhandenen Budget des Durchschnittskonsumenten.
Was wiederum plausibel vermuten läßt, daß der Großteil der unbezahlt und illegal im Netz konsumierten Medien auch dann unbezahlt bliebe, wenn man jede illegale Nutzung vollständig unterbinden könnte – weil diese Medien sich dann weitaus weniger Menschen kaufen würden, als sie vorher kostenlos genutzt haben.
Was auch wieder nicht gegen den berechtigten Anspruch der Urheber spricht, über die Kostenpflichtigkeit selbst entscheiden zu dürfen.
Jedoch stellt sich mir die Frage nach dem “Sitz im Leben” des allgemeinen Anspruchs, “von Kunst leben zu können” wie auch dem der Vorstellung, daß ein starkes UrhR die Künstlern diesen Anspruch verwirklichen läßt.
Auch die Festplattenabgabe als Zwangslizenz ist da mehr ein homoöopathisches Placebo denn ein Schritt hin zur Verteilungsgerechtigkeit und zur materiellen Anerkennung künstlerischer Leistung.
gerraldo
21.05.12 , 19:05
@Roland Giersig: Schön, dass sie mich belehren bzw. mir unterstellen “es nicht verstanden zu haben”.
Ein Künstler, der seine Werke in digitaler Form verbreitet, tut genau dasselbe wie einer der Tonträger oder z.B. Bücher befülltt. Unterschiedlich ist nur das Medium – hier MP3-Datei, dort CD. Unterschied ist auch, dass man digitale Inhalte sehr leicht 1:1 kopieren kann und damit (im Prinzip) ein weiteres Original erschafft.
Dieses unrechtmäßig zu nutzen ist (wie auch immer sie es spitzfindig od. rechtlich korrekt nennen mögen) und bleibt “Diebstahl” – jemand bekommt nicht den Lohn für sein Werk.
(Das die Content-Industrie hier haarsträubende Rechnungen von angeblichen Verdienstentgängen anstellt, ist der Sache sicher nicht dienlich, however…)
Fakt ist, downloaden und illegal nutzen kostet uns alle was und man sollte versuchen Lösungen zu finden, die weder User generell kriminalisieren, noch (besonders unbekannteren) Künstlern schaden
jp
21.05.12 , 19:05
ad festplattenabgabe:
die festplattenabgabe ist das entgelt für die privatkopie keine ersatzsteuer. entgegen der aussagen von kampagnen wie “raubkopierer sind verbrecher” ist das downloaden von musik in österreich nicht illegal. sondern eine privatkopie.
die pornoindustrie bekommt davon nichts. wie auch?
der verteilungsschlüssel ist bekannt und wie bei den anderen leermedien.
50% gehen an den ske-fonds, der damit neue produktion, veranstaltungen und stipendien fördert. eine sinnvolle einrichtung. der grossteil der österreichischen musikproduktion wird z.b. dadurch unterstützt. also keineswegs etablierte player.
jp
21.05.12 , 19:05
@gerraldo: mit diesem diebstahls-argument wäre ich sehr vorsichtig, denn genausogut könnten dann die uploader von digitalen gütern behaupten, sie würden diese ja nur verschenken (wie eine cd, die sie gekauft haben). was könnte man dann dagegen einwenden?
es ist einfach nicht zielführend, digitale güter mit realen waren zu vergleichen, zu unterschiedlich sind distribution und verwertung.
es ist kein raub und kein diebstahl sondern einfach eine urheberrechtsverletzung. klingt weniger dramatisch und ist es auch. dennoch sollte man lösungen für den interessensausgleich finden.
gerraldo
21.05.12 , 19:05
@Joachim: Leider geht es auch bei Künstlern (wie überall im Leben) nicht “gerecht” zu. Hier wie dort klafft die Schere Arm-Reich zu weit auseinander.
