Waltraut Klasnic – Täteranwältin
Schönborn säuselte es sanft in der Pressestunde. Demütig gab er bekannt, dass Waltraud Klasnic von der Bischofskonferenz als Opferanwältin zur Aufklärung und Aufarbeitung der mittlerweile unzähligen Missbrauchfälle innerhalb der katholischen Klerus eingesetzt werde. Bevor also die Rufe nach einer dringend notwendigen unabhängigen Prüfung zu laut wurden, wird die Kirche sich wiedermal selbst kontrollieren. Ziel ist dabei nicht die Aufklärung oder gar Hilfe für die Opfer, sondern den Schaden für die Kirche so gering wie möglich zu halten. Dabei wird die Kirche nach wie vor viel zu sanft angefasst. Wir sollten nicht vergessen, dass jahrzehntelang schwere Verbrechen gedeckt, vertuscht und ermöglicht wurden. Es wurden der Kirche anvertraute Kinder misshandelt, missbraucht und vergewaltigt. Viele Bischöfe hatten von diesen Verbrechen Kenntnis und ignorierten nicht nur die Opfer, sondern auch ihre staatsbürgerliche Pflicht Offizialdelikte zur Anzeige zu bringen. Während also für extremistische Tierschützer, deren Gedankengänge mir absolut fremd sind, der Mafiaparagraph gilt, kommt die Bischofskonferenz mit einer selbst eingesetzten Kommission davon.
Dass Frau Klasnic nicht wirklich etwas von der Aufklärung von Sexualdelikten hält, kann man in einem Interview mit Edith Zitz, Landtagsabgeordnete im steirischen Landtag,nachlesen.
Aber was hat Waltraud Klasnic gemacht, als eine Frau zu ihr kam, um sich über sexuelle Belästigung durch einen Vorgesetzten zu beschweren, sie um Unterstützung bat? Sie hat Belästiger und Belästigte einfach in eine andere Abteilung versetzt – und zwar in dieselbe! Sie hat den Stärkeren gestärkt und die Schwächere geschwächt!

The Sandworm
1.04.10 , 14:04
Was mich bei dieser Besetzung noch viel mehr interessiert, ist die Frage, wie viel Frau Klasnic verdient. So meinte die ehemalige “Frau Landeshauptmann” im Interview, dass sie es als Ehrenpflicht sah, die Aufgabe anzunehmen, Herr Schönborn hingegen meinte, dass sie dafür bezahlt wird. Ich denke Frau Klasnic ist alles andere als eine Mindestpensionistin, wenn sie es schon als ihre Christenpflicht sieht, sich als Opferanwältin zu gerieren, dann wäre es wohl das Mindeste, dass sie das kostenlos tut. Trotzdem, wie wär’s denn da mit ein bisschen Transparenz? Schließlich lehnt man generellen Schadenersatz für die Opfer von Seiten der Kirche ja ab.
Hollerbusch
4.04.10 , 18:04
Zuerst einmal frohe Ostern, um den Blick aufs Wesentliche freizumachen: Christus ist wahrhaft auferstanden. Das ist so eine schöne und wichtige Botschaft, wegen der es auch so befreiend ist, Teil der Kirche, der Gemeinschaft der Gläubigen zu sein, trotz aller Fehler und auch Verbrechen, die Menschen dieser Gemeinschaft begangen haben. Wir wissen: In der Kirche tummeln sich von unten bis ganz oben genauso Verbrecher und Heilige, und manchmal sogar Leute, die beides gleichzeitig sind.
Und jetzt zurück zum Unwesentlichen. Ich halte auch wenig von dieser Opferbeauftragten. Für die straf- und zivilrechtliche Seite gibt es genügend staatliche Stellen; für die kirchliche Seite gibt es seit einigen Jahren endlich die Ombudsstellen, die anerkannte Arbeit leisten. Und seit 2001 gibt es endlich die kirchenrechtliche Handhabe, damit solche Fälle nicht mehr von oft befangenen Ortskirchen untersucht werden.
Wir wissen alle, und nicht erst seit den letzten Wochen, dass lange Zeit das Problem vielerorts nicht ernstgenommen worden ist, Verantwortliche lieber ihre Freunde gedeckt haben, vertuscht haben, usw. Aber die alten Fälle werden von den Ombudsstellen bereits abgearbeitet, können aber auch durch die Einsetzung einer Opferbeauftragten nicht Ungeschehen gemacht werden. Bei neuen Fällen sind glücklicherweise die neuen, strengeren Bestimmungen in Kraft. Aber auch da hat die Funktion Klasnics wohl wenig Sinn.
Aber: Du weißt selbst, dass deine Generalisierungen (z.B. “die Bischofskonferenz”) nicht zutreffen, aber natürlich die Vorurteile vieler Deiner Leser gut befriedigen. Zähle alle österreichischen Bischöfe der letzten fünfzig Jahre zusammen, denen konkret Verfehlungen, ob Vertuschung oder anderes, im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen vorgeworfen wurden. Da kommt nicht viel zusammen. Dann überlege, wieviele Bischöfe es insgesamt gegeben hat.
Und warum glaubst Du, dass eine Grüne Landtagsabgeordnete die Fakten völlig richtig darstellt und sich Waltraud Klasnic völlig falsch verhalten hat? Es kann ja sein, dass Frau Zitz recht hat. Es kann aber auch sein, dass sie eine politische Gegnerin und deren Partei anpatzen will. Es kann auch sein, dass der Fall in der Realität völlig anders gelegen ist. Wer von uns weiß das wirklich?
Mir würde noch mehr einfallen, aber der Kommentar ist ohnehin schon viel zu lang.