Katholische Taliban? WTF?

von Gerald Bäck am 9.02.09

Als Katholik wird man von Gott in den letzten Tagen schon gehörig auf die Probe gestellt. Wenn gerade Wiederaufgenommene den Holocaust leugnen oder ein frischgebackener Weihbischof in Harry Potter Romanen den Satan persönlich erkannt haben will, kommt man schon ins Grübeln, was sich der Heilige Geist dabei gedacht haben mag. Aber solche Krisen sind eben nicht der Zeitpunkt sich von der Kirche abzuwenden, sondern die Kirche aktiv und mit dem Gebet zu unterstützen. Das mag jetzt für viele meiner Leser befremdlich klingen, aber über Glaubensfragen kann man ohnehin nicht diskutieren. Noch nie waren die Antworten der Kirche auf die Probleme unserer Zeit so angebracht. Lange Zeit war zum Beispiel Papst Johannes Paul ein einsamer Rufer gegen den Raubtierkapitalismus, aber das wird gerne vergessen, wenn ein Pfarrer aus Windischgarsten aber auch keinen Fettnapf auslässt. Leider verpasst hier die Amtskirche viele Möglichkeiten Alternativen anzubieten zu Gunsten einer Öffentlichkeitsarbeit, die vor allem aus rotzigen Sagern besteht.

Für mich befremdlich ist aber, woher die große Empörung kommt. Ich kann noch verstehen, wenn sich die deutsche Bundeskanzlerin – obwohl evangelische Pastorentochter – berufen fühlt, zum Holocaust-Leugner Williamson Stellung zu nehmen, da sich für sie ein Art historische Verpflichtung ergibt. Aber was denkt sich zum Beispiel der von mir sehr geschätzte Robert Misik dabei, wenn er die Katholiken pauschal mit den Taliban in einen Topf wirft? Mit den den Taliban? Mit einer Terrorvereinigung verantwortlich für 9/11, für öffentliche Massenhinrichtungen, Steinigungen, Folter und noch viele andere menschenverachtende Grauslichkeiten. Werden da nicht vor allem Ressentiments aus der ideologischen Mottenkiste ausgegraben, wenn zum Kirchenaustritt aufgefordert wird? Misik ist dabei aber nicht alleine, den Hang, Katholiken zum Austritt aufzufordern, hat er mit Florian Klenk und mit dem mittlerweile bekennenden Katholiken Werner Faymann gemeinsam.

Neben diesem offensichtlichen Begleichen alter ideologischer Rechnungen, stößt mir vor allem die Vehemenz sauer auf, mit der die Kirche kritisiert wird. Unter dem Gesichtspunkt der gesellschaftpolitischen Relevanz, die die katholische Kriche noch hat, ist diese nämlich schwer überzogen. Bischofsbesetzungen sind nach den Katastrophen Groer und Krenn zu einem Medienspektakel geworden, bei dem  jede Aussage des Ausgewählten auf die Goldwaage gelegt, jeder Pfarrbrief aus dem Jahre Schnee nachgelesen wird, um noch eine politisch korrekt empörte Kolumne schreiben zu können. Mein persönlicher und zugegebenermaßen rein subjektiver Eindruck ist, dass jedem Hassprediger in einer Wiener Moschee mehr Verständnis entgegenbracht wird als jedem einzelenen Wiener Pfarrer.

Zum Schluss eine kleine Klarstellung. Ich teile die kolportierten Aussagen von Weihbischof Wagner zum Großteil nicht, aber ich weiß, dass diese eben nicht repräsentativ für unsere Kirche sind. Also: Austrittsaufforderungen sinnlos!-)

Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Internetdebatte im Falter fortgesetzt werden sollte.

Lorenz != Quote != Qualität

von Gerald Bäck am 2.02.09

Wolfang “Scheiß-Internet” Lorenz hat wieder zugeschlagen. In einem Interview mit der APA zum Ende der vierten Starmania-Staffel gab er folgendes zu Protokoll:

“Solchen jungen Menschen eine Chance zu geben, ist der Sinn solcher Shows. Die Sinnhaftigkeit erklärt sich also von selbst”, unterstrich Lorenz. Die Quoten seien ihm gemessen daran “wurscht”. (APA0105 5 KI 0613 MI)

Also ist Starmania doch ein intellektuelles Kulturprogramm? Geht es dabei ausschließlich um die Unterstützung junger Talente, die sich mit dem Nachsingen von seichten Popsongs unter dümmlichen Kommentaren von Arabella Kiesbauer ihre ersten Sporen verdienen sollen? Diese Teilnehmer sehen das mittlerweile wohl etwas anders. Es gehört schon eine besonders große Portion Zynismus dazu, so über eine Sendung zu sprechen, deren Konzept vor allem darauf aufbaut, junge Menschen in einer  Freakshow vorzuführen.

Wrabetz, Kiesbauer & Lorenz im Starmania Studio

Wrabetz, Kiesbauer & Lorenz im Starmania Studio

Erinnert sich noch jemand an die “Größte Programmreform aller Zeiten”, die von Lorenz konzipiert wurde und sich letztlich zum größten Flop aller Zeiten entwickelte? Damals meinte er in einem Interview mit der Zeit zum Thema Qualität und Quote:

Qualität und Quote sind kein Widerspruch, sondern eine Übereinstimmung, an die ich glaube. Sonst hätte ich nicht so lange beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gearbeitet. Die Frage ist nur: Wer beurteilt Qualität, und wie geht man mit Quote um?

Über den Misserfolg seiner Programmreform braucht sich niemand mehr zu wundern, wenn seine Beurteilung der Qualität am Beispielt Starmania so aussieht. Mit schlechten Quoten hat Lorenz Erfahrung, sein Problem ist nur, er hat keinerlei Erfahrung mit qualitativ hochwertigen Sendungen. Ich bin schon gespannt, wie uns die schlechte Quote der nächsten Tanzsendung verkauft werden wird. Vielleicht mit dem viel wichtigeren Integrationsgedanken durch Teilnehmer mit Migrationshintergrund wie “Dem Inder” aus der tele.ring Werbung? Da kann einem die Quote auch wurscht sein, oder?

Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Internetdebatte im Falter fortgesetzt werden sollte.

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