SuperAlex ist gescheitert

von Gerald Bäck am 28.11.08

Vom Ende des Regenbogens schreibt Gerhard Loub in Bezug auf die gestrige Enthüllung von ORF-General Wrabetz, man werde 1000 Mitarbeiter abbauen und eine rigiden Sparkurs im ORF fahren. Fakt ist, der Mann ist mit Bomben und Granaten gescheitert.

Wie war das noch vor zwei Jahren als eine bunte Koalition aus SPÖ, BZÖ, FPÖ, Grünen und ein paar ÖVPlern Monika Lindner durch Wrabetz ersetzte? Die Ablöse war notwendig. Zu heftig war die schwarze Gegenbewegung durch Werner Mück, der öfter im kleinen Kreis zu sagen pflegte, das er keinen Urlaub brauche, weil er ohnedies in jeder Redaktionssitzung am Roten Meer sei. Die Mission Lindners war es, einen SPÖ-dominierten ORF schwarz umzufärben. Das wurde so heftig übertrieben, dass sich eine so ungewöhnliche Koalition zusammen tun konnte, um Wrabetz zu wählen. Ohne diese Arroganz der Macht unter Lindner und der ÖVP wäre eine solche Allianz wahrscheinlich nie zu Stande gekommen.

Wrabetz der übrigens schon relativ unauffällig unter Lindner für die Finanzen verantwortlich war, weckte dann auch alle möglichen Erwartungen. Nicht zu unrecht wurde er dafür von Roland Düringer als Super-Alex aufs Korn genommen, damals wohl auch, um ihn eine wenig anzuschleimen.

Super-Alex der Retter des Küniglbergs

Wie sehr der Respekt gegenüber Wrabetzs Fähigkeiten abhanden gekommen ist, zeigt dieses Video aus Dorfers Donnerstalk:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=ikdfvH04GW0[/youtube]

Meine Frau und ich verweigern schon seit Jahren das Fernsehen und haben keinen Fernseher mehr zu Hause. Zugegebenermaßen eher wegen meiner Unfähigkeit selektiv fernzusehen!-) Aber auch die mangelnde Qualität des ORF war ein Faktor. Ein Faktor, der sich unter Wrabetz zum besseren hätte wandeln sollen. Aber was bleibt als seine Bilanz:

Die Liste könnte man noch lange erweitern. Die negative Entwicklung hat unter Zeiler begonnen und nimmt ihren vorläufigen Höhepunkt bei Wrabetz. Der ORF ist zu einer antiintellektuellen Trutzburg geworden, wo man sich an Ö3-Blödelei und Hochzeiten im Starmania Ballroom ergötzt und das dann auch noch zynisch als Infotainment verkauft.

Aber es gibt auch Lichtblicke, die trotz einer schwachen ORF-Führung existieren: Ö1 und FM4. Hoffentlich bleibt das auch weiterhin so.

Mein Wunschkabinett

von Gerald Bäck am 20.11.08

Während sich ÖVP und SPÖ gegenseitig nichtssagende Fragen und Antworten schicken, obwohl die Koalition schon lange feststeht, habe ich mein Wunschkabinett ohne Rücksicht auf Realisierbarkeit und Parteipräferenzen erstellt. Ich würde mich sehr über Widerspruch bei den Kommentaren oder über andere Blogposts mit Eurer eigenen Wunschregierung freuen.

Franz FiedlerBundeskanzler: Franz Fiedler
Der Mann ist unbestechlich und ein echter Sparefroh. Obwohl ÖVP nahe hat schon mehr als genug Kämpfe mit der ÖVP ausgefochten also ist er in der Sache auch überparteilich.

LacinaVizekanzler & Finanzminister: Ferdinand Lacina
Als alter konservativer muss ich zugeben, der Mann war einer der besten. Er hat Ahnung von seinen Geschäft und trotzdem ein soziales Gewissen. Ein echter Fachmann.

Innenminister: Alexander van der Bellen
Peter Pilz wäre zu extrem. Ihm würde es gehen wie einst Einem, der von einem feindlichen Beamtenapparat umgeben war. Van der Bellen ist konsensualer aber trotzdem der Polizei gegenüber skeptisch genug. Abgesehen davon wäre VdB ein Garant für einen menschlicheren Asylvollzug.

Umwelt-, Industrie- und Landwirtschaftsministerin: Monika Langthaler
Ein Superministerium unter dem Zeichen des Umweltschutzes. Langthaler sollte vor allem den Bauern und der Industrie mit ein bisserl Nachdruck zum Erreichen der Kyoto-Ziele verhelfen.

