Das Dilemma am Sonntag
Mir persönlich tut es weh, dass unserem Land hilfsbedürftige Kinder von 12 Polizisten, bewaffnet mit einem Sturmgewehr (STG-77), in Schubhaft gesteckt werden. Da kann das Innenministerium in der Form von Strassers persönlicher Lieblingspolizistin Michaela Kardeis noch tausendmal etwas von Unterbringung im Anhaltezentrum säuseln, die veröffentlichten Bilder auf ichmachpolitik sprechen da eine ganz andere Sprache und zeigen, wie mit Hilfsbedürftigen in unserem Land umgegangen wird.
Warum wird also eine gut integrierte Familie drei Tage vor einer Landtagswahl abgeschoben? Warum wird gegen zwei achtjährige Mädchen mit aller Härte des Gesetzes, mit dem Risiko dabei gegen die Menschenrechte zu verstoßen, vorgegangen und eine Familie auseinander gerissen? Ganz einfach, der ÖVP bringt es unter Umständen ein paar wackelige rechte Stimmen und der SPÖ wird es schaden, weil gar nicht wenige unter diesen Umständen doch lieber Grün wählen. Was wiederum die Chance der ÖVP erhöht, in die Stadtregierung zu kommen und dort ein paar Posten zu besetzen. So menschenverachtend wird im Innenministerium kalkuliert.
Ich will das nicht. Ich will nicht, dass in meinem Namen durch unsere Volksverteter im Parlament alle Jahre wieder die Asyl- und Fremdengesetze verschärft werden. Ich will nicht, dass Asylwerber bei uns automatisch mit Verbrechern gleichgesetzt werden und von Staat auch also solche behandelt werden. Ich will nicht von einer Regierung regiert werden, die meint durch bloße Umbenennung – Haft wird zur Unterbringung, Gefängnis zum Anhaltezentrum, Hausarrest zur Mitwirkungspflicht – schon nicht mehr gegen die Menschenrechte zu verstoßen. Ich will nicht, dass Kinder eingesperrt und wie erwachsene Verbrecher behandelt werden. Daher möchte ich am Sonntag, meine Stimme so abgeben, dass dieser Wille am besten zum Ausdruck kommt, oder noch besser, sich wirklich etwas ändert. Aber das ist gar nicht so einfach.
Bis vor kurzem war ich mir ganz sicher, am Sonntag SPÖ zu wählen. Einerseits weil die Wiener Grünen wirklich nicht meine Stimme möchten und andererseits, weil die SPÖ ihre Sache in Wien ganz passabel macht. Leider fehlt mir der große Aufschrei in der SPÖ. Der fehlte übrigens schon bei der Abschiebung von Arigona Zogaj, da wollte man wohl nicht die Krone verärgern. Es gibt zwar vereinzelte durchaus ehrenhafte SPÖ-Funktionäre wie Jürgen Wutzlhofer, Siegi Lindenmayer, Sandra Frauenberger und andere, die ihrer Empörung in verschiedenen Aussendung und Postings heute Ausdruck verliehen haben. Aber das reicht nicht wirklich. Was fehlt, ist ein Statement von Häupl aufwärts ganz wie Robert Misik das beschrieben hat. Die Frage ist also, reicht es SPÖ zu wählen und seine Vorzugsstimme beispielsweise Jürgen Wutzlhofer zu geben? Ich weiß es nicht.
Bleiben als noch die Grünen. Die haben zwar in Wien so ziemlich alles falsch gemacht im letzten Jahr und man könnte sich täglich 10 mal mit einen Brett auf den Kopf hauen und hätte wahrscheinlich immer noch keine Ahnung, was die Jungs und Mädels in der Lindengasse so denken oder eben nicht denken. Aber die Grünen waren und sind in Sachen Asylpolitik die einzige Partei (jetzt kommt mir ja keiner mit LIF oder KPÖ), die auf eine wirklich untadelige Vita zurückblicken kann. Ich behaupte mal, bei den Grünen tickt in dieser Frage jede MandatarIn, jede KandidatIn und jede FunktionärIn gleich. Dort gibt es also kein Risiko. Die Frage ist nur, was bringt es real, die Grünen zu wählen? Wahrscheinlich wenig. Sollte die SPÖ die Absolute nicht schaffen, dann wird sie sich den billigeren Partner ÖVP ins Boot holen und die Grünen dürfen wiedermal Opposition spielen. Aber Opposition ist Mist, sagte schon Franz Müntefering. Und recht hatte er. Eine Stimme für die Grünen wäre also vor allem eine fürs lupenreine Gewissen ohne besonderes Risiko, aber auch ohne großes Veränderungspotenzial.
