Die bürgerliche Alternative?
Ich bin ja irgendwie so etwas wie ein bürgerlicher Grünwähler nach Kalteneggscher Definition. Umso erstaunter war ich von der heutigen Aussage des Generalsekretärs der ÖVP in der Presse:
Für bürgerliche Grüne sei der Weg von Voggenhuber zu Ernst Strasser nicht zu weit.
Vielleicht hat Herr Katlenegger auch nur gemeint, dass der Weg zur FPÖ und BZÖ noch viel weiter wäre. Da hat er ganz bestimmt recht. Und auch der Weg zur SPÖ wäre unbestritten sehr unwegsam, denn wer will schon gerne ein Weggefährte von Hans Dichand sein?
Vielleicht ist es Zeit, sich in Erinnerung zu rufen, wofür Ernst Strasser steht:
- Freunderlwirtschaft belegt durch jede Menge Emails
- Gnadenloses Asylunrecht
- Eine notwendige Polzeireform zur Umfärbung missbraucht
- Als ergebener Diener Prölls den Semmering Basis Tunnel verschleppt
- Keine Aufklärung beim Tod von Seibane Wague
Strasser ist also auf Grund seiner Vergangenheit als Innenminister unwählbar. Vielleicht hätte die ÖVP Taktik mit Othmar Karas funktioniert, aber Strasser ist zumindest ein sehr wirksames Brechmittel für einen bürgerlich Grünwähler. Wem das noch nicht reicht, sollte sich vor Augen halten, dass die EVP nicht nur für ein schärferes Asylrecht, sondern auch für Softwarepatente, ein strengeres Urheberrecht, Industriepolitik und eine augenzwinkernde Umweltpolitik, wie auch Sebastian Moser schreibt, steht.
Die Grünen haben viel falsch gemacht, aber wenn man so die jüngsten jenseitigen Aussagen Voggenhubers betrachtet, dann war zumnidest seine Abwahl als Spitzenkandidat kein Fehler. Seinen Selbstvergleich mit Ludwig XVI könnte man ja noch witzig finden, aber seine Unfähigkeit über die Grünen und über Lunacek auch nur ein gutes Wort zu verlieren, spricht schon Bände über Voggenhubers großes Problem mit seinem großen Ego.

Gerhard W. Loub
14.05.09 , 15:05
Lieber Gerald!
Bei allem Respekt: Der Beitrag ist Deiner echt nicht würdig. Abgesehen vom Meuchelfoto, das nicht gerade von niveauvoller Auseinandersetzung spricht, sin die inhaltlichen Argumente schwach. So ist Strasser sicher nicht für die Aufklärung von Todesfällen zuständig. Der Tod von Seibane Wague mag tragisch sein, doch wurden die Umstände durch die zuständigen Gerichte geklärt. Und mit denen hatte Strasser nie zu tun. Auch das Semmeringbasistunnel-Projekt ist für eine sinnvolle Argumentation schwer geeignet - war Strasser doch in seinem ganzen Leben nie dafür zuständig. Dass Du als damals Schwarzer bei der Polizei von einer Umfärbeaktion sprichst, ist für mich nicht nachvollziehbar. Denn wie Du genau weißt, waren alle Verantwortungsträger in der Polizei nach 30 Jahren roter Innenminister von der SPÖ. Jede Neubesetzung war also automatisch eine “Umfärbung”. Aber wirfst Du Strasser ernsthaft vor, nicht nur SPÖler berufen zu haben?
Lieber Gerald, ich bin von Dir wirklich fundiertere und ausgesprochen interessante Argumentation gewohnt. Bitte kehre wieder dazu zurück!
Liebe Grüße,
Gerhard
Angela Stoytchev
14.05.09 , 16:05
@gerhard: sorry, aber wo gerald recht hat, hat er recht. ich bin heute noch fassungslos darüber, dass die övp den als menschenverachtenden hardliner politgeschichte in ö gemacht habenden strasser zum spitzenkandidaten gekürt hat. als ob sich der öffentliche und gesellschaftliche diskurs nicht eh schon genug nach rechts bewegen würde. (siehe heutige fpö-bi-demo “gegen schleichende islamisierung”)*kopfschüttel*
Gerald Bäck
14.05.09 , 18:05
Irgendwas mach ich wohl falsch, wenn meine Blogbeiträge von verschiedenen Seiten so viel Ärger auslösen. Vielleicht sollte ich in Zukunft zwischen dem Impuls etwas zu schreiben und der Niederschrift eine längere Pause lassen, rennt mir ja nichts davon. Denn schließlich bin ich an einer Diskussion und nicht an Agitation interessiert. Ich werde mir das also auch als Lehre aus dem Beitrag über die Vorwahlen zu Herzen nehmen.
Ich gebe zu ich hab mich sehr über Kalteneggers Aussage geärgert, denn Strasser ist vor allem ein Signal für potenzielle FPÖ/BZÖ Wähler und bestimmt nicht für bürgerliche Grüne. Bei Othmar Karas sähe die Sache schon anders aus.
