Bundesländer abschaffen jetzt
Die Zeitung Heute hat wenigstens einmal den Nagel auf den Kopf getroffen: “HAIDERS BANK-DEPPEN KOSTEN UNS MILLIARDEN“. Der Kriminalfall Hypo Alpe Adria ist eine Mischung aus Dummheit, Chuzpe, Großmannssucht.Die Sekte Kärnten ist mit rationalen Erklärungsmustern nicht mehr fassbar. Vergessen darf man dabei aber nicht, dass es sich nicht nur um einen Fall BZÖ/FPÖ oder wie auch immer sich diese Dillos demnächst nennen werden, handelt. Es ist auch ein weiterer Sündenfall der ÖVP, die in Kärnten immer gern der willfährige Helfer für das BZÖ war und deren nahes Umfeld auch gerne mal ein paar Milliönchen für mündliche Gutachten kassiert.
Dass ein unterentwickeltes Bundesland unbeschränkte Haftungen übernehmen und damit den ganzen Staat mitreißen kann, beweist einmal mehr, wie schlecht Föderalismus in der Praxis ist. Wer einmal eine Sitzung eines beliebigen Landtages miterlebt hat, weiß, wie unterirdisch dort das intellektuelle Niveau daherkommt. Wenn Landeshauptmänner laut Staatsanwaltschaft zu blöd sind, Gesetze einhalten zu können und deswegen auch nicht satisfaktionsfähig sind, sagt das nicht nur etwas über unsere Zweiklassenjustiz aus, sondern eben auch über die Provinzialität und die Dummdreistgkeit unserer föderalen Politik(er). Der Kriminalfall Hypo Alpe Adria ist dabei nur eine Facette. Noch immer leisten sich fast alle Bundesländer üppige Gehalts- und Pensionsregelungen für ihre Landesbeamten, noch immer gibt es unnötige Landesschulinspektoren, noch immer leisten wir uns neun Krankenkassen, neun Landtage, die Daumen drehen oder Haftungen beschließen und noch immer haben wir neun Landeshauptleute, die vorwiegend Einkaufszentren eröffnen und Bierzelte besuchen.
Ein kleines Land wie Österreich könnte bedeutend effizienter und einfacher verwaltet werden. Dagegen stehen aber nicht nur die Hypo Deppen aus Kärnten, sondern noch viel mehr ÖVP und SPÖ. Die verteidigen vehement ihre erworbenen Pfründe in den anderen acht Bundesländern. Wie schwer es ist, eingefahrene Strukturen zu ändern hat sich schließlich auch bei den Wiener Grünen gezeigt, die ebenfalls bereits in die noch viel unnötigeren Bezirksstrukturen bestens eingefügt haben und einmal wohlerworbene, gewohnte Rechte nicht mehr aufgeben wollen. Es wird also nichts werden mit der Abschaffung der Bundesländer, da müssten noch viel größere Katastrophen kommen als eine 18 Milliarden Haftung.
Zum Abschluss noch ein Wort zur Rettung der Hypo Alpe Adria. Ich bin kein Finanzmarktexperte und kann nicht beurteilen, ob die Hypo systemrelevant ist oder nicht. Allerdings sind erhebliche Zweifel angebracht, was uns die selben Finanzmarktexperten erzählen, die uns die globale Krise erst eingebrockt haben. Was mich aber wütend macht ist, dass es offensichtlich nur ein Wochenende braucht, um mal fix ein paar Milliarden für eine kriminelle Bank aufzustellen und unsere StudentInnen zu recht gegen die finanzielle Aushungerung unserer Bildung demonstrieren und dort aber immer mit der schwierigen Budgetlage argumentiert wird.

bruckner
17.12.09 , 16:12
und wie könnte eine solche katastrophe aussehen? oder: reicht eine schlichte volksabstimmung? wenn minarette durch volkes willen verhindert werden können, dann wohl auch landesfürsten?
Gerald Bäck
17.12.09 , 16:12
Zum Beispiel eine wie in Island oder eine Zerschlagung der Parteien durch die Justiz wie in den 90ern in Italien, wobei sich dort dadurch nichts verbessert hat.
