Die Abtreibungsfalle
Wenn die normative Kraft des Faktischen irgendwo wirklich greift, dann ist das bei der Abtreibung der Fall. Frauen haben wohl immer schon abgetrieben, nur früher eben mit erheblichem gesundheitlichen, gesellschaftlichen und juristischen Risiko. Das Problem an der Diskussion ist, dass es keine Kompromisse geben kann. Die einen, zu denen ich mich zähle, sind eben der Meinung, dass es sich um zwar ungeborenes aber ganz sicher um Leben handelt und die anderen bestreiten eben genau das. Ein Dazwischen gibt es bei diesem Thema kaum, obwohl es natürlich extreme Auswüchse auf beiden Seiten gibt.
Zum Beispiel wurde ein Abtreibungsarzt in den USA von militanten Lebensschützern ermordet. Wie pervers es ist, jemanden im Namen des Lebensschutzes zu töten, brauche ich wohl nicht näher auszuführen. Komischerweise sind übrigens dieselben Gruppen und Personen vehemente Befürworter der Todesstrafe, auch so etwas, dass extrem unlogisch anmutet und nur mit ideologischer Verblendung erklärt werden kann. In Österreich sind wir davon zum Glück weit entfernt, aber denn Sinn, Frauen vor einer Abtreibungsklinik zu belästigen oder gar einzuschüchtern, kann ich ebenfalls nicht erkennen.
Auf der anderen Seite steht eine kommerzielle Abtreibungsindustrie, dessen extreme Spitze jene Ärzte und Ärztinnen bilden, die sich in der Öffentlichkeit gerne als HelferInnen generieren. Zweifel scheint es keine zu geben. Besonders pervers erscheint mir das Abtreibungsschiff, dass von einer Non-Profit Organisation getragen wird und mittlerweile Gott sei Dank nicht mehr in Betrieb ist. Die Abtreibung zu akzeptieren ist eine Sache, aber sich aktiv aus Überzeugung für die Tötung von Leben einzusetzen, dann doch wieder eine ganz andere, die mir einfach nicht in den Kopf gehen will. In Wien hat jetzt Michael Häupl beschlossen für eine Firma, die mit Abtreibungen ihr Geld verdient, eine Party zu schmeißen. Denn schließlich sind das Wählerstimmen ganz im Gegensatz zu den ungeborenen Kindern. Worauf dort angestoßen wird, will ich lieber gar nicht wissen.
Die österreichische Realpolitik behandelte die Fristenregelung bis zum Vorstoß des Wiener Bürgermeisters als Tabu. Auch die ÖVP hat die Fristenregelung längst akzeptiert. Dabei gäbe es gerade auch abseits der Fristenregelung viel zu klären. Dass behinderte ungeborene Kinder bis kurz vor der Geburt getötet werden dürfen, wenn man nur einen Arzt findet, der die Behinderung bestätigt und die Abtreibung durchführt, ist ein ganz besonderes schreiendes Unrecht. Dass die sogenannte Pränataldiagnostik zu einer Selektion im Mutterleib und damit zu einer Art vorgeburtlicher Euthanasie umfunktioniert wird, ebenfalls.
Eine Strategie der Abtreibungsgegner kann ich aber nicht erkennen, sie konzentriert sich lediglich auf die Forderung nach einem absolutem Verbot, obwohl klar ist, dass dieses weder bei der Bevölkerung noch bei den derzeitigen politischen Parteien durchsetzbar ist. Ziel sollte es vielmehr sein, möglichst viele Frauen von einer Abtreibung abzuhalten und das beginnt bei der Aufklärung und der Empfängnisverhütung. Anstatt ständig die Abtreibung auf Krankenschein zu fordern - als ob Schwangerschaft eine Krankheit wäre - sollte die Pille aber auch Kondome auf Krankenschein verfügbar sein. Damit zusammen hängt eine ausreichende soziale Absicherung, die am besten in der Form eines bedingungslosen Grundeinkommens gewährleistet wäre. Und schließlich müsste es auch Abseits jener “Institute”, die mit der Abtreibung ganz gute Umsätze machen, aber auch abseits der kirchlichen Beratungsstellen ein massives Beratungsangebot für schwangere Frauen geben.
