Schneidbrettln für JungunternehmerInnen
Faktum, es gibt tolle österreichische Startups. Lookk, Soup, Last.fm, JahJah, checkfelix, bikemap, work.io, blossom, replydone, efficient cloud, qriously uvm. zeigen, wie vital die kleine Startup Szene in Österreich ist. Das interessante daran ist, dass diese Startups relativ wenig mit der von Andreas beschriebenen Support/Investor Szene zu tun haben. Nicht umsonst wurden viele dieser Startups gleich gar nicht in Österreich gegründet oder befinden sich auf dem Sprung ins Ausland.
Jüngstes Beispiel für die abgehobene Startup-Support-Szene ist all4startups. Da werden Gartenblumen, Schneidbrettln mit Saftrille, Jeans, Weine und Erlebnisgutscheine alles ganz speziell für Startups angeboten. Das könnte man jetzt ganz einfach als obskure Geschäftsidee abtun, wären da nicht jede Menge Logos von verschiedenen Förderstellen auf der Webpage angeführt. Offensichtlich wird all4startups von aws impulse, ZIT, creativwirtschaft.at, mingo, VITE, StartEurope, Initial Faktor, Standortagentur Tirol, Sciencepark Graz, Business Creation Center Salzburg, Center for academic Spin-offs Tyrol, departure und accent Gründerservice unterstützt. Fast alles Unternehmen bzw. Institutionen, die entweder Fördergelder vergeben oder selbst von üppigen Fördergeldern leben oder aus dem Umfeld von i5invest/Spengergasse stammen, wo auch die Betreiberfirma die Creative Industries Invest GmbH angesiedelt ist. Persönlich kann man den Betreibern gar keinen Vorwurf machen, sie nützen lediglich die Chance, die ihnen das System bietet. Dabei ist es unwichtig, ob ein Produkt oder eine Idee den Markterfordernissen entspricht, Sie muss lediglich die Förderkriterien erfüllen, die meistens mit dem Markt nichts zu tun haben. Es wird also ein Markt simuliert, der ohne Förderungen gar nicht bestehen könnte und damit gar kein Markt im eigentlichen Sinne ist.
Förderungen unterstützen vor allem Förderungsexperten aber nur selten Unternehmen. Es etabliert sich also ein System aus Förderstellen und Fördernehmern, das mit den Startups selbst nichts zu tun hat, diese aber zwingt mitzuspielen und ebenfalls Förderexperten anzuheuern. Ein System, das eigentlich zur Förderung von neuen Unternehmen geschaffen wurde, bewirkt das Gegenteil.


Andreas Klinger
14.10.11 , 12:10
Toller Post.
Das Problem ist imho das staatliche Förderungen nicht für Startups im heutigen (amerikanischen) Sinne gedacht sind sondern mehr für Weiter- und Produktentwicklungen von KMUs.
Juergen Hoebarth
14.10.11 , 12:10
Auch Startuper haben hunger und suchen Erlebnisse…
Yves Schulz
14.10.11 , 12:10
sehr guter post …
) zu etablieren. diese bemuehungen tragen nun auch langsam die ersten fruechte!
aktuell wird daran gearbeitet das zu aendern, nicht zuletzt auf veranlassung und mit viel hilfe der von dir aufgezaehlten startups (lookk, qriously, blossom etc.) … das ist schoen zu sehen, dass die startups, die das land verlassen “mussten” weiter daran mitarbeiten diesen umstand zu aendern um hier ein funktionierendes startup-oekosystem abseits oeffentlicher foerderungen (auch wenn es manchmal nicht ohne geht
Klemens Zleptnig
14.10.11 , 12:10
… und mit dem Wein kann man sich über nicht erhaltene Förderungen hinweg trösten.
Gerald Bäck
14.10.11 , 12:10
danke, Yves. Es stimmt schon Förderungen können auch helfen. In den meisten Fällen stützen sie aber nur ein System in sich und behindern oft sogar. zB inits verlangt einen 37!!! seitigen Antrag, um letztlich die eigenen Mitarbeiter zu beschäftigen und die Startups von ihrer eigenen Arbeit abzuhalten.
Das ganze Fördersystem wurde so verkompliziert, dass es eigene Experten braucht und sogar Unternehmen, nur mit Ziel Förderungen zu kassieren, geschaffen werden.
linzerschnitte
14.10.11 , 13:10
…und wenn sich der Experte für das Förderungswesen dann noch ein hübsches Cashback-System einfallen lässt, ergibt das einen wundervollen Kreislauf…:)
Thomas Thaler
14.10.11 , 13:10
Solange ZIT & Konsorten sogenannte “Innovationsförderungen” anbieten, die in Wahrheit reine Sozialstipendien sind – wird sich da auch nichts ändern.
Aber der Punkt “wirtschaftliche Nachhaltigkeit” wird ohnehin von den Kollegen dort beharrlich ignoriert.
Markus
14.10.11 , 16:10
…irgendwie erscheints mir nicht mehr darum zu gehen, ob „all4startups” als eine Projektidee gut ist oder nicht und was konstruktive Anregungen für Verbesserungen sind, sondern um Dampf ablassen Richtung Förderlandschaft – was ich aber wirklich schad finde, ist, daß teilnehmende österr. Startups, die nicht auf Weltruhm und hoch skalierbar Geschäftsmodelle aus sind, für Polemik benutzt werden – anstatt deren Idee & Anstrengungen zu würdigen, insbesondere wenn man von einer Startup Szene spricht und selber aktiv ist und jedes Startup die Chance hat, unabhängig, was sie tun als Unternehmer dabei zu sein…
fatmike182
14.10.11 , 16:10
Der Punkt der simulierten Landschaft hört man ja öfters. Gibts da keine öffentlichen Stellen, die da helfen?
Ich kann mir leider vorstellen, dass, nachdem man in manchen Bezirken ohne Startup schon gar nicht mehr vor die Haustüre gehen braucht, die Szene schon so verwässert ist, dass ambitionierte Jungunternehmer noch mehr darunter leiden.
@ linzerschnitte
gründen wir ein Startup & machen wir ein ebay für nichtmehr gebrauchte all4startup-Produkte?
(Namensvorschlag: das schwarze Brett mit Saftrille)
linzerschnitte
14.10.11 , 16:10
@fatmike182 vorher aber will ich noch wlan kabel via ebay vertreiben:)
@markus
Warum glauben eigentlich immer alle, dass die vermeintliche Crowd/die Community oder wer auch immer verpflichtet ist, für andere konstruktive Anregungen zu bringen ?
Markus
14.10.11 , 16:10
…btw, das lineup der unterstützenden Institutionen ist nicht, weil all4startups Fördergeld bekommt, sondern weil diese mithelfen, die Plattform zu kommunizieren … startup-feedback auf die Plattform ist, dass eine Reihe von ziemlich sinnvollen Produkten und Dienstleistungen für startups gelistet ist … was wohl die Institutionen auch so sehen…
Gerald Bäck
14.10.11 , 17:10
@Markus heißt das all4startups bekommt keinerlei Förderungen?
Markus
14.10.11 , 17:10
@linzerschnitte
keiner ist zu etwas verpflichtet – ist wohl eher auch eine Stil-/Mentalitätsfrage, ob ich mir die paar minuten nehm, um etwas Obskures zu suchen oder etwas Konstruktives – imho scheint zweiteres sympatischer…
Andreas Klinger
14.10.11 , 17:10
@Markus
Der Grund warum sie “für Polemik hergenommen” werden ist, dass sie auf all4startups als Teil eines Pakets angeboten werden, das sich als Empfehlung für die Gründung eines Startups verkauft.
Mit anderen Worten auf der Plattform wird empfohlen, dass sich Startupgründer Schneidbretter zulegen. Das nicht zu verstehen oder nicht gut zu finden hat imho nichts mit “Polemik” zu tun sondern ist Resultat dass die Seite das nicht richtig kommuniziert.
Es gibt hundert Dinge die für Startups Sinn machen.
Zb Scraping von 2nd Hand Börsen für Möbel oder Directory für Recommendations von Lawyers. Tutorials für LTD Gründungen mit 4 Angeboten. etc etc. Ein Index mit allen Österreichischen Startups macht auch Sinn. Ein Marketplace wo diese Startups ihre Produkte vorzustellen können sowieso.
Passiert aber alles nicht. Ich vermute deshalb nicht, da in Wahrheit die Anzeigenkäufer und nicht die Startups die Kunden sind. Es ist so wie es auf mich wirkt nicht dass Ziel die besten und/oder günstigsten Deals anzubieten sondern die die am meisten dafür zahlen.
So wie es auf mich wirkt ist es nicht Ziel der Seite “Alles für Startups” zu bieten sondern aus Gewissen Kunden geld für Anzeigenplacements zu bekommen.
Imho wird hier versucht in einem Nischensegment eine Art Banner/Coupon/Herold Seite aufzubauen.
Eine reine Anzeigenseite die sich dann dadurch legitimiert dass sie “Für die Jungen” und “Für die Kleinen” auf den Fahnen stecken hat.