Auf ein Argument möchte ich noch eingehen, dass in der Diskussion am Blog von Klaus Werner-Lobo gefallen ist. Wer Grün wählt, trägt dazu bei, dass die bewahrenden Kräfte in der SPÖ geschwächt werden und neue “menschenrechtsfreundlichere” PolitikerInnen das Ruder übernehmen. Darauf würde ich nämlich ganz und gar nicht wetten. Eine geschwächte SPÖ könnte auch bedeuten, dass man dort zu dem Schluss kommt, man müsse sich mehr den Forderungen der FPÖ annähern. Hatten wir ja alles schon mal.
Die Frage ist also, was tun am Sonntag. Ich weiß es nicht und erhoffe mir Erhellung in der Diskussion hier am Blog.
PS: Heinz Fischer, das ist der Mann mit den Werten in der Hofburg, sitzt heute schon den ganzen Tag am Klo.

fatmike182
7.10.10 , 20:10
Wahlkartenoption schon verpasst?
Kann mich ziemlich genau mit dem Posting identifizieren, bis auf das, dass meine Schieflage von grün nach rot noch nicht so ausgeprägt entwickelt war.
Ich werde ziemlich sicher Grün wählen. Grund dafür sehe ich darin, dass ich es als enorm wichtig erachte, dass von den Topp 20 dort so viele wie möglich einziehen können. An der Absoluten zweifle ich ohnehin, also ist das der einzig logische Schluss mittlerweile.
Und nach der Freunde Schützen Haus Sache gehe ich auch Gewissenskonflikten aus dem Weg.
Gerald, mach das auch & v.a. ruf dann auch andere dazu auf das zu machen.
Gerald Bäck
7.10.10 , 20:10
@mike Mit den Wahlaufrufen hab ichs nicht so, weil ich das auch nicht leiden kann, wenn das jemand macht.
Dein Argument, dass die Absolute ohnehin weg sei, hat was, aber was macht Dich da so sicher?
Franz Joseph
7.10.10 , 21:10
Ich hab ja in Wien bis jetzt immer die Roten gewählt. Diesmal nicht.
Du schreibst zum aktuellen – und hierzulande eben extrem dominanten – Thema: “Ich behaupte mal, bei den Grünen tickt in dieser Frage jede MandatarIn, jede KandidatIn und jede FunktionärIn gleich. Dort gibt es also kein Risiko.”
Eben. Deshalb sehe ich das wie fatmike182 und will, dass von genau diesen Menschen so viele wie möglich ins Rathaus einziehen. JedeR grünE MandatarIn verhindert ein SP/VP/FP-Mandat. Deshalb grün.
Und du? Auch, ok? Zumindest diesmal.
Borg ihnen deine Stimme! Wenns schief geht für dich, wählst das nächste mal halt anders und bashst sie ordentlich im Blog! Das bringt Quote.
Nattl
7.10.10 , 21:10
Also ich bezweifle, dass im Innenministerium solch geniale Spin doctors sitzen, dass die die Abschiebung diese Woche angezettelt haben könnten. Zumal ja gleichzeitig ein schwarzer Bürgermeister im Burgenland des Wahlbetrugs überführt wurde. Nein, es ist viel schrecklicher. Die kriegen das gar nicht mit da oben. Und punkto SPÖ möchte ich anmerken, dass die für die Fremdenrechtsnovelle gestimmt haben. Man sollte vorher lesen, für was man stimmt. Das bedingt, das man lesen kann.
