Wir Freizeit-Blogger
Viele Blogger scheinen ja nicht unbedingt den Bestseller zu lesen. Zugegebenermaßen gehöre ich auch nicht wirklich dazu. Diesmal erschien dort ein Artikel zum klassischen Blogger versus Journalisten Thema. Soweit, so abgedroschen. Interessant ist allerdings, dass es bei solchen Artikeln dann doch immer einen Journalisten/Chefredakteur gibt, der das Thema noch vom 90er Jahre Standpunkt aus betrachtet. Diesmal war es ausnahmsweise nicht Armin Thurnher, der übrigens auch genügend ignoranten Blödsinn über Wikileaks in seinem aktuellen Leitartikel geschrieben hat, der auch eines Rants würdig wäre. Aber es gibt wichtigeres als die Frustration eines alternden Chefredakteurs würdig zu behandeln. Thurnherr hat zumindest erkannt hat, dass es nicht er oder sein Medium sein wird, das den Mediamil Komplex zerstören wird, es wird das Internet sein.
Aber zurück zu Christian Rainer, der erhellt uns im Bestseller mit folgender revolutionärer Erkenntnis:
“Blogger, die nicht Journalisten sind, sind keine Journalisten. So einfach ist das.”
Ah ja. Jetzt wissen wir also, wie messerscharf Herr Rainer hier eine Grenze zieht, ich verneige mich ehrfürchtig vor so viel geballter analytischer Macht. Aber Herr Rainer hat noch mehr bahnbrechendes zu sagen:
Denn sie hätten weder die Ausbildung noch die Erfahrung und auch keine Ahnung von den ethischen Benchmarks, die für professionelle Journalisten gelten.
Apropos ethische Benchmarks, da kann man jede Menge dazu auf Kobuk nachlesen. Oder meint Herr Rainer damit den Benchmark der hierzulande übliche Verquickung von Anzeigengeschäft und Redaktion? Aber es wird noch besser:
So gesehen würden die nichtjournalistischen Blogger auch keine Gefahr für Medien darstellen: “Freizeitblogger könnten zur Konkurrenz für Hansi Hinterseer werden, denn sie konkurrieren um Freizeit.” Journalistische Blogger, insbesondere profil-Journalisten, wären hingegen ein Rückrad für profil online.
Tja, Herr Rainer. Leider haben Sie gar nichts verstanden. Blogs gibt es nämlich auch unter anderem deswegen, weil uns alle diese arrogante Haltung extrem nervt. Gerade das ehemalige Nachrichtenmagazin (frei nach fefe) profil beweißt, wie schlecht es mittlerweile um unabhängige und kritische Berichterstattung in Österreich bestellt ist. Übrigens gibts bei profil meines Wissens keinen einzigen Blogger keine einzige Bloggerin, ein paar Texte online stellen, reicht da nämlich noch lang nicht aus. Wer’s nicht glaubt kann gern einen Blick auf die gesammelten Spam Kommentare im Profil Blog hier werfen. Immerhin es könnte ja auch gar niemand dort kommentieren!-)

Christian Zajer
11.12.10 , 18:12
Sehr gut!
Dani T.
11.12.10 , 18:12
Den Sager mit der Ausbildung find ich auch interessant. Wie meint er das?
digiom (Jana Herwig)
11.12.10 , 18:12
Schreibt er wirklich Rückrad statt Rückgrat?
Hannes Offenbacher
11.12.10 , 20:12
Was willst Du einem Maulwurf die Schönheit des Sternenhimmels erklären?
Man muss aber dummen Leuten nicht immer zuhören, wenn sie dummes von sich geben. Das hat mir mal jemand geraten, weil ich mich immer wieder zu viel aufrege
www.erstaunlich.at
11.12.10 , 20:12
Guter Beitrag. Respekt!
Die Äusserungen von Herrn Rainer lassen auf einen gewissen Futterneid schliessen.
Herbert Anreitter
12.12.10 , 08:12
Also das mit dem Rückrad hat nicht der Herr Rainer verbrochen, sondern der “Journalist” im Bestseller, der ihn hier zitiert.
Selbstverständlich ist der Rainer ein äußerst arroganter Mensch. Natürlich kann man auch Kritik am Profil üben und darüber jammern, dass es nicht mehr dasselbe ist, das es früher einmal war. Aber beim Lesen deines Beitrags Gerald (wenn man nicht den Links folgt, sondern nur liest) könnte man glauben, das nicht Heute, Österreich oder die Krone das Problem des Journalismus in Österreich wären, sondern Profil. Und das sehe ich anders.
Gerald Bäck
12.12.10 , 08:12
@herbert Boulevard gibt es auf der ganzen Welt. Das spezifisch österreichische ist nur, dass zumindest zwei von diesen drei Krawallblättern von der Politik viel ernster genommen werden als von deren Lesern, die schmeißen die Dinger als Ausdruck der Wertschätzung meistens nach der Lektüre in der U-Bahn auf den Boden.
Was aber wirklich ein Problem ist, dass wir auch keine guten Qualitätsmedien haben. Profil berichtet doch nur mehr über Gesundheit oder Sex vorzugsweise mit einer Nackten am Cover. Aktueller Aufmacher des ehemaligen Nachrichtenmagazins “So tickt der Mann im Bett”.
michaela
13.12.10 , 00:12
“ein Rückrad”? wasn’das?
fatmike182
13.12.10 , 02:12
Bin zwar genausoviel Optiker wie ich nach Rainer Journalist bin, attestiere ihm aber trotzdem extreme Kurzsichtigkeit (hinsichtlich seiner Denke)
Mag sein, dass Wochenzeitungen später sterben als Tagesblätter, zu einer bauernschlauen Prognose darf er sich, hätte er von ihm erwähnte Kriterien eingehalten, nicht hinreißen lassen. Vermutlich werden wir den Scan dieser Ausgabe in paar Jahren im Web aufrufen um was zum Lachen zu haben…