Genderwahnsinn

von Gerald Bäck am 14.07.09

Mein Schulkollege Franz Joseph schrieb in seinem Blog vor längerer Zeit: “Gendern ist selbstverständlich!” Auch wenn ich selbst ein ganz schlechter Genderer bin, ganz einfach weil ich etwas anders sozialisiert wurde und deswegen immer wieder vergesse, ein Binnen-I anzufügen und weil ich manche Gendertricks schlicht nicht drauf habe, hat er natürlich recht. Trotzdem bleiben für mich inhaltliche, stilistische und auch logische Vorbehalte gegen einzelne Formen des Genderns.

Inhaltlich geht es vor allem darum, dass die Genderdebatte sehr oft von anderen Problemen ablenkt. Ein schönes Beispiel dafür sind die sieben Fragen Gerhard Ladstätters an die Grünen Vorwähler, der gleich zu Beginn den Vorwurf des falschen Genderns ausspricht. Gendern beinhaltet eben auch einen gewissen Formalismus, der sehr leicht zum Selbstzweck werden kann. Das heißt jetzt nicht, dass ich die ganzen “Mitmeiner” verteidigen will, aber es bringt weder die Gleichberechtigung noch einen inhaltlichen Diskurs weiter, wenn jedem Binnen-I öffentlich hinterhergejagd wird, als gäbe es nichts anderes. Und es wird dann kontraproduktiv, wenn inhaltliche Diskussionen von einer Art Genderpolizei mehr oder weniger hintangehalten werden, da es vorher gilt, über die Formalismen des richtigen Genderns zu diskutieren bzw. zu belehren.

Stilistisch gibt es für mich beim Gendern ebenfalls ein Problem. Zur Verdeutlichung ein kleines Zitat von Franz Joseph:

Kaum eine politische Diskussion findet statt, ohne dass irgendwann das Thema „Gendern“ auftaucht. Meist so, dass einE BeitragendeR nicht gendert, eineE andereR dieseN darauf aufmerksam macht und schon geht’s los.

Ich gebe zu, ich habe vor einigen Jahren auch beim Binnen-I behauptet, dass es nicht lesbar wäre, was aber definitiv nicht stimmt. Aber dieses Binnen-R macht einen Text tatsächlich unlesbar und zwar deswegen weil die Großbuchstabensetzung nicht konsequent einem Geschlecht entspricht. Dann liest man entweder “Ein Beitragende” oder “Einer Beitragende”. Beides Falsch, beides verwirrend, aber das Gehirn daran zu gewöhnen, einen solchen Satz flüssig zu lesen, ist zumindest für mich (noch) ein unmöglicher Vorgang.

Aus heutiger Sicht ist es kaum zu glauben, dass Frauen früher ihr Studium mit einem Magister-Titel abschlossen und sich weder Magistra noch Doktorin nennen konnten. Aber die neue Mode, hinter die Abkürzung Mag. ein hochgestelltes a und hinter Dr. ein hochgestelltes in also zum Beispiel Mag.ª zu platzieren, verstehe ich einfach nicht. Welchen Sinn es hat, an Stelle von Mag. Beate Musterfrau Mag.ª Beate Musterfrau zu schreiben, blieb mir bisher verborgen, denn Mag. ist einfach die Abkürzung für Magister und Magistra und das Geschlecht erkennt man in der Regel am Vornamen.

Den nächsten Problemkreis bilden falsch angewandte Verweiblichungen von Wörtern, die ein sächliches Geschlecht haben. Das führt dann zu Wortschöpfungen wie Mitgliedin, Grünin, oder Menschin. Aber selbst da ist noch nicht Schluss, auch VäterInnen wurden schon gesichtet. Das ist natürlich gutgemeinter Schwachsinn. Hauptwörter mit sächlichem Geschlecht oder einer weiblichen Entsprechung muss man nicht extra gendern, die sind schon ganz toll im Sinne der Gleichberechtigung gegendert.

Ein letztes Problem ist für mich die Verwendung des Indefinitpronomens “man”. Da wird ganz schnell ein mensch oder ein frau draus, obwohl man eben schon Mensch bedeutet. Ich bin diesbezüglich wirklich auf Argumente und die Diskussion gespannt.