Ob die Grünen in Wien eine Änderung bewirken würden, wären sie in der Regierung… naja, das ist fraglich. Und Abschiebungen würde es trotzdem geben. Die Grünen sind in einer Landesregierung in OÖ und Arigona wurde trotzdem abgeschoben.
Aber freilich, das Gewissen kann man sicher beruhigen, wenn man Grün wählt. Weil dann hat man eh was g’macht und kann sich beruhigt zurücklehnen.
grasbueschel
7.10.10 , 21:10
Also ich hab auch so meine Probleme mit der Wahl nächsten Sonntag. Aber nicht wegen der SPÖ – die hab ich seit dem EU-Leserbrief komplett abgeschrieben und die Nicht-Reaktion von Häupl heute hat mich darin nur bestärkt.
Wenn ich über Veränderung rede, meine ich immer die Grund-Stimmung und deren Tendenz in unserer Gesellschaft. Klar sind akute und konkrete Veränderungen auch wichtig – gerade in der Asyl-Frage. Aber was es braucht, ist, dass sich der politische Mainstream weg von “Recht muss Recht bleiben” und “Ausländer (=Gsindl) raus!” hin, Richtung “Bauen wir das Land wieder auf!” richtet.
Und noch bei jeder Wahl konnte ich keine andere Option am Wahlzettel finden, als der gesamten Politik eine Abfuhr zu erteilen.
Aber bei dieser Wien-Wahl sehe ich eine andere Option: Rot-Grün wäre hier möglich. Und wenngleich ich von beiden Parteien wenig bis gar nichts halte, das Signal an ganz Österreich wäre: In Wien regieren die links-linken gesinnungsterroristischen Gutmenschen und trotzdem entwickelt sich die Stadt positiv!
Ich sehe das Argument der Rechten – Grün wäre eine Katastrophe für das Land; schlimm genug, dass es die SPÖ gibt – immer noch ziehen: die Leute glauben das wirklich. Ein wenig Realität könnte hier entgegen wirken, könnte hier aufzeigen: Nur Rechts zu sein ist nicht die einzige Option.
Somit könnte eine Stimme für die Grünen auch eine Stimme für einen Richtungswechsel in der Stimmungslage der Bevölkerung bedeuten. Ob ich wirklich meinen Grundsatz – gibt keiner Partei deine Stimme, wenn du nicht mit ihr einverstanden bist – wirklich verlasse und strategisch wähle? Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber wenn ich Veränderung in meinem Sinn will, dann sollte ich es wohl machen…
Günter Strobl
7.10.10 , 21:10
meine einschätzung habe ich schon vor einigen tagen (also vor dem menschenverachtenden akt gestern) auf meinem (neuen) blog abgegeben. ich bin ja durchaus auch ein kritiker der grünen in den letzten jahren gewesen. sie sind aber in der tat die einzige partei, die authentisch geblieben ist.
http://guenterstrobl.blogspot.com/2010/10/authentizitat-als-wichtiger-wert-fur.html
Martin Schimak
7.10.10 , 21:10
Trefflich analysiert. Allerdings werden wir das zugrundeliegende Problem einer verkorksten politischen Landschaft auch diesen Sonntag nicht lösen. Und zwar ganz egal, wie wir wählen. Man könnte sich also auch entspannen.
Ja, es ist wichtig, dass die Grünen in der Asylfrage dagegenhalten. Das werden sie auch nach Sonntag tun. Meiner wie Deiner Überzeugung nach aus der Oppositionsrolle heraus, und: relativ unabhängig davon wie die Wahl ausgeht.
Die Roten dafür quasi “belohnen”, dass sie keine klare Koalitionsansage in eine Richtung machen, nur um die strategischen Wähler nocheinmal, ein vielleicht letztes Mal für sich zu gewinnen und die “Absolute” gewinnen (auf Basis eines extra zurechtgeschnitzten Wahlrechts)? Nö.
Vor den Schwarzen “Angst” haben, weil sie in einer Koalition dann vielleicht 5% mehr Macht haben werden als jetzt auch schon? Beispiel Schulen: wird doch eh alles proporzmässig besetzt. Also. Ein paar hellschwarze Placebos wirds schon geben. Klar. Vielleicht sogar den einen oder anderen der mit einem neuen geilen Kappl durch die Gegend marschiert und Blumentöpfe und Hundstrümerl kontrolliert. Ok. Soll sein, werden wir auch erdulden.
