HC Strache for UHBP
Ich habe mich geirrt, als ich die den Auftakt zur Kampagne von Bundespräsident Heinz Fischer als verunglückt bezeichnet habe. Aus einer Social Media Sicht mag das zwar stimmen, aber selbst dort machen das seine engen Mitarbeiter der Internetmicki und der Wahlkampfmicki sehr geschickt. Dass der unsäglich schmierige Klaus Pandi – der Dominic Heinzl unter den Politikjournalisten – Stefan Bachleitner als Wahlkampfmicki runtergeputzt hat, wird diesem nicht nur nicht gerecht, sondern sollte eher als Auszeichnung verstanden werden, was die Sache aber nicht besser macht. Ich halte auch das Video nach wie vor für gespreizt, gestellt und unnatürlich, aber ein lockeres Video ist mit dem Kandidaten wahrscheinlich nicht drin. Trotzdem war der Auftakt zur Kampagne aus heutiger Sicht ein voller Erfolg, weil eben trotz Youtube Auftritt nicht das Web-Publikum die Zielgruppe war, sondern die klassischen Medien. Die neuerliche Kandidatur wäre nämlich keine echte Nachricht gewesen, aber dass er das über Youtube bekannt gibt, schon. Nur so konnte das eigene Bildmaterial in der ZIB1 untergebracht werden und nur so konnte eine so massive Berichterstattung in der Printmedien initiiert werden. Der nächste, der seine Kandidatur über Youtube bekannt gibt, wird diesen Effekt wahrscheinlich nicht mehr voll nützen können.
Gewonnen hat Heinz Fischer die Wahl ohnehin schon, bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hat. Wichtig ist aus seiner Sicht nur noch die Wahlbeteiligung, denn egal wer antritt, die Person wird kein Gegner für Heinz Fischer sein.
Mittlerweile hat allerdings die FPÖ bekannt gegeben, ebenfalls mit einem eigenen Kadidaten antreten zu wollen. Und ich hoffe, dass es HC Strache ist. Es wäre der größte Fehler den die FPÖ machen könnte. Denn bisher hat die Strache-FPÖ Wahlen nicht wegen ihres Spitzenkandiaten gewonnen, sondern weil die FPÖ zur Single-Issue Partei wurde. Ich hab ja nichts gegen Single-Issue Parteien, die Grünen waren mal eine, bis sie zur No-Issue Partei wurden und die Piraten werden hoffentlich irgendwann mal eine ernstzunehmende Single-Issue Alternative. Bei der FPÖ scheitert es leider am falschen Issue. In zwei Worten ließe sich die Partei am einfachsten mit bösartig und fremdenfeindlich beschreiben. Aber darüber will ich mich gar nicht auslassen, den Martin Grafs dieser Welt wird ohnehin viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. So viel, dass manche Organisationen dabei ihre eigentlichen politischen Ziele vergessen und sich nur noch in ihrer Feindschaft zur FPÖ definieren. Ein externer Feind ist eben etwas sehr praktisches und lässt sich herrlich in die so geliebte Antifa-Folklore einbauen.
Warum ich hoffe, dass HC Strache antritt, ist ganz einfach. Weil mit Single-Issue bei der Bundespräsidentenwahl nichts zu holen ist. Kein Österreicher, keine Österreicherin wird sich mit den üblichen ausländerfeindlichen Parolen hinter dem Ofen hervorlocken lassen. Medien und WählerInnen werde sich bei dieser Wahl auf das konzentrieren, worum es geht: Auf die Personen. Und wenn es um die Person geht, kann HC Strache nur verlieren. Dazu fehlt es ihm nicht nur an Integrität und Schlagfertigkeit, sondern auch an Intelligenz und Allgemeinbildung. Einen Schmäh, der im Bierzelt gut ankommt, den möchte keiner in der Hofburg haben, nicht einmal die Bierzeltbesucher. HC Strache würde meiner Meinung nach jedenfalls unter dem FPÖ Wahlergebnis bleiben. Es wäre die Möglichkeit, die FPÖ zu entzaubern, die immer wieder siegen muss, um den volksnahen Nimbus zu erhalten.