Braucht eine Lady Gaga wirklich soviele Milliarden (das sie locker einen Kleinstaat aufkaufen könnte), während kommerziell weniger erfolgreiche Künstler am Hungertuch nagen? Ich denke nicht, aber die (Geld/Macht-)Gier der Menschen kennt kein Maß und Ziel und hier etwas zu ändern bedürfte einer radikale Änderung unserer Gesellschaft an sich.
Und mehr Künstler (die von ihrer Kunst auch leben können) bräuchte die Welt wirklich dringender als noch mehr Politiker, Banker und Manager…
Gerald Bäck
21.05.12 , 19:05
@jp Warum kriegt die Pornoindustrie nichts davon? Ein kleine Recherche bei Pirate Bay genügt und ist sehr schnell im Bilde, dass dort die meisten Urheberrechtsverletzungen geschehen.
Ad Festplattensteuer, der Skandal dabei ist, dass sie jeder zahlen muss, egal ob er sein Recht auf Privatkopie nutzt oder nicht. Selbst wenn ich ausschließlich lizensierte Software nutze, müsste ich im Gegensatz zu Unternehmen die Festplattensteuer bezahlen.
gerraldo
21.05.12 , 19:05
@jp: Als jemand, der von seinen Ideen und Lizenzen (größtenteils nicht-digital) lebt, sehe ich die Sache sicher ein wenig emotionaler (das gebe ich schon zu).
Dein letzter Satz bringt es voll auf den Punkt: Illegaler Download ist nicht OK und man muss hier Lösungen finden.
Ich bin weder mit dem Ist-Zustand, noch mit den vorgeschlagenen od. geplanten Lösungen zufrieden. Digitales ist halt so leicht zu kopieren/verbreiten…
Gerald Bäck
21.05.12 , 19:05
@gerraldo Da solltest Du aber nicht bei Lady Gaga sondern bei den Majors ansetzen, dort wird das Geld von unten nach oben verteilt. Aber mal abgesehen davon ist das eher eine verteilungspolitische Diskussion, die nicht das Urheberrecht betrifft sondern alle Bereiche der Gesellschaftspolitik und sollte auch eher dort gelöst werden. Wollen wir, dass KünstlerInnen gefördert werden, ist das Aufgabe der Gesellschaft und damit des Steuerzahlers aber nicht über ein restriktives Urheberrecht oder die Kriminalisierung von Internet-Usern zu lösen.
jp
21.05.12 , 20:05
die pornoindustrie bekommt nichts, weil sie nicht in verwertungsgesellschaften organsiert ist. zumindest nicht in österreich.
wie jede pauschalabgabe ist diese nicht total gerecht.
@gerraldo: als jemand der auch von ideen und lizenzen lebt (grösstenteils digital) sehe ich keinen grund zur panik.
und nocheinmal: es gibt keine illegalen downloads (ausser bei software). maximal uploads sind illegal.
Gerald Bäck
21.05.12 , 22:05
Interessant, dass gerade dort wo die meisten vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen passieren, es die Verwertungsgesellschaften nicht kümmert. Genau genommen kassieren also die Verwertungsgesellschaften das Geld der Pornoindustrie. Wo bleibt die Initiative “Porno hat Recht”?-))
Andy Baum
22.05.12 , 11:05
Sehr geehrter Herr Bäck,
da Sie bei Ihren Recherchen über eine Torrent-Anfrage nicht hinausgekommen sind, helfe ich Ihnen gerne weiter:
http://www.andybaum.at
http://www.facebook.com/andybaum.at
Es ist nicht weiter verwunderlich, dass gerade Sie als Social Media Monitoring Experte die InitiatorInnen von „Kunst hat Recht“ im Internet nicht finden wollen können. Damit machen Sie deutlich, wie wenig Sie an ernsthafter Auseinandersetzung interessiert sind, – und wie sehr an plumper Polemik.
Möglicherweise konnten Sie sich über die tatsächliche Verwendung und Verteilung der Leermedienabgabe ja deshalb nicht sorgfältig informieren, weil die Service-Seite der Austro Mechana zurzeit von Anonymus lahmgelegt ist.
