Grüne Bunkerstimmung

von Gerald Bäck am 20.03.09

Heute nachmittag hat Marie Ringler einen sehr interessanten und bezeichnenden Tweet zur Lage der Grünen geschrieben:

wie kommen die Grünen endlich mal wieder eine gemeinsame Vision? und bitte: keinen Arbeitskreis!

Marie Ringler ist ja nicht irgendwer, sondern Gemeinderätin und eine Art ewige Zukunftshoffnung der Grünen und trotzdem klingt das ganze frustriert und resignativ. Damit ist sie aber nicht die einzige Frustration und Resignation zieht sich unterschwellig durch die gesamte grüne Blogosphäre.

Natürlich nervt es Eva Glawischnig, wenn sie zum 100. mal den Fall Voggenhuber erklären muss, das kann ich schon nachvollziehen. Denn mittlerweile sollte die Sache schon gegessen sein. Nicht gegessen sind die enttäuschenden grünen Wahlergebnisse in Salzburg und Kärnten über die die Parteispitze so en passant drüberwischen wollte.

Mich erinnert die Situation der Grünen frappant an jene der ÖVP in den 80er und 90ern. Genauso wie damals die ÖVP befinden sich die Grünen in einer gestalterischen Sackgasse, die ÖVP wurde die Rolle des Juniorpartners in der Regierung nicht los und die Grünen werden einfach die Rolle der “guten” Oppositionspartei nicht los, die immer wenn es um die Wurscht geht, ohnehin nicht mitbestimmen darf. Für die Grünen ist die Lage noch etwas aussichtsloser als für die ÖVP damals, denn immerhin konnte die ÖVP mit Schwarz/Blau spekulieren, aber welche Optionen haben die Grünen? Große Zugewinne bei den nächsten Wahlen sind nicht  in Sicht, das heißt wenn sich die Grünen optimistisch geschätzt weiterhin bei circa 12% halten, gehen sich auch auf längere Zeit Rot/Grün oder Schwarz/Grün nicht aus und alle anderen Varianten sind ohnedies nur von statistischer Relevanz. Anhand dieser Aussichten kann man den Frust der grünen Funktionäre schon verstehen und als Wähler kommt man sich vor wie ein Demokrat in Texas oder ein Schwarzer in Simmering. Die ÖVP der 80er und 90er, die ich zufällig ganz gut kenne!-), ergab sich damals in die innere Isolation und begnügte sich mit einer Nabelschau in der Form von erbitterten Flügelkämpfen und einer akribischen Pflege einer bizarren Sitzungskultur. Die selbe Gefahr besteht jetzt auch für die Grünen. Die ersten Flügelkämpfe konnte man ja schon in Sachen Voggenhuber beobachten.

Was die Grünen an der Situation ändern können? Ich wünschte ich hätte die Weisheit mit dem Löffel gefressen, wie es der Titel meines Blogs behauptet. Warum die grüne Politik, die inhaltlich in den letzten Jahren nahezu alles richtig gemacht hat, einfach nicht in die Gänge kommt, kann man jedenfalls nicht nur mit einer vermeintlichen Schwäche – meiner Meinung nach nur eine Chiffre für das Unbehagen darüber, dass Frauen an der Spitze stehen -  der derzeitigen Führung erklären. Die Ablehnung Voggenhubers durch ein Gremium von Altfunktionären war natürlich Schwachsinn und die Vornominierung von Eva Glawischnig durch ihren Vorgänger war ein erster pseudodemokratischer Sündenfall. Aber das sind imho alles nur Symptome, der vorher diagnostizierten Krankheit.

Twitternde JournalistInnen

von Gerald Bäck am 12.03.09

ACHTUNG: Diese Liste wird nicht mehr aktualisiert. Statt dessen gibt es die Liste auf Twitter http://twitter.com/#!/geraldbaeck/austrian-journalists

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Twitternde Medien haben ja meistens etwas sehr langweiliges. Dienen die doch meistens als RSS-Feeds wie zum Beispiel @SPIEGEL_EIL. Allerdings erfreuen sich auch diese RSS-Spammer durchaus großer Beliebtheit, wie Sascha Lobo unlängst bitter in seinem Kampf gegen Goliath Spiegel feststellen musste. Dass es auch anders ginge beweißt der kurzweilige Twitterstream von @weltkompakt. Die österreichischen Medien stehen dem um nichts nach. “Schöne” Negativbeispiele sind FM4 oder auch die Kleine Zeitung.