Bei einer Kandidatin Rosenkranz wäre die Sache übrigens ähnlich. Die ist zwar nicht ganz so dumm wie HC aber kaum öffentlichwirksam, weil sie zu verschroben ist. Im übrigen würde ihr rechtsradikales Familienumfeld mit einem Ehemann, der für eine Organisation tätig war, die wegen Wiederbetätigung verboten wurde, wohl ebenfalls nicht so gut bei der Bevölkerung ankommen. Allerdings könnte sich bei einer Niederlage von Rosenkranz Strache ganz elegant abputzen.
Ein gutmenschlicher Aufschrei gegen Strache oder Rosenkranz wäre, so verständlich der auch sein mag, wie meistens kontraproduktiv und ungefähr genauso sinnvoll wie das entfrienden von Strache Freunden auf Facebook, das gerade Mode zu sein scheint.

hmmmm hmmmm
24.02.10 , 19:02
hmmm. was soll uns dieser blog-beitrag sagen?
Ich wäre gerne Wahlkampfberater, aber leider gibt es zu wenige Kandidaten und außerdem hat mich keiner gefragt, aber ich kenne zumindest die “Mickies” der anderen Kandidaten?
good example for just blogging to have a blog.
Christoph Baumgarten
24.02.10 , 19:02
Intelligenter Kommentar. Ich seh’s ähnlich, werd das aber erst morgen kommentieren. Mit ein paar Gedankengängen, die hier nicht vorgekommen sind.
Gerald Bäck
24.02.10 , 20:02
@hm Hallo Herr Pandi!-)
Roland B. Seper
24.02.10 , 21:02
Schöner Beitrag! Lediglich beim Punkt “mangelnde Schlagfertigkeit” und “lediglich Bierzelt-Schmäh” des Herrn Strache wage ich – sogar recht vehement – zu widersprechen.
HC Strache kann man so einiges vorwerfen. Rechtsradikalismus, Fremdenfeindlichkeit, Billigstpopulismus, Asozialität und vieles mehr. Da fährt sozusagen “die Eisenbahn d’rüber”.
Aus meiner Sicht ist er aber derzeit wohl einer der geschicktesten Player am politischen Parkett Österreichs, wenn es um Wandlungsfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und Schlagfertigkeit geht. Kaum einer kann ihm zur Zeit in Sachen “selbstsicheres Auftreten” das Wasser reichen. Selbst wenn er mit knallharten Fakten konfrontiert wird, bagatellisiert er diese sofort aus der Welt und lenkt das Gespräch nach eigenem Gutdünken zurück zu seinen Kern”themen”. Selbst altgediente ITV-Profis haben es beim HC-Man zuweilen schwer, die Kontrolle im Dialog zu behalten.
Ob das auch reichen würde, bei UHBP-Wahlen das Volk ausreichend zu seinen Gunsten zu manipulieren, kann man getrost verneinen, aber das liegt keineswegs an seinem sonderlich überzeugenden oder gar schlagfertigen Mitbewerber Heinz Fischer.
Abgesehen davon ist es unerheblich, ob nun Rosenkranz oder Strache selbst zur Wahl antritt. Den Wahlkampf führt in jedem Fall der HC-Man. So wie ja auch bei den vergangenen EU-Wahlen, bei denen er nur auf völlig aussichtsloser Listenposition stand und dennoch unangefochten den Wahlkampf anführte…
lG,
Roland
Andy
24.02.10 , 23:02
Mein Blogkollege Robert hat ähnliches geschrieben, nur halt zur Bürgermeisterwahl:
http://www.alteknacker.at/2010/01/11/wahlt-hc-strache-zum-wiener-burgermeister.html
Gerald Bäck
24.02.10 , 23:02
@roland ich erinnere mich an keine Zweierdiskussion oder Elefantenrunde, die Strache wirklich für sich entscheiden konnte. Bei Interviews sieht die Sache schon wieder anders aus, das liegt aber auch an der eigenartigen Symbiose zwischen den österr Medien und der FPÖ.
Dass HC bei einer Kandidatin Rosenkranz den Wahlkampf führen kann, wage ich aber zu bezweifeln. Das hat auch Jörg Haider bei Heide Schmidt nicht geschafft, weil der Wahlkampf eben total personenzentriert sein wird.
