Laizismus-Initiative? Lieber nicht.

von Gerald Bäck am 21.02.09

Wie schon letzte Woche gebloggt geht in Österreich gerade die ideologisch geprägte Empörung gegen die katholische Kirche um. Unberechtigt ist und war diese Empörung natürlich nicht, aber man muss sich dabei immer die Frage stellen, was der jeweilige Journalist damit bezwecken möchte. Meist geht es dabei meiner Meinung nach eher um eine Beschädigung der Kirche als um eine Verbesserung der aktuellen Zustände. Dass man sich auch anders mit den aktuellen Ereignissen rund um Bischofsbestellungen und Holocaust-Leugner auseinandersetzen kann, zeigt dieser Beitrag von andrea me.

Als direktes Produkt aus der Debatte rund um die katholische Kirche, aber natürlich auch aus den Ereignissen in Zusammenhang mit dem islamischen Religionslehrer, der laut verschiedener Medien antisemitische Flugzettel in Religionsunterricht verteilt haben soll, hat sich eine sogenannte Laizismus-Initiative im Netz gebildet. Diese Initiative wird in der österreichischen Blogging- und Microblogging Szene meinem subjektiven Eindruck nach relativ gut angenommen und sorgt zumindest für ordentlich Buzz im Twitterversum. Ich kann nicht verhehlen, dass ich als gläubiger Katholik dem ganzen relativ skeptisch entgegen sehe, trotzdem habe ich mir mal angesehen, was dort so gefordert wird.

Falsch interepretierte Toleranz und historisch bedingte Unaufgeklärtheit führten dazu, dass Religion an Schulen unterrichtet werden darf, es aber vom Staat eine willkürliche Festlegung gibt, wem dieser Unterricht zusteht. (http://www.laizismus.at/was-will-die-laizismus-initiative/)

Die Abschaffung des Religionsunterrichts scheint die zentrale Forderung dieser Initiative zu sein. In der Tat gibt es Probleme beim Religionsunterricht an staatlichen Schulen. Da wäre mal, dass es anscheinend keine ausrechenden Kontrollmöglichkeiten für die Schule gibt. In der Praxis betrifft dies zwar vor allem die islamischen Religionslehrer, aber eine solche Kontrollmöglichkeit mit damit verbundenen Sanktionsmöglichkeiten durch den Schulinspektor oder jeweiligen Landesschulrat muss natürlich gegeben sein. Das Festlegungen und eingezogene Grenzen immer willkürlich erscheinen und es bis zu einem gewissen Grad auch sind, ist für mich klar. Schließlich durfte ich bis einen Tag vor meinem achtzehnten Geburtstag nicht wählen und am nächsten Tag schon, obwohl sich logisch und faktisch wenig geändert hatte. Wenn ich mich an meine Schulzeit zurück erinnere war der Religionsunterricht jedenfalls eines der spannenderen Fächer, meist mit besseren Pädagogen besetzt und lebendiger gestaltet als der Rest des relativ tristen und humorlosen Schulalltags. Im Religionsunterricht, wie ich ihn erlebt habe, war mitdenken und mitdiskutieren im Gegensatz zur stupiden “Friss oder Stirb” Methode in den meisten anderen Fächern möglich. In der aktuellen Debatte gewinnt man den Eindruck, als wäre der Religionsunterricht etwas schlimmes, gemeines, dass unseren Kindern eine Lebensweise aufzwingen möchte. Das Gegenteil ist der Fall, er ist ein Angebot, das sollte auch so bleiben.

Aber auch die anderen Sonderrechte der Religionen haben in einer Demokratie schon alleine deshalb keine Berechtigung, weil sie diskriminieren. So betrachten beispielsweise Gläubige ihre nicht nachweisbaren religiösen Gefühle als besonders schützenswert, während ähnliche Gemütszustände im Strafgesetzbuch keinen entsprechenden Schutz erfahren. (http://www.laizismus.at/was-will-die-laizismus-initiative/)

Da haben sie vollkommen recht. Satire, Presse- und Meinungsfreiheit sind meiner Meinung nach um einiges höher zu bewerten, abgesehen davon ist so etwas immer schwer nachzuweisen. Für alles andere gibt es den allgemein gehalteneren Tatbestand der Verhetzung, das dürfte wirklich ausreichend sein.

Daneben gibt es noch eine Reihe anderer rechtlicher Sonderstellungen von Kirchen und Religionsgemeinschaften, die im Vergleich zum Religionsunterricht von nachgelagerter Priorität sind und daher hier nicht näher erläutert werden (http://www.laizismus.at/was-will-die-laizismus-initiative/)

Was damit gemeint sein könnte, kann man nur vermuten. Für jeden, der unterschreibt, besteht aber ein gewisses Risiko, dass später neue Forderungen unter diesem Titel dazu kommen. Ich mutmaße, damit sind folgende Dinge gemeint:

  • Das Konkordat
  • Die Kooperation zwischen Finanzamt und Kirche im Rahmen des Kirchenbeitrags
  • Die Kreuze in den Schulklassen

Unser Staat und unsere Gesellschaft beruhen auf einer christlichen Basis. Diese Basis ist eben nicht Zeichen einer vermeintlichen Repression, sondern ein Symbol für unsere Wurzeln und unsere ethische Basis, auch als Abgrenzung zu repressiveren Gesellschaftsentwürfen. Zu dieser Basis gehört für mich auch die Religionsfreiheit, die es eben auch erlauben (nicht verpflichten) muss, dass unsere Kinder in der Schule Religionsunterricht erhalten. Der Staat kann auch Religionsgemeinschaften nicht vollkommen ignorieren und muss sich bei allem Verständnis für die Trennung von Kirche von Staat mit diesen in irgendeiner Art und Weise arangieren. Und nichts anderes tun dabei die Verträge zwischen Staat und Glaubensgemeinschaften, manchmal eben auch Konkordat genannt.

Update: Wie Niko Alm bereits in seinem Kommentar bemerkt hat, besteht die Gefahr, dass jetzigen Unterstützern später weitreichendere Forderungen “untergejubelt” werden, nicht. Danke für den Hinweiß: http://www.laizismus.at/beta

Alles klar, Herr Komissar?

von Gerald Bäck am 19.02.09

Austria vs EUIn den letzten Tagen war in allen Medien nachzulesen, dass sich ÖVP und SPÖ bereits darauf geeinigt hätten, dass die ÖVP auch in der nächsten EU-Komission den Komissar stellen darf. Das passt natürlich zu Faymanns Anti-EU-Kurs, den er seit seinem Kniefall vor Onkel Hans verfolgt. Denn wenn man sich das Beispiel der ÖVP ansieht, bemerkt man dass so ein Komissar innenpolitisch kaum messbaren Zuspruch beim Wähler bringt. Schon gar nicht in den kurzfristigen Dimensionen, in denen unser Bundeskanzler denkt.

Abgesehen davon zeugt dieser Deal auch nicht wirklich von ausreichendem Verständnis der europäischen Institutionen. Denn die Bildung der Komission ist logischerweise um es mit Sinowatz zu sagen sehr kompliziert. Mit einer starren Festlegung auf eine Partei und wahrscheinlich auf eine Person, nimmt sich die Regierung selbst jeglichen Handlungsspielraum in den kommenden Verhandlungen um die Komission und wird einmal mehr die Rolle des kompromisslosen Sturschädels geben.