Mit freundlichen Grüßen
Andy Baum
PS:
Entgegen Ihrer Behauptung sind auch die folgenden InitiatorInnen von „Kunst hat Recht“ entweder mit eigener Homepage oder auf Facebook oder Beidem präsent:
Marco Angelini, Mercedes Echerer, Sabine Gruber, Peter Henisch, Michael Kos, Danny Krausz, Peter Legat, Missy May, Cornelia Mooswalder, Barbara Neuwirth, Papermoon, Soap & Skin, Julia Rabinovich, Willi Resetarits, David Schalko, Harald Sicheritz, Johannes Maria Staud, Thomas Stipsits, Ulrike Truger … etc
Gerald Bäck
22.05.12 , 12:05
Hallo Herr Baum,
Worin bestehen denn nun genau ihre persönlichen Verdienstentgänge durch das böse Internet und die Gratiskultur und warum denken Sie, irgendjemand anderer sei dafür verantwortlich? Ich lasse mich übrigens total gerne von Ihnen über die Vorzüge und die gerechte Verteilung der Leermedienabgabe aufklären, auch dazu ist dieser Blog da.
Andy Baum
22.05.12 , 13:05
Sehr geehrter Herr Bäck,
gerne leiste ich bezgl. der Verteilung aus der Leermedienabgabe Starthilfe:
http://www.bmukk.gv.at/kunst/glossar_k_l.xml
MfG
Andy Baum
Gerald Bäck
22.05.12 , 15:05
Lol, der Link hat jetzt aber nicht wirklich irgendwelche relevanten Infos. Interessant wäre, wer denn wirklich profitiert davon? Wieviel erhalten zb Sie oder die Herren Ambros und Fendrich und wieviel ausländische Künstler, auf die wahrscheinlich der Großteil der gespeicherten Werke entfällt.
Interessant wäre auch noch was Ihnen persönlich durch das Internet so entgeht, können Sie den angeblichen Schaden beziffern oder ist das nur so ein Bauchgefühl?
Gerhard Ruiss, Julya Rabinowich, Christof Straub
22.05.12 , 15:05
Lieber Herr Bäck,
es freut uns sehr, dass Sie (wie Sie schreiben) bereit sind, für Kunst zu bezahlen, die Sie inspiriert und interessiert. Das ist doch schon mal was! Leider aber trübt Ihre Argumentation unsere Freude gleich wieder, dass Kunstschaffende nur dann ein Recht hätten, sich für die grundsätzliche Bezahlung ihrer Leistungen einzusetzen, wenn ihre Arbeiten über Pirate Bay downloadbar sind.
Diese Argumentation zu Ende gedacht würde bedeuten, dass sich, beispielsweise, nur jene Menschen in der Gewerkschaft gegen Verstöße des Arbeitsrechts engagieren dürfen, die selbst als ArbeitnehmerIn aktuell davon betroffen sind. Oder dass nur jene Menschen für die Einhaltung des Rechtsstaats auftreten dürfen, die unter einem Verstoß dagegen unmittelbar leiden. Mit einer solchen Argumentation sprechen Sie dem Prinzip der kollektiven Interessenvertretung jegliches Recht ab.
Polemik dieser Art ist leider in der derzeit laufenden Diskussion zum Urheberrecht gängig. Vieles wird (meist an den Haaren) herangezogen, um sich um das Kernthema zu drücken: Dass Kunstschaffende ein Recht darauf haben, über die Nutzung ihrer Arbeit selbst zu entscheiden und dafür bezahlt zu werden.
Die Überlegung, wie erfolgreich oder nicht erfolgreich österreichische KünstlerInnen sind, ist Nebelwerfen. Unter den mehr als 2.700 Kunstschaffenden, die “Kunst hat Recht.” derzeit schon mittragen, finden auch Sie sicher noch Arbeiten, die Sie interessieren könnten. Ihre Vermutung, dass “alles” oder “das meiste” an Verwertungserlösen nur die Verwertungsgesellschaften einstecken, ist einfach grundfalsch: In Österreich sind die Kunstschaffenden die Verwertungsgesellschaften – sie bestimmen und leiten sie.