Wirtschafts- und Verkehrsministerin: Brigitte Ederer
Ederer ist einer der wenigen Sozialdemokraten mit Wirtschaftskompetenz und mir irgendwie sympathisch!-)

Kunstminister: Rudolf Scholten
Den konnte ich als Minister nicht leiden. Aber wenn man älter wird, lernt man anscheinend seine Expertise in Sachen Kunst zu schätzen. Und mal ehrlich es gibt keine einzigen Konservativen, der für den Job geeignet wäre.

UnterrichtsministerIn: ????
Mir fällt tatsächlich niemand ein, der erstens kein Lehrer (auch kein Handarbeitslehrer) ist, zweitens nicht ideologisch verblendet ist und drittens trotzdem für die Gesamtschule ist? Gibt es so jemand in Österreich?

Wissenschaftsminister: Anton Zeilinger
Der Mann kann immerhin beamen.

Sozial- und Arbeitsminister: Walter Tancsits
Ein ausgewiesener Sozialexperte und trotzdem kein dogmatischer Gewerkschafter. Außerdem ist er Franco-Bayer.

Gesundheitsminister: Werner Vogt
Hier braucht es jemanden, der bereit ist mit dem unter Korruptiosnverdacht stehenden Pharmareferentensystem und den Privatordinationen von Spitalsärzten aufräumt. Der Vogt könnte das wohl.

Justizminister: Heinz Mayer

Überparteilich und der Verfassung verpflichtet.

Außenminister: Erhard Busek
Als Außenminister brauchen wir keine vorsichtige Diplomatin und auch niemanden, der das Amt nur innenpolitisch Nutzen will. Busek ist mir äußerst unsympathisch, aber er ist ein wirklicher Experte in Sachen Mitteleuropa und könnte Österreichs beschädigten Ruf wieder etwas aufpäppeln.

Sportminister: Schneckerl Prohaska
Ok, ich will nur, dass er endlich nicht mehr im ORF kommentieren kann!-) Außerdem sind seine Wortspenden nach dem Ministerrat sicher ganz amü.. äh interessant.

So das war Sie. Ich bin gespannt auf Ergänzungen und Gegenvorschläge.

Faymann, Populist ohne Gnade!

von Gerald Bäck am 11.11.08

Trotz aller Widrigkeiten und Skandale konnte man sich auf die SPÖ im Ernstfall als staatstragenden Faktor in der Innenpolitik immer verlassen. Die SPÖ war, wenn es drauf ankam, immer eine konstruktive Kraft, sei es beim EU-Beitritt, bei der allgemeinen Budgetdisziplin selbst bei Hainburg oder Zwentendorf lenkte die Partei letztlich ein. Seit Werner Faymanns Unterwerfungsschreiben an seinen “Leider Nein” Pappa Hans Dichand ist es mit dieser konstruktiven Verlässlichkeit prinzipiell vorbei. Dieser Brief und die sich darin ankündigende Anti-EU-Haltung waren aber anscheinend nur der erste Sündenfall und der Beginn einer langen Kette populistischer Rülpser.

Einmal abgesehen davon, dass Faymann die strukturkonservativste Organisation Österreichs nämlich den ÖGB wieder voll in die SPÖ integriert hat, nahm das populistische Unsinn seinen weiteren Lauf mit dem viel diskutierten 5-Wahlzuckerl Programm. Faymanns 5-Punkte Programm ging übrigens ein massiver Wortbruch voraus, war es doch der selbe, der nur ein paar Wochen zuvor ankündigte, dass sich ÖVP und SPÖ vor der NR-Wahl nicht überstimmen werden. Noch am 7.7. anwortete Faymann in einem Interview mit der Zeitung Die Presse auf die Frage, warum er denn nicht gemeinsam mit der Opposition die Studiengebühren abschaffe, folgendermaßen: “Weil das eine Stilfrage ist. Ich will keine Schlammschlacht und gegenseitiges Überstimmen. Außerdem möchte ich keinen einzigen Tag auf Herrn Heinz-Christian Strache angewiesen sein.” Die Stilfrage dürfte Faymann inzwischen für sich beantwortet haben. Interessant ist auch die Tatsache, dass Herr Faymann den demokratischen Vorgang des Überstimmens gleich mit einer Schlammschlacht assoziiert, das liegt wahrscheinlich daran, dass die absolut regierende Wiener SPÖ jahrzehnte lange Erfahrung im Überstimmen hat. Keine 50 Tage nach diesem Interview begab sich Faymann dann doch sehr gerne in die Abhängigkeit von HC Strache. Wir sehen also, dass auch für SPÖ die Wahrheit doch lediglich die Tochter einer sehr kurzen Zeitspanne ist.