Imho wenn ihr wirklich “All 4 Startups” machen wollt dann redet mit Leuten wie Gerald was sie in ihrer Gründung wirklich brauchen. Ich wette Dinge wie http://www.Startupwiki.at (von Chris Clay) und http://www.Founderswiki.com (von Lukas Fittl) sind da näher dran als teuere first-hand Möbel von Bene.
all Imho
linzerschnitte
14.10.11 , 17:10
@markus Wow, dein posting verdient es ja fast, hier submitted zu werden: http://www.passiveaggressivenotes.com/
Andreas Klinger
14.10.11 , 17:10
Und bitte nicht falsch verstehen. Hut ab vor jedem der etwas tut.
Aber imho wirkt es so als wäre das Produkt meilenweit weg von dem was der Kunde wirklich braucht. Für mich wirkt es so als fehlt noch Custdev. Gerald wäre ein guter Start imho. As said sofern die Projektmission ernstgemeint ist.
Good Luck.
Max Kossatz
14.10.11 , 17:10
@markus
aehem, “ein paar minuten zeit nehmen”? die schneidebretter findet man sofort auf der “startup4startups”-seite, die genauso sinnlosen “gartenboxen” sogar ganz oben…
also da zu unterstellen, das gerald mit absicht was obskures gesucht hat ist weit hergeholt…
Martina Grom
14.10.11 , 19:10
Wir sind kein Start-Up Unternehmen und haben 2006 auch Förderungen erhalten. Im konkreten ging es dabei um eine Produktneuentwicklung, die unserem Unternehmen sehr geholfen hat und die wir ohne Förderung nicht finanzieren hätten können.
Natürlich habe ich damals geflucht, seitenlange Förderanträge auszufüllen und Ordnerlange Berichte zu schreiben. Dafür haben wir aber auch etwas erhalten. Wenn das Ziel einer Förderung ist, den Unternehmen zu helfen, finde ich es gut. Jetzt alles als Betrug und Cash-Back und Selbstinszenierung abzutun, geht mir in diesem Zusammenhang etwas zu weit. Aber vielleicht sehe ich dies auch als nciht “start-up” etwas anders.
lg, Martina
Andreas Klinger
14.10.11 , 19:10
@Martina Agree und meint Gerald vermutlich auch gar nicht. Förderungen sind sehr gut darin KMUs bei der Produkt weiterentwicklung zu helfen. Dafür sind sie ausgelegt. Nicht aber für Startups.
Startups sind temporäre Businessformen auf der Suche nach neuen stabilen Geschäftsmodellen.
Stefan Oberhauser
14.10.11 , 20:10
@Andreas: aber gerade die kritisierten Gründerzentren wie INiTS, Accent, Science Park Graz & Co. (www.aplusb.biz) stellen nicht auf Produktentwicklung ab, sondern sollten Startups ein Umfeld bieten, das einen Start erleichtert. Ohne den angeblich 37seitigen Antrag von INiTS zu kennen, denke ich, dass hier eine Überlagerung mit dem hoffentlich ohnehin vorliegenden BP gibt.
Gegenfrage: wie müsste ein auf Startups zugeschnittenes Förderprogramm aussehen?
Andreas Klinger
14.10.11 , 23:10
Vorab bin zb persönlich grosser Fan vom Team hinter Inits und weiss dass hier Ausnahmen im Aufwand gemacht werden und gerade bei Inits sehr oft viele talentierte Gründer in Frühphasenunterkommen. So wie ichs verstehe spricht Gerald aber eher von einem System/Strukturfehler und nicht von den Ausnahmen.
Zu deiner Frage:
Eben dass ist der grundsätzliche Unterschied den viele nicht verstehen und das Beispiel BP zeigt es gut.
“a startup is an organization formed to search for a repeatable and scalable business model”.
Ein Startup ist kein “junges Unternehmen” sondern eine spezielle Unternehmensform mit einem speziellen Ziel. Schnelle Erforschung von Businessmodellen. Zb gründe ich eine Agentur für Online Marketing mache ich kein Startup. Hier ist das BM klar ich suche mir nur eine Nische und nehmen Marktanteil weg.
Ein Businessplan macht erst Sinn wenn man einen Produkt / Market Fit sehr nahe ist bzw den erreicht hat. Sprich wenn mir klar ist was mein Markt von mir will.
Vorab ist es wichtiger mit dem Kunden (direkt und indirekt) das Produkt zu erforschen.
Um das zu verstehen:
Wenn das Businessmodell schon klar und durch andere erprobt ist kann ich anhand von diesen anderen meine Rechnungen machen und meinen Businessplan (8-80 Seiten) machen.
Bestes Beispiel wenn ich eine eigene Firma/Agentur/etc starte.
Hier macht ein BP Sinn da ich mich mehr mit Exekutionsdetails beschäftigen muss. Sinn des BP ist schliesslich die Erforschung der Details für sich selbst.
Wenn das Produkt und sowieso das Business Modell noch nicht validiert ist sondern nur gut gemeinte “Annahmen” sind ist ein Business Plan nicht die Bytes wert in denen er steht.
Hier sind eine Vision und ehrliche (SIMPLE!) Finanzmodelle wichtig um sicher zu gehen dass es sich rechnerisch ausgeht wohin man geht. Aber alles andere ist nur soviel wert wieviel es mir hilft meine Idee an andere zu kommunzieren oder zu analysieren. Eine Präsentation von 10 Seiten ist vermutlich mehr wert als jeglicher ein BP. Ein Businessmodell Canvas hilft mir vermutlich mehr mein Business zu analysieren als ein Cashflowplan. Ein Screenshot ist vermutlich mehr wert als ein Marketingplan und sogar eine Papierscribble hilft mir mehr von einem PArtner/Kunden Feedback zu bekommen als 20 Seiten Details über theoretische Hoffnungen von mir.
Discovery, Validation, Growth, Scale sind die Phasen in der Gründung einer Firma. Startups fangen hier ganz am Anfang an.
(Customer) Discovery und (Customer) Validation sind die Phasen die bei wiederholten Geschäftsmodellen sehr schnell gehen und man spät bei Customer Validation einsteigen kann. Arbeitet man etwas dass es noch gibt, sind Assumptions und Validation in extrem schneller Iteration wichtiger als Seitenlanges “hoffen” und Pivots (Änderungen der kurzfristigen Stragegie in Kunden,Markt,Produkt,etc) wichtiger als Zielerfüllungen von erhofften Plänen.
Wenn dann das BusinessModell/Produkt validiert ist muss man schneller agieren als es die meisten klassischen Zyklen zulassen.
Hierbei (Customer Driven Development) geht um “wie mache ich mein Produkt richtig” sondern “wie mache ich meine Company richtig”.
Ich rede hier klarerweise vom Optimum dass in Teilen von Amerika möglich ist. Klarerweise liegt die Praxis/Wahrheit dann immer dazwischen. Eine Wirtschaftsförderung sollte aber klarerweise versuchen einen freien Markt so gut wie möglich zu unterstützen und nicht einen parallel Markt zu kreieren.
Viele Förderungen verstehen dies (zb Inits kommt aus der Forschung) sind aber dennoch nicht dafür ausgerichtet sondern eben für KMUs bzw Produktentwicklungen/markteinführungen. => Grundsätzliches Strukturproblem
Weiters scheint es gerade in Österreich auch Gesellschaftliche/Soziale Strukturen geben die nicht dem freien Markt entsprechen.
PS: Oberes kommt nicht von mir sondern von Steve Blank und gilt momentan als defakto Standard für Entrepreneurship – Customer Driven Development. Eric Ries baut mit LeanStartup hier mit vielem auf.
Hope that helps.
Andreas Klinger
14.10.11 , 23:10
Unser Inits Antrag war übrigens glaube ich inkl Anhang 80-100 Seiten. Wir haben aber vermutlich aber auch übers Ziel hinausgeschossen und hatten damals nichts zu tun.
War persönlich mit INITS immer sehr happy. Sehr bemühtes gutes Team. Seh aber auch Strukturprobleme in der Gesamtlandschaft.
Helge
15.10.11 , 12:10
Danke für diesen Text!
Wir haben uns kurz vor der Gründung vergeblich bei Departure beworben (damals hatte ich den Eindruck, dort wird nur gefördert, was in ihrem jährlichen Buch dann optisch gut aussieht..), danach nie wieder irgendwo. Drei Mal wollte sich wer an uns beteiligen, das haben wir bislang immer abgelehnt. Den Start haben wir aus Eigenmitteln finanziert (wir waren halt auch sehr sparsam), inzwischen finanzieren wir uns aus dem Cashflow.
Ich glaube, jedes Startup sollte sich sehr sehr genau überlegen, ob es den Weg von Förderungen (oder Investoren) geht. Förderungen lenken meist vom Weg ab. Man beginnt, Produkte zu bauen, die gefördert werden und nicht solche, die der Markt will. Wenn man sich Förderanträge durchliest, dann ist die Bullshitdichte oft atemberaubend. Bei mancher stolzen Liste geförderter Projekte wird einem schlecht. (Ich kann jetzt nur für den Bereich Webapplikationen sprechen, den ich kenne, aber Kollegen aus dem Tourismusbereich bestätigen, dass es dort auch so ist.)
Die positiven Beispiele von Förderungen, die ich kenne, schauen dann eher so aus, dass ein innovatives Unternehmen eine finanzielle Durststrecke mit einer Förderung überbrückt, für die es sich halt irgendein Thema aus den Fingern lutscht, das danach wieder schnell von der Bildfläche verschwindet.