Der eigentliche Skandal an diesem großkoalitionären Kuscheldeal ist aber nicht, dass sich dafür die SPÖ auch den nächsten ORF-Chef gesichert hat. Dieses Abtäuscheln von Positionen ist der gelernte Österreicher ja schon gewohnt und schließlich ist es auch vollkommen wurscht, ob der nächste Dilettant an der ORF Spitze Rot oder Schwarz ist.  Das Problem ist vielmehr das völlige Negieren der bevorstehenden Wahlen zum EU-Parlament, die schließlich die Grundlage für die Bildung der Komission bilden sollten. Das heißt also egal wie die Wahlen ausgehen, die ÖVP wird den Komissar stellen. Wäre ja noch schöner, wenn der Wähler darauf einen Einfluss hätte. Die Grünen fürchten sich wenigstens vor dem Wähler und nominierten deswegen Voggenhuber nicht, das zeugt zumindest von ein wenig Respekt, wenn auch etwas fehlgeleitet. ÖVP und SPÖ sind da schon etwas weiter, ihnen ist der Wähler wurscht.

Mein Schluss daraus ist, dass die ÖVP auf meine Stimme diesmal wohl keinen Wert legt. Diesen Wunsch werde ich selbstverständlich respektieren!-)

Buchkritik: Corporate Blogs von Klaus Eck

von n.baeck am 16.02.09

corporGuter Einstieg für Nochnichtblogger und PR-Profis.

Viele Kommunikationsprofis, die in und für Unternehmen arbeiten, stehen noch immer vor der Frage: Web 2.0. und Blogs sind wichtig für eine integrierte Kommunikation, aber wie kann ich das in die Unternehmenskommunikation professionell einbauen? Kann ich Entscheidungsträger jenseits der 30 überhaupt erreichen? Und macht es überhaupt Sinn, wenn ich nicht gerade ein cooles neues Produkt einführe oder für den IT-Bereich arbeite? Nach der Lektüre des Buches Corporate Blogs von Klaus Eck hat man zumindest eine Grundahnung, was machbar ist und was nicht. Wenn man von den üblichen Phrasen und Statistiken am Beginn des Buches absieht, unterscheidet sich Corporate Blogs vom Großteil der PR-Fachliteratur insofern, dass die Beispiele und Tipps in der täglichen Arbeit wirklich weiterhelfen können – inklusive der von vielen sehr geliebten Checklisten. Für die PR-Praktiker wirklich interessant sind vor allem die zwei Kernthemen von Eck: Erstens, wie kann ein Unternehmen oder Institution mit Bloggern umgehen. Es handelt sich bei Bloggern ja um nichts anderes als neue Stakeholder, die mit ihren ganz spezifischen Interessen und Medienverhalten ernst genommen werden müssen. Zweitens, wie muss ein erfolgreiches Corporate Blog ausschauen, was kann ein Unternehmen wirklich damit erreichen? Ein Mitarbeiter-Blog, Kampagnen-Blog, Customer Service Blog oder gar einen CEO-Blog sind technisch schnell eingerichtet, aber es er gelten bestimmte Regeln, um diese erfolgreich zu machen. Vor allem gilt in der Blogosphäre eine Nettiquette, deren Verletzung nach hinten los gehen kann. Aber auch da hat Eck gleich den richtigen Tipp: Wie kann ich einen Blog für die Krisen PR nutzen.

Für echte Blogger bringt es nichts wirklich Neues, für Kommunikationsprofis ist es ein guter Einstieg in die Möglichkeiten des Web 2.0. Auf jeden Fall macht das Buch eindeutig und anschaulich Schluss mit dem Vorurteil, dass Bloggen nicht wirklich businessrelevant und nur ein Spaß von ein paar engagierten Privatpersonen ist. Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei Klaus Ecks PR- und Marketing-Blog unter www.pr-blogger.de empfohlen. Ein wichtiger Punkt: Klaus Eck hat wirklich Ahnung und vor allem Erfahrung; man nimmt ihm ab, was er sagt.

INFORMATIONEN ZUM BUCH:

Titel: Corporate Blogs
Autor: Klaus Eck

Verlag: Orell Füssli (Februar 2007)
ISBN-10: 328005222X
ISBN-13: 978-3280052228

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