Darüber hinaus ist Ihre Formulierung “Urheberrechtsmafia” eine Diffamierung aller engagierten KünstlerInnen. Was soll das, Herr Bäck? Was regt Sie so furchtbar auf, wenn Kunstschaffende sich dafür einsetzen, dass Recht auch dort gilt, wo es (technisch) sehr einfach ist, es zu ignorieren?
Wenn Sie mit uns sachlich über unsere Anliegen diskutieren wollen, sehr gerne! Aber wir sollten dabei beiseite lassen, wer Gerhard Ruiss liest, oder was Herrn Bäck legitimiert, österreichische Kunstschaffende pauschal anzupinklen (mit freundlicher Genehmigung von Sven Regener). Denn beides hat nichts damit zu tun, worum es hier geht.
Mit freundlichen Grüßen,
In Vertretung der InitiatorInnen von “Kunst hat Recht.”
Julya Rabinowich, Gerhard Ruiss, Christof Straub
Gerald Bäck
22.05.12 , 15:05
Ja eh schön formuliert, respekt dafür. Dabei stellt sich mir jetzt aber die Frage, wie groß die Leiden österreichischer KünstlerInnen durch das Internet denn nun so sind und für wen genau sie da jetzt kämpfen? Immerhin sind wir uns schonmal einig, dass die InitiatorInnen nicht von dem, was sie fälschlicherweise Raub oder Diebstahl nennen, betroffen sind.
Es ist keine Schande für die Rechte Hollywoods oder Major Labels einzutreten, nur sollten sie es dann eben auch sagen. Also nochmal die Frage, wer genau sind die hungerleidenden KünstlerInnen, die durchs Internet angeblich so geschädigt wurden und wen davon vertreten Sie?
Futura
22.05.12 , 16:05
und was ist jetzt eigentlich hier der Punkt? Dieser Blogpost hat für mich nicht wirklich sinnvollen Inhalt, sogar so wenig, dass man sich in der Diskussion danach für die Urheberrechte der Pornoindustrie stark machen muss.
Muss man jetzt einen stinkenden Sandlerkünstler vorführen, um zu beweisen, dass es Künstler gibt, die von ihrer Kunst nicht leben können, oder was?
Und ich mein’, heisst das jetzt ein Künstler hat nur einen Anspruch aufs Urheberrecht, wenn er eine aktuelle Homepage oder eine Facebookseite hat, oder wie?
Wenn man ein Urheberrecht hat, dann gilt das für alle die etwas produzieren, das vom Urheberrecht geschützt wird. Da ist es vollkommen egal, ob der Inhalt jemand interessiert oder ob der potentiell illegalen Machenschaft zum Opfer fällt.
Lena Doppel
22.05.12 , 16:05
Also nachdem Kunsthatrecht nicht in der Lage (oder Willens?) ist (weder auf dem eigenen noch auf Geralds Blog) Links zu setzen, mach ich das jetzt hier: da ist die o.a. Antwort von Kunsthatrecht auf dem ihrem Blog http://www.kunsthatrecht.at/2012/05/22/durfen-wir-bitte-fur-unsere-rechte-eintreten/
und @Andy: der Gerald hat nicht nach Deiner Webseite gesucht sondern nach Torrents wo man Deine Lieder downloaden kann.
und @Gerald sollte man da nicht schon auch noch die Youtube-Nennungen dazu recherchieren bzw. zumindestens unsere Künstler über ihre Rechte (excuse the pun) aufklären selbige Nennungen bei Youtube löschen zu lassen?
Just saying….
Tatsache: Torrend-User sind wirklich mit was anderem beschäftigt als mit österreichischen Künstlern (sorry). Eine Studie der Austro Mechana zur Erweiterung der Leermedienabgabe hat ergeben, dass die Leut mehr Musik über Festplatten tauschen als über Torrents (obwohl es nach Auftragsergebniss klingt glaub ich das sogar, ist ja auch bequemer).