Natürlich hat er persönlich nichts mit den Gerichtsverfahren rund um den Tod von Seibane Wague zu tun. In diesem Fall geht es einfach, um das Bild das vom Innenminister vermittelt wurde, in dem er im Prinzip “seine” Beamten deckte.
Ich erinnere mich an ein Veto von Strasser im Ministerrat gegen den Basistunnel, bitte korrigiere mich, wenn ich da falsch liege.
Dass die Polizei durch und durch Rot war und eine Reform dringend nötig bestreite ich nicht, aber deswegen Rote durchwegs durch Schwarze zu ersetzen, ändert gar nichts außer die Farbe.
christoph chorherr
15.05.09 , 13:05
“Vielleicht sollte ich in Zukunft zwischen dem Impuls etwas zu schreiben und der Niederschrift eine längere Pause lassen, rennt mir ja nichts davon.”
Bitte nein!
Schreib weiter,und bring die in Österreich so g´miatlich eingefahrenen Lager durcheinander.
Grenzgänger haben`s zwar schwer, aber es ist ihnen nie fad.
Es hält einen beim Denken auf Trab, und eröffnen neue Sichtweisen.
Kluge Organsisationen halten sich einen advokatus diaboli.
Einen, der immer Gegenarumente einbringen muss; Idee dahinter: An ihm, dem “Advokaten des Teufels” muss die Organisation ihre Argumente schärfen.
Nein Bäck, Du bist nicht des Teufels, Du bist ein hervorragender Zuspitzer.
Auch wenn wir Grüne öfters von Dir eine abbekommen, bitte mach weiter.
Es ist wichtig.
Helge
15.05.09 , 17:05
@Gerhard Loub: Kannst du uns das erklären? http://twitpic.com/57tqb Hab ich da was falsch verstanden oder versucht der Strasser-Wahlkampf die (historisch noch nie weiter als jetzt rechts gestandende) FPÖ rechts zu überholen?
Gerald Bäck
15.05.09 , 21:05
Hallo Christoph,
danke für die netten Worte, das geht runter wie Öl. Fad ist mir wirklich selten!-) Früher musste sich nur meine Frau meine politischen Ergüsse anhören. Seit ich blogge, kommentieren teilweise Menschen, die ich persönlich nicht kenne, und manche Beiträge, speziell jene über die Grünen, haben über 2000 Leser. Das ist spannend und befriedigt zugegebenermaßen auch das Ego!-)
Ans Aufhören habe ich also nicht gedacht, aber ab und zu das eigene Vorgehen zu überdenken, kann sicher auch nicht schaden.
Nächste Woche werde ich mich allerdings ein wenig der SPÖ widmen, die hat auch mal ein paar Hiebe verdient!-)
Gerhard W. Loub
15.05.09 , 21:05
Also ich möchte mich hier Christoph Chorherr zumindest teilweise anschließen. Auch wenn wir mittlerweile in vielen politischen Angelegenheiten nicht einer Meinung sind, so schätze ich doch Dein Blog in vieler Hinsicht sehr, so bringt mich so mancher Deiner Beiträge auch zum Nachdenken. Ich finde halt diesen konkreten Beitrag nicht so gelungen - aber auch beim Schreiben hat man gute und weniger gute Tage, gute und weniger gute Beiträge. Bitte mach weiter so!
Dan
17.05.09 , 14:05
Ich versteh’s auch nicht. Strasser bekam von seinen Kabinettsmitarbeitern e-mails über die politische Ausrichtung von Bewerbern (Bezirkspolizeikommandanten etc.) und beteuerte dann in der Zeit im Bild 2, dafür seien seine Mitarbeiter verantwortlich und nicht er.
Diese schamlose Umfärbeaktion kleinzureden…
Davon abgesehen muss der Innenminister bzw. die Innenministerin zumindest in einem gewissen Maß dafür verantwortlich gemacht werden können, wenn mal wieder jemand die Stiegen hinunter gestolpert wird oder sich selbst verprügelt, denn er/sie gibt in gewissen Maßen die Richtung und den Ton vor.
Dan
17.05.09 , 14:05
a propos: Strasser wird im Internet Explorer amüsant(?) verunglimpft: http://www.flickr.com/photos/23111311@N00/3538107743/
franz p.
3.06.09 , 23:06
Hallo Herr Bäck,
ich teile Ihre Einschätzung zu Herrn Strasser. Aber er ist nicht der schlimmste Proponent für die kommenden EU-Wahlen ( wiewohl der schlimmste einer “großen Fraktion”).
Sagen Sie, Herr Bäck, wie kam es eigentlich, daß eine ehemals liberale ÖVP und verhältnismäßig (christlich-)soziale ÖVP (gegenüber Asylwerbern) so weit nach rechts driftete. Wie konnte das geschehen?
herzlichst,
franz p.