Ich verfolge weiter mein Langfristkonzept: weisswählen oder besser, wenn irgendwie möglich, das persönlich kleinste Übel unter den jeweils antretenden nichtetablierten Parteien wählen. Hintergedanke: “Evolution von unten”. Es wird dauern. Lang. Mühsam nährt sich das Meerschweinchen.
Ausführlicher begründet hab ich das eh schon des öfteren, ua. vor ca einem Jahr hier. Kurzfassung: wir müssen die Parteien – alle – so lange schwächen, bis sich irgendwo was zu bewegen beginnt. Irgendwann wird jemand merken, dass das eigentlich verdammt viele Menschen geworden sind, für die es kein Angebot mehr gibt.
http://martin.schimak.at/2009/11/zersplittert-die-parteienlandschaft/
Lg!
peter
7.10.10 , 22:10
mir hat der Auftritt von dem Landesgeschäftsführer SPÖ NÖ in “Talk of Town” jede Lust genommen, die Roten zu wählen.
Soviel Blödsinn können die Grünen gar nicht anstellen, daß solche A—-löcher meine Stimme bekommen.
Heinz
7.10.10 , 22:10
Grün. Unmöglich derzeit was anderes zu wählen. Gegen die Fekterei (diese Sendung widmet Ihnen die Sozialdemokratische Partei Österreichs) sind die internen grünen Personaldiskussionen und die Vorwählerscharmützel nur Klinkerlitzchen. Und die SPÖ hat zweifellos die Fremdenrechtsnovelle gelesen. Und auch verstanden.
@Nattl Ich bin fest davon überzeugt, dass das (öffentliche Abschiebung, neunjährige Kinder, Purple Sheep) eine geplante Aktion der ÖVP war. Den schwarzen wird’s ganz sicher einige Stimmen bringen, den Roten viele kosten. Schwarzes Herz, was willst Du mehr. Und weil’s so gut klappt, kann’s bis Sonntag gleich noch so eine Aktion geben. So un-selbstlos sind die Polit-Katholen.
Susanne
7.10.10 , 23:10
Ich wähle die Partei, deren Richtung ich gut finde und deren Mitglieder das vertreten, wofür ich mich auch einsetze.
Ich halte wenig vom Stimmen taktisch vergeben, das kann gewaltig in die falsche Richtung gehen – obwohl ich natürlich Deine Argumentation samt Dilemma gut nachempfinden kann…
Bezüglich der Abschiebungspolitik: ich frage mich, wie die Verantwortlichen ruhig schlafen können. Ob es taktisch kalkulierte Abschiebungen waren oder nicht – ich befürchte auch diese Wahl wird die ungute Entwicklung der letzten Jahre nicht wesentlich ändern.
Mir bleibt nichts über als die zu wählen, die das am lautesten und entschiedensten ablehnen. Meine Stimme bekommt keine Partei, die diese Vorgangsweise gut heißt, da sehe ich auch keine Kompromisslösung. Nein, sie werden vermutlich nicht mitregieren. Aber deshalb meine eigenen Ansichten verraten? Sehe ich nicht ein.
Christoph Chorherr
8.10.10 , 09:10
lieber Gerald,
Ja, es gibt viel zu kritisieren an uns Grünen.(liegt im Wesen “einer Partei)
Darf ich Dir trotzdem widersprechen.
Du schreibst:
“Bleiben als noch die Grünen. Die haben zwar in Wien so ziemlich alles falsch gemacht im letzten Jahr”
Wir haben sicher manches falsch gemacht aber alles??
Soll ich Dir ernsthaft eine Übersicht geben, über das was wir richtig gemacht haben im letzten Jahr? An konkreten Projekten, die wir – oft mühsam erkämpft – umgesetzt haben (schau Dir meinen blog an), oder als Oppositionspartei, die Verfehlungen der SP aufzeigt (Pratervorplatz, Augarten, Bettelverbot, Medienmißbrauch durch Inserate etc-etc…Es war sehr viel, und sollte noch mehr werden.