Schön langsam denk ich mir: lassen wir die Leermedienabgabe doch mit den Leermedien gemeinsam sterben. Der Ruiss zB ist kategorisch gegen eine Abgabe auf Internet-Zugänge – die mit satten Zugangsraten wenigstens Geld in die Taschen der Verwertungsgesellschaften spülen würde (weil Abgabe auf Internet ist gleich pöse Kultur-Flatrate, die dann allen grenzenloses Klauen erlauben würde….. #facepalm). Nur ich weiss: in ein, zwei Jahren kommen die dann und wollen mir die Dropbox besteuern und spätestens dann sag ich: nicht mit mir, meine Geschäftsdaten lass ich mir nicht von der Musik- und Filmindustrie besteuern, da spiel ich sicher nicht mit.
Andy Baum
22.05.12 , 22:05
Lena, zuerst lesen – sorgfältig – dann belehren. Gerald Bäcks Behauptung lautet, dass kaum jemand der InitiatorInnen eine halbwegs aktuelle Homepage, geschweige denn eine Facebook-Seite hätte.
Der Blog will nur polemisieren und zynisch zündeln, sonst nichts – du auch?
Gerald Bäck
22.05.12 , 23:05
@andybaum Meine Behauptung lautet, dass die InitiatorInnen überhaupt nicht von dem, was sie beklagen, betroffen sind, das wurde ja auch schon zugegeben. Meine Frage lautet um wen es wirklich geht und wer genau von der Leermedienvergütung profitiert?
Andy Baum
23.05.12 , 12:05
Sehr geehrter Herr Bäck,
ihr Kommentar ist zwar schon einen Tag alt, aber nicht so umfangreich. Daher auch für Sie: Zuerst lesen (das selbst Verfasste) – sorgfältig – dann belehren.
Ihnen geht es in erster Linie darum, einzelne Personen anzuschütten. Sie betreiben hier Rechthabereispielchen in einem Umfeld, das die permanente Verletzung geltenden Rechts salonfähig machen will.
Um Dr. Florian Philapitsch zu zitieren:
„… den konstanten, bewussten Gesetzesbruch als Grund für die Ungültigkeit eines Gesetzes heranzuziehen steht völlig außer Frage.“
„Die öffentliche Urheberrechtsdiskussion ist eine Großteils hysterisierte Ansammlung von globalisiertem Halbwissen (ich denke da an die “Copyrightgegner” die aber eh auch für das “Urheberrecht” sind) die vor allem aus dem Bauch geführt wird.“
„Ich halte daher das Unverständnis und die Ignoranz einzelner Gruppen gegenüber einem Gesetz für keine tragfähigen Argumente in dieser Diskussion.“
http://blog.lehofer.at/2012/04/etwas-off-topic-sechs-banale.html
Dr. Philapitsch ist als möglicher linientreuer Sympathisant unserer Anliegen völlig unverdächtig, ist er doch einer der wesentlichen Köpfe von Creativ Commons Austria.
MfG
Andy Baum
Gerald Bäck
23.05.12 , 16:05
Ok ich nehme zur Kenntnis, dass die tatsächliche Verteilung der Leermediensteuer im Dunklen bleiben soll und dass sie anscheinend auch keinen persönlichen Nachteil durch das Internet haben, da Sie dieses ohnehin vorbildlich nutzen. Bleibt noch die Frage, wer denn nun die durch Internet und Gratiskultur ausgebeuteten KünstlerInnen sind, die sie mit so viel Verve vertreten? Aber das werden Sie mir wohl auch nicht beantworten können.
Joachim Losehand
24.05.12 , 14:05
@ Andy Baum:
Der öffentlich und solidarisch geführte Diskurs ist sicherlich dem Charakter nach “aus dem Bauch” und “hysterisch” – von beiden Seiten, möchte fast hinzufügen.
