Blogparade: Wahljahr 2010

von Gerald Bäck am 14.01.10

Kollege Thomas Knapp vom feuerhaken – eines meiner Lieblingsblogs – hat eine Blogparade zu den Wahlgängen 2010 ausgerufen. Martin Blumenau schrieb einmal ganz treffend, dass Bloggen immer heißt sich angreifbar zu machen und genau das möchte ich mit der Veröffentlichung meiner Prognosen zu den Wahlgängen 2010 tun. Denn eines muss ich meinen Prognosen vorausschicken: Ich lag noch nie richtig und ich wähle immer die Verlierer. Was ich wählen werde, weiß ich teilweise noch nicht, aber ich gehe gerne das Risiko ein, dass meine falschen Prognosen ewig im Netz vorhanden sein werden und meinen zukünftigen Irrtum entlarven!-)

Zu den anstehenden Gemeinderatswahlen in Vorarlberg, Tirol und Niederösterreich kann und will ich nichts sagen. Die Gemeinden dieser Bundesländer sind einfach zu weit weg von meiner Wahrnehmung.

Bundespräsident

Heinz Fischer wird nach einem langweiligen Wahlkampf einen langweiligen Sieg im ersten Wahlgang erringen. Diverse abstruse Organisationen und Personen können den Mangel eines seriösen Gegenkandidaten für sich nützen und analog zu Richard Lugner gegen Thomas Klestil einen Achtungserfolg erzielen. Die Wahlbeteiligung wird niedrig sein und Fischer wird demütig seinen Wählerinnen und Wählern danken.

Burgenland

Hans Niessl wird für seinen ausländerfeindlichen Kurs bestraft, aber leider wird davon vor allem die FPÖ profitieren. Die Wählern gehen eben auch in Sachen Ausländerfeindlichkeit lieber zum Schmied und nicht zum Schmiedl. Die ÖVP wird ebenfalls verlieren. Die Grünen schaffen den Einzug in den Landtag mangels Alternativen für vernünftige Menschen trotz negativen Bundestrend. Übrigens ist der Blogger Michel Reimon Spitzenkandidat der Grünen im Burgenland.

Steiermark

Franz Voves verliert , bleibt aber Landeshauptmann, weil auch die ÖVP zu den Wahlverlieren zählen wird. Sieger wird einmal mehr die FPÖ sein, die Stimmen von der KPÖ und SPÖ einsammeln kann. Das BZÖ ist ein kleiner Faktor in der Steiermark, wird den Einzug in den Landtag aber nicht schaffen. Die steirischen Grünen verlieren ebenfalls leicht.

Wien

Peter Hajek postuliert für die Wiener SPÖ in seinem Videoblog das Motto: “Wien darf nicht Kärnten werden” und damit könnte die SPÖ sehr gut fahren. Wenn man es schafft, sich als professionelle KommunalpolitikerInnen gegen die Radaubrüder der FPÖ zu positionieren. Michael Häupl wird es genau deswegen noch einmal zu Wege bringen, die absolute Mehrheit für die SPÖ erringen. Im Wahlkampf wird man übrigens den Bundeskanzler möglichst verstecken. Die FPÖ wird ebenfalls zulegen können, aber insgesamt weit unter den Erwartungen bleiben. Straches Anspruch auf den Sessel des Bürgermeisters wird nach der Wahl nur noch eine lustige Annektote in Sachen Größenwahn sein. Zwei weitere Verlierer wird es in Wien geben. Die Wiener ÖVP bleibt mit Marek als Spitzenkandidatin richtungslos und uneinschätzbar. Die Law und Order Politik Fekters verhindert ein offensives wildern im Grünen/Liberalen Lager und rechts deckt alles die FPÖ ab. Verlässlich wird nach den Wahlen eine erneute Obfraudebatte in der ÖVP aufflammen. Die Grünen kämpfen normalerweise mit der ÖVP ums gleiche Wählerreservoir, verlieren aber diesmal jede Menge Stimmen an die SPÖ, einerseits weil das Match Häupl gegen Strache alles andere zudeckt und andererseits, weil eine schwache Spitzenkandidatin mit einem noch schwächeren Parteiapparat, der zusehends den Kontakt zu seinen Wählern verliert, keine glaubhafte Alternative darstellen kann.

Fazit:

  • Die SPÖ verliert überall außer in Wien.
  • Der Druck auf Werner Faymann innerhalb seiner Partei wird wachsen.
  • Die ÖVP kann die Schwäche der SPÖ nicht für sich nutzen.
  • FPÖ gewinnt, bleibt aber hinter den Erwartungen und wird noch lange an Kärnten zu beißen haben.
  • Die Grüne Performance ist weiter durchwachsen.
  • Die nicht enden wollenden Begräbnisfeierlichkeiten fürs BZÖ gehen weiter.