Die Suche nach Investoren wiederum kostet sehr viel Zeit. Zeit, die man nutzen kann, um Produkte auf den Markt zu bekommen. Manche Investoren sind in der Folge auch lästig und mischen sich zu sehr ins Tagesgeschäft ein. Da tauchen dann sehr gescheite und gebildete (keine Ironie) Menschen auf, die aber leider vom konkreten Business wenig Ahnung haben, und machen wichtig und kosten dir Zeit. (Zumindest ist es ein paar Startups in meinem Umfeld so gegangen.) Und die vorher groß gepriesenen Netzwerke sind dann in der Realität oft nicht sonderlich brauchbar.
Es gibt einige Startups, die aufgrund ihrer Natur relativ viel Anschubfinanzierung brauchen (zb. Lookk), aber gerade viele Web-Geschichten lassen sich auch neben einem Dayjob oder während einer Bildungskarenz bauen. Wenn man dann noch etwas finanzielle Reserven hat, steht man auch die ersten 1-2 Jahre durch, die es braucht, bis die Einnahmen die Kosten decken.
linzerschnitte
15.10.11 , 18:10
weil ich grad darüber gestolpert bin…länderspezifische Empfehlungen der EU Kommission für Wachstum 2011, Österreich, S. 5:
“Die Öffnung der Märkte und eine Förderung von Wettbewerb und der Gründung neuer Unternehmen
würden die Produktivität steigern helfen und die Verbrauchernachfrage ankurbeln. Weitere
wichtige Aspekte sind in diesem Zusammenhang die relative Knappheit von Risikokapital,
die administrativen Hindernisse für Unternehmensgründungen, insbesondere KMU, und die
nach wie vor restriktiven sektorspezifischen Regelungen für Netzindustrien und
Dienstleistungen.
Österreich kann hinsichtlich der FuE-Ausgaben/-Intensität solide Ergebnisse vorweisen,
bringt sein innovatives Potenzial aber nicht voll zum Tragen. Der Anteil technologie- und
wissensintensiver Produkte an Ausfuhren und Produktion ist enttäuschend schwach. Das Land
muss die Innovationstätigkeit in den Unternehmen stärken und die praktische Anwendung von
FuE-Produkten fördern. Die Knappheit von Risikokapital könnte sich in dieser Hinsicht als
einschränkender Faktor erweisen.”
Gerald Bäck
15.10.11 , 18:10
@Martina niemand bestreitet, dass Förderungen sinnvoll sein könnten oder dass nicht auch sinnvolle Projekte gefördert werden.
@Andreas @Stefan Über inits schreib ich vielleicht mal einen eigenen Blogeitrag. Nur soviel dazu die 37 Seiten waren nur die Vorlage, der echte Antrag natürlich entsprechend länger. Ich kann jedenfalls nur jedem davon eingehend abraten mit inits auch nur Kontakt aufzunehmen, es ist schade um jede Minute, die man mit Startupbeamten anstatt mit der Produktentwicklung verbringt.
@Stefan meiner Meinung nach bräuchte es keine Förderungen, wenn die Strukturen in Österreich passen würden, aber ich halte für unwahrscheinlich, dass es endlich einfacher wird GmbHs zu gründen ohne dass Notare, WIrtschaftskammer und Wiener Zeitung bei der kleinsten Änderung wieder die Hand auf halten. Ich bezweifle auch, dass die SVA umgänglicher und günstiger werden wird und ich bezweifle, dass es sich PolitikerInnen nehmen lassen werden, großzügig Steuergeld als Förderungen zu verteilen.
michaela
15.10.11 , 23:10
mich würde jetzt aber schon interessieren, wieso die diversen förderstellen ihre logos auf dieser wirklich wahnsinnig vielversprechenden nischen-coupon-olattform sehen wollen.
Martin Sirlinger
17.10.11 , 11:10
@ Gerald Bäck)„..Jüngstes Beispiel für die abgehobene Startup-Support-Szene ist all4startups. Persönlich kann man den Betreibern gar keinen Vorwurf machen, sie nützen lediglich die Chance, die ihnen das System bietet. Dabei ist es unwichtig, ob ein Produkt oder eine Idee den Markterfordernissen entspricht, Sie muss lediglich die Förderkriterien erfüllen,…“
>> Gerald ich finde es schade, dass du uns zu einer abgehobenen Startup-Support-Szene (die es aus meiner Sicht gar nicht gibt) oder einem „System“ dazurechnest, weil dir anscheinend ein paar Dinge nicht gefallen, wie die Idee von all4startups an sich und dass dahinter angeblich eine Förderung steckt, …; all das berechtigt dich aus meiner Sicht nicht so ein Urteil über uns zu fällen; eine Idee muss immer den Markterfordernissen entsprechen, sonst hat sie am Ende des Tages keine Chance, da hast du absolut Recht, das wissen wir alle (da hilft keine Förderung, kein Investor, kein Marketingschmäh, kein super Team…); unabhängig von deinem Urteil gilt dies auch für all4startups und für viele anderen Projekten in der „Szene“, die wir in den letzten Jahren gekommen und auch wieder verschwinden gesehen haben…; und betreffend deines Feedbacks zum Aufwand, eine Förderung zu bekommen, da muss ich auch mal sagen, dieses „Gejammere“ geht mir auch schon oft auf die Nerven, ja natürlich kann man den Auswahlprozess optimieren etc. aber es wird immer ein Aufwand bleiben und das finde ich auch ok. weil es 1. um staatliche Gelder geht und 2. man einfach Kriterien braucht um über zig Anträge entscheiden zu können; und jeden der Anträge (den Inits kenne ich nicht) die ich kenne, kann man natürlich auch ohne externe „Förder-Experten“ schaffen;
@ Andreas Klinger) „…Das Problem ist imho das staatliche Förderungen nicht für Startups im heutigen (amerikanischen) Sinne gedacht sind sondern mehr für Weiter- und Produktentwicklungen von KMUs. Startups sind temporäre Businessformen auf der Suche nach neuen stabilen Geschäftsmodellen….“
>> tja dem ist sicher so, aber wie und nach welchen Kriterien soll die öffentliche Hand, mit öffentlichen Geldern diesen Prozess unterstützen? Die jetzigen Förderkriterien, wie kritisch sie hier auch gesehen werden, versuchen das Produkt / Projekt zu beurteilen, verlangen halt dafür die üblichen Unterlagen (Business-, Finanzplan, etc…) und dann entscheidet auch noch eine externe Jury (um ja den Objektivitätsanspruch zu erfüllen); Andreas, so wie du Startups beschreibt, müsste man dann vom „Produkt“ weg, hin zu einer Unterstützung von „Personen“ – Motto: wir unterstützen die Lebenlsäufe der GründerInnen und nicht die aktuelle Idee? Oder was schwebt dir hier konkret vor?
@ Helge) „…Ich glaube, jedes Startup sollte sich sehr sehr genau überlegen, ob es den Weg von Förderungen (oder Investoren) geht. Förderungen lenken meist vom Weg ab…“
>> …grundsätzlich glaube ich, dass die Auseinandersetzung mit externen Anforderungen und Personen wie z.B. Förderstellen, Investoren etc. in der Startup Phase durchaus Sinn macht (wir sehen bei vielen Projekten eine erstmalige 360 Grad Betrachtung des Geschäftsmodells im Rahmen eines Förderantrags oder Investorsuche…), vor allem dann wenn man natürlich am Ende des Tages erfolgreich war
Wenn nicht, sieht man die Arbeit und die viele Mühe im Nachhinein differenzierter, was aus meiner Sicht in der Natur der Sache liegt. Daher sehe ich eher den Umstand wichtiger, zu überlegen wie viel Aufwand ich in einen Förderantrag oder in eine Investorsuche stecke, was ist es mir am Ende des Tages der Aufwand tatsächlich Wert bzw. wie dringend benötige ich tatsächlich die Förderung oder einen Investor…ist es „lebensnotwendig“ oder „erleichtert“ es meine Arbeit…
@ Michaela) …nochmals zu all4startups und der Kategorie „Startups 4 Startups“ – das Projekt wird von den Förderstellen „ausschließlich“ kommunikativ unterstützt und bei der Kategorie „Startups 4 Startups“ kann „JEDES“ Startup welches ein Produkt bzw. eine Dienstleistung für ein anderes Startup hat mitmachen. Und ob ein Projekt „cool, sinnvoll, innovativ etc.“ ist, sieht jeder unterschiedlich und dass ist auch gut so…
Gerald Bäck
17.10.11 , 12:10
@Martin Dass Du als Förderberater den Auswahlprozess in Ordnung findest kann ich schon verstehen. Genauso finden auch Rauchfangkehrer den Gebietsschutz, Fotographen die praxisfernen Meisterprüfungen und Taxler das Konzessionssystem in Verfassungsrang ok.
Ich stelle mir die Frage, warum gibt es so viele Förderberater? Es doch ziemlich pervers, dass man FörderberaterInnen anheuert, um eine Förderung einfacher zu bekommen und diese Beratungskosten gleichmal anscheinend ganz legal in die Förderung einzurechnen?
Max Kossatz
17.10.11 , 12:10
@martin
kannst du bitte genauer erklären was man sich unter “kommunikativ unterstützen” vorstellen kann? wo? in welchen zeitraum? was?
denn wenn so eine unterstützung geballt von diesen 14 förderstellen gibt, wo kann man sich da als startup bewerben? wie sieht der auswahlprozess aus, wer sitzt in der jury?
danke für die info!
