Wahlkampf der Stümper
Michael Häupl kann sich entspannt zurücklehnen. Während es HC Strache wiedermal nicht erwarten kann, den Jargon der 40er zu verwenden und so ohne Maske in der Wählergunst sinkt, spielen die Grünen Volksfront von Judäa gegen Judäische Volksfront. Die ÖVP konnte das nicht auf sich sitzen lassen und plakatiert einen sehr sympathisch wirkenden Bürgermeister quasi als Kapitulationserklärung.
Die Wiener ÖVP setzt also ihren hilflosen Fettnäpfchen-Wahlkampf fort. Das Plakat fügt sich nahtlos in die Forderung nach einer patroullierenden Militärpolzei auf der Kärntner Straße oder die gefekterten “Aber bitte auf Deutsch” Plakate. Zugegeben, die ÖVP, wie auch die Grünen befinden sich in einem strategischen Dilemma, denn egal wie die Wahl ausgeht, der Bürgermeister wird am Ende wieder Michael Häupl heißen. Verliert die SPÖ die Absolute dann haben beide nur die Möglichkeit, sich gegenseitig in den Verhandlungen zu unterbieten. Warum die ÖVP deswegen gleich Wahlwerbung für Häupl macht, könnte vielleicht schon diesem Wettbewerb geschuldet sein!-)


Auch der optische Vergleich der beiden heute vorgestellten ÖVP Plakate hilft bei dieser Frage nicht weiter. Denn Häupl wirkt auf diesem Plakat um einiges frischer und dynamischer als die statisch am Plakat klebende Marek. Aber das könnte eine Anlehnung an die letzte SPÖ/ÖVP Koalition in Wien sein, denn da bleibt ebenfalls die Frage bis heute unbeantwortet, was denn nun das Neue war, das die Herren Görg und Marboe in die Wiener Stadtregierung brachten? Außer dass die Wiener Verkehrsbetriebe jetzt auch am 1. Mai unterwegs sind, blieb mir da jedenfalls nicht viel im Gedächtnis. Das ist zwar eine nette Sache, reicht aber wahrscheinlich nicht aus, um sich einen prominenten Platz in der Wiener Stadtgeschichte zu sichern.
Der Wiener Wahlkampf wird uns also noch viele Überraschungen seitens der Wiener ÖVP und wahrscheinlich auch allen anderen Oppositionsparteien bringen und es darf vermutet werden, dass diese Überraschungen meistens positiv für die Bürgermeisterpartei sein werden. Warum ich mir da gerade bei der ÖVP so sicher bin? Weil ich denke, dass jemand der so ein Video auf seiner eigenen persönlichen Homepage eingebunden hatte, sowohl über schlechte Berater als auch über ein besonders schlechtes Urteilsvermögen verfügt.

bernhard jenny
27.08.10 , 12:08
wer solche beraterInnen hat, braucht keine feinde mehr!
hc voigt
27.08.10 , 12:08
marek ist die beste kunstfigur einer kommunikationsguerilla campa der letzten zwei jahre. simply kudos!
Martin Schimak
27.08.10 , 13:08
Das strategische Dilemma gibts schon vor der Wahl. Nachdem auch die Grünen ja schon lange trommeln, dass Rot-Schwarz in Wien de facto vorvereinbart ist, gibt es für das Wahlkampffinale der SPÖ eigentlich eine perfekte Ausgangsbasis um möglichst viele SPÖ Sympathisanten zu mobilisieren und sowohl ein paar FPÖ als auch Grüne Stimmen doch noch zu überzeugen, die ÖVP von der Wiener Stadtregierung fernzuhalten. Und das kann man nunmal nur mit einer Stimme für die Wiener SPÖ. Es sieht für mich daher momentan fast alles nach einer neuerlichen Absoluten aus. In die Quere kommen könnten vor allem “allzugute” SPÖ Umfragewerte knapp vor der Wahl.
Tom
27.08.10 , 13:08
Ich glaube auch das die SPÖ die Absolute verteidigen wird. Aber auch wenns nicht so sein sollte werden weder die Grünen noch die ÖVP wesentliche Akzente setzen (können) ist ja auch wie de schreibst vom letzten mal nicht viel geblieben und das wäre auch bei den Grünen nicht anders.
Thomas Thaler
27.08.10 , 13:08
Mal ganz unabhängig von der politischen Gesinnung: So einen Elfmeter ohne Tormann aus 14cm Entfernung habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Blöderweise nicht für die zahlende Partei, sondern deren Hauptkonkurrenten.
Wie kann man nur so ziemlich alles falsch machen, was die Theorie hergibt? Die wahre Gretchenfrage allerdings: Wer traut sich öffentlich zu posten, welche Wiener Agentur dafür geteert & gefedert wird? Ganz ehrlich: Mit der Reputation können die ja *nie* wieder auch nur den allerkleinesten Visitkartendruckauftrag irgendeiner öffentlichen Einrichtung annehmen.
Add Frau Marek: Nicht böse sein, aber entweder die liebe Dame hat in zwei Wochen 20Kg zugenommen (was ja ihr gutes Recht wäre) ODER ein Praktikant oben beschriebener Agentur hat gezeigt, was man nach einem Photoshop-für-Einsteiger-Kurs so alles zaubern kann.
Erich Reder
27.08.10 , 13:08
Rap-Songs dürften sich in diesem Wahlkampf besonderer Beliebtheit erfreuen.
ZITAT:
Michael Häupl kann sich entspannt zurücklehnen.
ZITATENDE:
Dass ist korrekt. Er hat ja Beko Baxant, der für ihn die Arbeit erledigt. Dadurch braucht sich Häupl nicht die Hände schmutzig zu machen.
http://www.erstaunlich.at/index.php?option=com_content&view=article&id=827:der-motherfucker-und-der-spoe-jugendsprecher&catid=1:erstaunliches
Thomas Thaler
27.08.10 , 15:08
Nachtrag: Für diese Meisterleistung an praktischem Marketingknow-how zeichnet http://www.hqu.at verantwortlich.
Ganz interessierte Menschen sollten vielleicht auch einen kurzen Blick auf http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXIV/J/J_05295/pmh.shtml werfen. Alter Schwede: 170.000 EUR im Jahr für Beratungsleistungen an die Republik verrechnet? Ich hab eindeutig die falschen Kunden *g*
weltbeobachterin
28.08.10 , 20:08
Häupl wirkt durch den Wind dynamischer.
da hat sich die VP ein Grab geschaufelt.
die Plakate tun ja einem Weh, wenn man sie nur anschaut.
die ÖVP hat das einst selber im Wahlkampf benutzt
http://www.demokratiezentrum.org/bildstrategien/personen.html?index=18&dimension=
damals beim Mock. Auch den Spruch find ich ziemlich gut: Die Wende zum Besseren.
würde bei der Marek stehen Standhaftigkeit wärs ja OK, aber frischer Wind…?
nacaseven
28.08.10 , 23:08
Gehts nur mir so, oder erinnert euch das Design der Kampagnen auch unweigerlich an die “…für Dummies”-Reihe?!
http://oevp-wien.at/kampagnen
Alex
31.08.10 , 17:08
…. denn sie wissen nicht was sie tun….
) kennt man die/den Agentur/Berater dahinter?
sieht recht preiswert aus