Der Superpraktikanten-Schmäh

von Gerald Bäck am 7.01.10

Anfangs war ich vom Trubel rund um die ÖVP Aktion superpraktikant.at durchaus fasziniert. Trotz einiger Kritikpunkte in Zusammenhang mit der nicht vorhandenen Entlohnung des potenziellen Praktikanten sowie der Weigerung auch nur ansatzweise zu gendern, hielt ich die Kampagne für geschickt konzipiert, da sie für Online Gesprächsstoff ohne Ende sorgte, der schließlich auch seinen Weg in die Mainstream Medien fand. Zusätzlich schien man bei der ÖVP an einer ehrlichen Auseinandersetzung mit der “Twitteria” bzw. der Blogosphäre interessiert. Leider blieb es dabei nicht lange.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Yth8v1p99v8[/youtube]

Erster Sündenfall war ein Inserat im Falter unter einem Artikel der Journalistin Barbara Toth mit deren Foto, als diese noch Bewerberin um die Stelle des Superpraktikanten war. Rechtlich war das einwandfrei, hatten doch alle KandidatInnen den Teilnahmebedingungen zugestimmt, die auch eine werbliche Verwendung des Fotos durch die ÖVP erlaubten. Dabei ist es meiner Meinung nach eine Sache in Medien für Aktion Superpraktikant zu werben oder genau unter dem Artikel einer teilnehmenden Journalistin. Laut ÖVP wollte man sich damit bei Barbara Toth für ihr Engagement in der ersten Phase bedanken. Eine sehr zynische Art Danke zu sagen. Wobei das Inserat auch kein gutes Licht auf den Falter wirft, dem aber wohl in diesem Fall Geld vor Integrität ging.

Das versteckte Foul an Barbara Toth ist aber nur eine Randerscheinung. Besonders interessant und verdächtig ist vielmehr das bisherige Ergebnis des Votings. Nach meiner mittlerweile langjährigen Erfahrung mit Online-Votings braucht man, um ein solches für sich zu entscheiden, zumindest eines von zwei Dingen. Eine wirklich starke Online-Präsenz vorzugsweise mit einer halbwegs mobilisierbaren Community oder eine starke Offline Prominenz. Personen, die nicht über den Zugang zu einer Online Community verfügen haben nämlich immer ein großes Problem bei solchen Votings und das heißt Medienbruch. Der Medienbruch zerstört ziemlich zuverlässig die schönsten Offline Kampagnen, weil die wenigsten den Sprung von der Offline-Kampagne zum Online Medium so einfach schaffen. Deswegen haben es KandidatInnen viel leichter, die Ihre Freunde/Fans online abholen können, weil diese nur den sprichwörtlichen Klick von der Stimmabgabe entfernt sind. Das Ergebnis der ersten Phase entsprach da auch meinen Erfahrungen. Es gewann Martin Habacher, für den online sehr stark kampagnisiert wurde, vor der Falter Journalistin Barbara Toth, die ebenfalls über Twitter kampagniserte und zumindest eine kleine Offline-Prominenz vorweisen kann und Klaus Werner-Lobo für den das gleiche gilt wie für Barbara Toth.

Mit dem Beginn der zweiten Phase war plötzlich alles anders und in der ÖVP amüsierte man sich über das Favoritensterben. Dass plötzlich eine Kandidatin an erster Stelle stand, die Online genau gar nicht präsent ist und auch sonst offline absolut niemand kennt, wundert zumindest außerhalb der ÖVP viele. Meiner Meinung nach ist so ein Coup legal nur sehr schwer zu erreichen und es ist mehr als verdächtig, dass unter den ersten 7 Kandidaten 5 JVP nahe Personen sind. Nachweisbar ist eine solche Manipulation freilich nicht, aber das Ergebnis widerspricht einfach dem logischen Menschenverstand und es sollte klar festgehalten werden, dass der Abstimmungsverlauf mehr als nur dubios ist, noch dazu, wo seitens der ÖVP keine Offenlegung der Abstimmungsdaten erfolgt oder diese durch unabhängige Dritte einsehbar wäre. Die ÖVP verspielt damit wiedermal die Möglichkeit ein wenig weltoffener zu agieren, wenn im Finale ohnehin nur für den Vizekanzler bequeme Personen antreten, riecht das nach einer abgekarteten Aktion zur JVP-Nachwuchspflege. Es gilt die Unschuldsvermutung, es bleibt ein schaler Nachgeschmack.

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