Martin Sirlinger
17.10.11 , 14:10
@ Gerald) wir sehen uns nicht als reine Förderberater, für uns und in unserer täglichen Arbeit mit Startups und Jungunternehmen gehört das Thema Förderung einfach zum großen Themenkreis “Finanzierung einer Idee” dazu und das Thema hat halt in Österreich einen größeren Stellenwert, weil Risikokapital nicht so stark zur Verfügung steht und viele Unternehmen, die wir beraten einfach externes Geld benötigen, um ihre Idee umsetzen zu können; ich glaube auch, dass der Auswahlprozess immer optimiert werden kann, egal in welcher Richtung diese Optimierung aber geht, es wird immer einen Aufwand bedeuten, eine Förderung zu bekommen, weil halt öffentliche Fördergelder vergeben werden; auf der anderen Seite sage ich in diesem Rahmen mit voller Überzeugung, dass es für die erfolgreiche Beantragung eines Förderantrags keine externe Berater benötigt, dafür kenne ich zu viele Beispiele, die es auch ohne geschafft haben und ich kann es auch nur jeden Startup empfehlen, es selber zu probieren bzw. sich mal damit zu beschäftigen; ich bin überzeugt, dass es genügt, wenn man die Förderstellen direkt um Rat fragt, die haben kompetente MitarbeiterInnen und wenn man sieht, dass man den einen oder anderen Punkt nicht schafft (üblicherweise ist das der Zahlenteil
, dann holt man sich halt für ein paar Stunden einen Experten…;
@ Max) „kommunikativ unterstützen“ ist ganz unterschiedlich, vom Facebook Blog, bis zu einem Eintrag auf der Website oder einen Beitrag in einem Newsletter, oder kombiniert; in jedem Fall nur über Kanäle die vorhanden sind, natürlich keine Aktivitäten die Kosten verursachen, oder extra für uns gemacht werden; d.h. es wird z.B. kein Newsletter extra für das Projekt versendet; wir haben mit jeder Förderstellen einzeln gesprochen, das Projekt erklärt etc…
Bezüglich mitmachen, wie schon erwähnt, jedes Startup kann mitmachen, es gibt kein Anmeldeformular, keinen Auswahlprozess und keine Jury, das Startup muss nur ein Produkt oder Dienstleistung haben, welche andere Startups interessieren könnte; was wir gesehen haben ist, dass es für viele Startups schwierig ist, ein Angebot (viele sind auch rein B2C) welches „greifbar“ ist zu formulieren (da gibt es auch einige Gründe die wir in der Vorbereitung gesehen haben…), da waren wir selbst total überrascht…; jedenfalls ist es für jedes Startup hilfreich beim Traffic der gesamten Plattform mitzuschwimmen…
Andreas Klinger
17.10.11 , 19:10
Hi Martin
Ok nachdem Gerald versehentlich (-_-) gelöscht hat hier nochmal kurz mein Reply auf deine Frage.
“>> tja dem ist sicher so, aber wie und nach welchen Kriterien soll die öffentliche Hand, mit öffentlichen Geldern diesen Prozess unterstützen?”
Das Problem haben VCs und Inkubatoren grundsätzlich auch. Das kann man lösen man braucht aber früher oder später angepasste Prozesse. (Davon ausgegangen dass man derartige Unternehmen fördern will.)
“Die jetzigen Förderkriterien, wie kritisch sie hier auch gesehen werden, versuchen das Produkt / Projekt zu beurteilen, verlangen halt dafür die üblichen Unterlagen (Business-, Finanzplan, etc…)”
Ich glaub es wird beim Produkt nicht das Produkt sondern eher ein Mix aus Produktreife und Produktrisiko beurteilt. Produktpotential ist zb weniger ausschlaggebend als bei Inkubatoren/VCs
” und dann entscheidet auch noch eine externe Jury (um ja den Objektivitätsanspruch zu erfüllen); Andreas, so wie du Startups beschreibt, müsste man dann vom „Produkt“ weg, hin zu einer Unterstützung von „Personen“ – Motto: wir unterstützen die Lebenlsäufe der GründerInnen und nicht die aktuelle Idee? Oder was schwebt dir hier konkret vor?”
Ja und Nein
Nein) Es geht mehr um angepasste Prozesse und Förderungen. Innovation im Webbereich funktioniert heutzutage einfach anders als es früher üblich war. Ich setzt nicht mehr ein Forscher Team ins R&D Lab und geh nach einem halben Jahr in die Fabrik und komm nach einem Jahr mit einem Produkt auf den Markt. Ich machs heutzutage eigentlich genau andersrum. Erst komm ich auf den Markt, dann komm ich mitm dem Produkt, dann bring ich das in die “Fabrik” (skalierung in performance) dann bohre ich mit R&D nach (skalierung in die breite).
Das Problem haben as said einige Unterstützungsorgas und hier kann man sich anlehnen. Vermutlich ist die Lösung – simpler, schneller, risikofreudiger, potential orientierter zu fördern und dann eher beim Learningprozess zu helfen und organisatorische Probleme (zb Steuer, etc) vom Gründer wegzuhalten bis Produkt/Market Fit näher ist.
Ja) Grundsätzlich ist der wichtigste Faktor in einem Early Stage Startup das Team. Aber nicht anhand von Lebenslauf und Netzwerk – der Netzwerkfaktor ist ja heutzutage schon präsent in Förderungen. Sondern eher in Teampotential.
ps: Grundsätzlich möchte ich hier nicht mit dir über die Sinnhaftigkeit von Förderungen diskutieren, da bist du der falsche Ansprechpartner. Der Grund warum du hier jetzt so involviert bist ist dass ihr den Begriff Startups verwendet und dass ihr auf der Homepage imho falsch kommuniziert.
albert
19.10.11 , 14:10
@Andreas und Web-StartUp-Förderung:
Aus meiner Sicht hat Andreas hier den zentralen Punkt angesprochen:
“Innovation im Webbereich funktioniert heutzutage einfach anders als es früher üblich war. Ich setz nicht mehr ein Forscher Team ins R&D Lab und geh nach einem halben Jahr in die Fabrik und komm nach einem Jahr mit einem Produkt auf den Markt. Ich machs heutzutage eigentlich genau andersrum. Erst komm ich auf den Markt, dann komm ich mitm dem Produkt, dann bring ich das in die “Fabrik” (skalierung in performance) dann bohre ich mit R&D nach (skalierung in die breite).”
Diesem Punkt stimme ich absolut zu. Aus meinen Erfahrungen ist die österreichische Förderlandschaft auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Web-StartUp Gruppe einfach nicht ausgelegt bzw. hat sich bis dato kein gesondertes Angebot überlegt.
Der Frage ist: “Wie fördere ich Start-Ups im Webbereich?”
- Sind für diese Start-Ups andere Kriterien relevant?
- Sollten alle Unternehmen in einen Topf geworfen werden?
- Testet man einen eigenen Mini-Fund für diese Gruppe? etc.
Würde ich bei Förderstellen arbeiten, würde ich mich mit dieser Frage beschäftigen – und ich bin mir sicher es gäbe genügend Webunternehmer in Österreich, die dazu wertvollen Input liefern könnten.
Can
19.10.11 , 19:10
Hi allerseits,
spannende Diskussion zum Thema Förderungen! Genau das braucht es um Meinungsaustausch und -(neu-)bildung bei allen (!) Beteiligten zu bewirken und ich schätze die ehrlichen Meinungen von allen, weil sie mir die Möglichkeit geben über meine eigenen Vorstellungen zu reflektieren.
Was es meiner Meinung nach auch benötigt, ist eine umfassend differenzierte Betrachtung der Fragen. Nicht nur Differenz zwischen Web 2.0 Startup , “Tangible Consumer Product” Startup , Service Startup, Industrial Supplier / CleanTech Startup , etc., (was unterschiedliche Implikationen für Förderung bedeutet, ganz abgesehen vom Starting Point des Teams was vielmehr “the defining factor” ist) sondern auch eine stärkere Differenzierung zwischen Meinung und Fakt.
Fact…
Fakt ist, dass AT (Risikokapital-Pro-Kopf-Wert: 3,6 €) Euro nicht CH (Risikokapital-Pro-Kopf-Wert: 27,8 €) und schon gar nicht USA (72 USD pro Kopf) und never ever Israel (144 USD) ist. Fakt ist, es gibt (viele) Förderungen in AT.
Fakt ist, dass es einen großen Gap zwischen “erwünschtem” Risikokapital und verfügbarem Risikokapital gibt.