Neu im Verzeichnis twitternder JournalistInnen

von Gerald Bäck am 10.07.09
Name Ressort Medium TwitterName
David Bogner Vice Austria @ViceAustria
Thomas Steiner Börse foonds @tomsteiner
Thomas Weber The Gap @th_weber
Barbara Wimmer Web, Technologie ORF Futurezone @shroombab

Die vollständige, aktuelle Liste findest Du hier:
http://www.baeck.at/blog/2009/03/12/twitternde-journalisten/#liste

Urlaub mit Freunden

von Gerald Bäck am 7.07.09

Seit wann werden eigentlich Asylwerber mit Kriminellen gleichgesetzt? Schleichend hat sich diese Verknüpfung, wahrscheinlich als erstes von Jörg Haider geprägt, in Politik und Medien festgesetzt. Keine Asyldiskussion im ORF vergeht, ohne nicht auch über angebliche Einbrecherbanden in Ostösterreich sprechen zu müssen, obwohl beide Gruppen nichts miteinander zu tun haben. Als Resultat dieser Verknüpfung steht das Bundesheer noch immer an der Grenze zu Ungarn und schützt dort lediglich die Bundesregierung vor der Krone. Ein weiteres Resultat ist, dass dringend notwendige Erstaufnahmezentren bei der Bevölkerung in der Beliebtheitsskala nur ganz knapp vor Atomkraftwerken rangieren. Dementsprechend hysterisch reagierten auch BZÖ Politiker, als bekannt wurde, dass in Kärnten ein solches Erstaufnahmezentrum für Asylwerber errichtet werden soll. Allen voran Uwe Scheuch, der sogar nicht davor zurückschreckt, ein Landesgesetz zu fordern, das klar der Verfassung widerspricht. Aber mit der Verfassung hat es das BZÖ bekanntlich nicht so.

Das BZÖ schafft es durch diese desperadohafte Politik ein ganzes Bundesland in Geiselhaft zu nehmen. Nahezu in ganz Österreich wird mittlerweile Kärnten mit dem BZÖ gleichgesetzt, obwohl die Hälfte der Kärntner diese explizit nicht gewählt haben. Genau diese Gleichsetzung und politische Isolation Kärntens führt aber zu einer weiteren Solidarisierung der Kärntner mit dem BZÖ ähnlich den Sanktionen der EU gegen Österreich in Zeiten von Schwarz/Blau. Kärnten darf aber nicht zur politischen Freakshow werden, wo ein Kuriosum das nächste jagd. Das zu Verhindern geht nur im Dialog.

Asylwerber kommen nicht aus Jux und Tollerei zu uns nach Österreich, sondern weil sie unsere Hilfe benötigen. Es ist besonders schade, dass diese von der Öffentlichkeit nur als Gefahr oder Ärgernis wahrgenommen werden und nicht als Bereicherung. Zum Glück gibt es in Kärnten aber auch Gemeinden, die sich für den Bau eines solchen Erstaufnahmezentrum interessieren. Die Bürgermeister dieser Gemeinden sind massivem Druck ausgesetzt. Primäres Argument gegen die Errichtung eines Erstaufnahmezentrums ist, dass der Fremdenverkehr darunter leiden würde.

umf

Genau bei diesem Argument setzt unsere Initiative urlaubmitfreunden.at an. Michaela Amort, Nicky Baeck, Christoph Chorherr, Max Kossatz, Martin Schimak und ich haben eine Intitiative ins Leben gerufen, die jener Kärtner Gemeinde, die letztlich das Asylerstaufnahmezentrum baut, mehr Tourismus bringen soll als vorher. Zu diesem Zweck soll jeder, der auf urlaubmitfreunden.at unterzeichnet, garantieren in eben dieser Gemeinde mindestens zwei Tage Urlaub zu machen, wenn das Erstaufnahmezentrum errichtet ist. Ich denke die Aktion setzt einen sehr positiven Kontrapunkt zur derzeitigen Stimmung und Debatte. Es geht nicht darum, sich gegenseitig irgendwelcher Grauslichkeiten zu bezichtigen, sondern ein positives Signal sowohl für Asylwerber als auch für den Kärntner Fremdenverkehr zu setzen. Deswegen bitte hier unterschreiben, mit den Hashtag #UmF darüber twittern und der Facebook-Gruppe beitreten.

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien