Ich kann Kanzler

von Gerald Bäck am 19.06.09

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Nein, ich bin jetzt nicht total ausgeflippt, obwohl verglichen mit Faymann könnt ich es vielleicht doch!-) Auf ZDF ging heute ein spannendes Reality-Format zu Ende. “Ich kann Kanzler” heißt die Show, die Nachwuchspolitiker nach dem Muster von “Canada’s Next Great Prime Minister” vor der Kamera casten und einen Sieger küren soll. Endlich einmal ein Reality-Format ohne Sozialporno, wo es nur darum geht, wer die histerionischste Persönlichkeit hat, die meiste nackte Haut zeigt oder sich am dümmsten benehmen kann. Endlich werden andere Role-Models vorgeführt als hysterische Kinder, die nicht singen können und endlich bringen Juroren ein bisschen mehr Feedback als das quoten bringende “Du bist Scheiße“.

In der Praxis hatte das Format natürlich seine Schwächen, denn im wesentlichen wurden die Kandidaten nur nach ihren kommunikativen und rhetorischen Fähigkeiten beurteilt. In nur 45 Sekunden sollten zum Beispiel die Bewerber ihre Vision für Deutschland erklären. Dadurch war in diesen 45 Sekunden auch nur Zeit für den üblichen Politikersprech. Vom Brücken bauen, über Anwalt der Schwachen sein, den Wirtschaftsstandort stärken oder die Familien aufwerten war wirklich jede erdenkliche Floskel im ersten Casting dabei. Auch die Auswahl der sechs Kandidaten fürs Finale durch die Jury war etwas herkömmlich. Durchgekommen sind  eher nur gemainstreamte Jungpolitiker mit Erfahrungen als Schulsprecher oder in politischen Jugendorganisationen. Unkonventionelle Kandidaten wurden von Jauch, Engelke und Scherf schon im Vorfeld aussortiert. Übrigen blieben großteils die Streber, die in der Schule als erste  “Herr Lehrer ich weiß es” geschrien haben. Gewonnen hat dann auch ein Kandidat, der mit 18 jahren schon ebenso viele ehrenamtliche Funktionen angehäuft hatte.

Über Inhalte wurde zwar auch diskutiert, aber logischerweise blieben die im Hintergund. Sieger wurde man also nicht mit dem besten Konzept, sondern mit dem besten Auftreten. Das bildet allerdings nur eine Realität ab, von der unsere Politik glaubt, dass diese ohnehin schon existiert. Auch unsere Politiker denken, dass vor allem die Form der Kommunikation wichtig ist und nicht das, was gesagt wird. Ganz so klappt das allerdings dann zum Glück doch nicht. Politiker die es mit der Form übertreiben, scheitern. So zum Beispiel Viktor Klima, Laura Rudas oder auch Karl Heinz Grasser.

Summa Summarum ein erfrischendes neues TV-Format, in dem endlich nicht Models oder schlechte Sänger die Hauptrolle spielen. Das Format ist bestimmt noch ausbaufähig vor allem, was die Vorauswahl der Kandidaten betrifft. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender, ist das jedenfalls genau das richtige Format. Ich bin gespannt, ob sich auch der ORF so eine Sendung traut oder bei Dancings Stars und Starmania bleibt.

Vassilakou: Werdet Mitglied!

von Gerald Bäck am 18.06.09

Die Klubobfrau der Grünen empfiehlt allen abgelehnten Vorwählern, Mitglied der Wiener Grünen zu werden. Ich bin dafür. Überlassen wir die Grünen nicht den Durchblickern und Betonierern und werden Mitglied.

Die Durch- und Überblicker

von Gerald Bäck am 17.06.09

Manchmal frage ich mich, ob es nicht angenehmer wäre, Politik ein bisschen mehr wie Fußball zu sehen? Als kleines Kind habe ich mich dazu entschieden, Fan von Rapid Wien zu sein und für immer zu bleiben. Rapid Wien hat im Laufe der letzten Jahrzehnte seine Fans und damit auch mich ganz schön auf die Probe gestellt. Da war zum Beispiel Anton Benya als Vereinspräsident, der mir auf einer Fanversammlung das Wort entzog, indem er mir einfach das Mikro abdrehen ließ, weil ihm nicht gefiel, was ich zu sagen hatte. Oder der Griff in die Taschen der treuesten Fans beim Rapid Börsegang u.v.m. Trotzdem habe ich nie daran gedacht, Fan der Austria zu werden. Auch wenn mich Fußball heute nicht mehr so interessiert, so fließt in meinen Adern trotzdem Grün-Weißes Blut, komme was da wolle. In der Politik wäre so eine Einstellung auch ganz praktisch: Denn ehrlich gesagt fühle ich mich mittlerweile einem undurchdringlichen politischen Establishment ohnmächtig gegenüberstehend.

Vielleicht hätte ich also einfach ein Schlachtenbummler für die ÖVP bleiben/werden sollen, anstatt nachzudenken und festzustellen, dass die ÖVP ihren Anspruch, eine christliche Partei zu sein, keinesfalls gerecht wird. So spielen sowohl die Verantwortung der Schöpfung gegenüber in Form von Umweltschutz als auch die Verantwortung den Schwächsten unserer Gesellschaft gegenüber – wie man jetzt wieder am Auftreten der Innenministerin sehen kann – in der ÖVP keine Rolle. Dort stehen nur noch Machtinteressen im Vordergrund. Jedenfalls konnte ich die Schwächen der ÖVP als Stärken der Grünen wiederfinden und bin dadurch emotional und aus vernünftigen Überlegungen bei den Grünen angekommen. Die Grünen Vorwahlen haben mich genau auf diesem Stand abgeholt und zu einer noch stärkeren Annäherung an die Grünen verleitet. Allerdings dürfte diese von Seiten der Grünen gar nicht erwünscht sein.