Aber da sich eine Katastrophe niemand wünscht, wird es wohl auch weiterhin Landesfürsten geben.
adi
17.12.09 , 20:12
“Dass ein unterentwickeltes Bundesland unbeschränkte Haftungen übernehmen und damit den ganzen Staat mitreißen kann, beweist einmal mehr, wie schlecht Föderalismus in der Praxis ist.”
Dasselbe gilt für den Bund Ö auch! Da gibts zick Affairen, die dem Staat Sauviel Geld kosteten (Eurofighter, etc.)
Und was ist mit der EU, die noch viel mehr Geld im Hintergrund verbratet?
Föderalismus an einem Beispiel aufzuhängen ist BLÖDHEIT!!!
adi
17.12.09 , 20:12
noch etwas: Wenn Demokratie effizient sein soll, der spart früher oder später an demokratischen Einrichtungen, die dem Bürger näher sind als eine nicht vom Volk gewählte Bundesregierung (ja es ist nur der Nationalrat gewählt!)
Außerdem kann der Bund sich nicht mit kleinen Fragen, die direkt das Land, die kommunale Wirtschaft, etc. betrifft, beschäftigen. Dafür wäre der Bund dann ineffizient.
Wer Zentralismus fordert, der fordert auch eine Abschaffung der Staaten innerhalb der EU. Damit würde es nur mehr einen EU-Staat geben, so wie es die USA eben auch ist, ein einziger Staat.
Mathias
17.12.09 , 20:12
Ich sehe das wie Adi. Förderalismus ist schon gut so, weil demokratischer und bürgernäher, als wenn eine Zentralregierung die Probleme von Vorarlbergern gleichermaßen behandelt wie die von Wienern.
Das Problem ließe sich viel einfacher lösen: Steuereinhebung nicht mehr bloß dem Bund verantworten, sondern zum Großteil in die Hände der “Landesfürsten” legen. Spricht, so etwas wie ein Bundesbudget, das dann großzügig und bedingungslos verteilt wird, gibt es dann nicht mehr – lediglich neun Bundesländer, die eigenständig für die Lukrierung ihrer Steuergelder verantwortlich sind und dabei ganz nebenbei noch einem Wettbewerb untereinander ausgeliefert sind, was die Steuern ganz allgemein senken dürfte.
Hannes S.
17.12.09 , 23:12
Ich bin schon ein paar mal zitiert worden für die Aussage, das Österreich erst reformiert werden kann, wenn es bankrott ist. Wetten darauf werden immer aussichtsreicher, ich hatte nur noch nicht die Zeit mich eingehend damit zu beschäftigen, wie ich davon profitieren kann. Und nicht nur verlieren kann. Der Bankrott rückt näher, dabei kann man gut verdienen. Und nur jetzt bitte nicht sagen, ich sei zynisch. Irgendwie muss man ja das Risiko hedgen, das man für den Wahnsinn dann blechen darf!
adi
18.12.09 , 00:12
zusätzlich finde ich, passt es irgendwie nicht zusammen, auf der einen Seite Grüne Vorwahlen, usw. zu fordern, auf der anderen Seite die Bundesländer abschaffen zu wollen. Das wiederspricht sich gewaltig.
Gerald Bäck
18.12.09 , 06:12
@adi Wo genau soll da Widerspruch sein?
Hori
18.12.09 , 12:12
Der Blog-Eintrag ist auch vom “Heute” Nivau nicht weit weg.
Was haben die wiener Grünen mit dem Bundesland Kärnten zu tun?
Was die Studenten mit einer Bankenrettung?
Meiner Meinung nach vermischen Sie hier gründlich Äpfel mit Birnen. Genau das was Krone und Konsorten jeden Tag auf’s Neue machen und so konstruktiven Lösungen entgegenwirken.
