Boboville – Eine Enttäuschung

von Gerald Bäck am 27.10.08

Bei mir war alles auf Begeisterung, auf Buch des Jahres ausgelegt. Andrea Maria Dusl hat schon vor einiger Zeit ein neues Buch herausgebracht und ich hab’s erst jetzt gelesen.

Als eifrigerer Verehrer Ihrer Kolumnen im Falter habe ich mir diesmal eben besonders viel erwartet, auch wegen des Themas. Ich selbst habe mich zwar lange Zeit geweigert, ein Bobo zu sein bzw. mich als solcher bezeichnen zu lassen, aber irgendwann musste ich doch bemerken, dass ich zumindest eine Mischung aus Bobo und Nerd bin. Ok, für einen Nerd zu wenig geekig und für einen Bobo zu konservativ, aber eben doch eh auch schon.

Aber zurück zum Buch, es geht dort zu allererst nicht um Bobos oder Boboville, sondern um Dusl selbst. Und genau da beginnt das Problem. Dusl ist 47 also 11 Jahre älter als ich und damit betreffen mich ihre Kindheitserinnerungen – darum geht’s zu einem guten Teil im Buch – kaum. Bonbongeschäfte, Klavierunterricht, Nougatleberknödel, rohrstaberlschwingende Klosterschwestern etc. das alles kenne ich nicht. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn es denn interessant geschrieben wäre.Ich kenne ja schließlich auch die Welt Thomas Bernhards kaum und trotzdem finde ich seine Literatur fesselnd. Apropos Thomas Bernhard, Dusl selbst beschreibt ihren Stil als eine Mischung zwischen Thomas Bernhard und Pippi Langstrumpf, ich konnte dabei sehr viel von Pippi und wenig von Thomas finden. Durchs ganze Buch zieht sich kindlicher Kurzsatzstil – wobei Dusl ein besonders großer Fan des  Partizip Präsens sein dürfte – mit durchaus phantasievollen Wortschöfpungen wie Masupilamischwanz, Zitronengrasschmalz oder Schlechtehaartagfrisur, der aber letztlich genau einen Absatz lang nicht nervt. Im Buch kommt natürlich die ganze Bobo-Prominenz vor: Kehlmann,
Glavinitsch, Supermutti Knecht und die ganze Falter-Redaktion,
Phreak2.0, Platzgummer und was weiß ich noch wer. Es bleibt aber beim intensiven, öden Namedropping.

Ich hab mich trotzdem durchgebissen in der Hoffnung ein paar Schmankerl zu ergattern und die gibt es auch zum Beisiel wenn Dusl über SMS und das reaktionäre Element des T9-Systems schreibt oder die Problematik mit dem Gutmenschensein messerscharf analysiert. Letztlich gehen diese aber nie über kolumnenlänge hinaus und werden nahtlos in Langeweile übergeführt. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, das Buch wäre noch nicht fertig, es erscheint zu überhudelt, zu kindlich, zu platt. Vielleicht kommt ja mal eine zweite Auflage.

Links:
News zu Boboville
Dusl Interview mit der Presse
http://derstandard.at/?url=/?id=1224776298927
http://leselustfrust.blogg.de/eintrag.php?id=231

ÖVP und FPÖ pfeiffen aufs Wahlgeheimnis

von Gerald Bäck am 23.10.08

Ob Herr Dörfler eine gute Wahl war oder nicht, wird sich noch zeigen, aber man gewinnt in den letzten Tagen ohnehin den Eindruck, dass diesem Bundesland keiner mehr helfen kann. Interessant und gleichzeitig skandalös empfinde ich aber das Verhalten der ÖVP und FPÖ. Weniger, dass diese den Kandidaten der stärksten Partei zum Landeshauptmann gewählt haben, sondern wie, ist das Problem.

Wenn alle ÖVPler ihre Wahlzettel erkennbar paraphieren und der FPÖ-Abgeordnete sogar öffentlich wählt, kann man im besten Fall mangelnde Intelligenz unterstellen. Welchen Sinn hat denn eine geheime Abstimmung wenn diese von einigen Abgeordneten trickreich ausgehebelt wird? Es ist eine Sache, sich nach oder vor einer geheimen Wahl dazu zu bekennen, aber diese auch physisch nachzuweisen verletzt das Recht der anderen Wahlteilnehmer, ebenfalls geheim abzustimmen. Gerade unter politischen Funktionsträgern sollte die demokratische Verantwortung etwas ausgeprägter sein.

Links:
http://derstandard.at/?url=/?id=1224256239253
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/424786/index.do
http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20081023_OTS0282&ch=politik

Real Life Nude Patch

von Gerald Bäck am 22.10.08

Dass Sicherheitsfanatiker nicht ganz stubenrein sind, diese Vermutung hatte ich schon länger. Wer schon einmal am Flughafen aus der Schlange treten musste, weiß was ich meine. Aber jetzt hat die internationale Sicherheitshysterie einen neuen Höhepunkt erreicht.

Mich erinnert das an Nude Patches, die man für Computerspiele runterladen kann und schon steht die ohnehin meistens spärlich bekleidete Nachtelfin, Lara Croft oder Zelda nackig da. Jetzt soll es so eine Möglichkeit auch im “Real Life” geben. Das Opfer muss nur die Arme heben und schon tasten elektromagnetische Strahlen den Körper ab und geben ein Nacktbild auf den Bildschirm aus.

Mir persönlich ist es wirklich egal. Wenn jemand meinen übergewichtigen Körper unbedingt am Bildschirm sehen will, betrachte ich das als Kompliment, aber ich kann mir schon lebhaft vorstellen, welche Bemerkungen fallen werden, wenn die nächste Mädchenschulklasse durch den Scanner muss.

Natürlich wird von den so genannten Sicherheitsexperten versichert, dass keine Aufzeichnungen gemacht würden, die Gesichter unkenntlich wären und selbstverständlich alles ganz seriös und ernst gehandhabt würde. Die Geschichte der Sicherheitstechnik hat aber gezeigt, dass solche Möglichkeiten immer ausgenutzt werden. Das zeigt sich in  italienischen Abhörskandalen, bei der Aktenhandhabe im Innenministerium, beim Vorgehen der Behörden gegen Tierschützer. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis zum Beispiel Nacktaufnahmen von Prominenten im Internet auftauchen werden, schlimmere Dinge kann sich wohl jeder selbst vorstellen.

Der eigentliche Skandal an der Sache ist, dass die EU-Kommission die Genehmigung dieser Scanner am Parlament vorbei winken will. Zum Glück gibt es noch ein paar Abgeordnete wie zum Beispiel Eva Lichtenberger von den  Grünen, die sich dagegen im Europaparlament zur wehr setzt. Nützen wird es aber wohl nix.

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