Der Landesvorstand der Grünen hat sich entschlossen einen Teil der VorwählerInnen einfach und vor allem pauschal abzulehnen, indem es diesen bestimmte Denkweisen unterstellt. Keine Rede mehr von einer Entscheidung auf individueller Basis, statt dessen wird einfach jenen, die auf ihren Anträgen die Zusendung von Massenaussendungen ausgeschlossen haben, nun per gleichlautender Serienemail die Ablehnung beschieden. Ziel des Grünen Landesvorstands war es, die Zahl der VorwählerInnen gerade so gering zu halten, dass sie auf der Landesversammlung im November keine Rolle spielen. Das Rezept war ganz einfach: Die SympathisantInnen wurden so lange frustriert, genervt und schließlich verarscht, bis es den meisten zu recht reicht. Das zu erwartende mediale Echo wird dann einfach ausgesessen. Es gewinnen die ängstlichen Apparatschicks – die Grünen Taliban mit ihrer Angst vor allem, was fremd ist.

Wie jenseitig und willkürlich dabei das intransparente Vorgehen des Landesvorstands ist, zeigen dabei die Postings von Robert Korbei und Markus Rathmayr. Korbei, der Mann mit dem Durchblick und Rathmayr, der Mann mit dem Blick fürs Ganze? Wenn man davon ausgeht, dass beide vor allem Interna im Auge haben, dann stimmt das mit dem Überblick und Durchblick wohl. Für eine etwaige Kandidatur als Gemeinderäte war das Auftreten der beiden gegen die Grünen VorwählerInnen bestimmt kein Schaden. Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, welches Bild dieses Verhalten bei den WählerInnen, den Medien oder eigenen SympathisantInnen macht, Lebensentwürfe gehen einfach vor.

Begründungen, wie die von Markus Rathmayr, kann man dabei nur noch als eine besonders zynische Spitze qualifizieren:

von den selbst gestrickten anmeldeformularen. wenn mir jemand sagt ich such mir die infos schon selbst zusammen und will von euch nix bekommen, dann ist das wohl eindeutig, oder?

Was bleibt von den Wiener Grünen?

Was in den Köpfen der Menschen “da draussen” übrig bleibt ist der Eindruck einer autistischen Partei mit rechten Angstneurosen und einem veritablen Binnen-I-”Klescher”.

Das schreibt nicht etwa ein fehlgeleiteter Vorwähler, sondern des Landesobmann der Grünen Wirtschaft Burgenland. Das wird zwar einen ausgefuchsten Landesgeschäftsführer wie Robert Korbei nicht beeindrucken, der auch schon mal die Meinungen von mehreren Wiener Grünen GemeinderätInnen als weitgehend irrelevant bezeichnet, trifft aber die Situation der Wiener Grünen ziemlich genau.

Durchblicker Robert Korbei unterstellt ja sehr gerne, dass sich die Grünen VorwählerInnen vor einen bestimmten Karren spannen hätten lassen. Das was Korbei – der sich sehr gerne in vagen Andeutungen ergibt, um anderen damit etwas zu unterstellen – damit meint, ist, dass die Grünen VorwählerInnen doch nur ein Christoph Chorherr Wahlverein währen. Selbst wenn es so wäre, was wäre schlecht daran? Abgesehen davon, dass es nicht stimmt -  einen Politiker, der es schaffen würde, über 300 SymapthisantInnen zu einer Partei zu bringen, den sollte man doch eigentlich sehr schätzen. Nicht so bei den Grünen, dort werden neue Leute als Gefahr betrachtet.

Die Wiener Grünen, das waren für mich über lange Jahre immer Vassilakou, Chorherr, Ringler und auch Schreuder. Den Rest kannte ich einfach nicht. Nach heutiger Kenntnis muss ich mir die Frage stellen, ob die vier nicht nur die letzten Dinosaurier in einer durch und durch verkrusteten, herkömmlichen Partei geworden sind? Ob sie nicht die Feigenblätter einer Partei sind, die auch nicht mehr die ihrige ist? In den letzten Wochen konnte ich eine Menge Grüner Basis- und BezirksfunktionärInnen kennenlernen und keine einzige bzw. kein einziger hatte ein gutes Wort für Marie Ringler oder Christoph Chorherr übrig und einige wenige sogar das eine oder andere Schimpfwort auf Lager. Komisch, dass gerade die erfolgreichsten Mandatare intern so schlecht angeschrieben sind.

Was bleibt von den Grünen Vorwahlen?

Faktum ist, das Projekt ist gescheitert. Die Grünen Vorwahlen hatten das Ziel, die Grünen zu öffnen und auf eine breitere Basis zu stellen. Das ist gründlich misslungen, statt dessen sitzen diese jetzt tiefer im Bunker als zu vor und schwimmen lieber im eigenen Saft. Realistischerweise wird sich irgendwann auch die Empörung in den Blogs legen und die mediale Berichterstattung zurückgehen. Die Grünen Vorwahlen werden dann zur Randbemerkung kritischer Journalisten in kritischen Artikeln über die auch weiter kriselnden Grünen.

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