Wer braucht schon Literatur auf Twitter?
Jetzt soll hier auf dem BäckBlog mal was Positives und Nettes stehen, da wurde ich gleich als Gastkommentatorin angefragt. Und damit sich gewisse Linien durchzieht, hab ich auch gleich eine “provokante” Frage gestellt, die ich hiermit beantworte: Ich weiß nicht, ob ich es brauche, aber ich mag´s, die Twitterture. Irgendwann im Frühjahr bin ich auf Romeo und Julia der Royal Shakespeare Company hinein gekippt. Ja, sie sind am Ende wirklich gestorben, alle. Nur der Weg dorthin war etwas zeitgemäßer, aber schön. Auch @tiny_tales wird von mir verfolgt. Gleich mal Gratulation an dieser Stelle zum Grimme-Preis.
Und jetzt freu ich mich, dass ich bei einem Twitterature Experiment mit dabei sein kann. Nein, ich schreibe keinen Roman auf Twitter, wir kanibalisieren lieber einen Starautor und nutzen die Aufführung eines bekannten Buches, um die Themen weiter zu denken und die Charaktere mit zusätzlichem Leben zu füllen. Am 16. Juli findet eine Aufführung von Daniel Kehlmanns Ruhm in Reichenau statt, bei der um die 10 Mitglieder der Twitteria dabei sein werden und die anderen ZuschauerInnen mit ihren Smartphones stören werden. Was wir nicht wollen: Die üblichen Tweets von Verantsaltungen abzusondern. Es geht viel mehr darum, die Ideen und Themen des Buches kritisch zu hinterfragen, sie in unserem Alltag miteinzubeziehen und in die Charaktere von Ruhm zu schlüpfen.
Die Idee dazu hatte Kurier-Journalist Gerald Reischl, der den Indentanten der für das Twitterature-Projekt gewinnen konnte. Wir werden voraussichtlich am 15. Juli zu twittern beginnen und sind erkennbar an einem Theatervorhang im Avatar. Freuen uns auf reichlich Diskussionen und RTs!

Dyrnberg
13.07.10 , 08:07
Gute Idee, schlechtes Buch. “Ruhm” ist wohl mitunter das mieseste Stück Literatur, das ich in den letzten beiden Jahren gelesen habe. Nichtssagend. Ich bilde mir sogar ein, beobachten zu können, an welchen Stellen sich der Autor selbst gelangweilt hat.
Fazit: Second-hand Geschichten, Gefühle und Gedanken. Das hat man alles schon zig mal gesehen und gelesen – nur weit, weit besser.
(Geht’s da nur mir so?)
(mad)
13.07.10 , 10:07
Lieber Dyrnberg!
Kehlmanns „Ruhm“ polarisiert, das war schon vor der VÖ Anfang 2009 klar. Im Samstagskurier wurde die Inszenierung in Reichenau ja schon reichlich gelobt, gleichzeitig fungierte der Text von Peter Jarolin als Verriss des Buchs (vgl. http://kurier.at/kultur/2015508.php). Die Presse bzw. Barbara Petsch sah es genau umgekehrt (http://diepresse.com/home/kultur/news/580183/index.do?from=suche.intern.portal).
Es ist wie so oft bei der Rezeption eines Kunstwerks: Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. So hält etwa Karin Fleischanderl Kehlmanns Schreibe insgesamt für “Als-ob-Literatur” (http://derstandard.at/1277337374798/Hermetische-Szene-Literatur-ist-nur-eine-Ware).
Die Aufführung werde ich nicht sehen, aber das Buch „Ruhm“ halte ich für äußerst gelungen. Und das Twitter-Projekt werde ich nach Möglichkeit mitverfolgen.