Du schreibst weiter “Die Frage ist nur, was bringt es real, die Grünen zu wählen? Wahrscheinlich wenig. Sollte die SPÖ die Absolute nicht schaffen, dann wird sie sich den billigeren Partner ÖVP ins Boot holen und die Grünen dürfen wiedermal Opposition spielen.”
Lieber Gerald! Falls das so ist, und da wär ich mir nicht so sicher, liegt es nicht an uns, sondern an einer extrem strukturkonservativen SPÖ. Und dafür soll man sie belohnen? Daß sie ohne Not mit der Fekter VP koaliert???
Vielleicht wird Wien in diesem Punkt einmal nicht anders: Denn eins ist sicher: Es wird eine ganz deutliche Mehrheit von rot/grün geben.
Und überall sonst in Europa ist klar: Wenn es eine rotgrüne Mehrheit gibt, sind die Grünen in der Regierung. In München oder in Paris, in Barcelona oder in Zürich. (hier ein Überblick: http://chorherr.twoday.net/stories/6442548/)
Du hast mit folgendem recht und unrecht:”Aber Opposition ist Mist, sagte schon Franz Müntefering. Und recht hatte er. Eine Stimme für die Grünen wäre also vor allem eine fürs lupenreine Gewissen ohne besonderes Risiko, aber auch ohne großes Veränderungspotenzial.”
Wir haben und klar positioniert: Pro regieren. Pro rotgrün.
Je stärker wir werden, desto höher die Chance darauf
Martin Schimak
8.10.10 , 10:10
@CC: Ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass diese Analyse weh tut. Aber sich nicht weh zu tun bringt Ö eben auch keinen Millimeter weiter.
Ich hoffe, dass ihr in den Verhandlungen mit den Roten ein paar harte, strukturverändernde Grundbedingungen stellt: zB neues Wahlrecht (und zwar nicht nur so, dass es für euch gut ist, sondern von Grund auf modernisiert und geöffnet), zB völlig neue Transparenz der Mittelverwendung in Wien. Bitte nicht mit ein paar Umweltprojekten abspeisen lassen, das ändert an den strukturellen Problemen des Landes nämlich rein gar nix.
Wenn ihr das macht wird die SPÖ mit der ÖVP koalieren. Wenn ihr es nicht macht… nunja. Ich verstehs, dass Gerald das beschäftigt. Aber ich geb Dir recht: die Roten dafür belohnen, dass sie die strukturkonservativste, uninspirierteste sozialdemokratische Partei in Sichtweite sind geht eben gar nicht.
Markus
8.10.10 , 10:10
Liebe Leute,
die SPÖ ist zweigeteilt. Die Jungen wollen geschlossen Rot/Grün. Die älteren an den Futtertrögen wissen, dass sie sich mit der ÖVP besser arrangieren können. Auch Schröder wollte Rot/Grün nicht und wurde noch am Wahlabend beim Wahlfest von der jubelnden Menge mittels “Rot/Grün”-Sprechchören dazu gezwungen.
Die Devise muss sein, zuerst Grün wählen, weil je weniger Stimmen Häupl kriegt, desto schwächer wird er intern und und damit steigt die Chance auf Rot/Grün. Und danach Druck auf die SPÖ ausüben. dioe zweite Wahl gewinnt am 10.10 und die ist mindestens genauso wichtig wie das Kreuzerl selbst.
wozzek
8.10.10 , 11:10
@Nattl ich glaube schon, dass das bewusst jetzt geschieht, da es der SPÖ Wien am meisten schadet. Es ist kein Wiener Fall, spielt sich aber trotzdem auf Wiener Boden ab. Es ist rechtlich gedeckt (mit Gesetzen, die mit den Stimmen der SPÖ im Nationalrat beschlossen wurden) und trotzdem eine Willkür-Entscheidung im Rahmen des humanitären Bleiberechts. Um die Willkür hier aus dem Gesetz zu nehmen, gibt es von allen Bundesländern vorgeschlagene Kriterienkataloge, um Rechtssicherheit zu schaffen. Die Vorschläge lägen also am Tisch, damit sowas weder bei der Familie Zogaj noch beim aktuellen Fall so passieren muss.
