Jugend und Politik – parallele Welten?

von Gerald Bäck am 31.12.08

Vor ein paar Tagen erschien ein sehr interessanter Artikel im Standard. Der Artikel beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass die Mehrheit der Jugendlichen bei der letzten Nationalratswahl Blau oder Orange gewählt haben. So weit, so bekannt. Als “Experten” holt sich der Standard dabei ausgerechnet Luigi Schober. Schober teilt zwar seine Analyse mit einer im Vorjahr erschienen Jugendwertestudie, indem er Strache “einen Zufallsgewinner des soziokulturellen Wandels” nennt und den Großparteien unterstellt, eben diesen Wandel verpasst zu haben. Leider bleibt Schober eine Erklärung schuldig, wie sich dieser Wandel ausdrückt bzw. wie man diesen Wandel erfolgreich anspricht. Aber wahrscheinlich wären ohnedies nur die üblichen Phrasen á la alles wird immer schnelllebiger, die Globalisierung, der Relativismus und das Fehlen echter Vorbilder genannt worden. Halten wir also es fest, es gibt einen Wandel, den keiner nützen kann außer Strache und der nur zufällig.

Aber Herr Schober hat trotzdem eine Lösung: Die Nutzung von “Facebook, Twitter und andere Web-2.0-Produkte”. Jaja, so einfach kann es gehen. Wiedermal muss das Web als Allheilmittel herhalten. Der Stehsatz politischer Parteien nach erfolglosen Wahlen: “Wir müssen unsere politischen Botschaften nur besser kommunizieren” gewinnt dadurch eine weitere sinnlose Dimension. Kein Wort über Inhalte, es geht wiedermal nur um den Transport von mainstreamigen Botschaften. Dass aber genau das das Problem sein könnte, wird nicht in Erwägung gezogen. Unsere politischen Kommunikatoren spindoktoren so lange an politischen Inhalten herum, bis nur mehr leere Hülsen übrig bleiben. Und genau diese stromlinienförmige Floskelpolitik ala Faymann und Pröll haben vor allem die Jugendlichen satt.

Vor einigen Jahren nahm ich einem Chat der Blackbox mit dem damaligen ÖGB-Chef Verzetnitsch teil. Die ganze Zeit über war Verzetnitsch bemüht, möglichst unverbindliche Antworten zu geben. Gegen Ende des Chats stellte ich ihm die Frage, ob er denn Rapid- oder Austria-Anhänger sei, um wenigstens eine eindeutige Antwort zu bekommen. Seine Antwort war sinngemäß, dass er Anhänger des Nationalteams sei. Ich habe es später weitgehend aufgegeben, an Politikerchats teilzunehmen, wenn die schon zu feig sind, sich zu einen Fußballklub zu bekennen, was kann man dann bei komplexeren Sachverhalten erwarten?

HC Strache hatte leider eindeutige Inhalte, die lauteten: “Ausländer Raus”. Das ist zwar nicht die Botschaft, die mich anspricht, aber bei ihm weiß man wenigstens, worum es geht. Alle anderen Parteien inklusive Grüne hatten keine erkennbare Botschaft und dann hilft auch das beste und tollste Web 2.0 Konzept nichts. Übrigens waren die Wahlgewinner BZÖ und FPÖ jene Parteien, die Web 2.0 am wenigsten nutzen. Meiner subjektiven und empirischen unfundierten Meinung nach möchten Wähler im Allgemeinen und Jungwähler im Besonderen einfach eindeutiger Botschaften ohne Herumgeduckse, Parteien die wieder für etwas stehen, ihre Meinung auch vertreten und komplexe Sachverhalte nicht scheuen, das dann auch im Web 2.0.

Armin Thurnher voll daneben

von Gerald Bäck am 18.12.08

Armin ThurnherZugegeben, das Internet als ganzes wurde und wird oft als eine Art Heiliger Gral oder Eierlegende Wollmilchsau beschrieben. Nichts scheint unmöglich, kein Geschäftsmodell abstrus genug, kein Problem groß genug, dass es nicht das Internet lösen könnte. Auf der anderen Seite gibt es jene, die dem Internet mangelnde Qualität und Wahrheitsgehalt unterstellen, unser Jugend gefährdet sehen und den Untergang des Abendlandes beschwören. In diesen Chor stimmt auch Armin Thurnher in seiner dieswöchigen Kolumne ein und zeigt damit, dass er vom Netz recht wenig Ahnung hat.

Heinz Wittenbrink schreibt dazu sehr treffend in seinem Blog: “Wer das Internet nicht ernst nimmt, weil anonym Unsinn gepostet werden kann, darf den Falter nicht mehr ernst nehmen, weil die Krone ein Schmierblatt ist.” Wenn man sich dazu überlegt wie viel Unsinn in einer Ausgabe der Zeitung “Österreich” steht muss man schon länger suchen, um ähnlichen Schund im Internet zu finden.

Aber es geht hier gar nicht im einen Wettbewerb zwischen klassischen Medien und Medien im Internet, sondern darum das beste aus beiden Welten herauszuholen. Schlecht recherchierte Leitartikel mit weltfremden Forderungen wie “…, im Internet nur Menschen zur Publikation zuzulassen, die sich identifizieren..” helfen da allerdings wenig.

Armin Wolf diesmal daneben?

von Gerald Bäck am 17.12.08

ORFAlso ich weiß nicht so recht, was ich von Armin Wolfs Kommentar im heutigen Standard halten soll. Vor zwei Jahren trug er mit seiner Rede anlässlich der Verleihung der Robert Hochner-Preises an ihn nicht unwesentlich zu Abwahl Monika Lindners und damit zu Wahl von Alexander Wrabetz bei. Das war nötig und wichtig, denn in der ÖVP hatte sich eine Arroganz der Macht breit gemacht, die sich ganz massiv auf den ORF in der Form von Lindner und Mück auswirkte.

Aber wie ist die Situation heute? Eine offensichtlich gescheiterte ORF-Führung versucht mehr tollpatschig als kompetent einen wirtschaftlich strauchelnden ORF irgendwie aufzufangen. Der ORF ist aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch inhaltlich in der Krise. Die Eigenproduktionen geraten regelmäßig zum Quotenflop (Mitten im Achten) oder bewegen sich inhaltlich auf einem Niveau unterhalb des somalischen Grundwasserspiegels (Starmania, Dancing Stars, Karlich, Vera etc), einzig die Comedyschiene am Donnerstag und einen größeren politischen Freiraum für die Redaktionen können auf der Habenseite verbucht werden. Der politische Freiraum wird aber kaum genutzt, da selbst im Mittagsjournal auf Ö1 nach wie vor eher der vorauseilende Gehorsam gegenüber Politikern in Interviews dominiert. Aber Ö1 und FM4 bilden eine niveauvolle Ausnahme, das allerdings trotz und nicht wegen der derzeitigen ORF-Führung, die sich zum Glück abseits von Ö3 nicht ums Radio kümmert.
Read the rest of this entry »

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien