Wahlkarte hilft gegen SPÖ-Datensammler
Bei jeder Wahl ärgere ich mich. Der geneigte Leser wird sich jetzt nicht wundern, denn schließlich ärgere ich mich über so Einiges. Zum Beispiel darüber, dass ich nicht aus Absicht aber trotzdem immer die Wahlverlierer wähle. Wäre ich abergläubig müsste ich bei der EU-Wahl die FPÖ wählen. Ich glaube aber an den lieben Gott und die Logik und deswegen werde ich die Grünen wählen. Gott, Logik, Grüne passt alles nicht so zusammen? Wurscht, erklär ich irgendwann mal. Abergläubige Grüne sollten sich also spätestens jetzt Sorgen machen, die anderen tun es wahrscheinlich ohnehin schon. Aber darum geht es heute ausnahmsweise überhaupt nicht, denn richtig sollte es heißen: Ich ärgere mich bei jedem Wahlgang.
Und zwar über die Wiener SPÖ, die extra zwei Wahlzeugen abstellt, um mitzuschreiben, wer wählen geht und wer nicht. Diese Mitschriften werden regelmäßig von einem Parteimitarbeiter abgeholt und in der jeweiligen Sektion oder Bezirkszentrale in eine Datenbank eingegeben. Die SPÖ macht das, um noch am Wahltag Mitglieder und vermeintliche Sympathisanten per Klingeltour zur Wahl zu animieren. Ok, bei mir haben die noch nie angeläutet, aber sie verfügen über relativ genaue Aufzeichnungen, wann ich wählen war und wann nicht. (Ja, Fischer gegen Fererro war mir einfach egal.) Ich bin kein Jurist und kann den Vorgang rechtlich leider nicht beurteilen, aber für mich gehört die Tatsache, ob ich an einer Wahl teilnehme oder nicht, ebenfalls zum Wahlgeheimnis und so lange ich das nicht preisgebe, geht’s auch keinen etwas an. Und wenn es vielleicht nicht unter das Wahlgeheimnis fällt, dann sollte doch zumindest die elektronische Aufzeichnung über meine Wahlteilnahme ein datenschutzrechtliches Problem darstellen.
Ein Anruf bei der SPÖ, eine Email an die Pressestelle und eine Twittermessage an @ElisabethHakel, die Pressesprecherin der SPÖ, blieben bisher leider unbeantwortet. Ich bin kein Jurist und kann die Rechtslage daher überhaupt nicht einschätzen, aber vielleicht wäre es interessant einen Musterprozess zu führen und so in Zukunft dieses Datensammeln der Wiener SPÖ zu unterbinden.
Wem aus verständlichen Gründen ein Prozess zu riskant und aufwändig ist, für den gibt es aber trotzdem eine Möglichkeit der SPÖ das Daten sammeln zumindest zu erschweren. Nämlich mit einer Wahlkarte und anschließender Wahl in einem anderen Bezirk oder zumindest in einem anderen Sprengel. Dadurch wird ein Tracking für die SPÖ relativ schwer, wenn auch wahrscheinlich nicht unmöglich. Wahlkarten kann man übrigens ganz bequem hier online bestellen.
Das Thema betrifft wahrscheinlich nicht nur sie SPÖ in Wien, sondern wahrscheinlich in anderen Bundesländern die ÖVP. Wäre interessant, wenn das Leser aus anderen Bundesländern hier berichten könnten.

Andy
20.05.09 , 23:05
Sorry, ich will deinen Blog wirklich nicht missbrauchen für Eigenwerbung (Blogs leben sowieso von den Themen), aber als Exilwiener lege ich dir den Text ab dem zweiten Absatz nahe:
http://www.alteknacker.at/2009/05/20/die-saat.html
Mich wundert das alles nicht, was du da schreibst, ich kann aber auch nach Jahren des “Exils” nicht viel negatives über die SPÖ ausserhalb Wiens schreiben bis jetzt.
christian passin
21.05.09 , 06:05
wie sagen die bauernbündler… “kuhl” bleiben… however, was gibts da zum aufregen… billa weiß z.b. besser über deine einkaufseigenschaften bescheid (falls du eine billakarte hast)als die spö über dein wahlverhalteb… jetzt weiß sie es ganz bestimmt
))… kleiner tip: wahlkarte persönlich abholen und gleich am amt wählen und abgeben…
Oliver
21.05.09 , 06:05
Geralde, ich verstehe dich sehr gut. Ich selbst war vor ein paar Jahren Wahlbeisitzer und konnte diese Praxis der SPÖ Wien ebenfalls wahrnehmen. Damals haben die Grünen afaik Protest bei der Wahlbehörde eingelegt. Ich habe Protest beim Wahlleiter meines Wahlsprengels, wo ich Beisitzer war, eingelegt und auch im Protokoll vermerken lassen. Die SPÖ-Vertreter sind dezent über mich hergefallen, wie sich jemand erlauben kann, gegen diese Praxis zu protestieren.
Das war vor 3 Jahren – heute machen sie’s weiterhin. Ich würde daher an deiner Stelle, wenn du wissen willst, was hier weiter gemacht wurde bzw. angedacht wird, bei den Grünen anfragen. Afaik, wird diese Praxis der SPÖ sehr missbilligt.
Gerald Bäck
21.05.09 , 08:05
@christian Genau deswegen habe ich keine Kundenkarten. Ich bin sogar so paranoid, dass ich beim Billa nur bar zahle, denn auch mit der Bankomat- oder Kreditkarte wären solche Aufzeichnungen möglich. Der Unterschied zwischen Kundenkarten und der Praxis der Wiener SPÖ ist nur, dass man beim Lösen einer Kundenkarte sein explizites Einverständnis gibt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich der SPÖ diese Aufzeichnungen erlaubt hätte.
@oliver Danke für den Hinweiß, ich hab schon die ARGE Daten kontaktiert und werde das auch bei den Grünen tun.
heinrich heinez
21.05.09 , 11:05
Dafür, dass Du dich für einen besonderen Demokraten wähnst, ist dies ein besonderer Schwachsinn. Gerade die Nebensächlichkeiten im Datenschutz, die nicht wirklich etwas wert sind, sind die Ablenkung von den realen Problemen des Datenschutzes. Da werden schon bei jeder Müllsackbehebung in meiner Gemeinde mehr Daten gespeichert.
Dass eine Partei so organisiert ist, dass sie ihre Wähler zur Wahl bringen will, ist eigentlich ein Lob wert. Aber das verstehen diese pseudoliberalen Grünen nie, die aber ansonsten den zentralverwalteten Menschen in ihrer Hirnrinde haben: Jeder Müllsack notiert, damit man die Müllmacher kennt …
Wenn du dich für Dein Wählengehen genierst, und meinst die SPÖ Wien könne daraus schließen, ob Du vor dem Kirchgang oder ohne Kirchgang gewählt hättest (oder was sollten sie noch aus den Daten schließen können?), dann ist ein solcher Verfolgungswahn ein Fall für die Psychiatrie.
Gerald Bäck
21.05.09 , 22:05
@heinrich
Mit den besonderen Demokraten ist das so eine Sache. Putin wurde einmal als lupenreiner Demokrat von einem eben solchen bezeichnet. Deswegen bin ich mit solchen Begriffen eher vorsichtig.
Die Information, ob ich zu Mittag ein Wurstsemmerl mit oder ohne Gurkerl esse, ist auch relativ nebensächlich, trotzdem geht es dem REWE Konzern genau gar nichts an. Und genauso geht meine Wahlbeteiligung die Wiener SPÖ nichts an.
Dass Parteimitarbeiter durch Glöckerlpartien auf Bürger Druck ausüben, zur Wahl zu gehen, ist aber keineswegs lobenswert. Noch dazu sollte man sich in der SPÖ einmal die Frage, was dann wohl solcherart zurechtgewiesene in der Wahlzelle ankreuzen werden?
Sebastian
21.05.09 , 22:05
Die SPÖ sind nicht die einzigen, die das tun. In meiner Heimatstadt gibts die gleiche Praxis. Ich hoffe dann immer, dass SPÖ- (oder ÖVP-)Wähler/innen, die nur wegen einem Anruf zur Wahl gekommen sind, aus Protest eine andere Partei wählen.
Arno
22.05.09 , 13:05
Also selbst wenn das so stimmen sollte kann ich nichts schlimmes daran erkennen wenn versucht wird zu mobilisieren. Ich werde am Tag zig mal dazu aufgefordert und die Entscheidung wählen zu gehen oder nicht obliegt immer noch mir. Und auch wenn ich dann wählen gehe kann ich wählen wen ich will, unabhängig davon wer mich dazu aufgefordert hat. Ich komm jetzt nicht aus Wien, aber bei uns im Ort telefonieren die Swarzen und Blauen am Wahltag auch ihre Bekannten durch. Ob das jetzt von den Landes- oder Bundesparteien so gewünscht ist weiß ich nicht und ist auch nebensächlich – es würde trotzdem gemacht werden, weil man wenn man wochenlang herumgelaufen ist auch möchte, dass wenigstens die eigenen Bekannten wählen gehen. Sicher sind in Wien die Wahlsprechengel etwas größer, aber das Prinzip bleibt das gleiche. Mobilisieren die Grünen nicht am Wahltag selbst noch alles was geht? Ich bin im übrigen kein Jurist, aber ich glaube nicht, dass die Information ob du wählen warst oder nicht dem Datenschutz unterliegt. Der Weg zum Wahllokal ist ja öffentlicher Raum. Nur in der Wahlzelle kannst du machen was du willst, notfalls sogar das Kuvert leer lassen
Hannah
25.05.09 , 08:05
@ Arno
Du erkennst aber schon den Unterschied den es macht, wenn jemand seine “Bekannten” wie Du sagst anruft und wenn jemand mich – als Fremden – dabei “beobachtet” wie ich wählen gehe, damit er mich nicht mehr anrufen muss, oder?
Marko
25.05.09 , 17:05
Vielleicht hat die SPÖ selbst die richtige lösung für alle wahl-probleme.
es gibt die möglichkeit österreichweit online wahlkarten anzufordern… http://www.spoe.at/euwahl/wahlkarte
problem gelöst…
Markus O
25.05.09 , 23:05
Vom Grundsatz der geheimen Wahl ist eigentlich nur die Abgabe der Stimme selbst umfasst. Die bloße Tatsache, dass man wählen gegangen ist, fällt da meines Wissens nicht hinein. Verfassungsrechtlich wäre sogar die Wahlpflicht zulässig, bei der von Staats wegen die Anwesenheit überprüft wird (siehe auch wikipedia, wahlpflicht). Kann mir daher nicht vorstellen, dass die Praxis der SPÖ verfassungsrechtlich bedenklich ist. Datenschutzrechtlich – nehme ich an (gefährliches Halbwissen
) – sollte man aber zumindest Einsicht nehmen bzw die Löschung der Daten verlangen können.
Allgemein: Ist es nicht widersprüchlich, seine politischen Anschauungen detailiert öffentlich darzustellen, aber sich gegen die Dokumentation des Urnengangs zu wehren? Inwiefern stellt denn die Tatsache, dass man wählen gegangen ist (oder eben nicht), eine sensible Information dar? Mir fallen beim besten Willen keine Szenarien ein, wie man das missbrauchen könnte. Eeigentlich ist das doch eine sinnvolle Möglichkeit, Nichtwähler anzusprechen. Ich würde hier den demokratischen Nutzen höher einschätzen als die Missbrauchsgefahr.
Tatsächlich ärgerliche finde ich vielmehr, dass sich die SPÖ nicht rührt. Wenn man Daten sammelt, dann muss man auch dafür gerade stehen und denen, die das nicht wollen, die Gelegenheit geben auszusteigen bzw sich zu informieren.
aqw
7.07.09 , 01:07
also ein Anruf wäre sehr wohl eine ordentliche Datenschutzverletzung. Schließlich hat derjenige nicht um meine Einwilligung angesucht, dass er mich anrufen darf. Man kann bei einem solchen Vergehen jemanden verklagen.
–> macht man bei Firmen auch, die ohne meine Einwilligung anrufen.