@Gerald so gerne ich es gehabt hätte, dass der Bürgermeister den Satz, vorgeschlagen von Misik: “Ja, Recht muss Recht bleiben, aber wir sind hier in Wien und da gilt genauso, dass Menschlichkeit Menschlichkeit bleiben muss.” gleich gesagt hätte, ist das Dilemma, dass es sich nicht einmal um einen Wiener Fall gehandelt hat. Auch auf die Gefahr hin, dass dir die deutlichen Worte im Standard Chat vom 8.10. nicht mehr reichen, gibt es doch eine klare Botschaft zu der Abschiebung von ihm.
“ModeratorIn: Eine Userfrage per Email: Warum machen Sie es nicht so wie der Bürgermeister von Röthis? (er hat sich quergelegt gegen Abschiebung in Gemeinde?)
Michael Häupl: Die Familie ist vor kurzer Zeit aus Steyr, Oberösterreich, zu uns gekommen. Ich hab von dem Fall erst aus den Medien erfahren, aber sie werden sich sicher fragen wieso es keinen einzigen derartigen Fall aus Wien gibt. Weil wir solche Entscheidungssituationen erst gar nicht zustande kommen lassen. Es tut mir sehr leid, dass ich diese Abschiebung nicht verhindern konnte, aber verantwortlich dafür ist das Innenministerium.”
Jürgen Wutzlhofer
8.10.10 , 11:10
@gerald: wahlempfehlungen auf blogs anderer liegen mir in der regel fern, besonders welche für mich selbst. dass du es selbst ins spiel gebracht hast, freut mich sehr (und auf den christoph braucht’s ja auch eine antwort
). eine stimme für mich oder für eine/einen der vielen fortschrittlichen wiener sozialdemokratInnen stärkt uns natürlich – und nicht die “beharrenden kräfte”, wie klaus-werner lobo glaubt. und was das betrifft möchte aus meiner sicht mal mit einem missverständnis aufräumen: wir sind mehr als die grünen insgesamt. wir äußern uns laut (du hast ja eh drauf hingewiesen) und eben manchmal auch, bevor es michael häupl tut (der es in der zwischenzeit ja auch getan hat, wie wozzek schreibt). wir erreichen dinge, auf die ich auch sehr stolz bin: die wiener integrationspolitik als ganzes zum beispiel. forderungen wie das automatische bleiberecht von asylwerberInnen nach einem aufenthalt von 5 jahren, einen eigenen aufenthaltstitel für frauen, den sofortigen arbeitsmarktzugang für familienangehörige usw. (siehe auch die von der SP-gemeinderätin tanja wehsely, mir und vielen anderen mitinitiierte plattform “menschlichkeit ist kein verbrechen” – diese forderungen basieren übrigens alle auf der beschlusslage der wiener spö oder klaren forderungen unserer integrationsstadträtinnen: http://www.petition-menschlichkeit.at/ )
also, natürlich darf und soll jede(r) am sonntag wählen, wen er oder sie will. aber es tut mir sehr weh, wenn irgendwer die spö nicht wählt aus dem glauben heraus, das sei kein zeichen gegen rechts. der kampf gegen die dummheit, einfalt und die hetze straches – und deren einfluss auch auf politikerInnen wie fekter – ist für mich die treibende kraft, überhaupt politik zu machen… deshalb hat es von mir und von allen sozialdemokratInnen in diesem wahlkampf auch eine klare abgrenzung gegen rechts gegeben. ich habe nicht vor, die jemals aufzugeben….
Gerald Bäck
8.10.10 , 13:10
@christoph darum geht es eben gerade nicht. Es geht einzig und allein darum, wie man seine Stimme am Sonntag für eine humanere Asylpolitik einsetzen kann.
@wozzek @nattl Vor Landtagswahlen wird gar nichts gemacht, ohne dass man sich vorher überlegt, welche Auswirkungen das haben wird. Schon gar nicht bei den Beamten der Fremdenpolizei. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man dort einfach so 3 Tage vor der Wahl schwer bewaffnet Kinder verhaftet, ohne Rückendeckung bzw. informellen Druck von oben.
Günter Strobl
8.10.10 , 15:10
Also die SPÖ ist aus vielen Gründen für mich nicht wählbar. Allem voran dieses riesengroße Gap zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Bei allem erforderlichen Pragmatismus in der Regierungsrolle (Bund oder Land) gibt es Themen, da soll und darf man Prinzipien nicht so einfach über Bord werfen. Die SPÖ ist schon so oft (bislang meist ungestraft vom Wähler) umgefallen. Diese ständige, widerliche Anbiederung an die Kronenzeitung (Gusenbauer, Faymann, Häupl) die eigenen Leute im Regen stehen lassen (Schmied in der Bildungspolitik) oder die familiären Pfründe in der SPÖ (Oxonitsch, Sima, Rudas, etc.), der Skandal rund um den Pratervorplatz und last-but-not-least dies unglaubliche Stimmlosigkeit zum aktuellen menschlichen Abschiebeskandal. Da dürfen einem schon Zweifel aufkommen, dass die SPÖ aus ihrem eigenen Pragmatismus heraus DEFINITIV KEIN DEUTLICHES ZEICHEN GEGEN RECHTS ist. Die SPÖ ist IMHO mittlerweile die unauthentischste Partei von allen, sie Predigt leider zu oft Wasser und kredenzt sich dann den Wein. Da braucht es mal ein klares Signal vom Wähler.
dieter
8.10.10 , 18:10
Nein, darum geht es sicher nicht, denn das ist größtenteils Bundespolitik. Und es geht auch nicht um die Frage, ob die Grünen aus der Sicht eines Politikberaters bzw. Spindoktors effektiv in Hinblick auf Wählerstimmenmaximierung gearbeitet haben.
Es geht schlicht und einfach um die Frage, wer dich in den nächsten fünf Jahren bei den wenig glamourösen Gemeinderats- und Bezirksrats-Sitzungen vertreten soll.
Mir scheint, desto intelligenter und politisch interessierter jemand ist, desto abstruser wird sein Wahlverhalten. Ein Bauer wählt die ÖVP, weil das seine Partei ist. Das ist direkt und rational.
Deine schwer nachvollziehbare, komplexe Argumentation pro SPÖ, die du nun ad-hoc zugunsten einer ebenso komplexen und unverständlichen Argumentation Richtung Grün revidierst, ist letztlich ohne Gehalt.
Die Gesamtheit der strategischen Wähler erzeugt vermutlich nur ein statistisches Rauschen, denn für jede um drei Banden gespielte Meta-Argumentation von X->Y kann man genauso gut für Y->X argumentieren.
fatmike182
8.10.10 , 20:10
@ dieter
grade in einer so knappen Situation wie wir sie am So haben könnten, kann das Hintegrundrauschen aber entscheidend sein.
Ansonsten geb ich dir vollkommen recht.
Ich glaube auch nicht, dass die Kommentae vom Karlheinz Kopf hinsihtlich rot-grün ernst gemeint waren (eher vermute ich, dass das der Mobilisierung der schwarzwähler galt).
@ Gerald
ich kann mir nicht vorstellen, dass der SPÖ-Wahlaufruf ausreichend ist um sich gegen Wählerfaulheit (weil: um was gehts schon bei dem großen Patzen an SPÖ-Wählern, v.a. bei dem Programm) durchzusetzen.
Die FPÖ wird imho auch in absoluten Zahlen trotzdem zulegen und die ÖVP wird Wähler anziehen, die der SPÖ einfach nicht die Absolute gönnen wollen.
Die Elefantenrunden werden sich pro Grün ausgewirkt haben, wenns nur um die Frage rot vs grün geht. Die Mobilisierungsbotschaft ist seitens Häupls imho nicht durchgekommen, überhaupt wenn er sich eh schon so um Kuschelkurs mit Marek befindet
Hollerbusch
9.10.10 , 12:10
@dieter
d’accord!