Über die Abschaffung der Studiengebühren ließe sich streiten, allerdings wäre eine ordentliche Erhöhung der Stipendien für jene Studenten, die es brauchen, allemal sinnvoller, wenn auch nicht so öffentlichkeitswirksam gewesen. Denn eine Stipendienerhöhung wäre ja ein Geschenk an die in der Bevölkerung nicht besonders angesehene Gruppe der Studenten, da klingt es doch gleich ungleich besser, wenn man Gebühren abschafft. Dass dabei ein großes Finanzierungsloch bei den Uni bleibt, auf diese Diskussion ließ sich Faymann und die SPÖ erst gar nicht ein. Über den eineinhalb Milliarden Euro teuren Versuch die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zu senken, wurde schon viel geschrieben. Es ist natürlich richtig, dass niedrigere Einkommen dadurch relativ zum Einkommen stärker entlastet werden, weil deren Ausgaben für Lebensmittel eben einen höheren Anteil an den Gesamtausgaben haben. Aber treffsicher ist die Maßnahme deswegen noch lange nicht. Wiedermal zählte für den Neffen Hans Dichands nur der plakative und nicht der konstruktive Effekt. Dass die Hauptprofiteure Billa und Spar gewesen wären, schien ihn wenig zu stören. Ich für meinen Teil sehe meine Steuergeld aber lieber bei anderen Institutionen als bei solchen, die Ihre Mitarbeiter so behandeln. Weniger ins Gewicht fallen da dann schon die beschlossenen Wahlzuckerl für die Pensionisten. Dass die ÖVP bei diesem Unsinn mitgemacht hat, vergrößert nur die Menge inkompetenten Politiker.

Weiter geht’s nach der Wahl mit der Bankenkrise. Da beschließen doch glatt die SPÖ und ÖVP eine Finanzspritze für unsere Banken und zwar mit der Begründung, dass es nötig sei, das Vertrauen der Anlager und Steuerzahler in unsere Banken zu stärken. Die Regierung stärkt also unser Vertrauen in unsere Banken mit unserem Geld. Ein wirklich toller Plan. Danke Herr Faymann, danke Herr Molterer. Die nächste Chance für Faymann seinen Hang zu simplen Lösungen zu präsentieren erhielt Faymann kurz darauf bei der AUA. Fast zwei Jahre lang war er der zuständige Minister für die AUA und schafft es, so handeln als wäre ihm das neu. Seine geballte Lösungskompetenz demonstrierte er sogleich mit der Bereitschaft, der Lufthansa für die Übernahme der Staatsanteile auch noch ein paar hundert Steuermillionen nachzuwerfen. Ja richtig, für die Übernahme einer Fluglinie gibt es neuerdings Geld vom Staat dazu.

Und schließlich zum populistischen Rülpser des Tages. Der zuständige Minister Faymann zur Post: “Die Post darf nicht zur AUA werden!” Aha, ebenso hätte er auch sagen können Äpfel dürfen keinesfalls Birnen werden. Die AUA hat vor allem ein Managementproblem, das der zuständige Minister schon länger hätte erkennen müssen. Die Post hat aber ein Strukturproblem, geschaffen durch eine für das Unternehmen ruinöse Universaldienstverordnung, die die Post zu Leistungen zwingt, aber diese Leistungen nicht vergütet. Dazu kommt eine große Masse an unmotivierten Mitarbeitern, geschaffen durch eine leistungsfeindliche Gewerkschaft und jahrzehntelanger massiver Parteibuchwirtschaft, die ihre mangelnde Leistungsbereitschaft bei jedem Besuch am Postamt aufs neue demonstriert. Aber genauere Analysen sind eben nicht die Sache des Kronenzeitung-Bettgehers. “Die Post darf nicht zur AUA werden!” hat ist eben schlagzeilentauglich und drauf kommt’s ja schließlich an.

Nur abschließend bemerkt heißt das aber nicht, dass die ÖVP und wer immer dort gerade das Sagen hat auch nur einen Deut besser wäre. Diese hat zwar positiverweise nicht diese Hang zum Populismus, aber kompensiert diesen doch ganz gut mit ihrem unbedingten Zug zur Macht und Machtausübung zu sehen an der Suspendierung Haidingers.

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