Mein derzeitiger Eindruck ist eher, dass schwangere Frauen in Notsituationen von Staat und Gesellschaft allein gelassen und zusätzlich von Abtreibungsgegners dämonisiert werden. Beides sollte sich ändern.

Martin Ladstätter
4.09.09 , 09:09
Gerald ich möchte Dir von Herzen danken, dass Du so einen Beitrag geschrieben hast; insbesondere die Erwähnung von “Dass behinderte ungeborene Kinder bis kurz vor der Geburt getötet werden dürfen, wenn man nur einen Arzt findet, der die Behinderung bestätigt und die Abtreibung durchführt, ist ein ganz besonderes schreiendes Unrecht. Dass die sogenannte Pränataldiagnostik zu einer Selektion im Mutterleib und damit zu einer Art vorgeburtlicher Euthanasie umfunktioniert wird, ebenfalls.”
So aufgeheizt wie die Stimmung ist, traut man sich das nämlich sogar seitens der Behindertenbewegung kaum mehr zu erwähnen. Seit Jahren sagt die Behindertenbewegung: Ja, wir akzeptieren die Fristenregelung. Aber bitte schaut auch diesen einen Punkt nochmals genauer an und überlegt, ob der Staat zwischen “behinderten” und “nicht behinderten” Leben werden darf.
In der Realpolitik kommen wir mit der Argumentation nicht durch, weil derzeit nur über die Fristenregelung als Ganzes diskutiert wird und Standpunkt: “Fristenregelung ja, aber nicht alles ist ok daran” anscheinend zu komplex ist; oder wir nicht fähig sind das zu kommunizieren.
Dan
4.09.09 , 11:09
Unabhängig davon, welche Meinung man denn nun dazu hat:
Es ist billig, die Ärztinnen und Ärzte, die Abtreibungen durchführen, des Betriebs kommerziell orientierter Kliniken zu bezichtigen. Angesichts der Tatsache, dass die AbtreibungsgegnerInnen verhindern, dass in Krankenhäusern Abtreibungen durchgeführt werden, bleibt ihnen ja keine andere Wahl.
Ich bin der festen Überzeugung, Häupl schmiss dieses Fest nicht aus dem Willen heraus, die MitarbeiterInnen als WählerInnen zu gewinnen.
Die Forderung nach Empfängnisverhütungsmitteln auf Krankenschein wird bei der Kirche und anderen Organisationen wohl ähnlich viel Begeisterung hervorrrufen wie die Fristenlösung.
waltraut antonov
4.09.09 , 11:09
hallo gerald! Wenn du wissen willst, worauf bei dem gestrigen empfang angestossen wurde, kann ich dir das sagen, weil ich dabei war, und das aus voller überzeugung. grund zu feiern ist die tatsache, dass es seit 30 jahren eine einrichtung gibt, in der frauen unter menschenwürdigen, medizinisch einwandfreien bedingungen, mit professioneller beratung und begleitung, eine schwangerschaft abbrechen können, wenn sie sich dafür entschieden haben. und ich war auch bei der demo gegen die abtreibungsgegnerInnen, weil ich es ekelhaft finde, wie frauen, die sich ohnehin in einer äußerst schwierigen situation befinden, auch noch mit psychoterror belästigt werden. und wenn wir verhindern wollen, dass mit abtreibung geschäft gemacht wird, gibt es einen einfachen ausweg: schwangerschaftsabbrüche in den öffentlichen krankenhäusern. dafür setzen wir grüne uns ein.
Christian Schreiter
4.09.09 , 11:09
Danke für diesen Beitrag!
Besonders für (und ich erlaube mir, es hier bewußt zu wiederholen):
“Ziel sollte es vielmehr sein, möglichst viele Frauen von einer Abtreibung abzuhalten und das beginnt bei der Aufklärung und der Empfängnisverhütung. Anstatt ständig die Abtreibung auf Krankenschein zu fordern - als ob Schwangerschaft eine Krankheit wäre - sollte die Pille aber auch Kondome auf Krankenschein verfügbar sein. Damit zusammen hängt eine ausreichende soziale Absicherung, die am besten in der Form eines bedingungslosen Grundeinkommens gewährleistet wäre. Und schließlich müsste es auch Abseits jener “Institute”, die mit der Abtreibung ganz gute Umsätze machen, aber auch abseits der kirchlichen Beratungsstellen ein massives Beratungsangebot für schwangere Frauen geben.”
Sehe ich genau so.
alm
4.09.09 , 12:09
Ich finde deinen Blogbeitrag ehrlich gesagt ziemlich bedenklich. Mit dieser Relativierung ortest du einen scheinbaren Diskussionsbedarf, wo keiner besteht.
Gerald Bäck
4.09.09 , 12:09
@dan Ich denke, dass zb pro:woman als GmbH eine kommerziell orientierte Klinik ist, steht außer Frage. Aber das ist nicht das eigentliche Problem, denn im Rahmen der Gesetze sein Geld zu verdienen kann man kaum jemanden zum Vorwurf machen. Dass man sich dabei aber zum Helfer hochstilisiert und nachher die Hand aufhält schon.
@waltraut Dein Beitrag ist typisch für die Diskussion. Du schaffst es mit keinem Wort die jedenfalls gegebene ethische Problematik von Abtreibungen auch nur zu streifen. Gegen Abtreibungen in öffentlichen Krankenhäusern habe ich nichts, denn dann wäre zumindest die Problematik entschärft, dass die kommerzielle Abtreibungsindustrie auch gleichzeitig Schwangerschaftsberatung betreibt. Mir ging es vor allem darum einen Konsens vorzuschlagen, dass Abtreibungen gemeinsam möglichst verhindert werden sollten und die Problematik der Tötung von unter Umständen behinderten Ungeborener aufzuzeigen.
Gerald Bäck
4.09.09 , 12:09
@alm 2 Demos und eine massive Medienberichterstattung über die Feier im Rathauskeller sagen da aber anderes aus.
Dan
4.09.09 , 13:09
@Gerald: Fast alle Dienstleistungsunternehmen gerieren sich als Helfer. Das ist völlig normal. Wenn eine Abtreibungsklinik den Kundinnen *nicht* durch professionelle Beratung und psychische Betreuung helfen würde, würde sie ja erst recht kritisiert!
Im Übrigen ist den Frauen ganz sicher nicht dadurch geholfen, dass sie von militanten Abtreibungsgegnern beschimpft und mit Plastik-Embryos belästigt werden.
@alm: richtig, die Fristenlösung als solche steht hoffentlich nicht zur Diskussion.
@waltraut: Meine Zustimmung.
alm
4.09.09 , 13:09
Das siehst du aber wirklich ganz falsch. Das hefitge Medieninteresse resultiert ja überhaupt nicht daraus, dass es in Sachen Fristenlösung Diskussionsbedarf gibt. Das spielt sich doch nur in der Auseinanderseztung darüber ab: ein paar zündelnde Anti-Säkulare von Schönborn bis ganz tief runter zu Die Christen glaube hier etwas diskutieren zu müssen.
alm
4.09.09 , 13:09
@dan: natürlich wird hier die Fristenlösung in Frage gestellt: siehe die Formulierung: “Die einen, zu denen ich mich zähle, sind eben der Meinung, dass es sich um zwar ungeborenes aber ganz sicher um Leben handelt und die anderen bestreiten eben genau das.”
Niemand bestreitet, dass es sich bei einem Embryo um Leben handelt, sehr wohl aber, dass es sich um eine Person handelt. Das ist ein großer Unterschied.
Dan
4.09.09 , 13:09
@alm: Ich meinte: Ich hoffe, dass die Fristenlösung nicht zur Diskussion steht; dass sie politisch derart gefestigt ist, dass es nur ein paar wenige (leider lautstarke) Gegner gibt.
Gerald Bäck
4.09.09 , 13:09
“Niemand bestreitet, dass es sich bei einem Embryo um Leben handelt, sehr wohl aber, dass es sich um eine Person handelt. Das ist ein großer Unterschied.”