Das 2. was mir auffällt, sind diese unangebrachten Verallgemeinerungen. Jaja, ich weiss schon, ein wenig Provokation um die Diskussion anzuheizen. Aber: Warum sollte man, nur weil die Herren Politiker in Kärnten keine Skrupel haben und das Land herunterwirtschafen, auf einmal alle Bundesländer abschaffen? Nicht überall gibt es diesen Saustall!
Ich komme aus Oberösterreich, bin ganz zufrieden mit der Landesregierung und möchte keinesfalls noch mehr zentralistisch aus Wien aufoktruierte Einmischungen haben.
LG,
Hori
Gerald Bäck
18.12.09 , 16:12
@Hori Es gibt durchaus Dinge, die lokal besser aufgehoben sind. Wie zum Beipiel die Abfallbeseitigung, die Straßenwartung, das Ortsbild etc.. Aber das sind meistens kommunale Aufgaben und selten, welche die besser bei den Bundesländern als beim Staat aufgehoben werden.
Besonders kritisch wird es dann, wenn einzelen Bundesländer Staatshaftungen übernehmen können, dass das nur in Kärtnen schlagend wurde, heißt nicht, dass es auch weiterhin für die anderen Bundesländer so bleiben soll.
Wie pervers unser Föderalismus ist, zeigt sich regelmäßig bei Diskussion zu den vielen teueren und oft unnötigen Landesspitälern, beim Semmering Basistunnel, bei den Landeslehreren, beim Tierschutzrecht, das in neun unterschiedlichen Versionen exisitiert oder bei den Krankenkassen.
sigi
27.12.09 , 21:12
Was ist beim Semmering Basistunnel förderalistisch?
Dieser wird zu einem überwiegenden Teil auch vom Bund so gewollt und gefördert!
Bezüglich Landeslehrer: Ist sicherlich besser, die Kompetenzen komplett an die Bundesländer abzugeben. Der Bund ist da nämlich komplett überfordert.
Nur bei Landespitälern, Tierschutzrecht, und der Staatshaftung kann man reden die Kompetenzen zum Bund zu verschieben, aber auch nicht komplett. Aber deshalb die Bundesländer abzuschaffen? Da gehts ja nur um die Diskussion, welche Rechte und Pflichten ein Bundesland haben soll und welche nicht. (Da gab auch das BZÖ im ORF mal zu, dass die Staatshaftungen die ein Bundesland aufnehmen darf durchaus beschränkt werden sollte. Politiker denken bei Gesetzesbeschlüssen eben nicht nach. Die meisten von ihnen kennen den Gesetzestext gar nicht, dem sie bei der Abstimmung zustimmten. Leider darunter auch Grüne Abgeordnete. Wurde schon x-mal im ORF zum Besten gegeben, wie wenig Ahnung die Abgeordneten über viele von ihnen mitbeschlossenen Gesetzen haben)
bruckner
28.12.09 , 09:12
erstaunlich, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet, es gibt tatsächlich leute, die den förderalismus in der bestehenden form gut finden – beeindruckend!
also – zu einzelnen punkten:
@ sigi:
- semmering basistunnel: die verzögerungen beim projekt sind zu beträchtlichem ausmaß der verhinderungstaktik von seiten niederösterreichs geschuldet.
- landeslehrer: das hätte ich gern im detail gewusst, warum der bund hier überfordert ist – ich wäre nämlich vom gegenteil überzeugt gewesen. insbesondere angesichts von maßnahmen wie zentralmatura, gesamtschule, lehrerInnenausbildungsreform, etc.
@ adi:
- abschaffung der staaten innerhalb der EU: schwarzweißmalerei – es geht prinzipiell um aulösung von doppel- und dreifachstrukturen. und wenn sowas im zuge der EU und den jeweiligen bundesregierungen der beteiligten länder zum thema werden sollte, bin ich auch dafür die doppelstruktur im jeweiligen land abzuschaffen. irgendwie muss die kleingeistigkeit und das “mir-san-mir” denken überwunden werden – und z.b. im zusammenhang mit vernünftiger ökopolitik, migrationspolitik, steuerpolitik, außenpolitik etc. ist es einfach suboptimal dann mit den einzelnen länderinteressen zu dealen. da wird man nie weiter kommen.