Mich wundert, warum die FPÖ nicht Martin Graf aufstellt, für den würden die Grünen gratis Wahlkampf betreiben und Martin Graf und die FPÖ wären das einzige Wahlkampfthema. Noch besser für FPÖ wäre Norbert Steger, der könnte einen Achtungserfolg erzielen.
Roland B. Seper
24.02.10 , 23:02
Sicher, ein Präsidentschaftswahlkampf ist immer auf die Person “reduziert”, aber dann kommt eben die bundesweite Plakatkampagne “HC – Seine Stimme für Rosenkranz” mit 10facher Auflage im Vergleich zu den Rosenkranzkonterfeis. Und der Kickl reimt dazu (“Rosenkranz statt Arroganz” oder “Frauenpower im Hofburgtower”)…
Ohne Strache gibt es (zur Zeit und auf mittlere Sicht) keine FPÖ – und erst recht keine Rosenkranz!
Den Graf aufzustellen wäre eine interessante Herausforderung für die ÖVP, finde ich. Abwählen wollen sie ihn ja nicht so recht, innig mögen tun sie ihn aber auch wieder nicht. Wenn nun aber bei der UHBP-Wahl sonst nur dieser doofe Sozi-Kandidat da ist…? DEN inneren Konflikt würd’ ich in vollen Zügen genießen…
Stefan Bachleitner
25.02.10 , 07:02
Vielen Dank für die Rosen, auch wenn die eine oder andere Dorne dran ist, die mich als Wahlkampfmicki natürlich beschäftigt
.
Bei einer Aussage muss ich besonders heftig widersprechen: Heinz Fischer hat die Wahl noch nicht gewonnen. Und zwar deshalb, weil überall der Eindruck vermittelt wird, dass diese Wahl bereits gelaufen ist.
Dieses falsche Bild ist ein äußerst mächtiger Gegner, denn es kann dazu führen, dass viele Wähler/innen am 25. April zuhause bleiben, während die FPÖ alle mobilisiert, die Heinz Fischer, sein Amt, die Politik, das Land, ihre Nachbarn oder sich selbst nicht mögen.
reiner
25.02.10 , 08:02
Es geht wohl eher darum, dass die FPÖ überhaupt einen Kandidaten stellt. Wer das im Endeffekt ist, kann als vollkommen nebensächlich gesehen werden. Strache wird es zu 100% nicht werden, warum auch? Der möchte Wiener Bürgermeister werden und da stehen die Chancen besser. Nachdem die FPÖ immer in ihren Wahlkämpfen Aggressionen schürt und beschmutzt, dann die Zustimmung des Wahlvolkes erhält, ist es nun ihr Ziel, gemäßigter zu agieren. Denn mit einer neuen Hass-Kampagne wird sich kein neuer Wahlerfolg ausgehen, sieht man auch schon auf FPÖ-Plakaten, die sind diesmal gemäßigter.
Es geht einfach darum, dass die FPÖ an Glaubwürdigkeit gewinnen möchte und einen Kandidaten stellt. Mehr nicht, es geht schon gar nicht um den Sieg, der ist utopisch. Die FPÖ möchte sich als komplette Partei präsentieren, eine Partei die auch ein so hohes Amt in der Lage ist zu besetzen, und sie wird sich auch staatstragend zeigen wollen, mit dem ein oder anderen klar provozierten Sager selbstverständlich. Und dann wieder relativieren.
Hollerbusch
25.02.10 , 21:02
Möchte mich an reiner anschließen. Für die FPÖ geht es nicht darum, zu gewinnen. Auch die Grünen haben früher Kandidaten (wie Robert Jungk) für die Präsidentschaftwahlen nicht deswegen aufgestellt, weil die hätten gewinnen können, sondern um Flagge zu zeigen und eigene Themen in die Öffentlichkeit zu bringen.
Für die FPÖ ist die Situation außerdem ideal: Nachdem Schwarz und Grün (und wohl auch Orange) auf eine Kandidatur verzichten, kann sich der FP-Kandidat als einzige Alternative profilieren, und wird mit Sicherheit einen höheren Stimmenanteil erreichen als die FPÖ bei der letzten Nationalratswahl. Und dann hat man schon einen Erfolg, den man verkaufen kann.
Deswegen finde ich es auch eher unglücklich, dass es keinen anderen ernstzunehmenden Gegenkandidaten zu Fischer gibt, der dieses Szenario verhindern könnte.