Das ist ja schon mal was neues. In der gestrigen ZIB2 war noch folgendes zu hören: “Das ist ein Zellhaufen, Du Idiot”. Die Frage die sich mir jetzt stellt Niko ist, wann wird denn für Dich ein Leben zur Person?
@dan Natürlich stelle ich die Fristenregelung, so wie sie jetzt existiert, zur Diskussion, aber wie schon geschrieben ist die ohnehin bei Bevölkerung und den Parteien eindeutig tabu.
alm
4.09.09 , 14:09
Niemand würde bestreiten, dass es sich bei einem “Zellhaufen” um Leben handelt.
Die Frage ab welchem Zeitpunkt von einer Person gesprochen werden kann, ist aber schon die richtige. In den ersten 12 Wochen nach meinem Dafürhalten nicht.
Dan
4.09.09 , 14:09
ich nehme an, die Person im juristischen Sinne exisitiert ab der Geburt und halte das im Übrigen auch für eine recht gute Definition. Man kann sich aber auch folgendes überlegen: Ab wann kann ein Organismus (mit Hilfe anderer) ohne den Mutterorganismus überleben?
waltraut antonov
4.09.09 , 14:09
@gerald: du hast recht, ich hab mich in meinem beitrag auf deine frage bezüglich des empfanges (”worauf wird da angestossen”) beschränkt. einerseits, weil ich klarstellen wollte, dass es keinesfalls um eine glorifizierung von abtreibungen ging, andrerseits, weil ich eigentlich weit und breit nirgends irgendjemand wahrnehme, der oder die abtreibungen an sich toll findet. frauen werden nicht schwanger, weil abtreibungen so super sind. frauen brechen keine schwangerschaft ab, weil das so cool ist. wie auch immer frauen sich in dieser situation entscheiden - es hat weitreichende folgen. ich finde, jede frau muss das recht haben, unter bestmöglichen umständen, mit bestmöglicher beratung, mit bestmöglicher begleitung, die entscheidung selbst und selbstbestimmt zu treffen. letzten endes muss auch jede einzelne frau diese entscheidung mit ihrem gewissen ausmachen. und ich finde, niemand hat das recht, über eine solche entscheidung zu urteilen. natürlich muss es noch viel mehr an aufklärung, beratung, begleitung geben, bevor es überhaupt zu einer schwangerschaft kommt. natürlich muss es für frauen auch alternativen zum schwangerschaftsabbruch geben. und selbstverständlich haben du und martin ladstätter recht, dass es ein riesenproblem ist, wie die pränataldiagnostik sich auswirkt, wenn möglicherweise ein kind mit behinderungen zur welt kommen könnte und der schwangerschaftsabbruch jenseits aller fristenlösungen möglich ist. aber die fristenlösung insgesamt in frage zu stellen, halte ich für sehr gefährlich und für einen rückschritt. wenn du die fristenlösung zur diskussion stellst, was hast du für alternativen?
Gerald Bäck
4.09.09 , 14:09
@alm Da bist Du meiner Frage jetzt aber geschickt ausgewichen. Die Frage ist, wann wird das Leben zur Person und warum? Welche Kriterien muss man erfüllen, um eine Person zu sein? Ich behaupte es ist unmöglich eine solche Grenze festzumachen und es ist ebenfalls unmöglich das gerade für die ersten drei Monate auszuschließen?
@waltraut erstmal sollte alles daran gesetzt werden, Abtreibungen im Rahmen der Fristenregelung so gering wie möglich zu halten. Dazu bräuchte man als erstes genaue Zahlen und einen Plan. Allerdings bezweifle ich, dass jede Abtreibung wohl überlegt ist, vor allem vor den Hintergrund, dass heute wirklich niemand mehr schwanger werden muss. Ich freue mich aber, dass wir uns in Sachen Pränataldiagnostik und Spätabtreibungen einig sind.
Dan
4.09.09 , 15:09
Mal zur Abwechslung ein themenverwandtes Video: http://www.youtube.com/watch?v=fUspLVStPbk&feature=fvst
alm
4.09.09 , 15:09
Ich bin deiner Frage nicht geschickt ausgewichen. Lenk nicht mit Fragen an mich ab. Für mich gibt es hier nichts zu diskutieren, wie ich schon oben festgestellt habe. Und zwar rein prinzipiell. Ich gehe ja davon aus, dass du in dieser Thematik belesen bist und nicht ohne recherchiert zu haben argumentierst und wir uns das Aufrollen von bekannten Argumenten ersparen können.