Jedoch ist auch, was Florian Philapitsch und andere praktische wie wissenschaftliche Juristen nicht ignorieren, das Urheberrecht insofern in einer Legitimationskrise, als bestimmte Regelungen (wie bspw. zum Schutz von technischen Maßnahmen in UrhG § 90c) schlichtweg auch von den “nicht üblichen Verdächtigen” nicht verstanden werden und vielfach einem allgemeinen “Rechtsempfinden” zuwiderlaufen. Damit meine übringens ich nicht “filesharing” von urhr. geschützten Inhalten.
Eine Legitimationskrise eines Rechts entsteht nicht durch *bewußten Gesetzesbruch*, sondern dann, wenn altes geltendes Rechts ein gewandeltes gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten sanktioniert.
Vgl. hier:
Joachim Losehand
24.05.12 , 14:05
Hier: http://irights.info/?q=node/1869
Andy Baum
24.05.12 , 17:05
@Joachim
Absolut d’accord!
Andy Baum
24.05.12 , 17:05
Sehr geehrter Herr Bäck,
was Sie wider besseres Wissen Leermediensteuer nennen, ist die im österreichischen Gesetz verankerte Leerkassettenvergütung. Damit machen Sie einmal mehr klar, worum es Ihnen in Ihrem Kommentar geht – um plumpe Polemik
Da alle Verwertungsgesellschaften in Österreich einer staatlichen Kontrolle unterliegen, gibt es auch um die Verwendung und Verteilung der jeweiligen Mittel keine Geheimnisse.
Hier die wichtigsten Adressen, die Sie allerdings als Internet Monitoring Experte sicher schon längst alle selber gefunden hätten, wären Sie tatsächlich an Information interessiert:
akm, austromechana, literar, lsg-interpreten, vam, vbk, vdfs, vg-rundfunk … etc
Und dann lassen wir das jetzt aber!
MfG
Andy Baum
Joachim Losehand
24.05.12 , 17:05
@ Gerhard Ruiss, Julya Rabinowich, Christof Straub:
Der – wahrscheinliche*) – Hintergrund der Recherche von verfügbaren Torrent-Angeboten österreichischer Urheber ist folgender: Die Beobachtung, daß die “klassischen” Urheber, also bspw. Buchautoren keine oder kaum Erfahrung im aktiven Umgang mit dem Medium Internet besitzen und darum auch, mit Ausnahme des Dauerbrenners “filesharing” wenig Erfahrungen mit den Grenzen und Zwängen einbringen, die das “analoge” Urheberrecht der “digitalen” Welt auferlegt.
Zugegeben wesentlich sinnvoller fände ich es, sowohl die Initiatoren wie auch die Unterzeichner und Unterstützer dahingehend zu befragen, ob und in welcher Art diese selbst – und nicht mittels eines Agenten oder Verlagsangestellten das – Internet aktiv als Medium für ihre Texte, Bilder, Filme usw. nutzen, sei es zur Erstveröffentlichung oder auch zur Zweitverwertung.
Es wurde vor zwei oder drei Jahren ein Interview mit einer deutschen Autorin in der Zeitung DIE WELT geführt, in dem die junge Frau, die keineswegs erfolglos oder unbekannt ist (nur mir gerade nicht präsent, Verzeihung!), 1) ihre Sorge über Filesharing im Internet und den steten Urheberrechtsbruch und ihrer Hoffnung auf einer Stärkung des UrhR Ausdruck verlieh, jedoch 2) deutlich machte, daß sie “das Netz” nur für E-Mail-Verkehr nutzt, ansonsten Wikipedia und Blogs in toto für unseriös hält und im Grunde eigentlich keinen ständigen Zugang zum “Netz” besitzt und auch nicht haben will. In etwa dieser Tenor.
Solidarität halte ich – by no means – für eine wichtige soziale und bürgerliche Kompetenz und Freiheit, jedoch muß man erwarten können, daß wir Bürger über den status quo einer Sache, das Für und Wider und differierende Lösungsansätze wenigstens so weit informiert haben, um nicht in “selbstgewählter Unmündigkeit” zu verharren. Was nicht bedeutet, daß man in China gelebt haben muß, um sich mit chinesischen Dissidenten legitim solidarisieren zu können, aber auch nicht bedeuten darf, daß man bei jedem Buzzword “China” und “Dissident” ohne nachzudenken den Füllfederhalter zur Unterschrift zückt.
Abschließend: In diesem Diskurs wird mit ziemlich viel und werden ziemlich viele verbal angeschüttet, viel Ägernis entsteht, weniger hierzuösterreich denn im Ausland (u. a. Deutschland), durch eine industrialisierte private Rechtsdurchsetzung und präventive Drohkulisse. Wenn Sie am eigenen Leib erlebt haben, daß ihre bettlägrig-immobile ältere Verwandte, die einen Internetanschluß besitzt, wegen illegalem “filesharing” bzw. Störerhaftung abgemahnt wird und dann aufgrund des hohen Streitwertes rund 1000,- € außergerichtlich angefallene Gebühren zahlen muß und das auch noch vor einem Gericht Bestand hat, halten Sie das auch für unpackbar und wenn sich diese “Fälle” häufen (Az. deutscher Gerichte gerne bei Bedarf), dann bekommen Sie auch einen Haß, einen Haß auf Firmen wir “DigiProtect” die sich urhr. Nutzungsrechte alleine darum einräumen lassen, um großflächig abmahnen zu können.
Auch DARUM geht es nämlich in der UrhR-Debatte, darum, welche Formen der Umgang seitens der Verwertungsrechteinhaber in anderen Ländern mit privaten Nutzern, mit bürgerlichen Rechten (Fernmeldegeheimnis) und mit potentiellen Nutzern angenommen hat.
Bei uns ist das Klima – u. a. dem fehlenden Auskunftsanspruch sei Dank – noch nicht vergiftet, wir alle, Sie, ich, Herr Bäck und alle anderen (wie der VAP) sollten alles dafür tun, daß das so bleibt.
Joachim Losehand
24.05.12 , 17:05
*) Wahrscheinlich: Ich kann ja nicht für Gerald Bäck sprechen.
Joachim Losehand
24.05.12 , 17:05
Weil es gerade so schön paßt:
http://www.thegap.at/creativestories/artikel/was-zur-hoelle-liebe-abmahnindustrie/
~~
Doppelte Verneinungen kann nicht jeder, ich jedenfalls wohl nicht:
“Solidarität halte ich – by no means – für eine UNwichtige soziale und bürgerliche Kompetenz” muß es richtig heißen.
Gerald Bäck
24.05.12 , 20:05
@joachim dass es keine Auskunftsplicht gibt ist schön, allerdings bezweifle ich, dass das noch lange so bleiben wird. Zu oft wird genau das von den Verwertungsgesellschaften und zb dem VÖZ gefordert und vor nicht allzu langer Zeit stand die Forderung auch noch auf der “kunsthatrecht” Homepage http://netzpolitik.org/2012/kunst-gegen-uberwachung-gegen-kunst-hat-recht/. Die schwache österreichische Politik wird da irgendwann einbrechen.
Gerald Bäck
24.05.12 , 20:05
@andybaum Was sind das für seltsame Zeiten, wenn Rocker Doktoren zitieren und nach dem Gesetz rufen?-) Sie haben natürlich recht, es sollte richtigerweise nicht Leermediensteuer sondern Austropoppersteuer heißen, denen kommt es ja zu gute wenn ich mir eine CD mit den Fotos meiner Tochter brenne, die komischerweise nicht Reinhard Fendrich sondern ich geschossen habe, danke dafür.
bruck
4.06.12 , 13:06
übrigens – von autorInnenseite ein sehr nüchterner beitrag zur debatte: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/urheberrecht/urheberrechtsdebatte-was-die-autoren-umtreibt-11771905.html