….from fact to opinion…
Meine Meinung ist, dass staatliche Förderstellen versuchen diesen Gap zu füllen. Ist es perfekt? Nein. Ist es trotzdem sinnvoll dies bereit zu stellen, für diejenigen die es als Alternative nutzen wollen? Yup! Die Förderbedingungen sind alle öffentlich und wenn man sich damit beschäftigt, weiß man, was man sich bei der jeweiligen Förderung “einkauft” (Vorgaben, Restriktionen, etc.). Es gibt keinen Zwang diese in Anspruch zu nehmen. Einen hohen Druck – wenn man nicht von Anfang an bootstrapped oder mit viel eigenem Kapital ausgestattet ist – sicherlich schon, da wenig Risikokapital. Jeder, der sich selbst damit nicht beschäftigen möchte (weil sicherlich nicht unkomplex), kann (muss nicht, ginge auch ohne) einen Förderberater in Anspruch nehmen (der hoffentlich in einigen Fällen auch von bestimmten Förderungen abrät)
…from opinion to call for action…
That being said, man kann sicherlich einiges bei öffentlichen Förderstellen optimieren, vor allem im Lichte von Web/Mobile Startups. Wenn wir alle tatsächlich an Veränderung/Verbesserungen interessiert sind, macht es vermutlich mehr Sinn die (konstruktiven) Kritikpunkte gemeinsam mit Verbesserungsvorschlägen auch außerhalb der Startup Community an entsprechende Stellen bzw. Personen zu bringen (statt einem back-and-forth nur innerhalb der community). Das kann direkt an die Förderstellen sein, oder indirekt über andere Personen die in Institutionen sitzen die zwar Veränderungen wollen, aber den besten Weg nicht kennen. (solche Leute gibt es tatsächlich)
In anderen Worten, meiner Meinung nach, braucht es eine neue (bottom-up) “Lobby” (im neutralen, nicht negativen Sinn gemeint) die an die Öffentlichkeit und die betreffenden Stellen heran tritt. (Kooperationen mit bestehenden Institutionen wie z.B.: WKÖ denkbar und vermutlich wünschenswert, wenn hoher Leverage der Aktionen erzielt werden sollen)
Wie steht ihr dazu? (a new bottom-up Lobby)
… from call for action to your feedback!
Andreas Klinger
20.10.11 , 08:10
Ich glaube eine “kleine Lobby” würde niemanden etwas bringen ausser den Lobbyisten selber. Da man hier grundlos Gatekeeper schaffen würde.
Imho sollten Threads wie diese einfach an zuständige Förderpersonen gegeben werden, die hier einen Handlungsbedarf zumindest grundsätzlich verstehen und dann sollte man imho Leuten aus der Förderwelt die ein wenig Gespür haben für kleine Pilotprojekte abstellen. Aufgabe zusammen mit paar Startupern Testcases/Assumptions und Projekte/Aktionen definieren. Und mit einer Art Förderungs MVP starten.
Person Zb Isabella Frey
Vermutlich kann man mit weniger als einer typischen Departure Förderung schon ein gutes Pilotprojekt laufen lassen. Ohne dass man Gatekeeper oder Lobbysysteme definiert.
Solang ein derartiger CustDev Ansatz nicht möglich ist wird es imho auch keine natürliche Verbesserung geben.
Den imho ist es nicht die Aufgabe des Entrepreneur mühselig Förderungen nach politischen Regeln zu optimieren. Gute Leute werden dennoch voran kommen und halt im Ausland Geld und Erfolg aufbauen. Förderungen haben aber hier imho viel Potential dass sie nützen sollten.
Gerald Bäck
20.10.11 , 12:10
Ich glaube auch, dass eine weitere Lobby wenig Sinn machen würde. Ich sehe das Problem eher darin, dass Förderungen überhaupt notwendig sind, um den Standort halbwegs attraktiv zu machen.
Das fehlende Venturekapital und eine nicht vorhandene Angel-Szene verschärfen dabei noch die Problematik. VCs und Angels befinden sich aber ohnehin in einem internationalen Wettbewerb. Es mangelt also an den Strukturen. Größter Mühlstein ist dabei das Gesellschaftsrecht und die damit verbundenen enormen Kosten. Dabei würde es reichen einfach das Limited Modell zu übernehmen. Zweites Problem ist die mangelnde Internationalität Wiens und die damit verbundene Schwierigkeit, gute Leute hierher zu holen oder zu halten.
Max Kossatz
20.10.11 , 12:10
Dazu passend die ergebnisse dieser Weltbank-studie:
http://www.doingbusiness.org/data/exploreeconomies/austria
Österreich auf platz 134 (von 183) wenn es darum geht, wie einfach es ist eine firma zu gründen (hat sogar 7 plätze verloren im vergleich zum vorjahr..)
Can
20.10.11 , 19:10
Hi,
sehr interessanter Meinungsaustausch!
@Andreas: Ich stimme zu, dass idealerweise Struktur-Entscheidungsträger (und das sind nicht “Förderpersonen”) diesen und andere Threads lesen und auf Basis der Inputs handeln sollten.
Dennoch, einige der grundlegenden Annahmen aus denen wir H, teile ich nicht, daher werde ich (leider!!) etwas weeeeeiter ausholen. (denn es handelt sich um eine für uns alle wichtige Angelegenheit, sonst wäre der Thread nicht schon so lange)
IDEALISMUS VS. PRAGMATISMUS
“Sollten” ist das Stichwort. In einer für Entrepreneure idealen Republik, gegründet von Urgestein Guy Kawasaki, regiert von einem umsetzungsstarken Mark Zuckerberg und mit Steve Blank als weisem Staatsoberhaupt, wäre vielleicht ein Customer-Driven-Development auch in staatspolitischen Fragen Gang und Gebe. Gute Ideen würden ausreichen und fast von selbst in einem Lean-Law-Making umgesetzt werden, mit wöchentlichen SCRUM-Meetings um auch einen effizienten Prozess zu gewährleisten.
Spass bei Seite. Gute Ideen (wie einige im Thread diskutierten) sind max. 5% wert. Wie auch bei Startups kommt es in der Politik vorallem auf Umsetzung an. Da öffentliche Förderinstitutionen (nur) auf Basis von (politisch zustande gekommenen) Gesetzen und/oder Verordnungen (der betreffenden Ministerien) agieren und agieren können, bedarf es einer Überzeugung der betreffenden Entscheidungsträger (weiter oben).
DEMOKRATIE IN THEORIE VS. DEMOKRATIE IN PRAXIS
Schon Demokratie-theoretisch “geht das Recht vom Volk aus” und dieses (=also auch wir inkl. dem Entrepreneur dessen Aufgabe es “nicht sein kann” politischen Einfluss zu nehmen) tragen eine Verantwortung um Recht zu (zumindest mitzu-)gestalten. Genug Theorie. Praktisch leben wir in einer Welt von indirekt-demokratischen Institutionen. Ich möchte nicht über Vor- und Nachteile reden. Die politische Realität bedeutet, dass es kein homogenes “Volk” mit gleichen Interessen gibt, sondern unterschiedliche (teilweise konkurriernde) Interessengruppierungen. Diese versuchen auf Entscheidungsträger Einfluss zu nehmen um Gesetzgebung zu gestalten. Da dies aber alle versuchen und Zeit, Fokus und Informationsverarbeitungsfähigkeit der Entscheidungsträger sehr beschränkt ist (weil Menschen, keine Maschinen) gilt es, wie auch im Marketing oder Branding bei Startups, in der politischen Arena über PR und Lobbying (-> “educating decision-makers”) die eigenen Anliegen im ersten Schritt klar, ohne Ambiguitäten, mit ihren gesamtgesellschaftlichen Vorteilen und vor allem treff-sicher zu kommunizieren. Kommunikation als pure Informationsübertragung reicht aber nicht (z.B.: diesen Thread vorlegen). Selbst ein Attitude-Change (durch Adressieren von underlying values) wäre nur die Hälfte des Weges. Was notwendig ist, ist eine Verhaltensänderung. Diese kann nicht allein dadurch bewirkt werden, dass man X (z.B.: “Förderungen für Startups ändern”) kommuniziert, sondern erst wenn man beim Empfänger (Politik) die bestehenden Umstände/Motive Y (z.B.:”wir müssen Arbeitspätze schaffen”) und Z (z.B: “Wir stehen unter Wettbewerbsdruck”) berücksichtigt und dementsprechend kommuniziert. (… und genau das kann eine “Lobby” )
KNOW YOUR AUDIENCE (K.Y.A.)
In diesem Forum muss ich keinem sagen, dass die wichtigste Grundregel für effektive Kommunikation (egal ob persönlich, über Werbung oder PR) es gilt sein Publikum zu kennen, ja sich sogar in dieses hinein zu versetzten. Versetzen wir uns mal in die Lage von politischen Entscheidungsträgern (damit sind auch hohe Beamte gemeint die sehr viel Einfluss nehmen können):
1.) Man ist eine Kommunikation mit konkreten Ansprechpartnern (@Andreas: du nennst sie Gatekeeper, ich betrachte sie als Türöffner) zu kommunizieren, die eine bestimmte Interessensgruppierung kredibel vertreten und deren Stimmen “vereinen” (Interessenvertretung=Lobby)
2.) Es gibt so viele Leute die “von einem was wollen” und man ist in einem konflitktären Umfeld von so vielen unterschiedlichen Meinungen und Interessen
3.) Man hat wenig Zeit sich mit einer bestimmten Thematik auseinader zu setzten.
……
Wenn ich von Lobby spreche, denke ich nicht an professionelle, “angeheurte” Lobbyisten, die (rein) finanzielle Interessen haben (und damit spreche ich ihnen nicht ab, dass sie eine guten Job machen). Es gilt auch nicht etwas komplett Neues zu schaffen. Es gibt doch schon viele Personen (alle hier schreibenden und genannten), bottom-up Organisationen (z.B.: STARTeurope, die ein riesiges Momentum mit der WEEK geschaffen und sich ein Netzwerk bei politischen Meinungsträgern geschaffen haben) und sogar Institutionen mit großen Ressourcen (z.B.: WKÖ) die ein natürliches (und eigenes) Interesse an der Thematik haben.
Was es bedarf ist, die fragmentierten Gruppen zusammen zu bringen und auf bestimmte gemeinsame Ziele zu fokussieren.
@Gerald: leider wird eine (durchaus sinnvolle) Änderung des Gesellschaftsrechts nicht dadurch möglich sein, weil es ein paar Leute in einem Forum/Blog unterstützen.
Personen wie Isabella Frey involvieren => vollste Unterstützung! So smart und motiviert sie auch ist, alleine wird sie aber vermutlich wenig bewegen können.
Persönlich glaube ich, dass beispielsweise STARTeurope wirklich ein großes Potenzial dazu hätte, eine tragende Rolle hier zu übernehmen, weil das Team seit jeher genau das macht, was notwendig ist… connecting the dots…
(MEIN) FAZIT:
Die (österreichische) Realität holt uns ein…
Gute Ideen müssen umgesetzt werden.
Damit die Umsetzung im öffentlichen Sektor passiert, müssen die richtigen Steine bei den richtigen Stellen ins Laufen gebracht werden.
Selbst mit einer “Lobby” wird man nicht mal ansatzweise 100% von dem was man für richtig empfindet durchbringen können, aber the likelihood of success (wenn es tatsächlich um Veränderung und nicht bloßen Meinungsaustausch geht) ist wesentlich höher, als durch ungebündelte Maßnahmen bzw. Kommunikation. (Darum bedienen sich auch fast alle größeren Interessensgruppen, Unternehmen, etc. einer organisierten Lobby)
Anyway, ich bin gerne bereit mich mit euch und anderen interessierten Personen bei einem Bier zusammenzusetzen, bevor wir alle Stunden lang vor uns hin tippen
P.S.: Um auf das ursprüngliche Zitat von Andreas zurück zu kommen “the fascinating thing in Austria: there is a “startup scene” and a “startup support/invest scene” but they have nothing todo w/ eachother”
-> Es gibt unterschiedliche Meinungen dazu, was ich respektiere. Ich persönlich zum Beispiel bin anderer Meinung, aber Taten sprechen mehr als (meine) Worte, daher lege ich es allen Nahe sich ein eigenes Bild vom Status Quo (und dem weiteren Potenzial) in Österreich zu machen und zum monatlichen Afterworx in der Spengergasse (wo unter anderem auch Speedinvest, ein Early-Stage Super-Angel-Fund sitzt) zu kommen, wo genau diese Zusammenkunft geschieht.
Einfach Email mit Anfrage an afterworx [at] initialfactor [dot] com schicken
(Ich komme als regelmäßiger Gast beim Afterworx vorbei… see you there!!… would be great to discuss this issue in person, cause I value all of your opinions)
Can
20.10.11 , 19:10
Btw, @Max: thx for sharing!… das es nicht easy ist war klar, aber dass AT bei Firmengründungen vergleichsweise sogar so schlecht darsteht ist echt krass!
@AK: Ist mir gerade in den Sinn gekommen: nur um dich richtig zu verstehen: Du verlangst von öffentlichen Institutionen (z.B.: Förderstellen) Customer-Driven-Development (Discovery, Validation,..) ab, bist dir aber bewusst (da zu Recht selbst großer Prediger dessen bist), dass sogar viele Startups/Neu-Gründer in AT nicht wirklich diesen Ansatz tatsächlich “leben”? Sehe ich den Benchmark dafür zu niedrig, oder du zu hoch? Unsere Erwartungshaltungen scheinen da deutlich zu divergieren…
Stefan Oberhauser
20.10.11 , 20:10
Danke @Can für deine Posts, da damit Fakten und konstruktive Ideen in die Diskussion gekommen sind und das etwas einseitige Förderer-Bashing unterbrochen wurde. V.a. auch den Hinweis auf die nötige Differenzierung war wichtig, da es immer auf den Fit zwischen Projekt/Unternehmen und Förderprogramm ankommt. Damit stehen und fallen die Erfolgsaussichten, auch wirklich gefördert zu werden. Und ich stimme zu, dass hier für den IKT/Web-Startup-Bereich sicher noch Aufholbedarf besteht, für andere Bereiche aber durchaus mehr oder weniger gut funktionierende Programme verfügbar sind.
Und ich stimme dir auch zu, dass man um Veränderungen herbeizuführen höher ansetzen muss, eine FFG, aws usw. können auch nur jene Förderprogramme umsetzen, die von den zuständigen Bundesministerien beschlossen wurden.
Julian
20.10.11 , 23:10
Meiner Meinung nach wird hier mit dem Thema Förderungslandschaft ein reines Luxusproblem diskutiert. In meinen Augen geht es hier eigentlich um eine viel tiefgreifendere Problematik: das fehlende unternehmerische Denken im Sinne des 21.Jahrhundert.
Vielleicht bin ich ein bisschen voreingenommen, aber wenn ich mir unsere Freunde in Osteuropa anschaue, stelle ich in Punkto “Startup-Denken” einen meilenweiten Vorsprung ihrerseits fest. Es besteht ein unglaublicher Wille zur überregionalen Vernetzung, jeder kennt jeden und jeder hilft jedem. Dieses Denken schlägt jede Förderung um Meilen. In z.B. Budapest, das von der Infrastruktur (VCs, BAs, Förderungen, etc.) sicher sehr viel schlechter aufgestellt ist bzw. war, sitzen mit z.B. Prezi, LogMeIn und Ustream drei internationale Player (kenne keine vergleichbaren Startups in AT) die dort groß geworden sind und auch in naher Zukunft nicht vorhaben ihr HQ in eine “bessere” Stadt zu verlagern. Sie agieren deutlich intelligenter: sie schaffen sich die notwendigen Voraussetzungen einfach vor Ort und holen sich Top-Leute aus dem Ausland, supporten lokale Startups und die Community und bringen über ihr Netzwerk internationale VCs und BAs ins Land(auch länger als für eine Woche). Auf einmal begreift dann auch die Politik was Sache ist und beginnt sich anzupassen.
Das Problem ist schlicht und ergreifend, dass wir hierzulande ständig lamentieren und erwarten, dass “Vater Staat” bei allem von Anfang an hilft und der öffentliche Sektor sich schnell genug an die Bedürfnisse der Startups anpasst. Das wird mit der Gicht und Freundalwirtschaft die in diesem Bereich vorherrscht aber so schnell nicht passieren – daher heißt es unternehmerisch denken und andere Lösungen finden. Braucht ein typisches Startup in dem Sinne wie wir es hier diskutieren heutzutage ernsthaft noch eine Förderung? Das ist vielleicht ein nice-to-have aber keineswegs notwendig. Ein starkes internationales Netzwerk hingegen ist notwendig und auch ohne viel Cash und öffentliche Zärtlichkeiten problemlos aufzubauen, wie es einige von uns ja bereits erfolgreichen vormachen.
Ganz im Sinne von Andi Klinger: uns steht heutzutage die Welt offen, jeder der sich nur auf AT fokussiert, hat schon verloren. Von Anfang an global denken, vernetzen, austauschen und supporten. Förderungen my ass, wenn ich mir die Startups anschaue die in Osteuropa wie Unkraut aus dem Boden sprießen ist das nichts als eine Ausrede.
Mein persönliches Fazit: sicher könnnen Förderungen helfen, aber gleichzeitig schafft man damit auch Rahmenbedingungen die uns unternehmerisch verweichlichen. Die Anstrengungen die einen direkten Wandel herbeiführen würden wären außerdem bei der politischen Scheißerei mit der man sich da auseinandersetzen muss enorm. Handlungsbedarf existiert daher imho vor allem auf UNSERER Seite, das ganze Ding muss eben bottom-up laufen!
Das widerspricht jetzt zwar meinem doch recht langen Comment, aber ich denke “less talk, more walk” bringt’s auf den Punkt.
Gerald Bäck
21.10.11 , 12:10
@Julian Als Startup erwarte ich mir nicht besonders viel von Staat, außer dass er neu gegründete Unternehmen nicht unbedingt behindert, was aber derzeit geschieht. Förderungen bräuchte es da eigentlich nicht.
Als Staatsbürger erwarte ich mir aber, dass mit Steuergeld sorgsam, fair und kompetent umgegangen wird. Den Eindruck habe ich bei mancher Förderinstitution nicht.
Andreas Klinger
21.10.11 , 12:10
@Can Agree v.a. bzgl. Starteurope
Vielleicht bin ich einfach zu desillusioniert bzgl. Änderung im Staat und zu desillusioniert bzgl Personen die hier Veränderung bewirken wollen. Ansprechpartner / Vorzeigepersonen schaffen sich selbst durch Erfolg (zb SE as you said). Meine komplette Meinung sprengt den Rahmen eines Kommentars und gerne mal bei einem Bier.
Ich versteh dass dus bzgl Startup Supporterszene anders siehst und find hier deine optimistische Art toll.