Aber darum geht’s heute gar nicht. Denn viel interessanter als twitternde Medien sind twitternde Journalisten, da diese eigentlich immer im Gegensatz zu Politikern wirklich persönlich twittern und meistens über Twitter einfacher erreichbar sind. Ich hab zwar noch nie versucht Armin Wolf anzurufen, aber ich könnte mir vorstellen, dass das nicht ganz leicht sein wird. Abgesehen davon wäre es doch relativ befremdlich, würde man ihn extra anrufen, um einen Kommentar zur letzten ZIB abzugeben oder eine subjektiv wichtige Frage für den nächsten Studiogast einzubringen. Über Twitter geht so eine Kontaktaufnahme unaufdringlicher und auch unverbindlicher. @arminwolf bietet sich für andere Journalisten quasi das Best Practice Beispiel an, wie man es richtig macht. Obwohl erst seit 13.2 dabei hat er sehr schnell erfasst worum bei Twitter geht und nutzt das Medium äußerst smart, um dabei mit den Sehern in Kontakt zu treten, sich Anregungen zu holen, Fragen zu beantworten, aber auch um eigene Botschaften zu verbreiten, wie zum Beispiel bei einer interessanten Diskussion über die ORF-Gebühren. Natürlich ist da auch ein Stück Eigenvermarktung dabei, aber die ist uns wohl allen nicht fremd. Die Frage ist allerdings, wie lange das gut gehen kann? Derzeit wird Twitter nur von einer relativ kleinen Gruppe technik- oder webaffiner Personen genutzt, auch wenn Armin Wolf derzeit schon über 1500 Follower hat, so ist mit der immer stärkeren Verbreitung von Twitter damit zu rechnen, dass seine Followerzahl jenseits der 10 oder 20.000 liegen wird. Jeder kann sich vorstellen, dass es dann nicht mehr so einfach sein wird, einen “persönlichen” Kontakt herzustellen und auf alle Fragen zu antworten.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich hier den Stream von @georgholzer, einen freien Journalisten, der vorwiegend über Technik bei der Kleinen Zeitung und der Tiroler Tageszeitung schreibt. Gegen ein paar Follower mehr hat Georg bestimmt nichts!-) Ich hab mir letzte Woche die Mühe gemacht zu recherchieren, welche Journalisten in Österreich denn nun twittern. Die Liste ist natürlich Work in Progress und ich freue mich über weitere Hinweise und Korrekturen und werde diese laufend erweitern.

ACHTUNG: Diese Liste wird nicht mehr aktualisiert. Statt dessen gibt es die Liste auf Twitter http://twitter.com/#!/geraldbaeck/austrian-journalists