Allgemein: Wenn man sich an die profil-Geschichte über das verzweigte SPÖ-Imperium an Wien erinnert, und wenn nur ein Teil der Vorwürfe stimmt, die Martin Margulies genannt hat, zusätzlich zu Psychiatrieskandal (Sigrid Pilz) etc., kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wo genau die große Schwierigkeit liegt, wenn man sich in Wien zwischen Rot und Grün entscheiden will. Da liegt auf einer Seite soviel Ballast auf der Waage, dass die andere gar nicht so viel anstellen kann, dass sich das ausgleicht …
digiom (Jana Herwig)
10.10.10 , 08:10
Das hier ist mein Argument für Grün:
Und das hier die Frage, die man bei der Wahl stellen könnte, die sich m.E. aber nicht zu stellen lohnt, jedenfalls nicht, seit mehr als zwei Parteien eine Rolle spielen.
Wie wollte man den Wert der eignen Stimme taktisch-strategisch hochrechnen? Ich plädiere dafür, das zu wählen, das sich richtig (noch am richtigsten anfühlt).
Und gezz man nicht den ollen Münte (“Aber Opposition ist Mist”) gegen die Grünen ausspielen, nur weil ihm mit Schröder die Macht zu Kopf gestiegen ist! Eine SPD in Opposition hätte Hart IV vermutlich eher verhindert als eine regierende SPD es verhindern wollte.
Gerald Bäck
10.10.10 , 09:10
Danke für die spannende Diskussion über ein sehr trauriges Faktum. Letztlich läuft es auf die Diskussion hinaus, ob man strategisch wählen soll oder nicht. Ich kann verstehen, dass strategische WählerInnen bei PolitikerInnen nicht besonders beleibt sind, weil dabei Faktoren ins Spiel kommen, die sie kaum beeinflussen können.
Strategisches Wählen wäre nicht so nötig, wenn wir mehr Elemente der direkten Demokratie hätten….. Vielleicht wäre es ja mal wert so eine Diskussion hier oder auch offline zu führen.
Die Antwort auf meine eigene Frage habe ich damit wohl schon vorweggenommen und ich werde diesmal zum ersten mal der SPÖ und Jürgen Wutzlhofer meine Stimme geben, weil ich mir erhoffe, dass sich dadurch am ehesten etwas verändert.
Franz Joseph
10.10.10 , 14:10
@Gerald: Hab mir erlaubt, über deine Entscheidung zu bloggen: http://franz-joseph.at/2010/10/10/die-farbenfrohe-welt-des-gerald-baeck/
Michael
10.10.10 , 14:10
@Gerald: Ich hoffe, Dir ist klar, dass es in der MERCER-Studie, die Du verlinkt hast nur darum geht, wie gut die Stadt für ausländische Führungskräfte ist (Mercer has designed an objective way of measuring quality of living for expatriates based on factors that people consider representative of quality of living.).
Siehe auch Blog-Beiträge von Lobo und Franz Joseph.
ahabicher
10.10.10 , 14:10
Etwas spät, diesen Beitrag zu kommentieren, die Wahl ist in einer Stunde um und deine Stimme schon im Kasten. Nur kurz anmerken möchte ich trotzdem, dass ich das Dilemma nicht ganz nachvollziehen kann, von dem die sprichst.
Du willst, dass sich etwas ändert, und du schwankst zwischen Rot und Grün. Rot hält bisher die Absolute. Da hält sich das Veränderungspotenzial einer roten Stimme sehr in Grenzen.
Egal, mit wem Rot bei einem Verlust der Absoluten koaliert, es gibt ein Abkommen der Rathausopposition, auf eine Wahlrechtsreform hinzuarbeiten, also ändert sich bei einem Verlust der Absoluten auf jeden Fall etwas Wesentliches: Wien wird von einer Alleinregierungs-Metropole zu einer Serie von Koalitionen wechseln, wie auch immer die im Einzelfall auch aussehen werden.
Just saying.
toni
10.10.10 , 20:10
nur ein paar Bilder von der Schweinerei
http://toni-komani.blogspot.com/2010/10/impressionen.html