Michael Schuster
21.10.11 , 12:10
Gute Diskussion, macht Spass den Thread zu lesen. Auch wenn ich beim Ausgangspunkt (dem Post von Gerald) nicht mit allem einverstanden bin, ist doch letztendlich eine gute Synthese der Positionen passiert.
Ich vermute hier Wachstumsschmerzen einer Entwicklung, die in Österreich noch jung ist. Die weitgehende Abwesenheit von privaten Investoren für Internet / Mobile / Tech Startups, die dünne Gründerlandschaft und die fehlenden Erfahrungen haben aus meiner Sicht in den letzten Jahren notwendigerweise zu einem starken staatlichen Involvement geführt.
Departure als klaren unpredictable Outlier mal bei Seite gelassen, habe ich durchwegs gute Erfahrungen mit Förderstellen, die oft die richtigen Entscheidungen treffen, aber genauso wie Investoren nicht davor gefeit sind, Fehler zu machen. Es entsteht gerade eine Haltung, zu der auch Diskurse wie dieser beitragen, da ist es natürlich, dass es unterschiedliche Zugänge gibt.
Für mich könnte es etwas sachlicher und differenzierter zugehen, gerade Can, StartEurope, die StartupWeek und vieles andere haben gezeigt, dass ein guter Ansatz da ist, dass viel passiert. Das mit einem lapidaren “i5Invest/Spengergasse” abzutun und in einen Topf zu werfen ist nicht gerade nützlich.
Aber ich rechne das mal dem emotionalen Moment in dem der Blogeintrag entstanden ist zu.
Gerald Bäck
21.10.11 , 13:10
@Michael ohne emotionale Momente wäre dieser Blog wohl ziemlich leer und langweilig. Aber, nichts von meiner formulierten Kritik sehe ich auch eine Woche später nach mehrmaligem durchlesen als unsachlich an, sondern immer noch als gerechtfertigt an.
Faktum ist, es gibt in Österreich keine richtige Kapital-, VC oder Angelszene. Das was es gibt, konzentriert sich eben rund um die Spengergasse. Den Proponenten von i5, TheMerger und wie sie alle heißen ist dabei persönlich überhaupt kein Vorwurf zu machen. Sie bilden derzeit als einzige sehr geschickt die gesamte Wertschöpfungskette rund um Startups ab. Sehr clever, aber nicht unbedingt förderlich für die Startup Szene im großen und ganzen, weil es einfach keinen Mitbewerb zu Euch in Österreich gibt.
Michael Schuster
21.10.11 , 13:10
@Gerald Emotionale Momente seien Dir gegönnt, der Konflikt macht das Leben ja spannender.
Das mit der Konkurrenz sehe ich ganz anders und das wäre auch aus meiner Sicht einer der (validesten) Kritikpunkte an der Förderlandschaft: natürlich gibt es ein “Crowding Out” von Angelfinanzierung wenn Fördergelder sehr leicht verfügbar sind. Wenn ein Startup heute vor der Entscheidung steht den Förderweg zu gehen oder bei einem Angel Equity abzugeben, dann ist meist klar, welcher Weg gewählt wird. Das macht es Unternehmen wie uns (SpeedInvest) in vielen Fällen auch schwierig, weil der Business Case eine Angels halt nicht mit jenem einer Förderstelle vergleichbar ist.
Auch die Konkurrenz innerhalb der Spengergasse ist durchaus gegeben, und noch mehr mit den vielen anderen Business Angels die es mittlerweile gibt, die durchaus rege investieren.
Von Seedcamp auf europäischer Ebene gar nicht zu sprechen. Von den ca. 100 Startups die wir in den letzten 100 Tagen gesehen haben, haben gerade die besten Teams viele Optionen.
Gerald Bäck
21.10.11 , 15:10
@Michael Es geht mir dabei nicht nur um Angel Finanzierung, sondern um die schon vorher erwähnte Wertschöpfungskette, die durch verschiedenste Unternehmen in Eurem Umfeld abgedeckt werden. Da geht es um Consulting, PR, HR, Management auf Zeit, Förderberatung, Büroinfrastruktur, M&A, SEO, Marketing, Retail etc… Ihr habt ein zweifelsohne hochspezialisiertes Umfeld geschaffen, das sich auch auf die Förderlandschaft auswirkt. Viele dieser Services sind letztlich förderbar und werden auch gefördert. Gleichzeitig sind aber viele Proponenten relativ einflussreich innerhalb der einzelnen Förderstellen.
Durch die wie gesagt sehr clevere Aufstellung der diversen Unternehmen ergeben sich noch zusätzlich Probleme. Warum soll ich zum Beispiel als Startup bei einem Wettbewerb teilnehmen und gegen Startups aus Eurem Umfeld antreten, wenn Vorauswahl und Jury aus dem gleichen Umfeld besetzt wird. Dass dann zusätzlich das Startup eine StartEurope Co-Founders den Wettbewerb gewinnt, ist einer optimalen Optik nicht unbedingt zuträglich. Das heißt jetzt nicht, dass mysugr den Preis nicht verdient hätte, das kann ich aus der Ferne gar nicht beurteilen, aber oberste Regel bei Wettbewerben und Preisausschreiben ist, das eigene Umfeld auszuschließen.
Michael Schuster
21.10.11 , 18:10
@Gerald Das ist genau der Punkt an dem ich mir etwas mehr Differenzierung wünschen würde.
1. Wo und wie sind Proponenten aus der “Spengergasse” (wenn es die als Ganzes überhaupt gibt) einflussreich bei Förderstellen?
Ich erlebe, dass viele Startups aus der Spengergasse genau den gleichen, fairen aber nicht immer nachvollziehbaren Prozess der Förderstellen durchlaufen. Wenn Deine These eine Bevorzugung der Startups aus diesem “Umfeld” (von dem ich immer noch bezweifle dass es das gibt) ist, dann würde ich die nicht unterschreiben.
2. Auswahl und die Startup Challenge: wo und wie siehst Du eine Bevorzugung (die ich auch hier herauslese)?
Meines Wissens nach (finde leider die Liste der Jurymitglieder nicht mehr, vielleicht kann jemand von StartEurope helfen) waren in der Jury Personen mit verschiedenen Hintergründen, die sich die Startups angesehen und letztendlich ausgewählt haben.
Was MySugr angeht (die ich wohl nicht besser kenne als Du, also nur Beobachtungen), so sitzen die nicht in der Spengergasse, sondern im Sektor5, die Berührungspunkte sind nicht stärker als mit anderen Startups, das Argument mit der Jury siehe oben. Ich finde MySugr muss den Wettbewerb gewinnen können, auch wenn es eine Verbindung zu jemandem aus der Spengergasse gibt.
Das Problem das ich an der Diskussion zu diesem Thema sehe ist folgendes: Österreich ist viel zu klein und die Startup “Szene” (wenn es die überhaupt gibt) ebenso, als dass es nicht persönliche Verflechtungen gibt.
Das was im dem kleinen Bereich rund um Spengergasse und Sektor5 (dem man nach obiger Argumentation von Dir noch mehr vorwerfen könnte, denn fast alle Startups die aktuell Schlagzeilen machen, sitzen dort oder sassen dort) aktuell passiert, ist vermutlich auch die organisierteste, zusammenhängendste Aktivität zu dem Bereich. Das finde ich grundsätzlich gut, denn gerade am Anfang einer solchen Entwicklung braucht es die Bündelung der Kräfte entlang der Wertschöpfungskette.
Was ich schade an Deinem Argument finde ist, dass dadurch dieser Aktivität, die im Endeffekt Erfolg für alle in Österreich entstehenden oder tätigen Startups und Unternehmer bewirken soll, die Moral abgesprochen wird. Das klingt nach Nepotismus, Klüngel, etc. (das trifft auch auf den Blogpost zu). Und obwohl ich (nicht unähnlich Andi) aktuell ein bisschen am Verzweifeln bin, was die österreichische Integrität anlangt, glaube ich doch hier Gutes zu entdecken.
Im Zweifel würde ich es immer auf das direkte Urteil ankommen lassen, anhand durch Beobachtung aus der Ferne und schnellen Urteilen eine Position zu beziehen, die eventuell nicht gerechtfertigt ist.
Gerald Bäck
23.10.11 , 23:10
@Michael Würde Sektor5 einen Wettbewerb machen, bei dem ein Sektor5 Co-Founder gewinnt, könnte er sich den selben Vorwurf von mir anhören. Glaube aber nicht, dass das passieren wird.
Julian
23.10.11 , 23:10
@Gerald: die Entscheidung, dass MySugr auf der WEEK gewinnt wurde in keinster Weise von STARTeurope / Spengergasse beeinflusst. Die Judges für den Gewinner der Challenge waren: Stefan Glaenzer, Roland Manger, Ondrej Bartos, Marius Ghenea, Lars Hinrichs und Oliver Holle. Ich glaube kaum das Oliver die ganze Runde dazu überredet hat MySugr als Gewinner auszuwählen. Den Austrian Startup Award mussten sie als einziges Startup aus AT in den Top10 zwangsweise gewinnen, da es leider kein anderes Startup aus AT in die Top 10 geschafft hat.
Würden wir alle Startups aus unserem Umfeld ausschließen, würde in AT nicht mehr viele übrig bleiben die bei der Startup Challenge teilnehmen könnten…ist so oder so vollkommen sinnfrei wenn man sich die Juroren vor Augen führt.