Name Ressort Medium TwitterName
Christian Ankowitsch Literatur frei @ankowitsch
Josef Barth Innenpolitik Profil @josefbarth
Ina Bauer ATV @inabauer
Lukas Bauer Musik, Politik Radio Soundportal @tobecutadrift
Matthias Bernold Falter @mgbernold
David Bogner Vice Austria @ViceAustria
Martin Blumenau Musik, Fußball, Popkultur FM4 @martinblumenau
Dieter Bornemann Wirtschaft ORF @DieterBornemann
Ingrid Brodnig Politik Falter @brodnig
Iris Burtscher Vorarlberger Medienhaus @irisbu
Matthias Cremer Fotograf Der Standard @Matthias_Cremer
Florian Danner News Puls4 @floriandanner
Roman David-Fraihsl Politik Der Standard @Freihsl
Janos Fehérváry chilli.cc @fehervary
Michael Fiala Sport, Tourismus frei @michaelfiala75
Alexandra Föderl-Schmid Politik Der Standard @foederlschmid
Eberhart Forcher Pop Ö3 @eberhardforcher
Dave Dempsey Web, Entertainment FM4 @daddyd
Hans Dichand Vorhof der Macht, Leserbriefe Krone @HansDichand
Alfred Dier Motor oeamtc.at @alfreddier
Christian Drastil Börse, Wirtschaft Börse Express @drastil
Philip Dulle NEWS @philipdulle
Ulrich Dunst Wirtschaft Kleinezeitung @ulrichdunst
Andrea Maria Dusl Ratgeber Falter @Comandantina
Harald Fidler Medien Der Standard @schmecks
Beate Firlinger Integration frei @befir
Rainer Fleckl Sport Kurier @FLECKL
Euke Frank Mode, Schmuck WOMAN @EukeFrank
Florian Gasser Datum @FlorianGasser
Daniel Gebhart Fotograf frei @dkg
Guido Gluschitsch Motor frei @derglu
Bernd Gossi Regionales BVZ @motorcash
Wolf-Dieter Grabner Fotografie frei @theflowcc
Roland Gratzer Kultur FM4 @grr_mono
Walter Gröbchen Pop, Kultur, Medien frei @Groebchen
Alois Gstoettner Fußball Null Acht @_alois
Clemens Haipl Unterhaltung FM4 @clemenshaipl
Harald Havas WIENER @Osolemirnix, @Wrz_der_Weise
Dominic Heinzl Gesellschaft ATV @DominicHeinzl
Michaela Holy Computerwelt @missresident
Georg Holzer Technik, Web frei, Kleine Zeitung @georgholzer
Margit Hinke Kunst, Social Networks frei @nobabe
Thomas Jäkle Wirtschaft Wirtschaftsblatt @jaekle
Marian Kallinger ATV Multimediaredaktion @MerryMarian
Nicole Kolisch Geek, Gesundheit Wiener, frei @nic_ko
Andreas Koller Innenpolitik Salzburger Nachrichten @andreaskoller
Michael Kraml Life Radio @michalaki
Stephan Krammer ATV Onlineredaktion @wobinido
Nina Koren Außenpolitik Kleine Zeitung @ninakoren
Katharina Kunisch News ATV @Kunischk
Florian Laszlo Motor, Börse Börsenkurier @FlorianLaszlo
Martin Leyrer Computer, Security, Datenschutz frei @leyrer
Andreas List Technik, neue Medien pressetext @andreaslist
Klaus Werner Lobo Wirtschaft frei @olobo
Sebastian Loudon Medien Horizont @SebastianLoudon
Veronika Mauerhofer frei @ronni_m
Corinna Milborn Wirtschaft frei @corinnamilborn
Alexander Millecker News ATV @alexmillecker
Robert Misik Politik, Philospohie frei, TAZ, Der Standard @misik
Thomas Mohr News SAT1 Austria @thomas_mohr
Florian Mratzek Motor frei @Flo_DriveStyle
Martin Muehl The Gap @muehlmartin
Susi Ondrusova Musik FM4 @sus_ond
Niko Ostermann Foto frei @i_koon
Michael Pekovics Regionales, Basketball, Chronik BVZ @MichaelPekovics
Christine Petzwinkler Börse Express @cpetzwinkler
Markus Pühringer Format @mpuehringer
Michel Reimon frei @michelreimon
Gerald Reischl Technik Kurier @geraldreischl
Werner Reisinger ORF, Club2 @WernerReisinger
Melanie Renner Vorarlberger Medienhaus @fenena
Alexandra Riegler Wissenschaft, Wirtschaft @neufrucht
Birgit Riegler Web dertsandard.at @Birgit_Riegler
Silvia Riegler Talk Life Radio @SilviaRiegler
Wolfgang Rössler Politik Kleine zeitung @WolfiRoessler
Thomas Rottenberg Gesellschaft, Politik frei @tomrott
Christian Sailer Freizeit Kurier @hundbarolo
Sylvia Saringer News ATV @sylviasaringer
Tom Schaffer Sport, Politik derstandard.at @schaffertom
Ernst Schmiederer Web-TV Blinklicht @DrBlink
Michael Schmid FM4 @michischmid
Bettina Schragl Börse Express @bettinaschragl
Lorenz Seidler Kunst, Netzkultur futurezone @eselat
Peter Sempelmann Trend @p_sempelmann
Hanno Settele Außenpolitik, USA ORF @HannoSettele
Sabine Stadlbauer Talk ATV @sabintheres
Katharina Spiegl Börse Express @katspiegl
Thomas Steiner Börse foonds @tomsteiner
Jakob Steinschaden Technik Kurier @jakkse
Ernst Sittinger Chronik Kleine Zeitung @ErnstSittinger
Helmut Spudich Technologie, Internet Der Standard @ojour
Martin Thuer Nachrichten ATV @martinthuer
Ingrid Thurnher News, Politik ORF @IngridThurnher
Barbara Toth Politik Falter @barbaratoth
Andreas Unterberger Politik frei @a_unterberger
Marcus Wadsak Wetter Ö3 @MarcusWadsak
Sasha Walleczek Ernährung ATV, Radio Arabella @SashaWalleczek
Thomas Weber The Gap @th_weber
Barbara Wimmer Web, Technologie ORF Futurezone @shroombab
Armin Wolf Nachrichten ORF, ZIB2 @ArminWolf
Claudia Zettel pressetext austria @ClaudiaZettel
Christoph Wurmdobler Falter @MCwurme
Anita Zielina Innenpolitik, Bildung derStandard.at @Zielina

Es gibt aber auch Journalisten, die sich bewusst dem Twittertrend verweigern wie zum Beispiel Harald Martenstein von der Zeit, seine Einwände klingen nicht unbedingt unplausibel. Naja, vielleicht was für einen späteren Blogbeitrag.