Christian Schreiter
5.09.09 , 14:09
Schade. Da bringt jemand ein - meiner Meinung nach famoses und “weiterdenkbares” - Fazit (bereits oben nochmals wiederholt) in “die Welt” ein, und das Einzige, was er dafür erntet ist ein Quasi-Diskussionsverbot von Alm und eine Belehrung von Fr. Antonov - ohne das jemand (was sinnerfassendes Lesen voraussetzten würde) darauf überhaupt eingeht.
Schade eben. So bleibt einer meiner Lieblings-Claims aus der Grünen Welt (nämlich der der Wiener GBW) leider eine reine Worthülse: “Eine andere Welt denken!”
Offenbar ist das nicht so einfach, das “andersdenken”. Was wäre also mit Verhütung auf Krankenschein? Wo ist das massive Beratungsangebot für Frauen? Wo das Grundeinkommen? Was macht die Politik dafür? Was spricht dagegen und was sind die Pros?
All das hätte diskutiert werden können. All das wurde aus Ideologie- und PoliticalCorrectness-Gründen nicht mal aufgegriffen. Jetzt ist es zu spät und zumindest diese Chance vorbei …
Dan
5.09.09 , 15:09
@Christian Schreiter: Es liegt in der Natur einer Diskussion, dass man auf die strittigsten Punkte zuerst eingeht–und das ist eben passiert.
Ich erlaube mir dennoch, das soeben gepriesene Fazit zu zerlegen:
“Ziel sollte es vielmehr sein, möglichst viele Frauen von einer Abtreibung abzuhalten und das beginnt bei der Aufklärung und der Empfängnisverhütung. Anstatt ständig die Abtreibung auf Krankenschein zu fordern - als ob Schwangerschaft eine Krankheit wäre - sollte die Pille aber auch Kondome auf Krankenschein verfügbar sein.”
–Als ob es eine Krankheit wäre, wenn Frauen die Regel bekommen.
“Damit zusammen hängt eine ausreichende soziale Absicherung, die am besten in der Form eines bedingungslosen Grundeinkommens gewährleistet wäre.”
“Und schließlich müsste es auch Abseits jener “Institute”, die mit der Abtreibung ganz gute Umsätze machen, aber auch abseits der kirchlichen Beratungsstellen ein massives Beratungsangebot für schwangere Frauen geben.”
–Das Modell “Family Planning Center”. Diese werden mitunter auch von Abtreibungsgegnern belagert.
alm
5.09.09 , 16:09
Es ist sinnlos auf ein Fazit ein zugehen, wenn schon im dritten Satz mit Untergriffen argumentiert wird:
“Die einen, zu denen ich mich zähle, sind eben der Meinung, dass es sich um zwar ungeborenes aber ganz sicher um Leben handelt und die anderen bestreiten eben genau das.”
siehe oben
Christian Schreiter
5.09.09 , 17:09
Ich kann den Untergriff zwar nicht erkennen, aber bitte.
Ausserdem hats ohnehin vermutlich wenig Sinn mit Menschen zu diskutieren, die zwar rege mitreden, aber immer nur sagen: das diskutier ich nicht :-)))
Wie gesagt: eine Chance wurde nicht genutzt. Auch wurscht. Das nächste Aufregerthema wartet sicher schon in einem anderen Blog und kann im selben tiefschürfenden Ausmaß abgehandelt werden.
alm
5.09.09 , 17:09
Dann mach dich mal schnell auf die Suche, dass du deinen Aufreger auch findest.
Martin Ladstätter
5.09.09 , 19:09
@Gerald: Ich sag nur willkommen im Club. Man kann in Österreich (derzeit) nicht sachlich über dieses Thema reden, ohne nicht gleich belehrt zu werden, dass die eigene Position unhaltbar ist.
Das ist schade; aber auch zu akzeptieren.
Gerald Bäck
5.09.09 , 21:09
@alm Mich würde wirklich interessieren, was daran ein Untergriff sein soll? Ich hoffe das ist nicht wieder eine unzulässige weil unangenehme Frage.
Mich wundert überhaupt die extreme Dogmatik mit der Du an die Frage gehst. Ähnliche Dogmen und Diskussionsverbote hagelt es sonst nur aus dem Vatikan.
waltraut antonov
6.09.09 , 15:09
@christian schreiter: mich würde interessieren, welche punkte konkret Sie in meinen beiträgen als belehrend empfinden?
Christian Schreiter
6.09.09 , 16:09
@Waltraut Antonov: stimmt. Belehrend war das falsche Wort. Mir fällt aber leider momentan auch kein anderes ein, mit dem man “Politikersprech” umschreiben könnte. Die erste Antwort hatte viel Inhalt - aber keiner davon bezog sich so ganz konkret auf Bäcks eigentliche Aussage.
Ich nehm “belehrend” zurück und schlag mal im Duden nach
waltraut antonov
6.09.09 , 22:09
@christian schreiter: in meinem ersten beitrag habe ich tatsächlich nur einen punkt in geralds aussage aufgegriffen, nämlich, warum die feier für die klinik stattfand.
ganz kann ich nicht nachvollziehen, warum der rest meiner kommentare als “polit-sprech” ankommt. woran machen Sie das fest? würde mich tatsächlich interessieren, ist aber wohl schon eine andere diskussion und passt nicht mehr ganz zur anfänglichen debatte:-)
linzerschnitte
7.09.09 , 14:09
Nun, Abtreibungsinstitute bieten ja auch Vasektomien an - aber aus welchen Gründen auch immer lässt sich damit kein besonders gutes Geschäft machen…(Großartig sind immer die Vatertagsaktionen der Klinik Am Fleischmarkt:))
Ich bin auf jeden Fall uneingeschränkter Abtreibungsbefürworter. Mit genau dem Alt-68er-Argument: Mein Körper gehört mir und niemand, schon gar kein Politiker oder Kuttenträger, schreibt mir in irgendeiner Weise vor, was ich damit mache. Darum bin ich auch Befürworter von Sterbehilfe. Es gibt einfach Bereiche, wo die Verfügungsgewalt des Staates endet - oder besser: enden sollte.
Und warum es die Fristenlösung gibt, ist uns allen klar: Damit Dinge, die sowieso passieren würden, so wenigstens erst nach Beratungsgesprächen und nicht in einem Hinterzimmer passieren. Wenn man an diesem System noch viel ändert, kippt es, und es beginnt die “echte” Geschäftemacherei, illegal.
wo ich dir aber voll und ganz zustimme, Gerald: Nichts würde mehr bringen, als einer Schwangeren die ökonomische Sicherheit zu geben, das Kind allein durchbringen zu können. Und davon sind wir hier weit entfernt. Nicht nur Statistiken zeigen mir, dass es für die meisten Frauen unmöglich ist, als Alleinerzieherin nicht zu verarmen - das zeigen mir auch beispiele aus meinem Umfeld.
Andreas Kirchmair
13.09.09 , 21:09
Lieber Gerald
Du lavierst zwar etwas, aber vielleicht wirst Du eines Tages noch ein echter Pro-Lifer.
Um das Thema der Kindesabtreibung zu verstehen, solltest Du zunächst ein wenig zurückschauen. Christen sind immer für die Schwachen und Ausgegrenzten eingetreten und haben im Laufe der Geschichte für Sklaven, Ausländer, Frauen und Kinder die heute jedem Menschen zustehenden Rechte miterkämpft und miterbetet. Das ungeborene Kind ist von allen am schutzlosesten, es kann weder weglaufen noch schreien noch protestieren. Heute geht es um das Lebensrecht der Ungeborenen und für deren uneingeschränkten Rechtsschutz als Person. Dieses Eintreten hat also auch eine menschheitsgeschichtliche Dimension.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, die Fristenregelung wird eines Tages genauso aufgehoben werden, wie die Sklavengesetze oder die Rassengesetze oder andere verbrecherischen Gesetze, die andere Menschen nur als Sache oder als unwert geesehen haben. Das Gesetz selbst ist komplett widersprüchlich, ein “Trojanisches Pferd” in unserem Rechtssystem und Österreich seit 1975 daher auch kein Rechststaat mehr. Es ist auch völlig egal, ob es mit den derzeitigen politischen Parteien durchsetzbar ist. Wenn die Bevölkerung seine Auswirkungen einmal durchschaut, wird sie das Fristentötungsgesetz und die unterstützenden Parteien abschütteln. Es ist nur eine Frage der Zeit und wenn es soweit ist, wird es schnell gehen, wahrscheinlich ähnlich wie mit dem Kommunismus 1989.
Wichtig ist es, die Ursachen zu verstehen, die zu diesem Gesetz geführt haben:
Die alleingelassene Frau: Wahrscheinlich über die Jahrhunderte gesehen das Hauptmotiv: Der Vater des Kindes „seilt sich ab“, hängt der Mutter des gemeinsamen Kindes „das Kind an“, er (oder die Umgebung des Vaters/ der Mutter) drängt auf die Abtreibung, schleift sie manchmal sogar zum Abtreibungsarzt (Engelmacher). Gerade dann, wenn die Frau am nötigsten Schutz und Unterstützung braucht, ist sie allein mit ihrem Kind, fühlt sich überfordert und beugt sich oft dem großen Druck, ihr eigenes Kind zu töten. Und der Staat, der “Ersatzvater” macht dabei noch mit. Daher gilt es zu allererst, eine schwangere Frau zu schützen und zwar vom Beginn der Empfängnis und mit allen Mitteln des Strafgesetzes.
Die uneheliche Mutter: Da hatte die Mutter früher nur die Wahl zwischen der Qual der Abtreibung und der Schande des unehelichen Kindes. Wenn sie sich für ihre Mutterschaft und für ihr Kind entschieden hat, wurden sie und ihr Kind oft gesellschaftlich und auch kirchlich (!) diskriminiert. Heute ist das zwar anders, aber da ist sehr viel Unrecht passiert, das noch in keiner Weise aufgearbeitet wurde, auch nicht von “Mutter Kirche”. Daher gilt es dringend aufzuarbeiten.
Der verantwortungslose Vater: Anstatt Mutter und Kind zu schützen, konnte er sich immer aus dem Staub machen (erst seit einigen Jahren kann die Vaterschaft eindeutig nachgewiesen werden). Und selbst die 450 € für die Abtreibung sind für ihn ein „gutes Geschäft“, da viel billiger als jahrelang Alimente zu zahlen. Diese Haltung der Männer wurde gesellschaftlich, tlw. auch kirchlich, immer gebilligt. Weder in der Gesetzgebung vor 1975 noch danach (Fristenregelung) gab es eine Mitverantwortung des Kindesvaters, es ging immer nur um die Mutter, hinter der sich alle verstecken, und um den Arzt. Solche Väter gehören für ihr ehrloses Verhalten bestraft und aus allen Vereinen (auch MKV, ÖCV, FF, etc.) und aus allen öffentlichen Funktionen ausgeschlossen.
Der geschäftemachende Arzt: Oft der erste, der der Frau die erfreuliche oder unerfreuliche Nachricht ihrer Schwangerschaft bestätigt. Da Abtreibung seit den 70er Jahren zunehmend zu einem „Bombengeschäft“ wurde, entledigte sich die Ärzteschaft des „Hippokratischen Eides“ und seitdem hat ein Großteil der in gynäkol. Abteilungen tätigen Ärzte und Mitarbeiter bereits an Kindesabtreibungen mitgewirkt. Abtreibungskliniken wie die von Marie Stopes machen ein doppeltes Geschäft: Sie verdienen beim Töten ungeborener Kinder und beim Verkauf der Kinderleichen als menschl. Rohstoff an Pharma- und Kosmetikfirmen. Solche Ärzte gehören aus der Ärztekammer ausgeschlossen oder eine neue gegründet.
Der unaufrichtige Priester: Auch das darf nicht verschwiegen werden. Immer öfter hört und liest man bei uns über Freundinnen und Kinder von Priestern. Für die Versorgung von Priesterkindern soll es eigene diözesane Fonds geben. Vieles deutet darauf hin, daß es nach Pädophilie (Kard. Groer), Homosexualität auch beim Thema Kindesabtreibung in der Amtskirche selbst (große) Mißstände gibt. Generell gibt es bei uns seit Jahrzehnten ein völliges Versagen der Ortskirche: Sie hält zu den Männern und schaut großteils weg. Das Auftreten ist meist kraftlos und doppelbödig. Nicht einmal Mahn- oder Grabstätten auf den Friedhöfen gibt es für die namenlosen, ungetauften, getöteten Kinder, sie werden als Sondermüll entsorgt oder als menschl. Rohstoff (s. oben). Bei der Kindesabtreibung ist die kath. Kirche Teil der Schweigemauer der Gesellschaft und Teil des Problems geworden, obwohl sie die Lösung hätte. Da müßte Rom endlich aktiv werden und zwar schnell.
Gerald, es geht schlußendlich um das größte Geschenk auf Erden überhaupt, um ein ungeborenes, unschuldiges Kind, einen kleinen Mensch mit einer unsterblichen Seele. Als Vater von 4 Kindern weiß ich, wovon ich spreche. Einige der Lebensschützer, die Du etwas abschätzig beschreibst, kämpfen um diese Kinder (nicht für sich selber) bis zur letzten Minute. Und wenn zB HLI davon spricht, daß sie durch ihren Gebetsdienst vor den Abtreibungskliniken in Österreich rd. 10.000 Kinder (und ihre Eltern) gerettet haben, so ist das die Polemik der Unwissenden und der Kindertötungsindustrie allemal wert.
Und Gott ? Ich weiß nicht, wie gläubig Du bist, aber Gott wird am Ende der Zeiten Rechenschaft fordern, für das was seinen ungeborenen Kindern angetan wurde (”Ich war noch ungeboren und Ihr habt mich nicht beschützt”). Und das wird schlimm, fürchte ich, denn wir sind eigentlich alle mitschuldig, dass seit Jahrzehnten Kindesabtreibungen erlaubt sind und die Gesetze von Politikern akzeptiert und unterstützt werden. Wir sollten daher unsere Schuld demütig bekennen und bereuen und den Weg der Wiedergutmachung finden, da wir alle auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen sind. Er, der jeden Einzelnen nach Seinem Ebenbild formt, Leben schenkt und einen Namen gibt, welch tiefe Beleidigung ist es für ihn, dieses Blutbad der Ungeborenen mitanzusehen.
Dan
23.09.09 , 01:09
“Christen sind immer für die Schwachen und Ausgegrenzten eingetreten und haben im Laufe der Geschichte für Sklaven, Ausländer, Frauen und Kinder die heute jedem Menschen zustehenden Rechte miterkämpft und miterbetet.”
Die römisch-katholische Kirche ist eine der wenigen Organisationen mit gesellschaftspolitischem Anspruch, die weiterhin Frauen systematisch diskriminiert.
“Das Gesetz selbst ist komplett widersprüchlich, ein “Trojanisches Pferd” in unserem Rechtssystem und Österreich seit 1975 daher auch kein Rechststaat mehr.”
Wenn’s nach der griechischen Geschichte geht müsste der ganze Krieg also schon vor 35 Jahren entschieden worden sein.
“Und Gott ? Ich weiß nicht, wie gläubig Du bist, aber Gott wird am Ende der Zeiten Rechenschaft fordern, für das was seinen ungeborenen Kindern angetan wurde (”Ich war noch ungeboren und Ihr habt mich nicht beschützt”). Und das wird schlimm, fürchte ich, denn wir sind eigentlich alle mitschuldig, dass seit Jahrzehnten Kindesabtreibungen erlaubt sind und die Gesetze von Politikern akzeptiert und unterstützt werden.”
Tja, da muss man sich halt die Frage stellen: Wenn sich Gott ohnehin schon um die Bestrafung kümmert, warum müssen das denn unsere Gerichte auch tun? Immerhin ist es ja ein Grundprinzip des Rechts, dass man für dasselbe Vergehen nur einmal bestraft werden kann.