Gerald Bäck
24.10.11 , 06:10
@Julian Woher soll ich wissen, ob und wer was beeinflusst hat, das war nie mein Punkt. Mein Punkt war, dass es einfach eine sauschlechte Optik macht, mehr nicht.
Von welchem Umfeld sprichst Du übrigens?
Julian
24.10.11 , 08:10
Für mich klang und klingt es immer noch es so, als hätte deiner Meinung nach irgendeine Art von Schiebung oder Bevorzugung von MySugr stattgefunden. Daher habe ich auch auf die Judges hingewiesen – wenn du so etwas behauptest solltest du sehr wohl wissen, wer darüber entschieden hat.
Ich habe mich in meinem Kommentar auf das Umfeld von STARTeurope bezogen. Ich möchte das Ganze von meiner Seite auch damit abschließen, diesen Sachverhalt wollte ich aber doch gerade gerückt sehen.
Max Kossatz
24.10.11 , 08:10
ich finde es irgendwie bezeichnend wenn kommentarschreiberInnen nur ihren vornamen angeben und glauben, die szene ist eh so klein, dass jeder sofort weiss wer die person ist.
da bitte ich um etwas mehr weitblick!
Gerald Bäck
24.10.11 , 09:10
@Julian Es ist immer ein wenig schwierig zu erkennen mit wem man es gerade zu tun hat, hier im Blog. Michael schreibt es gäbe kein Umfeld, Du schon etc…. Faktum bleibt die schiefe Optik. Bei jedem Preisausschreiben im Supermarkt werden normalerweise Mitarbeiter, Angehörige etc ausgeschlossen.
Bevor das hier in einen Spengergasse vs. BäckBlog Thread ausartet, möchte ich noch ein paar Dinge klar stellen:
Oliver Holle und Markus Wagner haben einen beachtlichen Track-Record und in der Spengergasse ebenfalls beachtliches geschaffen.
Die Existenz von i5/Merger etc ist gut für die Startup Szene, denn vorher war da gar nix.
Besser wäre mehr Mitbewerb – auch nicht unbedingt was man ihnen zum Vorwurf machen kann – und eine eindeutigere Trennung der einzelnen Geschäftsfelder.
Can
29.10.11 , 13:10
@Stefan: thx, aber ob es wirklich objektiv ist weiß ich nicht, just my (reasoned) opinion
@Julian: Startup-Thinking in CEE: agreed!! Das passiert echt was! Glaube aber die Leute die wir (beide) kennen (und auf die du dich beziehst) sind vielleicht ein biased sample im Vergleich zur Gesamtbevölkerung: Kenne viele Personen in CEE, die sehr über den Mangel an Möglichkeiten und die Non-Startup-like Denkweise der “übrigen Bevölkerung” kritisieren. Es gibt dort sicher einen anderen (bottom-up-driven) approach, den man auf jeden Fall anerkennen muss!! Dabei spielt es sicher eine Rolle, dass die Opportunitätskosten (z.B. für Developer) niedriger sind (weil in Wien kann ein Developer im Corporate Umfeld sehr gut verdienen und ist extrem nachgefragt, in vielen CEE Städten versuchen sich die Leute eigene Möglichkeiten zu schaffen) sowie, dass die Burn-Rate (aufgrund deutlich niedrigeren Lohnkosten, z.B: Rumänien) niedriger und damit Investitionsbedarf geringer ist (Vergleich: wie viel (wenig) Geld geben Accelerator Programme pro Startup in Osteuropa im Gegensatz zu Westeuropa aus). Anyway, das soll alles keine Ausrede sein. Du hast Recht, es Bedarf einen cultural + framework change und der Ball ist bei uns!
@Andreas: BEER!…. soon
@Michael S. & Gerald: Ohne Emotionen wäre der Blogpost nicht enstanden und erst recht nicht so lange geworden. Ich sehe es so: Emotionen zeigen uns in Wahrheit was uns wichtig ist. Wenn sich bei uns emotional bei einem Thema gar nichts rührt sind wir indifferent und verspüren keine “urgency” was zu unternehmen (auch nicht als “Unternehmer”). Das sich so viele Leute am Post beteiligen (I like!!) zeigt, dass die Thematik des Startup-Ecosystems in AT für uns alle sehr wichtig ist (inkl. unseren Freunden die wegen einem wahrgenommenen Mangel dessen nach UK gegangen sind).
Die Probleme werden ja von allen wahrgenommen, nur unterschiedlich interpretiert und verschiedene Handlungsempfehlungen daraus abgeleitet.
@Michael S.: Zum Punkt crowding out und Konkurrenz von Förderstellen: persönlich glaube ich, dass Angel Investoren, speziell solche mit eigener Gründererfahrung für viele Startups sehr wohl einen Mehrwert liefern können, zusätzlich zum Geld: smart (+network +flexible) money. Wenn das gemacht wird, ist es vermutlich eine Frage der Kommunikation und der richtigen cases (success stories) die man präsentieren kann. Wenn die Gründe selbst sagen, dass es gut war, ist das vermutlich das überzeugenste Argument.
Konkurrenz zwischen Angel Investoren: persönlich glaube ich, dass eine (echt geniale) Person wie Erik Bovee, der im Valley sitzt durchaus eine gute USP von SpeedInvest ist
)
MYSUGR: Mehrere Startups, die sich beworben haben waren aus dem STARTeurope “Umfeld im weitesten Sinn” (= wo es einfach Berührungen bei einem der vielen STARTeurope Events gab) und da (nicht nur AT, sondern DE, Kosovo, Protugal, SK, CZ,…) Alle warem dem gleichen Auswahl-Prozess ausgesetzt (man hat auch einige der über 500 Bewerber aus dem Umfeld abgelehnt, weil sie die Minimum-Kriterien nicht erfüllt haben) und es mussten die übrigne 50 Startups an Judges in der Vorrunden vorbei (wo es nachvollziehbare und relativ objektive Kriterien bei der Bewerung gab), die fast alle keinen Bezug zu den pitchenden Startups hatten. Aus den 10 Finalisten wurde MySugr von den 6 (gleichberechtigen) Juroren ausgewählt, die sich gemeinsam (in einem eigenen Raum, ohne irgendein Dabeisein von jemanden von START) auf MySugr geeinigt haben und danach das Ergebnis mitgeteilt haben. Ich habe mit einigen der Juroren gesprochen und die waren einfach der Meinung, dass MySugr ein sehr großes Potenzial hat. 5 der 6 Juroren hatten vermutlich vorher noch nie von MySugr gehört. Es war eine “unbiased decision”. Natürlich habe ich mich persönlich sehr darüber gefreut, weil ich einen der Co-Founder gut kenne. Aber Einfluss seitens STARTeurope oder Spengergasse hatte niemand daraudf, außer Oliver Holle der zu 1/6 die Meinung der Jury vertreten hat…. und auch (bzw. speziell) er würde nicht ein Startup wausählen, von dem er nicht 100% überzeugt ist. Btw, Fredrik ist seit einiger Zeit nicht mehr aktiv bei STARTeruope, weil er sich voll auf MySugr konzentriert: Das ganze Team von MySugr deshalb von der Challenge auszuschließen, weil 1 der Co-Founder (der übrigens nicht gepitcht hat) früher bei START war wäre sicher erst recht nicht fair, oder? MySugr hat genauso wie die anderen 49 Startups hart “gekämpft” um dort zu stehen wo sie jetz sind. Ich gönne ihnen den Erfolg und freue mich sehr für sie. Ganz unabhängig davon, Fredrik hat wirklich sehr viel für die Startup-Community in AT getan. Deshalb möchte ich an dieser Stelle schreiben, dass er meine große Wertschätzung hat.
Spengergasse / Sektor 5: 2 unterschiedliche Initiativen und beide haben (zufällig in der geographischen Nähe voneinander!) jeweils eine große Konzentration in der Community zur Folge.
Alles auf der Welt hat Vor- und Nachteile. Kritik ist immer zulässig und hoffentlich von den Kritikempfängern auch gehört um daraus für sich Handlungsempfehlungen abzuleiten (wenn die Kritik berechtigt ist). Es gibt aber ganz eindeutig den “Cluster-Effekt” und ganz ehrlich, der war uns ist bitter notwendig in AT. Silicon Valley ist letzlich auch ein (rieeesiger) Cluster, der absolut essenziell und notwendig war, damit sich das Eco-Sytem in US so gut entwickelt hat. @Gerald: ich sehe es ähnlich wie du, einige der Personen in der Spengergasse haben tatsächlich beachtliches geschaffen -> Daher die ehrliche und offen gelassene Frage: wie wäre es um die Startup-Szene in Österreich bestellt ohne solche Personen (und Initiativen wie STARTeurope)?
So, now I am finally Over & Out
)
P.S.: mehr “Mitbewerb”: anyone is free to go for it and create further initiatives/clusters in Austria!!
(I believe there is so much more potential for start-ups here)
P.P.S.: Ich glaube das ist (und wird) KEIN Spengergasse vs. BäckBlog (wenn es diesen nicht gäbe, hätten wir ja die Diskussion in der Form nicht
) sondern ein wichtiger Austausch von unterschiedlichen Meinungen zwischen Leuten aus der Community…. die letztlich in einem kleinen Land wie Österreich alle im gleichen Boot sitzten.