Kleine eday Nachlese

von Gerald Bäck am 10.03.09

eday09_logoLetzte Woche fand der eday der Wirtschaftskammer in der Hofburg statt. Für mich war es der erste, obwohl ich die Veranstaltung schon seit Jahren kenne, klappte es immer wieder aus verschiedenen Gründen nicht, hinzugehen. Für mich war vor allem interessant, wie das Web/Internet so außerhalb meiner Nerdwelt wahrgenommen wird. Das Ergebnis war interessant aber auch gleichzeitig ernüchternd.

Ich vergesse immer wie unterschiedlich die Bewertung und die Prioritäten sein können. Die Wirtschaftskammer ist, obwohl relativ mitgliederfreundlich, vor allem eins: Ein Amt. Und dementsprechend war auch das Themensetting ausgerichtet. Es ging sehr oft um die Bürgerkarte, e-card, virtuelle Amtswege, die Sozialversicherung und ähnliches. Alles Dinge die im Alltag eines Unternehmers zwar einen gewissen Stellenwert haben, der aber eher nur am Rand wichtig ist. Für mich jedenfalls nehmen diese Themen zum Glück keinen großen Raum ein. Wenig die Rede war vom Demokratisierungspotenzial oder einfach den Spaß, den man im Netz haben kann. Aber das hätte ich auch nicht erwartet.

Noch eine wichtige Tatsache musste ich gleich am Anfang bemerken. Der eday ist keine Veranstaltung für Geeks oder Nerds, sondern eher für Teilnehmer, die sich zum ersten mal mit einer Materie beschäftigen. So ist es auch erklärlich, dass man ausgerechnet einen relativ langweiligen Typen vom noch langweiligeren Dienst XING eingeladen hat, um die Keynote zu halten. Die beinhaltete dann auch nichts neues außer den üblichen Chancen und Gefahren des Web2.0 Sermon und natürlich, dass XING ganz toll sei. Interessanterweise diskutierte man bei der anschließenden Podiumsdiskussion meistens über Facebook und nicht über XING, woran das wohl liegen mag?-)

Schon während der Keynote kam eine sogenannte Twitterwall zum Einsatz, die, wie sich herausstelle, aber auch gar nichts mit Twitter gemein hatte. Man musste eine SMS an eine bestimmte Nummer schicken und die Nachricht erschien dann auf der großen Videowall im Style einer Chatnachricht, welche wiederum manchmal vom Moderator in die Diskussion eingebracht wurde. Prinzipiell finde ich die Idee gut, auch nicht Twitter-Nutzern, die Möglichkeit zu geben, einmal ins Thema Microblogging reinzuschnuppern, aber warum man dann nicht auch einfach den Hashtag #eday oder #eday09 ebenfalls in die “Twitterwall” eingebunden hat und warum die Applikation mit “Twitter Dir den eday” beworben wurde, obwohl man nichts twittern konnte, bleibt mir ein großes Rätsel. Zumal es sich bei der ausführenden Firma Gentics nicht gerade um Ahnungslose handelt oder vielleicht doch?

Relativ unangenehm war auch, dass manche Vorträge zu reinen Webeveranstaltungen für die Vortragenden oder deren Unternehmen missbraucht wurden. Niemand hat etwas dagegen, dass jemand sein Unternehmen und seine Dienstleistungen vorstellt. Aber, wenn es ausschließlich darum geht, Werbung zu machen, geht auch schnell der Informationswert verloren. So gesehen beim Block über Werbung und Marketing von Handelsunternehmen im Netz von Unternehmen, die ich jetzt ausdrücklich nicht nenne.

Sehr profitieren konnte ich vom Block über Wissensmanagement. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ich mich mit dem Thema vorher nie beschäftigt hatte und somit als relativer Laie zu den Vorträgen ging. Mein jetziges Wissen ist zu gering, um darüber mehr zu sagen, als dass ich die Vorträge spannend fand und mich in Zukunft mehr mit dem Thema und seiner Umsetzung in meinem Unternehmen beschäftigen werde. Andere Blogger/Twitterer fanden die Vorträge über TOR und die abschließende Diskussion am eday mit @peterpur und @datadirt spannend, die ich nicht mehr besuchen konnte.

Abschließend kann ich sagen, dass der eday durchaus meinen Erwartungen gerecht wurde. Ich werde beim nächsten mal wieder kommen, aber nur mehr Vorträge besuchen, wo ich relativ wenig Ahnung vom Thema habe und die Allerweltskeynotes auslassen. Vielleicht wird dort dann auch wirklich getwittert!-)

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